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Europa

Inflation in der Eurozone in der Detailbetrachtung – alles bestens im Sinne der EZB?

Die Inflation in der Eurozone für Januar ist (wie erwartet und Anfang des Monats vorab gemeldet) heute mit +1,8% offiziell von Eurostat veröffentlicht worden (Gesamt-EU +1,7%). Dies bezieht sich auf…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Inflation in der Eurozone für Januar ist (wie erwartet und Anfang des Monats vorab gemeldet) heute mit +1,8% offiziell von Eurostat veröffentlicht worden (Gesamt-EU +1,7%). Dies bezieht sich auf den Jahresvergleich zum Januar 2016. Im Dezember lag die Inflation im Jahresvergleich noch bei 1,1%, im November bei 0,3%. Die Statistikbehörde Eurostat hierzu im Detail:

„Im Januar 2017 wurden die niedrigsten jährlichen Raten in Irland (0,2%), Rumänien (0,3%) und Bulgarien (0,4%) gemessen. Die höchsten jährlichen Raten wurden in Belgien (3,1%), Lettland und Spanien (jeweils 2,9%) sowie in Estland (2.8%) verzeichnet. Gegenüber Dezember 2016 ging die jährliche Inflationsrate in zwei Mitgliedstaaten zurück und stieg in sechsundzwanzig an. Der stärkste Aufwärtsimpuls für die jährliche Inflation des Euroraums kam von den Teilindizes Kraftstoffe für Verkehrsmittel (+0,50 Prozentpunkte, Pp.), Flüssige Brennstoffe und Gemüse (jeweils +0,14 Pp.), während Telekommunikation (-0,09 Pp.), Gas (-0,08 Pp.) und Brot und Getreideerzeugnisse (-0,05 Pp.) am stärksten senkend wirkten.“

Deutschland liegt mit 1,9% leicht über dem Schnitt. Wie die Detaildaten der sonstigen Länder zeigen, ziehen vor allem osteuropäische Staaten die Inflation in Gesamt-Europa nach oben. Das wichtige Eurozonen-Mitglied Spanien zieht als Schwergewicht mit seinen 2,9% den Schnitt besonders gut nach oben.

Wie die folgende erste Grafik zeigt (rot umrandet), ist die Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel (die „Kernrate“ oder „Kerninflation“) um 0,9% gestiegen. Die Warengruppe „Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak“ steigt im Preis um 1,8%. „Unverarbeitete Lebensmittel“ legen sogar um 3,5% zu. Wenn das keine alltäglichen Verbrauchsgüter sind, die für den Verbraucher im „Kern“ wichtig sind, dann wissen wir auch nicht mehr. Aber: Wie die Deutsche Bank jüngst bemerkte, sind für die EZB Lebensmittel und Energie keine Kernfaktoren für die Inflation, weil deren Preise eben zu stark schwanken (wo ist da die Logik?). Mit solchen Argumenten kann man sich als EZB die Statistik bis in alle Ewigkeit zurechtbiegen, damit ein Ergebnis entsteht, dass ins eigene Konzept passt. Aber das ist lediglich die Meinung von uns Kleingläubigen!

Fazit: Alle Detaildaten kommen rein wie erwartet. Die EZB kann basierend auf ihrer jüngsten Argumentation in den nächsten Monaten darauf pochen, dass doch bitte erstmal ALLE Einzelgruppen auf 2% oder knapp 2% steigen müssen, und dann bitte mehrere Monate nacheinander. Ein halbes Jahr lang vielleicht?






Daten + Grafiken: Eurostat

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    joah

    22. Februar 2017 15:08 at 15:08

    Unharmonisiert (= ehrlicher, aber immer noch nicht ganz) dürfte diese mittlerweile die 2% Marke durchschritten haben. Wie sieht es ganz ohne Hedonik aus?

  2. Avatar

    Christoph

    22. Februar 2017 15:41 at 15:41

    Müssen die Mitglieder des allwissenden und allmächtigen EZB-Rates eigentlich auch einen Eid schwören bei Amtsantritt? Wäre mal interessant. Aktuell seh ich die Gefahr, dass sie da gerade oder bald dagegen verstoßen würden…

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      22. Februar 2017 15:46 at 15:46

      @Christop, so weit ich weiss: nein

    • Avatar

      joah

      22. Februar 2017 15:53 at 15:53

      Korrupten Leuten ist auch ein Eid vollkommen gleichgültig.

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Europa

ifo Index mit zweitem Rückgang in Folge – Lage ok, Erwartungen schwächer

Markus Fugmann

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Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für November veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 90,7 (Prognose war 90,1; Vormonat Oktober war 92,7) – das ist der zweite Rückgang in Folge nach zuvor fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,0 (Prognose war 87,0; Vormonat war 90,3)

– Erwartungen: 91,5 (Prognose war 93,5; Vormonat war 95,0)

Dazu Wohlrabe von ifo: Dienstleistungssektor spürbar schwächer, Industrie hat sich Abwärtsentwicklung entgegen gestemmt, Handel schwächer

Hier die Pressemitteilung des ifo:

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November auf 90,7 Punkte gesunken, nach 92,5 Punkten im Oktober. Der Rückgang war vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Auch ihre aktuelle Lage bewerteten sie etwas weniger gut. Die Geschäftsunsicherheit ist gestiegen. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen.

Das Verarbeitende Gewerbe ist der Lichtblick in diesem Monat. Das Geschäftsklima hat sich verbessert. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage deutlich besser. Die Auftragseingänge stiegen, wenn auch langsamer als im Vormonat. Der Ausblick auf die kommenden Monate fiel jedoch merklich weniger optimistisch aus.

Im Dienstleistungssektor hat der Geschäftsklimaindikator merklich nachgegeben. Er liegt erstmals seit dem Juni wieder im negativen Bereich. Die zuletzt gute Lageeinschätzung hat sich deutlich eingetrübt. Zudem blicken erheblich mehr Unternehmen pessimistisch auf die kommenden Monate. Die Indikatoren im Bereich Hotels und Gastgewerbe sind regelrecht abgestürzt.

Im Handel hat sich das Geschäftsklima verschlechtert. Die Unternehmen waren mit ihrer aktuellen Lage weniger zufrieden. Auch die Erwartungen trübten sich merklich ein. Insbesondere die Einzelhändler berichteten von deutlich weniger gut laufenden Geschäften.

Im Bauhauptgewerbe hat der Index leicht nachgegeben. Die Baufirmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas besser als im Vormonat. Ihre Erwartungen hingegen fielen etwas pessimistischer aus.“

Der ifo Index ist das wichtgiste deutsche Konjunkturbarometer

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanager – Lage mau, aber Optimismus wegen Impfstoff

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für November) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 52,0 (Prognose war 50,4; Vormonat war ,)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,9 (Prognose war 56,5; Vormonat war 58,2)

Dienstleistung: 46,2 (Prognose war 46,3; Vormonat war 49,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 49,1 für Gewerbe (Prognose war 50,1; Vormonat war 51,3) und mit 38,0 für Dienstleistung (Prognose war 37,7; Vormonat war 46,5) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Wie erwartet wirkten sich die neuerlichen Lockdown-Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie negativ auf die deutsche
Wirtschaft aus. Die aktuellen PMI-Vorabschätzungen zeigen, dass der Servicesektor aktuell wieder so tief in der Krise steckt wie im Mai.
Die Widerstandskraft der Industrie, die vor allem von den Exportsteigerungen nach Asien profitierte, bekräftigt uns allerdings in der Annahme, dass ein möglicher Abschwung im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen dürfte als im ersten Halbjahr. Die positiven Nachrichten um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs verliehen der Stimmung unter den deutschen Unternehmen jedenfalls Auftrieb, von denen viele jetzt auf eine Rückkehr zur Normalität in den nächsten zwölf Monaten hoffen. Dies dürfte auch den jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt zu Gute gekommen sein, die zeigen, dass sich die Lage in der Industrie der Stabilisierung weiter angenähert hat und die Beschäftigung im Servicesektor weiter gestiegen
ist.“

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Europa

Verbraucherpreise in Eurozone dritten Monat in Folge in Deflation – Zweiteilung des Kontinents

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse in der Klemme

Die europäische Statistikagentur Eurostat hat heute die ausführlichen und endgültigen Ergebnisse für die Verbraucherpreise im Oktober veröffentlicht. Mit -0,3 Prozent im Jahresvergleich hängen sie nun den dritten Monat in Folge in der Deflation (Vormonate -0,3 Prozent und -0,2 Prozent). Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa zu großen Teilen eine Art Deflations-Abwehr darstellt. Wo einige Länder noch nicht den Euro haben, ist Inflation klar erkennbar – oft sogar mehr als deutlich. So hat die Gesamt-EU im Oktober auch einen Wert von +0,3 Prozent hingelegt. Man muss es sich mal vorstellen. Länder wie die Slowakei, Rumänien, Tschechien, Ungarn und Polen liefern Steigerungen der Verbraucherpreise zwischen +1,6 Prozent und 3,8 Prozent (siehe rechter Teil der Grafik).

Grafik zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise pro Land

In den Details für die Eurozone sieht man: Die Verbraucherpreise für Lebensmittel legen zu, jetzt mit einer Steigerungsrate von +2,0 Prozent. Die Energiepreise ziehen mit -8,2 Prozent den Schnitt weiterhin kräftig nach unten. Aber auch die Dienstleistungen sind mit schuldig mit nur noch +0,4 Prozent, wo man noch im Juni Steigerungsraten über 1 Prozent sah. Hier schlägt wohl auch die deutsche Mehrwertsteuersenkung zu Buche, die seit Juli in Kraft ist. Aber abwarten. Ab Januar, wenn die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland wieder rückgängig gemacht wird, dürften die Verbraucherpreise wieder auf die Null-Linie kommen – auch für die Eurozone?

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise

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