Folgen Sie uns

Allgemein

Inflation? Überschuldung? EZB mit aktuellen Daten zu Geldmenge und Kreditvergabe

Avatar

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Steht uns eine gigantische Inflation ins Haus, wie es kritische Zeitgeister wie beispielsweise Markus Krall und Dirk Müller seit Monaten eindeutig vorhersagen? Die Anzeichen dafür sind vorhanden. Gut, die EZB würde sagen, dass das alles schon kein Problem sein wird? Die Geldmenge explodiert, die Regierungen verschulden sich. Und das in sehr kurzer Zeit. Es kommt also sehr, sehr, sehr viel neues Geld in den Kreislauf. Finanztheoretisch ist das der ideale Nährboden für Inflation.

Was sagt uns der gesunde Menschenverstand zum Thema Inflation?

Man kann es derzeit als ganz normaler Mensch überall sehen. Die Klamottengeschäfte überschlagen sich mit Rabatten, die noch auf die vorhandenen Rabatte oben drauf gepackt werden. Die Konsumenten kaufen immer noch deutlich weniger als vor der Krise, und die Millionen von Kurzarbeitern werden eh geraume Zeit nichts oder fast nichts konsumieren, außer Lebensmittel. Die Lager der Einzelhändler sind voll, Klamotten, Autos etc wurden monatelang nicht gekauft. Jetzt sinken die Preise in großen Ausmaß. Oben drauf kommt ab nächster Woche noch die Mehrwertsteuersenkung, die wohl viele (aber nicht alle) Händler an die Verbraucher weitergeben werden. Jüngste Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass diese Steuersenkung definitiv einen negativen Einfluss auf die Inflation haben wird (mehr dazu hier).

Beachtet man diese Aspekte, die man im Alltag sehen kann, dann sieht es eher nach Deflation als Inflation aus! Und das, obwohl derzeit in obszönem Ausmaß Geld gedruckt wird! Vielen Konsumenten fehlt nun mal Geld, und bei vielen sitzt die Angst tief, dass sie auch in den nächsten Monaten wenig Geld haben werden, oder sogar ihre Jobs verlieren. Und diese Angst ist ja auch nicht unbegründet, siehe Jobabbau bei Airlines, Schließungen bei Karstadt Kaufhof uvm. Da werden die Händler wohl weiter mit drastischen Rabatten locken müssen, um die Menschen zum Kaufen zu animieren.

EZB mit Statistikdaten

Aber betrachtet man heute nur die rohen Daten der EZB, dann könnte einem durchaus Angst und Bange werden in Sachen Inflation. Heute hat die Europäische Zentralbank nämlich für den Monat Mai statistische Daten für die Eurozone veröffentlicht zu Themen wie der Geldmenage oder der Kreditvergabe von Banken. Im Mai wuchs die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen gegenüber Mai 2019 um 7,3 Prozent. Christine Lagarde sagt aktuell dazu, dass die Verschuldung der Unternehmen in der Krise weiter ansteigen werde. Diese Schulden müssten aber zurückgezahlt werden. Aber die Refinanzierungskosten seien zurzeit sehr günstig.

Und ups, was zeigt die Statistik der EZB auch? Im Jahresvergleich sind die Kredite der Banken an Versicherungen und Pensionsfonds sogar um 20,9 Prozent angestiegen. Was sagt uns das? Oha! Das hört sich nicht gut an… so schön und einfach es ist alle Probleme optisch mit Krediten zuzuschütten. Irgendwann muss irgendwo von irgendwem die Zeche bezahlt werden. Liegt eine Überschuldung von privaten Unternehmen vor? Ja, würde ich mal behaupten. Und wie viele de facto jetzt schon insolvent sind, aber ganz einfach keine Insolvenz anmelden? Das kann derzeit niemand sagen, denn der Gesetzgeber hat derzeit die Pflicht ausgesetzt, Insolvenz anmelden zu müssen. Und gerade erst diese Woche haben die Bankenaufseher beschlossen, dass die Banken in Euroland bis Ende September von der Pflicht entbunden sind, Kreditstundungen in ihren Büchern als Zahlungsausfall auszuweisen. Also, wie kaputt die Banken und Unternehmen in Euroland jetzt schon sind, kann niemand sagen. Denn diese Probleme sind auf Herbst verschoben worden. Gibt es dann erneute Verlängerungen dieser Sonderregelungen, damit die Krise optisch nach 2021 verschoben werden kann?

Geldmenge

Und die Geldmenge? Laut EZB ist die Geldmenge M3 (hier eine Begriffserläuterung) in der Eurozone im März um 328 Milliarden Euro gestiegen, im April um 149 und im Mai um 161 Milliarden Euro. Die Wachstumsraten liegen (im Jahresvergleich) im März bei 7,5 Prozent, im April bei 8,2 Prozent, und aktuell für Mai bei 8,9 Prozent. Zu Ende Mai liegt die gesamte Geldmenge M3 bei 13,79 Billionen Euro. Die kleinere Betrachtung der Geldmenge bei M1 (umfasst den Bargeldumlauf außerhalb des Bankensystems und täglich fällige Einlagen von Nichtbanken bei Monetären Finanzinstituten im Euro-Währungsgebiet) zeigt im Mai im Jahresvergleich ein Wachstum von 12,5 Prozent oder 122 Milliarden Euro auf 9,63 Billionen Euro. Das Wachstum von M1 lag im März bereits bei 275 und im April bei 166 Milliarden Euro. Also, die Geldmenge, die steigt kräftig an. Nur weil viele Unternehmen und Verbraucher monatelang kräftige Einkommensausfälle hatten, und jetzt Konsumverzicht angesagt ist, wirkt dieses zusätzliche Geld derzeit wohl nicht im Sinne der Inflation?

EZB präsentiert Mai-Daten zu Geldfluss und Krediten

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Faktist

    26. Juni 2020 16:17 at 16:17

    Schade dass noch kein Artikel über Ernst & Young hier zu lesen ist.
    Naja jedenfalls, werden jetzt wohl viele Firmenbilanzen nochmal geprüft werden müssen, wo EY tätig war. Hmmm darunter so komische unbekannte Unternehmen wie Apple Amazon Facebook Google etc. …ich dachte es mir schon immer, dass die Bücher alle frisiert sind und die Gewinne alle nur hypothetisch sind… ansonsten könnte man ja die Bewertungen garnicht rechtfertigen und man muss dann auch jedes Quartal immer maximum liefern, weil sonst ja die Anleger abspringen… Spirale die nach oben geht, platz halt und dann gibt reale Zahlen die dann vielleicht eher auf KGV 10 deuten als auf 70.

    Jedenfalls, sind so viele Aktiennotierte Firmen mit unsauberen Bilanzen, dass der Markt diese Wahrheit garnicht vertragen kann und es so lange leugnet bis es dann doch Publik wird.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Hongkong: Die Wahrheit über das Nationale Sicherheitsgesetz

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Ich bin ein Hongkonger und hier ist meine Heimat, aber das Nationale Sicherheitsgesetz macht es für viele von uns schwierig in Hongkong zu bleiben. Das Hongkong, in dem wir aufgewachsen sind gibt es nämlich seit dem 30.06.2020 so nicht mehr. Meinen Erfahrungsbericht schreibe ich aus Sicherheitsgründen anonym. Auch ich bin mit dem Gefühl von Freiheit und Demokratie herangewachsen, aber die Situation hat sich dramatisch verändert. Denn seit Juli gilt das Sicherheitsgesetz, hiermit hat China faktisch die Macht übernommen.

Seit fast zwei Wochen ist das Nationale Sicherheitsgesetz in Hongkong aktiv – was ist seitdem passiert? Für uns hat sich in der Zeit viel verändert. Die Menschen haben Angst für Demokratie auf die Straße zu gehen und machen sich große Sorgen um ihre Sicherheit. Der 30.06.2020 wird als schwarzer Tag in die Geschichte Hongkongs eingehen. Aktivisten und Anführer der Demokratiebewegung verlassen scharenweise die Stadt. Entsprechend zählt die Auswanderungsagentur so viele Anträge wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, im Folgenden können Sie sich ein Bild von der aktuellen Lage machen.

Auswirkungen auf Presse- und Redefreiheit

Die meisten Nachrichtenagenturen in Hongkong gehören mittlerweile der Kommunistischen Partei. Damit erleben wir zukünftig die gleiche Propaganda, die auch in Festland China zum Alltag gehört. Es gibt inzwischen nur noch eine Medienanstalt die Unabhängig berichtet, das ist Apple Daily, aber auch diese könnte mit zunehmender Zeit dem immer größerem Einfluss aus China unterliegen oder bald gänzlich verschwinden. Journalisten sind hier ebenfalls großen Gefahren ausgesetzt. Die Pressefreiheit, wie wir sie kannten, existiert nämlich nicht mehr. Dadurch entsteht eine sehr einseitige Berichterstattung, Kritik und Meinungen sind nicht erwünscht, außer sie sind pro China. Es ist so weit, auch wir geraten in die Mühlen der Propagandamaschine der chinesischen Regierung. Jeder öffentliche Aufruf zu Demokratie und Freiheit könnte demnach strafrechtlich verfolgt werden.

Nicht nur die Pressefreiheit wurde uns genommen, auch die Redefreiheit. Dies betrifft mehrere Bereiche des alltäglichen Lebens, unter anderem die Sozialen Medien, das öffentliche Leben und sogar Schulen und Universitäten. Zum Beispiel hat man bisher die Sozialen Medien genutzt, um seine Meinung kund zu tun, Diskussionen über Demokratie zu führen und sich zu informieren. Facebook-Gruppen haben dabei geholfen sich auszutauschen und Beiträge und News zu posten. Außerdem halfen Apps wie Telegram dabei die Massenproteste zu organisieren. Das ist aber wegen des Sicherheitsgesetzes nicht mehr möglich, da die Regierung jetzt freie Bahn hat alles und jeden zu überwachen.

Nicht nur das, darüber hinaus können Informationen geblockt oder komplett gelöscht werden und die Verfasser strafrechtlich verfolgt. Tausende von uns mussten deswegen ihre Posts und Chatverläufe löschen. Trotz der Angst steht die absolute Mehrheit der Hongkonger hinter der Demokratiebewegung. Zahlreiche Restaurants und öffentliche Einrichtung haben Plakate und Aufkleber in ihren Schaufenstern, um die Bewegung zu unterstützen. Aber seit Anfang Juli besucht die Polizei diese Einrichtungen und droht den Eigentümern mit Verhaftungen, sollten sie diese nicht entfernen.

Das Ende der Demokratie-Bewegung in Hongkong?

Durch die Einführung des Sicherheitsgesetzes ist sehr viel Unsicherheit bei den Hongkongern zu spüren, Massenproteste wie im vergangenen Jahr werden in Zukunft unmöglich sein. Zwar gibt es fast täglich kleinere Demonstrationen in der Mittagspause, aber diese müssen sehr achtsam sein und sich schnell auflösen, bevor die Polizei eingreifen kann. Die Gefahr verhaftet zu werden, ist einfach zu groß. Auf allen Demonstrationen sieht man nur noch weiße Plakate, da die Slogans der Demokratiebewegung verboten sind. Die Hongkonger wenden immer wieder kreative Lösungen an, um die entwürdigenden Einschränkungen der Regierung zu umgehen.

Der bekannte Hongkonger Aktivist Joshua Wong musste aufgrund des Sicherheitsgesetzes aus der Demosisto Partei austreten und diese auflösen. Seine langjährigen Wegbegleiter Nathan Law und Agnes Chow verließen ebenfalls die Partei, bevor das Sicherheitsgesetz in Kraft getreten ist. Nathan Law hat Hongkong bereits verlassen und kämpft weiterhin in Übersee. Im kommenden September findet eine wichtige Wahl statt. Peking befürchtet, dass wie im letzten Jahr das pro-demokratische-Lager auch die kommende Parlamentswahl im September 2020 haushoch gewinnen könnte. Deshalb besteht die Gefahr einer Disqualifizierung der pro-demokratischen Partei. Damit hätte sie keine Chance mehr ein Teil des gesetzgebenden Rates zu sein. Schließlich würde es keinen Sitz und keine Stimme im Parlament geben, die für die Belange der Hongkonger einsteht.

Abteilung zur nationalen Sicherheit in Hongkong

Die kommunistische Partei hat in Hongkong die Abteilung zur nationalen Sicherheit gegründet. Diese Abteilung erweitert die Befugnisse der Hongkonger Polizei enorm. Die Polizei ist jetzt berechtigt, Orte, Menschen und deren Mobiltelefone zu durchsuchen und auszuspionieren. Dafür benötigt sie keine Ermächtigung des Gerichtshofs. Außerdem kann so fortan Sicherheitskräfte aus China hinzuziehen, um die ortsansässige Polizei bei der nationalen Sicherheit zu unterstützen. Dies ist eigentlich ein Verstoß gegen das Grundrecht (Basic Law), ist aber jetzt rechtens. Die Hongkonger Polizei ist nun ein Organ mit allen Befugnissen – quasi wie die Stasi.

Zukünftig werden alle Straftaten, die unter die Kategorie “Nationale Sicherheit” fallen, anders behandelt als bisher. Zur Erklärung, fast jede kleine Straftat unterliegt nun diesen Regeln. Das heißt, Peking kann Hongkonger nach China ausliefern, wo sie ohne faires Gerichtsverfahren ins Gefängnis oder Umerziehungslager kommen. Gemäß dem Sicherheitsgesetz haften alle Menschen, unabhängig davon, ob sie Bürger von Hongkong sind. Gleichfalls ist es egal, ob die Taten innerhalb oder außerhalb Hongkongs geschehen. Ja, sie haben richtig gelesen, jeder egal wo er sich befindet kann angeklagt werden, sobald die Taten gegen das Gesetz verstoßen. Damit ist der letzte Funken Rechtsstaatlichkeit Hongkongs zerstört. Die Abmachung Großbritanniens und China, dass Hongkong 50 Jahre nach der Methode “Ein Land, zwei Systeme” agieren kann, ist somit zu Ende. Es hat nur 23 Jahre gehalten.

Ein paar Worte zum Schluss

Ich kann mir vorstellen, dass Sie an manchen Stellen gedacht haben – das kann doch nicht sein? oder das ist doch nicht möglich? Aber ja, es ist möglich und es passiert in diesem Moment. Für jemanden der Demokratie und Freiheit für selbstverständlich hält, ist das kaum nachvollziehbar. Leider erleben wir jeden Tag, dass es nicht selbstverständlich ist. Ich hoffe, Sie konnten einen Eindruck gewinnen und eventuell hat es Ihnen auch ein wenig die Augen geöffnet. Wir stehen nämlich ziemlich allein dar mit unserer Forderung auf Einhaltung der 50 Jahre Autonomie für Hongkong. Am Beispiel von Hongkong sieht man, wozu China fähig ist. Wir Hongkonger haben uns 23 Jahre lang für die richtige Sache eingesetzt, aber wie es aussieht werden wir verlieren.

Hongkong: Die Wahrheit über das Nationale Sicherheitsgesetz

 

weiterlesen

Aktien

Aktienmärkte: Warum sie laut “NorthmanTrader” nicht weiter steigen

Avatar

Veröffentlicht

am

Tja, warum können die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht mehr ansteigen? Warum komplettieren sie nicht die V-förmige Erholung nach dem großen Crash im März? Derzeit sagt zum Beispiel der Experte Andre Stagge (siehe beispielsweise hier), dass wir derzeit voll in der Saisonalität angekommen sind, wo die Sommermonate grundsätzlich eine maue Nummer abliefern. Das ist nachvollziehbar. Und ja, grundsätzlich kann man derzeit vom Sommerloch sprechen?

Aktienmärkte in Angst vor der Fed?

Der im Netz inzwischen gut bekannte und anerkannte Experte Sven Henrich ist bei Twitter mit seinem dortigen Accountnamen “NorthmanTrader” zu finden. Er hat eine eigene Theorie, warum die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht weiter steigen können. Und er hat dazu auch eine gut nachvollziehbare Begründung, nämlich einen Vergleichschart. Im folgenden Tweet sieht man basierend auf Daten der St. Louis Fed (die Statistik-Grube der Fed) einmal den Verlauf der gesamten Bilanz der Federal Reserve seit Dezember 2019, als blaue Linie. Im Vergleich dazu sieht man in rot in den Verlauf des S&P 500, der dank der 500 enthaltenen Aktien die Marktbreite der Aktienmärkte in den USA besser darstellt als der Dow Jones mit seinen 30 Werten.

Und was sieht man? Die Aktienmärkte korrelieren sehr gut mit der Bilanz der Fed. Exakt am 9. Juni erreichte der S&P 500 seinen höchsten Punkt seit dem Crash im März, um seitdem seitwärts oder leicht fallend zu tendieren. Und wir haben nachgeschaut. Tatsächlich, genau am 9. Juni erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt mit 7,168 Billionen Dollar (hier im Detail nachzuschauen). Bis jetzt fällt sie auf 6,92 Billionen Dollar. Wolfgang Müller hatte jüngst schon von einer Pause bei der Geldflut gesprochen. Und ja, die Fed legt derzeit eine Pause ein.

248,1 Milliarden Dollar Bilanzrückgang in vier Wochen

Auch Holger Zschaepitz erwähnt aktuell den Rückgang der Fed-Bilanz, nun die vierte Woche in Folge. Liquidität in Höhe von 248,1 Milliarden Dollar sei den Märkten in den letzten vier Wochen entzogen worden. Haben die großen Player mit dem “intelligenten” Geld (darf man es so sagen?) genau darauf ein Auge? Herrscht so viel Angst vor diesem Abbau an Geldflutung, dass die Aktienmärkte sich deshalb ausgebremst haben? Dieses Szenario ist jedenfalls nicht zu ignorieren.

Im folgenden Chart haben wir den S&P 500 und den Dax auf CFD-Basis in im Verlauf der letzten zwölf Monate übereinander gelegt. Wie es zu erwarten war, laufen die Aktienmärkte im Gleichschritt – natürlich läuft der Dax nach der Vorgabe der Amerikaner, da machen wir uns alle bitte nichts vor. Seit gut vier Wochen ist der Wurm drin – genau seit dem Augenblick, wo die Fed begann mit ihrer Geldflut zu pausieren.

Aktienmäkte wollen seit vier Wochen nicht mehr richtig steigen

weiterlesen

Allgemein

Coronakrise: Deutsche Exportwirtschaft bleibt pessimistisch

Avatar

Veröffentlicht

am

Auch der Hamburger Hafen wurde von der Coronakrise hart getroffen

Eigentlich mehren sich derzeit die Indikatoren, die auf eine Erholung der Wirtschaft nach der Coronakrise im dritten Quartal hindeuten. Ob Konsumdaten, Ifo-Index oder Einkaufsmanagerindizes – die Ausnahme bildet die Exportindustrie, hier verschlechterte sich die Stimmung sogar.

Sonderumfrage zu den Auswirkungen der Coronakrise – AHK World Business Outlook

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bei den Mitgliedsunternehmen der Deutschen Auslandshandelskammern zu den Auswirkungen der Coronakrise brachte eine Ernüchterung für die Erholung der Exportwirtschaft. Die rund 3300 deutschen Unternehmen vermeldeten sogar eine Verschlechterung der Lage im Vergleich zum April. Jetzt erwarten 83 Prozent einen Umsatzrückgang, vor drei Monaten waren es noch 79 Prozent.Der Außenwirtschaftschef des DIHK, Volker Treier, hält das Thema V-förmige Erholung der Exportwirtschaft für erledigt, die Krise durch die Pandemie werde langwieriger als erwartet. Diese Meinung stützt er auf das Ergebnis der Sonderumfrage:

– 43 Prozent der Firmen gehen erst im Jahr 2022 oder sogar noch später von einer Erholung aus.
-50 Prozent rechnen bereits 2021 damit, sieben Prozent glauben noch in 2020 an eine Rückkehr zur Normalität.
-Besonders schlecht ist die Stimmung bei Firmen mit Nord-, Mittel- und Südamerika-Geschäften. Hier glaubt die Mehrheit, dass es sogar bis 2022 dauern könnte. Kaum verwunderlich bei den aktuellen Infektionszahlen aus Übersee.
-59 Prozent der Unternehmen berichten von einer schwächeren Nachfrage nach ihren Produkten, dabei sind für 63 Prozent der befragten Unternehmen die Reisebeschränkungen ein massives Problem.
-56 Prozent der Exportunternehmen kündigen an weniger investieren zu wollen, gegenüber 35 Prozent im April.
-43 Prozent gehen von Stellenstreichungen aus (April 35 Prozent).
– Die Investitionen im Ausland sollen laut DIHK von bisher 100 Milliarden Euro in diesem Jahr nur die Hälfte dieser Summe betragen.
-Von den 7,8 Millionen Arbeitsplätzen deutscher Firmen im Ausland könnten 2020 etwa 200.000 in diesem Jahr wegfallen.

Fazit der Umfrage: Insgesamt rechnet der DIHK 2020 mit einem Rückgang der deutschen Exporte um 15 Prozent, die Erholung in 2021 dürfte mit sieben Prozent plus nur einen Teil davon wieder gutmachen.

Das Außenhandelsdefizit

Als Folge dieses pandemiebedingten Rückgangs der Auslandsnachfrage sollte die Exportbilanz um 300 Milliarden Euro schrumpfen, die Importe hingegen deutlich weniger. Damit rechnet der DIHK von einem Rückgang des Handelsbilanzüberschusses von 223 Milliarden Euro auf dann nur noch rund 50 Milliarden Euro im Jahr 2020. Ein weiteres Problem sei aber der anhaltende Protektionismus in zahlreichen Ländern. Auch das ergab die Umfrage:

22 Prozent der Unternehmen sprachen davon, ihre Produktion verlagern zu wollen, 19 Prozent mit einer Rückkehr der Produktion nach Deutschland.

Fazit

Klar leidet die deutsche Exportwirtschaft besonders unter den Folgen der Coronakrise sowie auch dem beobachtbaren Trend zur Glokalisierung oder des Protektionismus. Der Anteil des Exports am deutschen Bruttoinlandsprodukt betrug im letzten Jahr 47 Prozent. Beim Export, insbesondere in westliche Ländern in Nord-, Mittel- und Südamerika, wo derzeit die Hälfte aller weltweiten Covid-19-Infektionen zu zählen sind, ist das Problem besonders groß. Allerdings ist die mit Abstand wichtigste Region für unsere Außenwirtschaft die EU-Zone (60 Prozent der Exporte) und nicht vergessen sollte man die Bedeutung des Konsums für Deutschlands Wirtschaft im Ganzen. Aber insgesamt betrachtet kann man nach den Ergebnissen zum World Business Outlook nur feststellen: Ohne eine Eindämmung von Covid-19 keine substanzielle Erholung der Weltwirtschaft und auch keine Rückkehr zu alten Wachstumszahlen in Deutschland.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage