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Ist das Humor? Die EZB als Brandstifter warnt vor dem Feuer, das sie selbst gelegt hat!

Eines muß man der EZB durchaus zugestehen: man hat offenkundig eine Art hintergründigen Humor! Denn die EZB warnt vor Phänomenen, die sie selbst maßgeblich mit ausgelöst hat! Biedermeier und die Brandstifter!

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Von Markus Fugmann

Eines muß man der EZB durchaus zugestehen: man hat offenkundig eine Art hintergründigen Humor! Denn die EZB warnt vor Phänomenen, die sie selbst maßgeblich mit ausgelöst hat! In ihrem heute veröffentlichten „Financial Stability Review“, eine halbjährlich erscheinende Analyse über die Bedingungen an den Finanzmärkten, heißt es klipp und klar:

„The risk of a rapid repricing in global markets nevertheless remains. Continued compression of risk premia, subdued volatility and signs of increased risk-taking behavior in global financial markets are all sources of concern, as they may sow the seeds for large asset price corrections in the future.“

Also gestiegene Risiken für „große Korrekturen“ an den Finanzmärkten, weil die Player am Markt zu große Risiken eingehen würden, Risikoprämien praktisch nicht mehr vorhanden wären und in der extrem geringen Volatilität an den Märkten eine Vertrauensseligkeit zum Ausdruck komme.


Foto: EZB

Selten so gelacht! Woher kommt denn diese Vertrauensseligkeit der Anleger, die etwa für eine Mini-Rendite von durchschnittlich knapp über 2% sich immens risikoreiche europäische Unternehmensanleihen mit schlechtem Rating (Junk Bonds) ins Depot legen?

Woher kommt es denn, dass etwa Italien mit seiner immensen Verschuldung (130% des BIP) und sich abzeichnender politischen Unsicherheit (zwei von drei politischen Blöcken lehnen den Euro ab) vor den Wahlen im Frühjahr 2018 kürzlich eine zweijährige Staatsanleihe emittieren konnte, die mit -0,337% eine Negativrendite aufwies (siehe dazu unseren Artikel „Der Finanzwahnsinn in Europa dargestellt in einem kurzen Datenblatt“).

Was ist los, wenn Investoren dafür, dass sie Staaten Geld leihen, sogar Geld bezahlen? Wie kaputt muß ein Finanzsystem sein, das so etwas zuläßt? Und die EZB warnt also vor den daraus entstehenden Gefahren! Das ist in etwa so, als würde ein Brandstifter vor den Gefahren des von ihm selbst gelegten Feuers warnen!

Weil die EZB den Zins zerstört hat, zwingt sie Investoren, die Renditen erzielen müssen etwa für Pensionen, geradezu in riskante Assets wie schlecht geratete Unternehmensanleihen. Nun sagt die EZB: wenn der Zug in die andere Richtung fahren und Risiken anders bepreist werden sollten, könnte es schwer krachen:

„Risks to euro area financial stability may also emerge from the investment fund sector. This sector has further increased its risk-taking in recent years. Asset allocations have been rebalanced towards lower-rated and higher-yielding assets. At the same time, the liquidity buffers held by bond funds have gradually been shrinking across all segments of the investment fund market. The continued increase in risk-taking, coupled with limited buffers, heightens the potential for fund redemptions to adversely affect market conditions if a repricing of global risk premia does take place.“

Mit der Abschaffung des Zinses wiederum hat die EZB die Margen der europäischen Banken zerstört und lamentiert nun über deren schwache Profitabilität:

„Profitability challenges remain for euro area banks. Market pressure on euro area banks has eased further since May, but for a large number of banks their valuations are still low compared with global peers.“

Und weil der Zins abgeschafft wurde, ist Geld kostenlos, was natürlich dazu führt, dass sich vor allem Unternehmen mit dem kostenlosem Geld vollsaugen, sprich stark verschuldet sind. Die EZB aber findet das bedenklich:

„Risks stemming from elevated debt levels are also present in the non-financial private sector, given the high levels of indebtedness of the euro area non-financial corporate sector, both by historical and by international standards.“

Und schließlich wanrt die EZB noch davor – sicher mit Blick auf Italien – dass ein Blutbad am Anleihemarkt bevor stehen könnte aufgrund politischer Unsicherheiten bei gleichzeitig nicht mehr tragfähigen Schulden:

„Renewed political uncertainty could lead to higher risk premia being demanded on sovereign bonds, potentially triggering debt sustainability concerns in some countries.“

Nennen wir doch Italien in Zukunft einfach nur noch „some countries“..

Seltsam übrigens, dass derartige Warnungen von Mario Draghi nicht zu hören sind – bei ihm heißt es immer nur, wie toll die EZB-Politik funkionieren würde! Für die Risiken und Nebenwirkungen gibt es dann den Beipackzettel mit dem Titel „“Financial Stability Review“. Aber wer liest schon den Beipackzettel..

17 Kommentare

17 Comments

  1. LiveTrader

    29. November 2017 11:49 at 11:49

    Guter Artikel der es auf den Punkt bringt 🙂

    • Gixxer

      29. November 2017 12:55 at 12:55

      Dem kann ich nur zustimmen.
      Aber wir sollten uns freuen, denn 2018 ist Fußball-WM und unser Angstgegner „some countries“ ist nicht dabei. 😉
      Also alles wird gut.

  2. Schmidt

    29. November 2017 13:39 at 13:39

    Sorry, aber niemad wird gezwungen Schrottanleihen oder sonstigen Sondermüll zu kaufen. Ebenfalls wird auch keiner gezwungen überteuerte Aktien zu kaufen. Jeder trägt das Risiko seiner Anlageentscheidungen selbst.
    Der Zins wurde abgeschafft weil es asozial ist. Warum sollte ein Staat oder besser gesagt der Steuerzahler einer Bank Zins bezahlen für Geld dass die Bank selbst erschaffen kann ? Nur der Staat oder besser die EZB sollte das Geld schöpfen können, keine Privatbank. Kann eine Privatbank kein Geld mehr schöpfen dann kann sie auch nicht unendlich Geld für Spekulationen schaffen somit auch keine Bankenkrise mehr ermöglichen. Banken wurden nicht geschaffen um Geld mit Spekulationen für sich zu vermehren sondern die Wirtschaftsakteure zu finanzieren und wegen diesem Risiko einen Zins zu kassieren.

    • barthez

      29. November 2017 14:15 at 14:15

      jo schmidt ,fast richtig,1. ich sehe aber nicht ein warum der staat ein anderer spieler sein soll ,als jemand anderes. das system war bis zur fk2008 garnicht so schlecht,nur dann muss man halt mal ein paar banken nach fehlspekulationen schliessen,nur das wurde verhindert.2. das system „primary dealers“ muss beendet werden ,die könnten nämlich durch wechselgeschäfte die anleihen shorten
      und so die zinsen bewegen.der zins muss IMMER marktgemacht sein,sonst wandert die geldschöpfung in einzelne hände .rothschilds sprüche sind ja bekannt dazu. gr. o.

      • asisi1

        29. November 2017 14:26 at 14:26

        vielleicht sollten sie sich einmal schlau machen, wer das bankensystem ins leben gerufen hat und es heute noch kontrolliert! dann wissen sie auch, dass es nur eine kleine gruppe von menschen ist. diese kontrollieren und manipulieren nicht nur alle banken sondern auch alle Staaten!

        • Markus Fugmann

          29. November 2017 14:28 at 14:28

          asis1, na wer denn? Die böse Weltverschwörung?

      • Schmidt

        29. November 2017 14:32 at 14:32

        Gerade 2008 zeigt es dass es schlecht war. Banken die jahrelang Zinsen für nichts bekommen haben und mit dem Geld anderer Leute griechische Anleihen bei 10% Zinsen kassiert haben die EZB und die Politiker erpresst denn wenn die EZB die Anleihen nicht abnehmen, das Geld anderer Leute weg ist und das Blut fliesst auf der Strasse . Das kann nicht gut sein denn es ist nur ein ständig gutes Wetter Bankensystem. Der Markt existiert für Banken nur solange sie abkassieren können. Müssen sie dafür haften dann ist der Markt plötzlich schlecht und der Staat ist dafür zuständig.

  3. Donald Duck

    29. November 2017 13:50 at 13:50

    Gemach gemach – some countries kann seine Währung doch auf Italo-bitcoins umstellen, die kann es selber herstellen und braucht die EZB dann garnicht mehr. So wird alles gut – oder nicht?

  4. baeuerin

    29. November 2017 14:45 at 14:45

    Liebe Leser,

    es ist nicht alles Gold was glänzt, heißt es im Volksmund. Dies trifft vor allem auf die Banken und die Staatsfinanzierungen zu.

    Ich habe Ihnen anhand von zwei Beispielen italienischer Banken und des spanischen Rentensystems drastisch vor Augen geführt, wie sehr das Vermögen der Bürger im Feuer steht. Vor allem tragen wir, die Deutschen, das größte Haftungsrisiko aller EU-Länder.

    Diese Risiken resultieren aus der Konstruktion der Gemeinschaftswährung des Euro, der katastrophalen Eurorettungspolitik sowie dem Anlageverhalten der großen Investoren (Versicherungen, Pensionsfonds etc).
    Kredite, Staatsanleihen, Target2-Salden

    Konkret: Im Zuge der Eurorettungspolitik hat die Bundesregierung Kredite, etwa an Griechenland ausgereicht, die man eigentlich schon längst als „uneinbringlich“ hätte abschreiben müssen. Hinzu kommen die Staatsanleihen der völlig überschuldeten südlichen EU-Krisenländer, die in den Büchern von Versicherungen, Pensionsfonds und anderen schlummern, die ebenfalls nichts wert sind!

    Aber das ist noch nicht alles: Die Bundesbank hat einen Kredit, die sogenannten Target2-Salden, an die anderen Euro-Zentralbanken gewährt. Dieser beläuft sich auf rund 900 Milliarden Euro! Doch diese Target2-Salden sind nicht nur zinslos, sondern auch unbesichert. Dieser Kredit wird nicht rückzahlbar sein!
    Das Ende des Euro und Ihres Vermögens

    Alles zusammen genommen ergibt es eine deutsche Haftung von rund 2.000 Milliarden (2 Billionen) Euro. Das entspricht 50 Prozent des Nettogeldvermögens der Deutschen.

    Ich sage gute Nacht, Freunde, wenn diese Haftung fällig werden, diese Beträge abgeschrieben werden müssen. Das ist nicht nur das Ende des Euro, sondern auch das Ende des Großteils Ihres Vermögens!

    Ach ja, jetzt werden Sie mit der Einlagen-Sicherung um die Ecke kommen. Aber auch dazu gibt es neue und vor allem schlechte Nachrichten!
    Von wegen Einlagen-Sicherung!

    Vor, während und nach der Bundestagswahl erklär(t)en Ihnen die Politiker, dass Ihr Geld auf der Bank sicher sei. Schließlich gebe es ja die Einlagensicherungssysteme. Und zwar EU-weit.

    Beispielsweise sind in Deutschland Einlagen bis maximal 100.000 Euro (bei Gemeinschaftskonten zweimal 100.000 Euro) gesetzlich durch das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz geschützt. Ebenso 90 % der Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften bis zu einem Gegenwert von 20.000 Euro.

    Hierzulande kommen noch die Einlagensicherungsfonds der jeweiligen Bankenverbände hinzu, die jedoch den Sockelbetrag der gesetzlichen Einlagensicherung berücksichtigt.
    Supergau für Bankkunden und Sparer: Die Abschaffung der Einlagensicherung!

    Was die Damen und Herren Politiker Ihnen hinsichtlich dieser Thematik jedoch nicht sagen: Längst diskutiert die Europäische Zentralbank hinter verschlossenen Türen, diese Einlagensicherungssysteme abzuschaffen!

    Ja, Sie haben richtig gelesen!

    Verkauft wird Ihnen das freilich ganz anders. Die gültige Einlagensicherung könnte bei einer Krise abgeschafft und durch ein anderes System ersetzt werden, heißt es. Damit sollen Banken vor einem Bankrun geschützt werden.

    In Teil 5 verrate ich Ihnen, warum die herkömmlichen Einlagensicherungssysteme keinen Pfifferling mehr wert ist. Und wie die EU sich vor einem Bankrun tatsächlich schützen will!

    Denken Sie immer daran: Sie haben ein Recht auf die Wahrheit!

    Herzlichst Ihr

    Guido Grandt

    • Schmidt

      29. November 2017 15:03 at 15:03

      Niemand muss für die Targetsalden der Bundesbank haften genauso wenig für die deutsche Staatsschuld. Diese werden von der EZB monetisiert und abgeschrieben und niemand verliert ein Cent. Dafür gibt es in Zukunft auch keine Zinsen mehr.
      Wer in solchen Zeiten noch eine Lebensversicherung oder sonstige luftige „Altersvorsorgen“ hat der ist nicht mehr ganz dicht, aber da ist wieder jeder selber für seine Anlageentscheidung verantwortlich und nicht die EZB.

    • baeuerin

      29. November 2017 15:05 at 15:05

      Zitat:
      „Längst diskutiert die Europäische Zentralbank hinter verschlossenen Türen, diese Einlagensicherungssysteme abzuschaffen!“

      …und der( reiche)Mich“l,liegt vollgefressen auf der Couch und schaut sich „Bares fuer Rares“an und freut sich nebenbei,wie das „Tafelsilber“versilbert wird!!!

      Euch gehoerts nicht anders….Masochismus pur!
      Das „gib ihm das letzte Hemd“Syndrom ist ausgepraegter denn je…..

      Warum Finanz-Adolf?
      Weil Draghi den groessten Raub der Geschichte veranstaltet!!!

  5. baeuerin

    29. November 2017 15:14 at 15:14

    Ich frag mich nur,wo denn der Familiennachzug in DE wohnen soll,wenn jetzt schon ca.800000 Obdachlose zu verzeichnen sind?
    Kommen die Stockbetten wieder in Mode?
    Ich frag nur…weil bei einer z.Z.angebotenen 31pm grossen bzw.kleinen Wohnung/Zimmer in Muenchen,ca.100 Bewerber beim Makler auf der Matte stehen!

    Das nenn ich doch mal eine tolle NWO…..

    • Schmidt

      29. November 2017 15:42 at 15:42

      Na warum sind die Immobilienpreisen und Mieten so hoch. Je mehr Nachfrage umso teuerer wirds.

      • baeuerin

        29. November 2017 16:01 at 16:01

        Echt…ist ja ganz was Neues…an Erkenntniss.
        Aber um das geht es gar nicht!
        Sondern um das WO!

  6. Beobachter

    29. November 2017 22:03 at 22:03

    Erstaunlich, war doch der EZB- Kommentar vom 26.10
    Überraschend dorisch u.hat den DAX für ca. 1 Woche von 13100 auf über 13500 steigen lassen.
    Gleichzeitig hat auch die BOJ das gleiche Spiel getrieben
    u.ein Mehrhahreshoch des Nikkei erzwungen.Am 10.11.gabs dann einen Dämpfer bei den US – Junkbonds
    die auch die beiden Börsen korrigieren liessen ( DAX u.Nikkei) Seither reden plötzlich diese beiden Notenbänker von den Nebenwirkungen ihrer eigenen Geldpolitik,
    Ist es wirklich möglich dass diese Obergurus etwas erst merken was Tausende Normalos schon lange wissen????
    Darum glaube ich ,dass der DAX sein Hoch vorläufig gesehen hat.

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Der folgende Text ist eine rein subjektive Meinung! Also, zur Sache. Die Deutsche Bank kann eigentlich nicht mehr zurück. Nach trostlosen Jahren unter Anshu Jain sowie dem tristen Sanierer von der Insel (wer kennt noch seinen Namen?) versucht nur der sachliche Bankkaufmann Christian Sewing sein Glück an der Spitze der Deutschen Bank. Die angedachte Fusion mit der Commerzbank ist seit Jahren der einzige Hoffnungsschimmer für die DB. wie traurig. Nicht tolle Geschäfte, sondern noch „eine weitere Fusion“ bringt Hoffnung in die Bude.

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Wir hatten bereits darüber geschrieben. Die Deutsche Bank ist das Paradebeispiel dafür, dass Zukäufe und Fusionen zum Zwecke des „Immer größer werden“ nicht automatisch ein gutes Ende finden. Bankers Trust gekauft, Morgan Grenfell gekauft, Postbank gekauft, Sal Oppenheim gekauft. Und trotzdem ist die Deutsche Bank ein Rendite-Desaster, und im Investmentbanking auch keine Profit-Fabrik wie die Konkurrenten aus dem Ausland. Aber die merkwürdige Hoffnung ist da, dass durch die Fusion mit der Commerzbank nun endlich alles besser wird. Bei der CoBa schön massiv Stellen streichen und runter mit den Kosten, und dann durch einen Riesen-Zuwachs im Mengengeschäft die Gewinne hochschrauben? Das scheint die Hoffnung zu sein.

Commerzbank muss „in gute Hände“ kommen

Ist die DB für die Commerzbank ein guter Ehepartner? Es geht wohl eher darum, was die Politik denkt, was gut und richtig für die Commerzbank ist, beziehungsweise für das deutsche Finanzsystem. Jüngst tat die Berliner Politik ja alles um so zu tun, dass die mögliche Fusion eine rein privatwirtschaftliche Sache sei. Man halte sich da raus. Dabei ist es in Berlin und Frankfurt ein offenes Geheimnis, dass der ehemalige Goldman Sachs-Chef in Frankfurt Jörg Kukies, der seit dem Amtsantritt von Olaf Scholz Staatssekretär im Bundesfinanzministerium ist, diese Fusion hinter den Kulissen vorantreibt.

Aber nochmal ein Schritt zurück. Seit Monaten haben die Gerüchte immer weiter zugenommen, dass Commerzbank und Deutsche Bank über eine Fusion sprechen. Aber erst vor genau vier Wochen gab es dazu die offizielle Bestätigung. Seit dieser offiziellen Verkündung lief die CoBa-Aktie besser als die Aktie der Deutschen Bank. Und seit Jahresanfang, wo die Gerüchte so langsam aufkamen, hat die CoBa im Kurs um satte 42% (! ! !) zugelegt.

Von 5,70 auf 8,08 Euro, das ist ein guter Trade gewesen für jemanden, der im Januar eingestiegen ist. Auf lange Sicht aber ist dieser Anstieg im Chart kaum wahrnehmbar. Noch schlimmer ist die Lage beim Betrachten dieses Charts, der bis 2015 zurückreicht. 2016 lag das Tief in der Commerzbank-Aktie bei 5,20 Euro. Ende 2018 wurde dieses Tief fast wieder erreicht. Die Fusionsgerüchte mit der DB brachten die Kurswende für die Aktie. Der Markt preist positive Ereignisse immer schon mit Gerüchten und Erwartungen vorher in die Kurse ein.

Was, wenn nun die Fusion abgesagt wird? Die Phantasie wäre weg, und der Kurs würde einbrechen. Das kann sich die Commerzbank kaum leisten. In der Banken-Szene ist es ein offenes Geheimnis, dass es in Frankreich und den Niederlanden durchaus Banken geben soll, die Interesse daran hätten die Commerzbank relativ günstig zu schießen. Aber wohl am Ehesten könnte die italienische UniCredit bereit stehen als Käufer. Und das wäre wohl ein absolutes No Go für die Berliner Politik. Man sehe nur, zu was für einer leeren Hülle die Italiener die HypoVereinsbank gemacht haben, die einst eine der vier großen deutschen Banken war. Ein ähnliches Schicksal könnte der Commerzbank als UniCredit-Außenstelle bevorstehen.

Man darf davon ausgehen, dass die Bundesregierung dies nach Möglichkeit vermeiden will, im Sinne der finanziellen Staatsraison. Die Commerzbank selbst kann einen erneuten Kurseinbruch nicht brauchen, falls die DB-Fusion abgesagt wird. Durch den zuletzt immer weiter gestiegenen Aktienkurs wird nun auch die Fallhöhe nach einem Scheitern immer höher. Halten sich potenzielle ausländische Käufer danach erstmal zurück, könnte der CoBa-Kurs schön in die Tiefe rauschen. Dann könnten sie einen Anlauf nehmen für ihre Schnäppchenjagd. Und das kann die Berliner Politik kaum wollen. Olaf Scholz hat mit dem 15%-Anteil an der Commerzbank ein gewichtiges Wort mitzureden bei der letztlichen Entscheidung. Man darf durchaus vermuten, dass bei Problemen in den Fusionsgesprächen ein „nettes“ Machtwort des 15%-Eigentümers erfolgt. Los, seht zu, zieht die Fusion durch.

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Handelssaal der Commerzbank in Frankfurt am Main. Foto: FNDE CC BY-SA 4.0

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