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Mario Draghi und die EZB-Politik: Nach aktuellem Schock muss er handeln!

Claudio Kummerfeld

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Mario Draghi hat nicht mehr viel Zeit als Chef der EZB. Im November übergibt er an die ehemalige IWF-Chefin Christine Lagarde. Nach der letzten EZB-Sitzung am 25. Juli, auf der in Sachen Zinsen und Anleihen keine Lockerung stattfand, erwartet nun alle Welt für die nächste reguläre Sitzung der EZB am 12. September Maßnahmen. So wurde es von Mario Draghi auch angedeutet. Entweder Zinsen senken oder neue Anleihekaufprogramme, oder beides. Nur in welchem Umfang die EZB aktiv werden wird, ist unklar. Wir meinen: Spätestens nach dem aktuellen Schock von heute früh muss Mario Draghi die EZB-Politik deutlich lockern. Denn wie er selbst sagte – mit der aktuellen Inflationsrate sei er überhaupt nicht zufrieden!

Mario Draghi muss handeln

Jetzt kann Mario Draghi Frau Lagarde ein großes „gelockertes Geschenk“ mit auf den Weg geben, in dem er noch vor ihrem Amtsantritt die EZB-Politik in eine neue Phase der Lockerung führt. Er muss aber mehr als bislang erwartet kräftig lockern, so meine Meinung. Denn was die „Leitmedien“ heute früh offenbar nicht richtig mitbekommen haben: Neben den Verbraucherpreisen, die heute früh für Juli mit 1,7% so endgültig bestätigt wurden wie vorab gemeldet, wurden auch die deutschen Großhandelspreise veröffentlicht. Und die liegen mit -0,1% im Jahresvergleich jetzt in der Deflation. Hallo liebe Leute, rückläufige Preise im Großhandel! Das lässt weiter schwächelnde Verbraucherpreise erwarten, und das in der wichtigsten Volkswirtschaft in der Eurozone!

EZB-Politik vor größerer Lockerung als bislang gedacht?

Was erwartet der Markt, wie stark die EZB-Politik am 12. September gelockert wird? Da hat wohl jeder Bankanalyst derzeit seine eigene Meinung! Aber gefühlt müsste die Lockerung (Zinsen runter, neue Anleihekäufe) stark ausfallen bei dieser deflationären Tendenz in den deutschen Großhandelspreisen. Mario Draghi und seine Kollegen dürften sich solche Daten genau anschauen. Auch darf man nicht vergessen: Erst in den Tagen nach der letzten EZB-Entscheidung wurden die jüngsten Inflationsdaten für den Monat Juli veröffentlicht. Irland liegt nur noch bei +0,5%. In Italien liegt die Inflationsrate nur noch bei 0,4%. Von den extrem schwachen Daten in der Industrieproduktion in diversen Ländern brauchen wir gar nicht erst reden!

Wird der Markt überrascht?

Frage: Erwartet der Markt einen kleinen Schritt in der Lockerung der EZB-Politik? Wird Mario Draghi womöglich kräftiger lockern als es viele erwarten, weil er die massive Schwäche in der Preisentwicklung sieht? Denn wie gesagt: Nach der letzten EZB-Sitzung hat sich die Lage nochmal deutlich verschlechtert. Von daher könnten Spekulanten noch vor dem 12. September auf einen fallenden Euro spekulieren (dies bitte nicht als Handelsempfehlung auffassen!). Denn die Gemeinschaftswährung würde fallen, wenn die Maßnahmen der EZB größer ausfallen als allgemein erwartet. Nur wo ist die allgemeine Erwartung? Das ist noch eine große Unbekannte. Auch muss man schauen, wie die Inflationsdaten für August ausfallen werden, die Anfang September ganz kurz vor der EZB-Entscheidung veröffentlicht werden. Derzeit jedenfalls ist die Tendenz bei den Preisen in Euroland weiter schwächelnd!

Mario Draghi muss nun die EZB-Politik eigentlich kräftig lockern
Mario Draghi und Christine Lagarde im Juni. Foto: EZB

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Marcel Fratzscher im Interview: Marktversagen, Börse, Staatshilfen, Globalisierung uvm

Redaktion

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Marcel Fratzscher als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet. Wer den Begriff nicht kennt: Ein Claqueur ist jemand, der auf Kommando Beifall klatscht. Und so hat Herr Fratzscher den Ruf, vor allem bei wirtschaftspolitischen Meinungen und Inhalten der SPD jede Menge Lob zu verteilen und die Thesen auch mit seinen fachkundigen Aussagen zu untermauern. Man munkelt in Berlin und Frankfurt schon seit geraumer Zeit, dass der gute Herr Fratzscher eine Karriere als Notenbanker oder in einem Ministerium anstrebt. Aber sind das nur Gerüchte? In den politischen Zeitgeist würde er sicher gut passen.

Marcel Fratzscher wurde schon von vielen anderen Kommentatoren sehr kritisch beäugt, aber auch von unserer Redaktion. Zum Beispiel sagte er im September, dass er keine Zombieunternehmen in Deutschland entdecken könne. Nur um wenige Tage später vom Problem der Zombieunternehmen zu reden. Generell ist er dem Lager der „Experten“ zugehörig, die der Meinung sind, dass man mit genug neuen Schulden so ziemlich alles regeln kann. Gibt es nur genug Nachfrage, lösen sich alle Probleme von selbst? Und die zusätzlichen Staatsschulden, die sind ja sowieso kein Problem bei den Nullzinsen? So einfach kann die Welt sein.

Aktuell hat Marcel Fratzscher dem auf YouTube bestens bekannten Interview-Format „Jung und Naiv“ ein 145 Minuten langes Interview gegeben. Die Leitlinie kommt relativ weit am Anfang des Interviews. Der Markt hat versagt. Also, wohin soll es seiner Meinung nach gehen? Mehr Regulierung, mehr Planwirtschaft? Thilo Jung spricht mit Marcel Fratzscher über Themen wie die Aktienmärkte und ob sie sich von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, über die Coronakrise, Staatshilfen, die Klimakatastrophe, Autoindustrie, Konsumverzicht, Globalisierung, die Ungleichheit von Vermögen, Steuern uvm.

Wir können Ihnen an dieser Stelle nicht knallhart empfehlen 145 Minuten Marcel Fratzscher am Stück anzuschauen. Diese Entscheidung müssen Sie schon selbst treffen. Aber auch bei „Experten“, die wir kritischer sehen wie einen Herrn Fratzscher, gilt das selbe wie bei Hans-Werner Sinn, Markus Krall oder Clemens Fuest. Auch wenn man als Zuhörer die Meinung des Interviewten nicht teilt, so erweitert das Zuhören doch den Horizont.

Marcel Fratzscher
DIW-Chef Marcel Fratzscher. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation – ExpertInnen Austausch anlässlich der Kurt Rothschild Preisverleihung, 27.09.2017 CC BY-SA 2.0

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Unser Wohlstand kommt übers Meer – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Welt ist so vernetzt wie nie zuvor. Auch wenn es in vielen Ländern protektionistische Tendenzen gibt, hat die weltweite Vernetzung ein Ausmaß erreicht, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Die Welt ist zusammengerückt. Viele Produkte, die Sie täglich nutzen, werden komplett oder in Teilen rund um den Globus verschifft, bevor Sie sie in Händen halten.

Die globalen Wertschöpfungsketten wären undenkbar ohne den regen Seehandel, der die Welt verbindet. Tausende Containerschiffe fahren von Kontinent zu Kontinent und bringen uns Waren vom anderen Ende der Welt.

Ich schreibe hier vorrangig über Zukunftstechnologien, die unsere Welt tiefgreifend verändern werden. Doch nichts hat unseren Wohlstand so sehr befeuert, wie der weitgehend freie Welthandel.

Deutschland ist Exportweltmeister

Unser Land ist erfolgreich, weil wir so stark in den Welthandel eingebunden sind. Maschinen und Autos aus Deutschland genießen international einen guten Ruf. Von den Erträgen aus dem Exportgeschäft kaufen wir beispielsweise Elektronik, chemische Erzeugnisse und Bekleidung. Das meiste davon wird übers Meer transportiert.

Die Lebensadern unserer Wirtschaft liegen im Wasser

Wenn Sie schon einmal in Hamburg am Hafen standen, haben Sie einen Eindruck, welche Mengen an Gütern täglich über den Seeweg nach Europa kommen. Rund 90% aller weltweit gehandelten Waren werden übers Meer befördert.

Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Costamare oder Euronav betreiben riesige Flotten, um Waren rund um die Welt zu verschiffen. Sind die Aktien deshalb einen Blick wert? Das Geschäft ist lukrativ, aber hart umkämpft. Triton ist da schon eher interessant, denn das Unternehmen vermietet die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Hotels und Restaurants: Wachstum ja, aber noch keine V-Erholung

Claudio Kummerfeld

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Restaurant-Tische mit Gläsern

Der Umsatz bei Hotels und Restaurants ist im August gegenüber Juli um 5,5 Prozent gestiegen. Aber im Vergleich zu August 2019 liegt er immer noch mit 22,2 Prozent im Minus. Die Grafik, die bis zum Jahr 2013 zurückreicht, zeigt es: Eine V-förmige Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Der Indexwert der Umsätze von Hotels und Restaurants lag vor dem Start der Coronakrise im Februar bei 105,5 Indexpunkten, und im August waren es 80,9 Punkte. Da ist noch einiges an Lücke vorhanden. Innerhalb der Gastronomie lag der reale Umsatz der Caterer im August 2020 sogar um 32,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Gut, diese heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten sind aus August. Inzwischen haben wir Oktober, und die V-förmige Erholung könnte bis jetzt schon fast geschafft sein. Könnte, nicht muss. Aber selbst wenn…. ein halbes Jahr lang gigantische Verdienstausfälle machen einer Branche zu schaffen, die darauf angewiesen ist konstant Umsatz zu machen. Viele Betreiber und Hotels und Restaurants überleben vielleicht aktuell, aber nur dank staatlicher Kredite. Man hat also nach der Krise deutlich mehr Schulden als vorher, dazu kommen oft noch vermutlich Mietschulden, weil der Vermieter monatelang die Restaurantmiete stundete, die nun nachgezahlt werden muss. Hat man die Krise auf den ersten Blick überlebt, und hat wieder „normale“ Umsätze, so türmen sich die Schulden auf. Zeitlich verzögert könnten also viele Insolvenzen folgen, auch wenn sich die Umsätze der Branche wieder normalisieren.

Chart zeigt Umsätze bei Hotels und Restaurants

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