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Mario Draghi bei „Bild“ als Vampir – aber es ist die Demografie!

„Bild“ zeigt Draghi als Vampir, der die Deutschen aussaugt. Aber man verwechselt dabei Symptom (Draghi) mit der Ursache (Demografie)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Kritik ist groß an Mario Draghi – zumindest in den „Nordländern“ der Eurozone! So verkündet heute etwa Deutschlands führendes Intelligenz-Blatt „Bild“ (kleiner Scherz am Rande..):  „Schwarzer Tag für die Sparer“ und zeigt Mario Draghi auf seinem Titelfoto als Vampir. Und Gabor Steingart spricht in seinem heutigen „Morning Briefing“ gar von einem „Woodstock der Unseriosität“.

Woodstock, Vampir hin oder her – Mario Draghi und die EZB sind wie Don Quichotte, die gegen Windmühlen kämpfen: denn trotz der massiven Ausweitung der EZB-Bilanz sind die Inflationserwartungen weiter gesunken – und es sind diese sinkenden Inflationserwartungen, die reale Entscheidungen in der Wirtschaft widerspiegeln und damit eine Deflation ankündigen! Mit ihrer Politik sorgt die EZB dafür, dass die Anleiherenditen sinken – und sinkende Renditen gehen meist einher mit sinkenden Inflationserwartungen, also genau das, was die Notenbank eigentlich vermeiden will.

Hierin liegt gleichermaßen eine gewisse Tragik, aber eben auch ein offenkundiges Scheitern einer Geldpolitik, die den Bezug zur Realität verloren zu haben scheint. Das scheint einigen Mitgliedern der EZB inzwischen durchaus bewußt zu sein – sie sehen, dass die bisherigen Maßnahmen kaum wirkten und sind daher skeptisch, was die neuen Maßnahmen betrifft (so etwa Österreichs neuer Notenbankchef Holzmann).

Mario Draghi und die EZB aber haben vorwiegend ein nicht zu lösendes Problem – und das ist die Demografie! Wie soll bei einer immer älter werdenden und zahlenmäßig abnehmenden Bevölkerung die Nachfrage steigen? Kaufen sich 70-jährige ein zweites Haus? Wohl nicht. Vielleicht muß man der Notenbank vorwerfen, sich selbst und den Märkten nicht einzugestehen, dass wir es hier grundsätzlich mit einem Problem der Demografie zu tun haben, gegen das niemand, auch die EZB nicht, etwas ausrichten kann: Weniger Arbeitende müssen immer mehr Nicht-Arbeitende mitfinanzieren, das ist der entscheidende Trend! Mit der stetig steigenden impliziten Verschuldung (160% des deutschen BIP) wird so die Luft zum Atmen immer dünner.

Statt sich aber klar zu werden, dass wir in einer Wohlstandsillusion (Daniel Stelter) leben mit immer weiter in die Zukunft verschobenen Zahlungsversprechen, die irgendwann eben auch eingelöst werden müssen (das kommt symbolisch bei Staatsanleihen mit 100 Jahren Laufzeit auf den Punkt), zielt man auf den vermeintlich bösen Mario Draghi. An dem Römer gibt es sicher viel sachlich zu kritisieren – aber Eigenerkenntnis wäre vielleicht ein erster Schritt zur erfolgreichen Therapie: wir kritiseren das Symptom (Draghi), aber ignorieren die Ursache!

Das bringt Jochen Stanzl gut auf den Punkt in folgendem Video:

 

Die "Bild" stellt Mario Draghi als Vampir dar, der uns aussaugt

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    tm

    13. September 2019 13:04 at 13:04

    Jo, die Demographie ist sicherlich ein wichtiger Punkt und dazu noch einer, der sich de facto von der Politik nicht verändern lässt (die Geburtenziffern liegen von Lissavon bis Tokyo unter 2,1). Dazu kommt aber noch, dass wir in nahezu allen entwickelten Volkswirtschaften ein lineares Wachstum haben, d.h. das reale BIP wächst pro Jahrzehnt in etwa um den gleichen Absolutbetrag – was bedeutet, dass die Wachstumsraten kontinuierlich sinken. Und dieser lineare Zusammenhang gilt letztlich auch für Inflation und Zinsen. Das bedingt nicht zwangsläufig dauerhaft negative Zinsen, aber Zinsen von über 3% wird es in der Eurozone, Japan, der Schweiz und vielen Währugnsräumen wohl nie mehr sehen (allenfalls sehr temporär).

    Buchtipp: „Die Scheinkrise“ von Kay Bourcarde und Dr. Karsten Herzmann

  2. Avatar

    Ranzentier

    13. September 2019 14:20 at 14:20

    …sehr gut beschrieben und damit sollte jedem klar sein, warum die Grenzen eine Zeit lang weit geöffnet wurden…wenn man das konsequent und strukturiert weiter durchführen würde, dann würde es das oben beschriebene Problem nicht geben…aber das ist eben ein schmaler Grat…Stichwort: AfD, Parallelgesellschaften, Kulturunterschiede…

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Dax: Neutrale Stimmung lässt Fortsetzung der Rallye vermuten – nur wann?

Stephan Heibel

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So viel passiert und so wenig zu sehen: Nach einer ereignisreichen Woche notiert der DAX nahezu unverändert auf dem Niveau von vor einer Woche. Dabei haben wir diverse Übernahmen, Börsengänge und Tech-Ausverkäufe gesehen, sowie eine Notenbankentscheidung und Betrugsvorwürfe verarbeitet. Wenn ich mir das vor Augen führe, dann hat sich der Aktienmarkt doch erstaunlich robust gezeigt.

Auch unsere Sentiment-Analyse zeigt erstaunlich wenig Bewegung: Die Stimmung bleibt auf einem neutralen Niveau bei -0,1. Die Verunsicherung unter den Anlegern bleibt moderat bei -1,4. Sogar die Zukunftserwartung bleibt mit einem Wert von +1,2 auf dem gleichen Stand wie vor einer Woche. Das ist mäßiger Optimismus, eine dünne Mehrheit für die Optimisten vor den Pessimisten, wobei die neutral gestimmten Anleger die größte Gruppe bilden.

Einzig bei der Investitionsbereitschaft gibt es ein wenig Bewegung: Nach 2,0 in der Vorwoche ist der Indikator nun auf 1,1 gesunken. 2% der Umfrageteilnehmer, die vor einer Woche noch Kaufen wollten, sind nun ins Lager derer übergesiedelt, die Verkaufen möchten. Kaufabsicht ist eine wichtige Voraussetzung für steigende Kurse, doch nur eine von vielen. Es kann auch sein, dass bereits ein nachlassender Verkaufsdruck für steigende Kurse sorgt.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger notiert ebenfalls unverändert bei neutralen -2. Profis, die sich über die Eurex absichern, verhalten sich ebenfalls neutral. Das Put/Call-Verhältnis von 1,3 liegt nur leicht unter dem Durchschnitt von 1,4.

In den USA sieht es da anders aus. Das Put/Call-Verhältnis der CBOE notiert weiterhin bei 0,45 Punkten und damit in einem Bereich, der so bullisch ist wie in den vergangenen fünf Jahren nicht. Das Vertrauen in Präsident Trump, bis zu den Wahlen eine gute Börsenstimmung zu schaffen (wichtiger Faktor für Wiederwahl!), ist sehr groß.

Ganz anders sehen dies Fondsmanager, deren Investitionsquote vor einer Woche um 40% auf 53% eingebrochen war. Diese Woche folgte nur eine leichte Gegenbewegung auf 59%. Jetzt wird ein Schuh draus: Fondsmanager haben schon vor einer Woche Cash generiert, um für die anstehenden Börsengänge von Snowflake, Amwell und bald folgend vielleicht auch Palentir und AirBnB gerüstet zu sein. Ohh, und nicht zu vergessen, vielleicht besteht Trump auf einen Börsengang der US-Sparte von TikTok?

Unter US-Privatanlegern dominieren die Pessimisten, das Bulle/Bär-Verhältnis steht bei -8,4%.

Die technisches Verfassung der US-Märkte ist neutral, wenn wir dem Angst & Gier Indikator des S&P 500 glauben (53%).

Dax Sentiment – die Interpretation

Es hat den Anschein, Anleger sind erst einmal überfordert, die vielen Ereignisse der abgelaufenen Woche einzuordnen, denn die Stimmung hat sich seit der vergangenen Woche kaum verändert. Es bleibt bei der Aussage der vergangenen Wochen: Rotation! Es gibt einige Aktien, die sind bereits zu hoch gelaufen. Gleichzeitig gibt es aber noch viele Aktien, die besser aus der Coronakrise kommen, als viele das erwartet haben.

Aus Sicht der Sentiment-Theorie kann ich keine künftige Richtung ableiten. Grundsätzlich würde ich die Stimmungslage dahingehend interpretieren, dass noch reichlich Luft nach oben für diese Rallye besteht. Der Optimismus ist überaus moderat und in der Regel enden Rallyes mit überschäumender Feierlaune bei großem Optimismus. Davon sind wir weit entfernt.

Doch ich kann der aktuellen Stimmungslage nicht entnehmen, ob wir vor der Wiederaufnahme der Rallye beim Dax noch einen Rücksetzer verkraften müssen, oder nicht. Ich weiß also nicht, ob Sie jetzt schon investiert sein sollten, oder noch eine bessere Gelegenheit dafür bekommen. Daher bleibe ich auch hier bei meiner Standard-Empfehlung: Schrittweise vorgehen :-). Jetzt gibt es bei einzelnen Werten schon Kaufkurse. Wir haben in den vergangenen Wochen bereits neue Positionen aufgebaut. Aber Sie sollten noch Pulver trocken halten, falls es noch einen Rücksetzer gibt.

Die Stimmung zum Dax ist neutral

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