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Mehr Menschen bedeuten automatisch mehr Arbeitsplätze? Eine Gegenrede!

Es ist ein nachvollziehbarer und verführerischer Gedanke: Die Bevölkerungsanzahl steigt durch Zuzug. Dadurch benutzen mehr Menschen Bus und Bahn, mehr Menschen gehen einkaufen und benötigen…

Redaktion

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am

Von Claudio Kummerfeld

Spiegel Online hat gestern ein sehr interessantes Interview veröffentlicht, das sofort vielen ins Auge gefallen sein dürfte. Der Titel lautete Mehr Menschen schaffen mehr Arbeit, mehr Handel, mehr Umsatz. Diese These stammt vom Migrationsexperten Kilian Kleinschmidt, der interviewt wurde. Es ist lesenswert, auch wenn man seine Schlussfolgerungen nicht teilen muss – einfach mal reinschauen.

Arbeitsplätze 1
Containerschiffe im Hamburger Hafen. Foto: Gunnar Ries/Wikipedia (CC BY-SA 2.5)

So sagte er unter anderem zum Thema Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland:

„Unser Bruttoinlandsprodukt ist zuletzt gestiegen. Und wenn wir über das Geld reden, das wir in den kommenden Jahren zur Integration der Flüchtlinge verwenden – wo geht es denn hin? Es bleibt in Deutschland. Mehr Menschen schaffen mehr Arbeit, mehr Handel, mehr Umsatz. Es ist kein verschenktes Geld. Sondern unsere Steuergelder werden wieder in Umlauf gebracht. Die Politik ist gefordert, richtig zu steuern.“

Die ganze Grundargumentation von Kleinschmidt ist anscheinend darauf aufgebaut, dass durch die reine Anwesenheit von „mehr Menschen“ und die damit gestiegene wirtschaftliche Leistung die Arbeitskräftenachfrage im gleichen Umfang mitsteigt, so dass Volkswirtschaft und Staat nach gewissen Anfangsschwierigkeiten die Aufnahme von mehr Menschen nicht nur verkraften können, sondern dass am Ende alle einen Mehrwert davon haben. Diese heutige Gegenrede soll nicht den menschlichen, sondern den volkswirtschaftlichen Aspekt seines Grundgedanken beleuchten!

Es ist ein nachvollziehbarer und verführerischer Gedanke: Die Bevölkerungsanzahl steigt durch Zuzug. Dadurch benutzen mehr Menschen Bus und Bahn, mehr Menschen gehen einkaufen und benötigen Lebensmittel, mehr Menschen gehen in Schulen und und und. Die logische Denkweise: Es werden mehr Lehrer, mehr Busfahrer, mehr Supermarktmitarbeiter benötigt. Dadurch steigt die Anzahl der benötigten Arbeitskräfte so stark an, dass die Zugezogenen wunderbar ihren Platz in der Volkswirtschaft finden. Dieser Grundgedanke dürfte heutzutage grundlegend falsch sein, und erst recht in Deutschland.

Ein paar Beispiele: Hunderttausende Flüchtlinge erhalten dieser Tage in Deutschland aufgrund neuer Gesetze ein Girokonto bei der Bank ihrer Wahl. Dadurch müssten eigentlich die Banken hier und da neue Schaltermitarbeiter einstellen, um diese Kunden mit oftmals großem Informationsbedarf bedienen zu können. Aber: Durch die EZB-Politik der Negativzinsen, und langfristig gesehen durch den brutalen Automatisierungsdruck im Bankgewerbe werden aber derzeit kleine Banken gezwungen mit anderen Banken zu fusionieren, Mitarbeiter zu entlassen und Filialen zu schließen. Der Kunde wird freundlich darum gebeten online seine Bankgeschäfte zu machen. Sonst zahlt er inzwischen gut und gerne pro Papierüberweisung einen Euro.

Ein Beispiel der fortschreitenden Rationalisierung konnte man in gigantischer Größe gestern beim Spazierengehen am Hamburger Elbstand besichtigen. Große in China produzierte Containerverladebrücken wurden komplett fertig auf Schiffen in den Hamburger Hafen geliefert. Sie ersetzen einige alte Verladebrücken auf einem Containerterminal des städtischen Betreibers HHLA. Mit diesem Brücken können sogar mehrere Container auf einmal bewegt werden. Zitat HHLA von gestern:
„Die neuen Brücken von ZPMC sind für Containerschiffe mit 24 Containerreihen quer ausgelegt und dank ihrer 74 Meter langen Ausleger für die Schiffe mit einer Ladekapazität von 20.000 TEU und mehr sehr gut gerüstet. Pro Anlauf schlagen solche Schiffe in Hamburg 5.000 bis 6.000 Container (70.000 bis 84.000 Tonnen Ladungsgewicht) um. Auch in der Höhe des Auslegers wurden die Brücken optimiert: Sie können neun an Deck übereinander stehende Container abfertigen. Außerdem können die neuen Brücken auch im Tandembetrieb arbeiten. Mit einem Hub ist es also möglich, zwei 40-Fuß-Container oder vier 20-Fuß-Container zu bewegen. Insgesamt hilft uns das Ausbauprogramm am CTB, unsere hocheffizienten Abfertigungsprozesse weiter zu optimieren.“
Der eine Mensch oben in der Containerbrücke kann also ab sofort deutlich mehr Container in der selben Zeit bewegen als bisher. In den „guten alten Zeiten“ der Hafenbetriebe noch vor 50 Jahren konnte ein Ungelernter einfach in irgendeinem Hafenbetrieb anheuern, denn pure Muskelkraft für das Schleppen von Waren war immer nachgefragt. Das war einmal. Selbst die Container werden auf den Terminals inzwischen nicht mehr von Menschen, sondern von Roboterfahrzeugen hin und her bewegt!

Noch ein Beispiel? Rein zufällig auch aus Hamburg, aber ähnlich wird es wohl auch in anderen deutschen Städten kommen. Hier ist gerade eine neue U Bahn-Linie in Planung. Fest steht schon jetzt: Es wird eine voll automatisierte U-Bahn ohne Fahrer. Die Bahn wird von einem zentralen Kontrollzentrum aus gesteuert. So fahren inzwischen weltweit schon viele U-Bahnen erfolgreich und problemlos. Wo immer jetzt in Deutschland neue U-Bahnen entstehen, werden wohl oftmals diese fahrerlosen Wagen eingesetzt. Also, anhand dieser Beispiele möchte ich verdeutlichen: Die reine Anwesenheit von 81 statt 80 Millionen Menschen in Deutschland schafft beim Hafenumschlag, bei Banken und im Personen-Nahverkehr wohl kaum mehr Arbeitsplätze. Auch im Einzelhandel, der gerade in Deutschland extrem Discounter-getrieben ist, werden die Anbieter den Kunden wohl eher längere Schlangen an der Kasse zumuten als neue Mitarbeiter einzustellen. Und die Landwirtschaft? Wir kennen doch alle die Bilder unserer ach so „gesunden“ Geflügelfarmen. Die sind derart groß und auf brutale Massenproduktion ausgerichtet: Werden dort mehr Menschen in den Ställen benötigt? Wohl kaum.

Wohl weniger durch die steigende Konsumnachfrage, aber eher durch den Demographiewandel werden einige Zugezogene Arbeit finden. Aber die Automatisierung und stetig fortschreitende Rationalisierung in ALLEN Bereichen werden den Traum von „1 Mensch mehr = 1 Arbeitsplatz mehr“ schnell als schöne Illusion entpuppen. Auch wenn Kleinschmidt diese 1:1-Relation so nicht ausgesprochen hat, so kann man seine Ausführungen aber genau so verstehen. Noch vor 100, und teilweise vielleicht noch vor 40 Jahren hätte diese Relation noch eher gestimmt für Deutschland. Noch eher mag diese Relation heutzutage in Ländern stimmen, die eine geringe Produktivität und einen geringen Rationalisierungsdruck aufweisen aufgrund einer fehlenden Exportindustrie.

Deutschland aber steht aufgrund der hohen Lohnkosten in einem brutalen Druck, genau wie die Koreaner, Taiwanesen, Japaner, Singapurer und viele andere stetig ihre Fertigungsprozesse zu optimieren. Pro Mitarbeiter werden in der selben Arbeitszeit mehr Produkte hergestellt. Dieser Effekt wirkt dem Demographiewandel und der steigenden Nachfrage durch mehr Menschen entgegen – in Europa zu aller erst in Deutschland! So wird, so darf man es annehmen, der Wunsch von „mehr Menschen = mehr Arbeit“ für viele leider in einer bitteren Enttäuschung enden. Zu guter Letzt: Natürlich werden in Kitas und Schulen mehr Mitarbeiter benötigt, das ist wohl unbestritten. Meine Betrachtungsweise richtet sich aber an die gesamte Volkswirtschaft, und ob sie wirklich alle neu angekommenen „unterbringen“ kann mit Arbeitsplätzen, die sich selbst finanzieren. Und da kann man doch arge Zweifel bekommen!

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    verinet

    16. August 2016 17:14 at 17:14

    tja irrwitzige Theorie durch zahlreiche „geschenkte Menschen“ steigt vielleicht das BSP aber sicher nicht der Wohlstand aller wenn diese Menschen großteils von Hartz 4 leben
    und von der Gemeinschaft alimentiert werden müssen. These passt aber natürlich zur Merkels „wir schaffen das“ und zur Ponyhof-Wellnes Argumentation unserer Leitmedien.

  2. Avatar

    Deutelmoser1994

    16. August 2016 20:25 at 20:25

    ach deshalb sind die Inder so reich :-)

    • Avatar

      Alejandro

      17. August 2016 08:35 at 08:35

      Köstlicher Kommentar :-D

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    Lars

    16. August 2016 21:23 at 21:23

    Arbeit bzw. Leistung muss sich wieder lohnen! So oder so ähnlich hat doch unser rotblondes und übermästetes Huhn getönt, als es um Wählerstimmen ging.
    Unseren vorsitzenden Raubritter im Finanzministerium kümmert das wenig. Er hat eine Steuererleichterung von etwa 8 EUR pro Jahr für den Durchschnittsverdiener verkündet, umzusetzen in den nächsten 5 Jahrzehnten ;)
    Hier mal eine neue, gute Idee: Herr Schäuble, besteuern Sie die Roboter, die Container, all‘ die, die wirklich Umsätze bringen.
    Und lassen Sie die, die ohnehin nichts haben, endlich in Ruhe!

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    Forexmonkey

    17. August 2016 08:56 at 08:56

    Schade das die Containerverladebrücken nicht in Deutschland oder der EU produziert wurden. Wo ist die voll automatisierte U-Bahn ohne Fahrer entwickelt und gebaut worden? Ist die Software der Online-Banken hier in der EU entwickelt und programmiert worden oder in Indien? Wo ist die Zukunft unserer Kinder…?

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    joah

    17. August 2016 11:24 at 11:24

    Was hier erzeugt werden soll ist das gleiche wie 1989: ein Scheinaufschwung im Binnenmarkt, um einen eigentlichen Abschwung im Hintergrund zu übertünchen, den man nicht verhindern kann. Alle fühlen sich beschäftigt, aber produzieren in erster Linie erst einmal nichts, was die Ökonomie voranbringt – im Gegenteil: sie verkonsumieren nur. Wenn diejenigen dann wirklich einmal gewillt sind sich zu verbessern und ihren Beitrag zu leisten, können damit teilweise gewisse Liquiditätsklemmen gelöst werden (Anstieg Neuverschuldung bei gleichzeitigem Wirtschaftsaufschwung im Ansatz).
    Das Gedankenproblem daran ist: die hiesigen Gäste sinnen nicht einmal ansatzweise danach (bewirten lassen ist doch viel besser) und man müsste einem physisch ausgewachsenen Kind noch einmal ordentlichen Verstand und Wissen beibringen… aber dann ginge es ja auch schon wieder in Rente. Ohnehin fehlt der Wirtschaftsaufschwung, da wir uns eher in einem Abschwung bei gleichzeitiger Liquiditätsklemme mit aktuell deflationären Tendenzen befinden.
    Das, was hier versucht werden soll, kann meiner Meinung nach schon grundlogisch nicht funktionieren. (ich freue mich über Gegenthesen)

    • Avatar

      verinet

      17. August 2016 11:42 at 11:42

      ….aber wie kommen so intelligente Leute wie Dietet Zetsche dazu zu sagen „die Flüchtlinge können ein neues Wirtschaftswunder für Deutschland bedeuten“ richtig ist doch vielmehr wir bräuchten ein neues Wirtschaftswunder um den Flüchtlingszustrom zu bewältigen

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        joah

        17. August 2016 12:20 at 12:20

        Viele Intelligente stellen sich zur Masse gerne auch mal dumm aus reinem Opportunismus.

        • Avatar

          verinet

          17. August 2016 13:28 at 13:28

          …ja, dann aber nicht einen Flüchtling einstellen und ein neues Werk in Polen bauen

          • Avatar

            joah

            17. August 2016 14:03 at 14:03

            Opportunismus: dies dient alles der Vorbereitung zur Werksschließung/-verkleinerung – die Deutschen sind immernoch zu teuer. (zu den Flüchtlingen: Das vermeintlich Gute im Mantel des verstecken Bösen.)

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Aussicht für deutsche Exporte verfinstern sich spürbar

Claudio Kummerfeld

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Über den Hamburger Hafen laufen viele Exporte Richtung Übersee

Die Stimmung der deutschen Industrie für ihre Exporte in den nächsten Monaten verfinstert sich gerade spürbar. Denn laut aktueller Veröffentlichung des ifo-Instituts hat sich die Stimmung unter den deutschen Exporteuren merklich verschlechtert. Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im November von plus 7,0 auf minus 2,1 Punkte gefallen. Der Chart zeigt nach der Erholung aus dem „Corona-Tal“ den Absturz bei den Erwartungen an die Exporte. Erstmals seit Juni ist der Erwartungsindex wieder negativ.

Insbesondere die Heftigkeit der zweiten Corona-Welle in vielen europäischen Ländern belastet laut ifo-Institut die Exporte. Einen deutlichen Dämpfer beim künftigen Auslandsgeschäft musste die Automobilbranche verkraften. Der Optimismus der vergangenen Monate ist verflogen. Mit deutlichen Rückgängen beim Export rechnet die Nahrungsmittelindustrie. Der Maschinenbau geht eher von einer konstanten Entwicklung bei den Exportumsätzen aus. Gleiches gilt für die Metallbranche. Weitere Zuwächse erwarten hingegen die Chemische Industrie und die Elektrobranche.

Der Chart vom ifo-Institut zeigt Erwartungen für die deutschen Exporte

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EZB warnt wieder vor Risiken, die sie selbst geschaffen hat!

Markus Fugmann

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am

In ihrem heute veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht warnt die EZB wieder einmal vor Risiken und dem Platzen einer Blase, die sie letztlich selbst geschaffen hat!

Die EZB zur permanenten Intervention verdammt

So beklagt Europas Notenbank etwa die „Konzentration von Risiken“ in einigen Bereichen – und man sollte doch die Frage stellen, warum es diese Konzentration von Risiken wohl gibt! Die Antwort ist fast schon unterkomplex: wegen der finanziellen Repression, die durch die EZB ausgeübt wird. Wie ließe sich etwa sonst erklären, dass griechische Staatsanleihen mit Laufzeit bis vier Jahren negative Renditen aufweisen  – Anleger also bereits sind, einem de facto bankrotten Staat für den Kauf von Schuldpapieren sogar noch Geld zu bezahlen?

Dazu kommt: die Notenbank beklagt die schwache Profitabilität der Banken der Eurozone,  die ja eben aufgrund der Zinspolitik der EZB mit Negativzinsen schlicht kaum profitabel arbeiten können.

Mit anderen Worten: die EZB betreibt eine massive Manipulation nicht nur der Märkte für Staatsanleihen, sondern zerstört im Grunde die Existenzgrundlage europäischer Banken, die nicht zufällig deutlich schlechter dastehen als die amerikanische Konkurrenz. So entsteht eine Situation, die immer neue Eingriffe verlangt, um die weitgehend selbst verursachten Schieflagen zu korrigieren. Wer die Büchse der Pandora öffent, sollte sich eben nicht wundern, dass ungeahnte Konsequenzen entstehen. Die EZB hat den Limes überschritten – und ist damit zur permanenten Manipulation verdammt, weil die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaft, aber die Illusion des ewigen Wohlstands aufrecht erhalten weredn muß! Die Notenbank ist gewissermaßen die Kraft, die stets das Gute will – und das Böse schafft.

Nun hat die Coronakrise letztlich auch die Staaten gezwungen, immer stärker in die Wirtschaft einzugreifen und zu retten. Ein Risiko sieht die europäische Notenbank nun darin, dass diese eigentlich als einmalige Maßnahme gedachten Eingriffe zu früh enden könnten. Die Coronakrise scheint sich als „door opener“ für den staatlich gelenkten Kapitalismus zu erweisen, der Weg zu MMT ist wohl endgültig geebnet!

Für Schmerzbefreite hier die Kurzfassung des Berichts der EZB zur Finanzstabilität im Wortlaut:

 

  • Dispersed economic and financial market impact on countries and sectors could lead to concentration of risks in some areas
  • Policy measures have addressed liquidity challenges but risks can arise from premature or delayed withdrawal of fiscal support
  • Bank profitability prospects remain weak with losses potentially materialising with a lag relative to the recover

Vulnerabilities in the corporate sector are increasing as the pandemic evolves and their unearthing could test the resilience of euro area banks in the future, the European Central Bank (ECB) says in its latest Financial Stability Review (FSR). Current extensive policy support is helping euro area corporates and households to cope with the fallout of the pandemic, but risks can arise either from a premature end to measures or from prolonged support. Premature withdrawal of fiscal support – including government loan guarantees and statutory loan moratoria – could set back the economic recovery, transforming the corporate liquidity challenges observed at the outset of the pandemic turn into solvency issues. The sharp rise in corporate and sovereign indebtedness increases the risks to financial stability from an emerging sovereign-corporate bank nexus in the medium-term, as banks and sovereigns alike are exposed to pandemic-induced risk faced by euro area firms.

“Bank profitability is expected to remain weak. Provisions have increased but look optimistic in some cases, while guarantees and moratoria may have lengthened the time it takes for weak economic performance to translate into loan losses,” said Luis de Guindos, Vice-President of the ECB. “Government support schemes are essential currently but should remain targeted towards pandemic-related economic support and avoid giving rise to debt sustainability concerns in the medium term,” he added.

For euro area banks, which entered the pandemic with stronger balance sheets than at the time of the global financial crisis, a premature end of government guarantees and moratoria could lead to an additional wave of losses. They are also expected to face continued pressures on profitability, including from a weaker outlook for lending and continued structural challenges. Banks’ capital buffers remain comfortable and should remain available to absorb losses and support lending for an extended period. Authorities need to monitor the effectiveness of policies to support buffer use and avert deleveraging. Looking beyond the pandemic, it is important for banks, together with the rest of the financial system, to manage the financial stability risks posed by climate change and support the transition to a greener economy.

A return to risk-taking by non-banks, including investment funds, also increases their vulnerability to outflows and losses should corporate credit risks rise materially. These risks are accentuated by continued gaps in the macroprudential framework for non-bank financial institutions.

Die EZB ist die Kraft, die stets das Gute will - und das Böse schafft

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EZB soll Make-Up-Strategie umsetzen

Hannes Zipfel

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Die Zentrale der EZB in Frankfurt

Es ist schon ein makaberes Wortspiel in Zeiten zwangsgeschlossener Kosmetikstudios sowie arbeitsloser Maskenbildner und Visagisten, dessen sich der finnische Zentralbank-Gouverneur und Ratsmitglied der EZB, Olli Rehn, bedient. Auf einer Konferenz in Helsinki forderte Rehn am Dienstag neben einem symmetrischen Inflationsziel die Umsetzung einer Make-Up-Strategie. Was konkret ist damit gemeint und was kommt als Nächstes?

EZB braucht Make-Up

Ohne die Europäische Zentralbank hätte sich das Thema Eurozone längst erledigt. Das will aber die Masse nicht hören und die Zentralbanker nicht sagen. Also werden seit dem Beginn der Weltfinanzkrise und der Eurokrise alle unkonventionellen Maßnahmen mit dem nicht Erreichen des Inflationsziel der Europäischen Zentralbank begründet, da dieses den Kern des EZB-Mandats darstellt.

Da aber mittlerweile jedem Geld- und einigen Fiskalpolitikern dämmert, dass bei einer Gesamtverschuldung der Industrieländer laut Institute for International Finance von knapp 400 Prozent des Bruttoinlandsprodukts dieses Mandat nicht mehr ausreicht, wird es nun angepasst. Dazu gehört auch, dass man das Inflationsziel von zwei Prozent p. a. (Konsumententeuerung) irgendwie umgehen muss. Denn selbst wenn die jetzige Ausnahmerezession vorüber ist, bleiben die hohen und weiter steigenden Schulden. Die EZB kauft einen Großteil davon auf und hält die Zinsen nominal bei null und real im negativen Bereich, um den Schuldendienst erträglich zu machen.

Am Beispiel der USA, wo die US-Notenbank Fed mit dem Versuch in den Boom nach Trumps Steuerreform hinein die Zinsen zu normalisieren, scheiterte, will man bei der EZB nun vorsorgen. Sollte es zu einer wirtschaftlichen Erholung kommen und die Inflation (Konsumententeuerung) über zwei Prozent hinausschießen, will und kann man wegen der extrem hohen privaten und öffentlichen Verbindlichkeiten die Zinsen dennoch unten halten. Ein eventuelles Überschießen des Inflationsziels soll daher via Make-Up überdeckt werden.

Dazu fordert unter anderem und erneut Olli Rehn die Einführung eines flexiblen Inflationsziels. Die Präsidentin der EZB, Madame Lagarde, spricht sich neben anderen Rats-Mitgliedern ebenfalls dafür aus. Um ein Überschießen der Inflation zu überdecken, soll statt des bisherigen asymmetrischen Inflationsziel ein symmetrisches Inflationsziels eingeführt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass die Notenbanker statt eines festen Wertes einfach einen Durchschnittswert eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit ausrechnen. Solange dieser Wert sich nicht allzu lange und allzu massiv über zwei Prozent befindet, muss die EZB nicht inflationsbekämpfend eingreifen. Angepeilt wird ein Zeitraum der letzten fünf Jahre zur Durchschnittsbildung der Inflationsrate.

Im Falle der Eurozone bedeutet dies eine durchschnittliche Inflationsrate seit Oktober 2015 in Höhe von knapp einem Prozent p. a. Durch Überdeckung einer zukünftigen höheren Inflation mit statistischem Make-Up könnte die Teuerungsrate für eine lange Zeit über zwei Prozent liegen, ohne dass das symmetrische Inflationsziel der EZB übertroffen wird. Die für die Errechnung des symmetrischen Inflationsziels relevanten Parameter (betrachteter Zeitraum etc.) sollen flexibel gehalten werden. Somit ist gewährleistet, dass selbst bei steigender Konsumententeuerung die EZB ihre ultralaxe Geldpolitik gemäß ihrem Kernmandat der statistischen Preisstabilität (ohne Vermögenspreise) beibehalten kann.

Welche Ziele hat die Zentralbank laut EU-Vertrag?

Doch auch der u. a. von Rehn sowie Lagarde und seit dem virtuellen Notenbanker Treffen in Jackson Hole sogar vom Präsidenten der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, geforderte „Monetary Shift“ könnte nicht ausreichen, um die explodierende Gesamtverschuldung durch das symmetrische Inflationsziel zu managen. Daher gräbt man nun bei der EZB im EU-Vertrag nach weiteren Möglichkeiten des geldpolitischen Make-Ups. Und siehe da, man wurde fündig: Ebenso wie bei der US-Fed gestattet der EU-Vertrag auch zwei Nebenmandate, wie Olli Rehn in Helsinki am Dienstag klarstellte: „Wenn wir unser gesetzliches Mandat respektieren, müssen wir danach streben, Vollbeschäftigung, ausgewogenes Wachstum und eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen“. Das symmetrische Inflationsziel wurde zwar im Nebensatz noch mit erwähnt, aber es wird immer deutlicher, dass die EZB nach einer Legitimation ihrer dauerhaften Krisenpolitik sucht.

Wie weit kann die EZB ihr Mandat auslegen?

Schon seit Längerem hat die EZB das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt und möchte verstärkt Unternehmen Kredite durch den Ankauf von Firmenanleihen zu sehr vorteilhaften Konditionen (für die Schuldner) vornehmen. Mit Nachhaltigkeit ist dabei gleichwohl nicht die geldpolitische Nachhaltigkeit oder gar die Schuldentragfähigkeit gemeint, sondern der Klimawandel. Die EZB trägt daher bei einigen Ökonomen schon scherzhaft den Beinamen „Grüne EZB“. Anders als Lagardes Vorgänger Draghi, für den der Klimawandel kaum ein Thema war, ist dies ein Lieblingsthema der jetzigen EZB-Chefin Lagarde. Mit dem neuen deutschen EZB-Ratsmitglied Elisabeth Schnabel hat sie eine Gleichgesinnte gefunden, die ebenfalls durch Billigkredite aus der digitalen Notenpresse den Wandel der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität unterstützen möchte.

Das gibt der EZB weiteren Spielraum, denn bislang befinden sich Unternehmensanleihen in Höhe von einer viertel Billion Euro im Portfolio der EZB, von denen laut Greenpeace gemäß einer aktuellen Studie vom 3. November 63 Prozent von klimaschädlichen Unternehmen stammen. Um diese Zahl prozentual kosmetisch zu relativieren, könnte man das Portfolio einfach umschichten und mehr „Grüne-Anleihen“ kaufen. Doch das wäre der Todesstoß für unzählige Unternehmen und Arbeitsplätze, was wiederum die anderen Mandate der EZB untergraben würde.

Also geht man den anderen Weg und kauft noch mehr Unternehmensanleihen (vornehmlich Grüne), um die Anzahl der Klimaschädlinge im eigenen Anleiheportfolio zu relativieren. Auch die Mandate Vollbeschäftigung und ausgewogenes Wachstum geben der EZB praktisch einen Freibrief für die Beibehaltung ihrer ultralaxen Geldpolitik.

Fazit und Ausblick

Die Umstellung von einem asymmetrischen auf ein symmetrisches Inflationsziel ist eine weitere „unkonventionelle“ geldpolitische Maßnahme, um die Notfallgeldpolitik zu prolongieren. Richtig spannend wird es am 10. Dezember, wenn die nächste EZB-Ratssitzung mit anschließender Pressekonferenz stattfindet, auf der neue Maßnahmen bekannt gegeben werden sollen – auch kosmetische. Noch spannender wird es dann im Januar 2021, wenn das Thema „Worldwide-Reset“ von den wichtigsten Notenbankern und anderen supranationalen Institutionen erneut besprochen wird. Höflich ausgedrückt ist ein Reset ein Neustart. In der Praxis geht es aber um einen globalen Schuldenschnitt inkl. Währungsreform, also einen Neustart mit Enteignung breiter Bevölkerungsschichten und Sparer.

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