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Nur 3% Arbeitslose, davon träumt jeder Staat: In diesem Land ist das aber eine Katastrophe…

FMW-Redaktion

Es ist doch wirklich so: Würden Griechenland, Spanien und Frankreich nicht jubeln über eine Arbeitslosenquote von nur 3 Prozent? Ja wirklich! Andernorts ist dies ein Zeichen für eine Katastrophe, die sich Monat für Monat, Jahr für Jahr schleichend, aber immer deutlicher abzeichnet. Die Rede ist von Japan. Wie man im Chart unten gut sehen kann, zeigt die gestern aus Japan veröffentlichte offizielle Arbeitsmarktstatistik eine offizielle Arbeitslosenquote von nur noch 3 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit 1995!

Eigentlich eine Traumwelt für jeden Ökonomen. Dazu kommt noch, dass zum Beispiel die Anzahl der arbeitenden Frauen mit 28,3 Millionen und ihre Partizipation am Arbeitsmarkt mit einer Quote von 66,3% auf Rekordhochs liegt. Da kann jeder Arbeitsmarktforscher nur applaudieren. Aber zurück zur Artikelüberschrift: Wo ist hier die Katastrophe? Der Grund für diese zunächst traumhaften Zahlen liegt in Japan nicht in einem Wirtschaftsboom oder der großen Nachfrage nach Arbeitskräften, sondern im dramatischen Demographiewandel, der die japanische Gesellschaft in einem viel größeren Umfang als Europa überaltern lässt. Es sind schlicht und einfach gesagt keine Menschen mehr vorhanden, denen man Arbeit anbieten könnte. Es sei denn man zwingt 90jährige Rentner zurück an die Werkbank!

Neben der zu geringen Geburtenrate kommt bei Japan ein ebenso wichtiger Faktor beim Demographiewandel hinzu: Anders als Europa oder die angelsächsischen Länder gibt es in Japan keine „Auffüllung der Masse an verfügbaren Arbeitskräften“ durch Einwanderung. Japan lehnt Einwanderung traditionell restriktiv ab. Flüchtlinge lässt man zum Beispiel nicht ins Land, sondern hilft lediglich mit Geld und Entwickungshilfe im Ausland! Das kann man politisch zwar so oder so sehen, aber Tatsache ist, dass immer weniger Menschen da sind, die die ganz normale anfallende Arbeit machen können. Im Alltag mag das in Japan noch nicht so richtig auffallen, aber die gesamtwirtschaftlichen Daten zeigen das ganz eindeutig!

Die Bank of Japan pumpt in obszönem Ausmaß Geld, die Regierung verschuldet sich immer mehr, aber all das hilft nicht um die Wirtschaft zum Laufen zu bekommen. Ein Ökonom brachte es vor Kurzem auf den Punkt, als er sagte „Japan braucht nicht mehr gedrucktes Geld, sondern mehr Kinder.“ Denn durch fehlende Nachfrager kommen Konsum und Wirtschaftswachstum immer mehr zum Erliegen. Bruttoinlandsprodukt und Inflation enttäuschen. Die Gesellschaft überaltert, und hat damit ständig weniger Nachfrager, die aktiv im Arbeitsleben stehen. So ist die Anzahl der Industriearbeitsplätze in Japan in den letzten 10 Jahren von 11,7 auf 10,3 Millionen gesunken. Gleichzeitig haben die Branchen Medizin und Gesundheit 2,7 Millionen neue Jobs geschaffen (Überalterung der Gesellschaft).

Die Gruppe der vermeintlich wichtigsten Arbeitnehmer, Männer im Alter von 25-44 Jahren, betrug zuletzt nur noch 14,7 Millionen Personen – das ist der niedrigste Stand seit 48 Jahren in Japan! Die Umfrage einer japanischen Lebensversicherungsgesellschaft hatte vor Kurzem ebenfalls etwas Dramatisches zu Tage gefördert. Noch vor drei Jahren wollten 67% der Männer in ihren 20ern heiraten, jetzt nur noch 39%. Der Grund für diesen Rückgang: Immer mehr Männer in diesem Alter in Japan wissen nicht, wie sie mit ihrem niedrigen Einkommen eine Familie ernähren sollen. Auch die harten Fakten zu Haushaltsausgaben untermauern diese Befürchtungen. So sinken die Haushaltsausgaben in Japan im Vergleich zum Vorjahr um 0,5% – aus ökonomischer Sicht ein bedeutender Rückgang! Einzelhandelsumsätze gehen im Vergleich zum Vorjahr um 0,2% zurück. Also verpuffen all die Versuche mit gedrucktem Geld und Schulden die Konjunktur und die Inflation anzuheizen.

Wir haben da einen alternativen Lösungsansatz, der vielleicht merkwürdig klingt, aber vielleicht doch unendlich effektiver wäre als ständig so weiterzumachen wie die Bank of Japan, die dabei ist den ganzen heimischen Aktien- und Anleihemarkt aufzukaufen: Wie wäre es, wenn der Staat für jedes neugeborene Kind eine riesengroße Geldprämie an die Eltern auszahlt, und ein extrem hohes monatliches Kindergeld, dass junge Paare aber mal so richtig animiert zwei, drei oder vier Kinder in die Welt zu setzten. Das würde bestimmt mehr bringen als mit Notenbankgeld Aktien zu kaufen. Denn aus ökonomischer Sicht hat der Staat dann in 20 Jahren wieder viel mehr Konsumenten und Arbeitnehmer!

Japan 1



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6 Kommentare

  1. Nicht nur in Japan, nein, auch bei uns sollten Kindern oder aber deren Eltern vom Staat besser gefördert werden.

    Bei uns wird das Problem aufgrund der Einwanderung vermutlich nicht so groß werden, wie in Japan, aber ohne gegen Einwanderung zu sein, jedes deutsche (!) Kind, muss nicht für teuer Geld erst integriert werden. Dieses Geld könnte man der Familie auf andere Art und Weise zukommen lassen.

  2. Demografische Überalterung in Japan

    Was mir seit einiger Zeit verstärkt auffällt, zB. in einer süddeutschen Großstadt.

    Zehntausende Bürger aus Südostasien.
    Gefühlt und hochgerechnet auf alle Stadtteile könnten es sogar Hunderttausend sein. Keine Touristen. Junge Leute.
    Mir fallen zudem meistens die schnuckligen Persönchen angenehm ins Auge, die weiblichen Geschlechts sind. Zumindest auf der Straße bzw. in der Öffentlichkeit sind sie in der Überzahl (Oder evtl nur selektive Wahrnehmung, wenn ich an Sigmund Freuds Erkenntnisse denke).
    Aber egal, genug abgeschweift.

    Ich habe keine Ahnung vom genauen Herkunftsland. JAPAN?
    China, Korea, Taiwan? Einige wohl auch aus der thailändischen Region.

    Wenn ich die Personenzahl nicht nur auf Stadtteile „hochrechne“ sondern auf die ganze Republik und dann noch unterstelle dass die meisten aus China und Japan kommen, dann…

    Ja, dann frage ich mich doch jedesmal ganz ernsthaft,
    wieso kommen sie zu uns, wenn die doch schon allein aus demografischen Gründen in der Heimat dringend gebraucht werden???

    Auch China altert ja angeblich. Wegen der gewesenen Ein-Kind-Politik.

    Wieso lässt das Heimatland die einfach gehen und erlaubt, dass sie bei uns das angebliche Übel eines Bevölkerungsschwunds mindern helfen???

    Drei Fragezeichen, weil mir das wirklich so herzlich wenig logisch erscheint und für mich ein dickes Rätsel darstellt.

  3. exakt @ gixer

    Wir sterben aus und dabei hätten wir jegliche Instrumente in der Hand, das zu verhindern und zusätzlich die (wirtschaftliche und …) Zukunft zu sichern.

    Lieber holen wir uns die marrokkanischen, tunesischen, syrischen, afghanischen, pakistanischen, etc. Facharbeiter, Ärzte, Ingenieure und Kaufmänner ins Land. ;-) Weil wir es eben schaffen.

    Politik gegen das eigene Volk. (PS: das hier ist kein recher Kommentar, sondern die Meinung eines Menschen, der immer in der politischen Mitte stand!)

    1. Nein, keine Angst, wir sterben nicht aus. Die Deutschen waren jahrhundertelang – bis in die Mitte des 19. Jh. – nie mehr als 25 Mio (da waren damals sogar noch die Österreicher dabei), haben Kriege, Seuchen und Hungersnöte überlebt und es gibt uns immer noch. Ein Rückgang von 80 auf 75 Mio bringt uns nicht um.
      Und die große Begeisterung von Wirtschaft und Regierung für Zuwanderung rührt nicht aus dem angeblich drohenden Facharbeitermangel oder den Problemen mit der Finanzierung der Sozialsysteme, sondern dient einzig dem Zweck, Druck auf die Löhne auszuüben. Darin liegt auch die Ursache für Investitionsschwäche, leere Rentenkasse und mangelnde Inflation – wenn die Löhne nicht mit der Produktivität + Zielinflationsrate steigen, kann nicht Nachfrage nicht mit den Produktionsmöglichkeiten mithalten. Da kann die Notenbank pumpen bis sie schwarz wird.

  4. Es sind 3% Arbeitslose, bezogen auf 11.084 Personen!

  5. @gerd
    Abgesehen davon, dass es in Düsseldorf eine kleinere japanische Kolonie gibt (über 8000 Personen, überwiegend Expats, die zeitweise von japanischen Firmen entsandt werden), sind die „schnuckligen Persönchen“ definitiv keine Japaner.
    Die Mehrheit kommt aus China, wo sie zumindest vorerst keineswegs dringend gebraucht werden. Die Volksrepublik China lässt übrigens ihre Studenten nicht „einfach gehen“, sondern gibt sich große Mühe, ihre Leute auch in der Fremde unter Kontrolle zu halten. D.h. die meisten Landeskinder werden schön brav heimkehren – sobald sie im Ausland genug Knowhow abgegriffen haben.

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