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Märkte

Ölpreis: Kommt jetzt endlich die V-förmige Erholung?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was war das für eine Entwicklung beim Ölpreis in den vergangenen Wochen! Ein Ölpreis, der am 20. April beim Auslaufen des Mai-Futures sogar tief ins Negative gerutscht war. Auf FMW wurde ausführlich darüber berichtet. Aber seit Tagen geht es kräftig nach oben, desaströse Wirtschaftsdaten zum Trotze. Aber auch an den Rohstoffmärkten blickt man in die Zukunft, zumal es beim Ölpreis ganz zentrale Faktoren gibt, die grundsätzliche Bedeutung haben, abseits der täglichen Wasserstandsmeldungen.

Der Ölpreis und der weltweite Ölverbrauch

100 Millionen Barrel Öl pro Tag, diese magische Schwelle hatte man im Jahr 2019 erreicht. Obwohl sich Chinas Wirtschaftswachstum bereits deutlich abgeschwächt hatte, war man für 2020 seitens der Internationalen Energieagentur (IEA) optimistisch – bis Covid-19 kam. Der weltweite Verkehr kam zum Erliegen, die Wirtschaft erlebte durch den globalen Lockdown einen Einbruch nie gesehenen Ausmaßes.

Zeitweilig waren zwei Drittel der arbeitsfähigen Menschen weltweit in häuslicher Quarantäne (bis zu 4 Milliarden Menschen), mit unglaublichen Folgen für die Mobilität und damit den Ölverbrauch. Dazu braucht man sich nur den Verbrauch des schwarzen Goldes in seiner Aufteilung anzusehen.

Ölverbrauch insgesamt (Quelle Statista):

57 Prozent Transportsektor
27 Prozent Industrie
11 Prozent Wohnen und Landwirtschaft
5 Prozent Elektrizitätsgewinnung

Eine unglaubliche Dominanz des Verkehrssektors. Dazu noch ein paar Zahlen zur Darstellung des weltweiten Verkehrs. Es gibt derzeit (stark gerundet) circa 1,3 Milliarden Kfz, 90.000 Schiffe auf den Meeren, davon 500 Kreuzfahrtschiffe und geschätzt um die 24.000 Verkehrsflugzeuge (davon sind bei der Lufthansa derzeit 700 von 763 Maschinen am Boden).

Damit wird im im Nachhinein klar, welcher Einbruch in der Ölnachfrage in wenigen Tagen und Wochen entstanden sein muss. Erschwerend hinzu kam, dass sich die OPEC-Länder nicht einig wurden bei den notwendigen Förderkürzungen. Ganz im Gegenteil, der Kampf zwischen den Hauptförderstaaten Russland und Saudi-Arabien hat dazu geführt, dass die Scheichs die Ölfördermenge auf neue Rekordquoten getrieben hatten, mit fatalen Folgen für den Ölpreis. Die Lager quollen über, ankernde Tanker wurde zu schwimmenden Öltanks umfungiert.

Die Wende bei Förderung und Nachfrage

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Extrem sinkende Margen und riesige Löcher in den Haushalten, speziell in Saudi-Arabien, deren Steuersystem extrem auf Öleinnahmen aufgebaut ist. Einen gewaltigen Einbruch erleidet auch die kostenaufwändige Frackingindustrie in den USA, die über 50 Dollar benötigt, um überhaupt kostendeckend fördern zu können. Inzwischen hat sich die Zahl der Bohrstellen mehr als halbiert, die Firmen werden durch die US-Regierung mit Staatsgeld über Wasser gehalten.

Folge: Man einigte sich gezwungenermaßen auf Kürzungen.

Und was passiert in Sachen Lockdown? Fast rund um die Welt wird gelockert, die Ausgangsbeschränkungen zurückgenommen, die Produktion wieder gestartet und vor allem nimmt der Verkehr fast überall zu.

Damit fällt fällt der weltweite Ölverbrauch infolge der Coronakrise nach Einschätzung der IEA weniger stark als zunächst befürchtet. Nach neuester Schätzung der IEA ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage in diesem Jahr um durchschnittlich 8,6 Millionen Barrel pro Tag schrumpfen wird. Zuvor hatte man einen Rückgang um 9,3 Millionen Barrel pro Tag erwartet. Ob das noch lange Bestand haben wird?

In Deutschland wird Mitte Juni die weltweite Reisewarnung durch das Auswärtige Amt aufgehoben. Die Lufthansa plant mit ersten Flügen im Juni nach Mallorca und in weitere Urlaubsgebiete. Der Tourismus kommt in vielen Ländern wieder in Gang.

Damit vollzieht sich bereits seit vier Wochen ein deutlicher Anstieg beim Ölpreis, auf über 31 Dollar bei WTI, eine Entwicklung, die Claudio Kummerfeld täglich kommentiert.

Fazit

Es könnte sein, dass man das Todesglöckchen für den Ölpreis schon zu früh geläutet hat. Die radikalen, erzwungenen Kürzungen werden das Angebot rasch schrumpfen lassen. Auf der anderen Seite bringt man in Fernost und in Europas rascher als erwartet große Teile der Wirtschaft wieder in Gang und damit den Verbrauch nach oben. Bestimmt zwei Milliarden Menschen durften jüngst wieder nach draußen und zur Mobilität zurückkehren, hinzu kommen rasche Aufhebungen des Lockdowns bei Industrie und Tourismus.

Sicherlich wird man nicht so rasch an die 100 Millionen Barrel Ölverbrauch pro Tag wieder herankommen, wie vor Corona und auch die übervollen Lagerstätten einschließlich der parkenden Öltanker werden für genügend Nachschub sorgen. Aber zugleich wurden nicht vorstellbare Kürzungen bei der Ölförderung angegangen und zahlreiche Ölvorhaben gestoppt. Die Basis für eine künftige Ölknappheit. Auch wenn es volatil bleiben dürfte, könnte der Ölverbrauch sein Tief erst einmal gesehen haben, ebenso wie der Ölpreis.

Hat der Ölpreis seinen Tiefpunkt nun schon hinter sich?

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