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Märkte

Ölpreis Absturz: Von Minus 37 auf Plus 20 Dollar – und jetzt?

Claudio Kummerfeld

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am

Öl-Pumpe Beispielfoto

Der Ölpreis beherrscht derzeit die Schlagzeilen. Was gestern geschah, gab es so noch nie. Der amerikanische Ölpreis WTI (West Texas Intermediate) kollabierte. Erst notierte er im Front-Monat am Terminmarkt (Lieferung für Öl im Mai) noch Vormittags bei um die 15 Dollar, dann fiel er im Verlauf des Tages immer schneller. Es ging unter die 10 Dollar, und dann sogar zügig ins Negative. Unfassbar. Der WTI-Ölpreis fiel dann sogar auf -37 Dollar. Einfach unfassbar, man muss es wiederholen!

Ölpreis springt von -37 auf +20 Dollar

Und heute? Da schauen wir auf den Ölpreis und sehen für WTI ein Niveau von etwas über 20 Dollar. Was ist passiert? Wir haben es die letzten Tage schon angesprochen, und auch Markus Fugmann hat das Thema heute früh in seinem Video (siehe hier) ausführlich thematisiert. Die Welt ist so überschwemmt mit Öl, dass Verkäufer sogar bereit sind Geld zu zahlen, um ihr Öl loszuwerden! Heute am 21. April endet am Terminmarkt der Mai-Kontrakt, der bis gestern von einigen Beobachtern noch als Front-Monat angesehen wurde. Die Terminhändler hatten schon seit Ende letzter Woche den folgenden Juni-Kontrakt deutlich aktiver gehandelt. Und nun wird der Juni-Kontrakt auch zum offiziellen Front-Monat am Terminmarkt. Laut aktuellen CME-Daten wurden heute nur noch 2.930 Terminkontrakte im Mai gehandelt, aber bereits 184.433 Kontrakte für die Laufzeit Juni. Die Mai-Daten mit dem negativen Kurs waren gestern zwar interessant anzuschauen, für die Öl-Trader am Terminmarkt, die zu allergrößten Teilen schon auf Juni gewechselt waren, aber nicht mehr wirklich interessant.

Selbst der Juni-Ölpreis, der jetzt der entscheidende Monate im WTI ist und bei um die 20,50 Dollar notiert, hat binnen sieben Tagen gut 9 Dollar verloren! Der folgende Chart zeigt seinen Verlauf in den letzten 30 Tagen. Darf man also annehmen, dass er unter die 20 Dollar fallen wird? Denn man kann vermuten, dass die Lage am Öl-Markt erstmal noch viel schlimmer werden wird, bevor sie besser werden kann. Denn zahlreiche Öl-Tanker aus der Golfregion, die noch während der Öl-Schwemme der Saudis im März losfuhren, werden ja in nächster Zeit erst noch in ihren Bestimmungshäfen ankommen, und die dortigen Lager mit noch mehr Öl überschwemmen!

Juni Ölpreis im Verlauf der letzten 30 Tage

Wie geht es weiter am Markt für Öl?

Tja, und nun? Jetzt haben wir im Juni noch einen Ölpreis von über 20 Dollar, für Juli liegen wir über 27 Dollar, für August über 28 Dollar (hier eine Übersicht). Da die Öl-Schwemme derzeit anhält und womöglich erstmal noch schlimmer wird, kann man als Trader von weiterer Schwäche im Ölpreis ausgehen. Das ist bitte keine Garantie oder Handelsempfehlung. Es ist nur eine Vermutung, weil die Schwemme aktuell nicht beseitigt wird. Es kann also kurzfristig noch schlimmer werden, bevor die Überflutung der Märkte mit Öl vielleicht in einigen Wochen nachlässt. Achtung: Heute Abend um 22:30 Uhr deutscher Zeit vermeldet der private Anbieter API die Lagerbestände für Öl in den USA. Und morgen dann um 16:30 Uhr sehen wir die staatlich ermittelten Daten.

Die letzten zwölf Wochen legten die Lagerbestände in den USA durchgehend zu – alleine letzte Woche war es ein Plus von 19,2 Millionen Barrels. Wie sehr die Lagerbestände zunehmen, wird für den Markt heute und morgen ein sehr wichtiger Faktor sein! Noch ein kurzer Kommentar zur OPEC und der Fördermengenkürzung von 9,7 Millionen Barrels pro Tag, die man mit seinen Partnern erst vor wenigen Tagen vereinbart hatte. Wie wir es befürchtet hatten, war diese Menge viel zu gering, um den Ölpreis am weiteren Abrutschen zu hindern. Die Nachfrageschwäche ist viel zu groß, als dass man kurzfristig mit -9,7 Mio Barrels pro Tag der Terminmarkt beeindrucken kann.

Polleit und Cutkovic äußern sich zu Öl

Sogar der Gold-Experte Thorsten Polleit von der Degussa hat sich heute Nacht über den negativen Ölpreis geäußert. Wir wollen hier einen Teil seines Kommentars erwähnen. Er bespricht den gestrigen Tiefpunkt bei -37,63 US-Dollar pro Fass. Der Mai-Futurekontrakt werde heute fällig. Händler hätten Kontrakte verkauft, um die physischen Lieferung zu vermeiden – weil befürchtet wurde, dass Käufer für Öl ausbleiben und daher Kosten für die Lagerung (und hier gibt es bereits Engpässe) entstehen. Daher erschien es Future-Long-Händlern wirtschaftlich(er), die Abnehmer des Rohöls zu bezahlen. Der Ölpreis des Juni-Futurekontrakts für WTI fiel zwar ebenfalls im Tageshandel stark, blieb aber oberhalb von 20 US-Dollar pro Fass – ein Indiz, dass die Märkte (zumindest derzeit) den Preisverfall als eine vorübergehende Erscheinung einstufen, so Polleit.

Milan Cutkovic, Marktanalyst bei AxiTrader, hat heute früh folgenden Kommentar zum Chaos am Ölmarkt abgegeben. Zitat:

Der Ölpreis der Ölsorte WTI stürzte gestern ins Negative – ein historischer Moment. Ausgelöst wurde dies durch den Verfall des Mai-Kontrakts, während der Juni-Kontrakt zwar weiterhin im positiven Bereich notiert. Dennoch signalisiert dies eine fundamentale Schwäche. Es befindet sich zu viel Öl auf dem Weltmarkt und Händler können kaum noch Lagerstätten für den Rohstoff finden. Die Preise dürften daher kurzfristig unter Druck bleiben und es ist nicht auszuschließen, dass es demnächst wieder zu chaotischen Preisreaktionen kommt. Die Interventionen der OPEC-Staaten und der USA ändern nichts an der Tatsache, dass die Nachfrage zurzeit extrem gering ist, was sich auch durch die vor uns liegende weltweite Rezession so schnell nicht ändern dürfte.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    sabine

    21. April 2020 11:08 at 11:08

    Ein richtiger Öl-Tsunami.

    Wer Daniele Ganser und seine historischen Studien, Analysen und Beurteilungen der Mächte der Welt kennt, ist nicht überrascht. Gar nicht. Dr. Ganser hat es in seinen Videos und Büchern schon vor Jahren berichtet. Aber als dämonisierter Böser wurde er natürlich nicht gehört, durfte nicht gehört werden. Nur von Politik-Hippies bzw. politisch unkorrekte Outlaws, die den Mainstream-Dogmen hinterfragen (können).
    https://www.danieleganser.ch/buecher/europa-im-erdoelrausch/
    https://www.peak-oil.com/tag/daniele-ganser/
    https://www.youtube.com/watch?v=cgkQXJ3mugY

    grüne SPD, Piraten, die Partei und die Antifa haben sich bemüht, ihn auszuladen.
    https://www.ruhrbarone.de/daniele-ganser-offener-brief-gegen-911-truther-an-der-uni-witten-herdecke/116155

  2. Avatar

    pippi langstrumpf

    21. April 2020 11:30 at 11:30

    War gestern Tanken, zum vollen Tank habe ich noch 100€, eine Bockwurst und eine Rolle Toilettenpapier bekommen.
    Solche Vorgänge finden mal nun statt in terminierten Veräußerungsgeschäften mit Rohstoffen. Um diese Vorgänge zu begreifen muss man auch die Mechanismen der Börse begreifen, vor allem die Königsdisziplin-der Handel mit Futures und Optionen.

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Finanznews

Aktienmärkte: Tech-Aktien wieder schwach – Zufall? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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Auch heute sind es wieder die relativ schwachen Tech-Aktien, die die amerikanischen Aktienmärkte belasten. Ist das Zufall? Oder vielmehr eine Folge der Ent-Hebelung, die nun am großen Verfallstag seine Fortsetzung findet? Die große Frage ist und bleibt: wieviel der Ent-Hebelung hat bereits stattgefunden? Die Optionen auf US-Aktien verfallen heute um 22Uhr – die Folgewirkungen des Verfalls könnten dann aber vor allem Anfang nächster Woche auf die Aktienmärkte wirken. So oder so: value-Aktien laufen gegenüber growth-Aktien so gut wie seit dem Jahr 2001 nicht mehr – die Rotation raus aus den Tech-Werten geht also weiter. Derzeit viel stärker – auch das wohl kein Zufall – ist im Vergleich zum Nasdaq der Dax..

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Aktien

Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Gold/Silber

Rüdiger Born: Positionieren kurz vor dem Wochenende? Und wohin mit Gold?

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Soll man so kurz vor dem Wochenende noch neue Positionen aufbauen? Dazu will ich mich im folgenden Video äußern in Sachen Indizes, Gold und Silber. Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

„Kaffeesatzleserei“, „Hokuspokus“, „alles Zufall“… viele Akteure an den Finanzmärkten haben eine völlig falsche Vorstellung von der Charttechnik und verzweifeln, sollte es gute technische Argumente für beide Richtungen geben. Das Problem: es wird nicht unterschieden zwischen Analysten, die eine Meinung vertreten und Händlern, die den Markt handeln. Wie ein Händler zu sinnvollen Entscheidungen kommt, zeigt der folgende Beitrag am Beispiel des Gold-Charts.

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