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Hintergrund

„Papiergeldsystem bedarf ständiger Kreditausweitung, um nicht zu kollabieren“

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Thorsten Polleit und Andreas Marquart zählen zu den prominentesten Köpfen der „Österreichischen Schule“, die auf die Lehren von Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises zurück geht. Die „Österreicher“ lehnen das Zentralbankmonopol ab und fordern einen Wettbewerb von Währungen – nur dann könne sich „gutes Geld“ gegenüber dem „schlechten Geld“ durchsetzen. In einem Doppel-Interview erklären Thorsten Polleit und Andreas Marquart ihre Sicht der Dinge:

1.finanzmarktwelt.de: Herr Marquart, es gibt wohl kaum ein anderes Beispiel für eine Wissenschaft, die ähnlich fragwürdig ist wie die herkömmliche Ökonomie-Lehre. Trotz zahlloser empirischer Belege, dass an den Grundannahmen dieser Theorie etwas nicht stimmen kann, wird an ihr unverändert festgehalten. Warum?

Andreas Marquart
Andreas Marquart

Andreas Marquart: Das hat Ursachen, die nicht zuletzt auch in der Vergangenheit liegen. Die Ökonomen haben die Naturwissenschaftler schon immer um ihre theoretischen und praktischen Modellversuche beneidet. Das hat zu einer Mathematisierung der Volkswirtschaft geführt. Obwohl die Menschen durch ihr ständiges Handeln die wirklichen Akteure in einer Volkswirtschaft sind, wurden sie zu Statisten degradiert. Die heutige Ökonomie glaubt mit auf Basis ihrer Theorie abgeleiteten Handlungsempfehlungen an die Politik das Handeln der Menschen lenken zu können, was absurd ist und letztlich in eine Interventionismus-Spirale führt. Jetzt plötzlich von diesen Theorien zu lassen, käme für ihre Vertreter einer Bankrotterklärung gleich. Und große Teile der Politik würden ihrer scheinbaren Daseinsberechtigung beraubt. Deshalb werden Mainstream-Ökonomen auch von der Politik so gerne protegiert und beide befinden sich so quasi in einer „win-win“-Situation.

2.finanzmarktwelt.de: Herr Polleit, der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, hat in einem Interview beschrieben, dass sein neues Buch, das in der Öffentlichkeit auf große Resonanz traf, in seinen persönlichen Gesprächen mit Vertretern der „Hochfinanz“ gewissermaßen totgeschwiegen wird. Haben Sie ähnliche Erfahrungen, etwa mit Vertretern der herkömmlichen Ökonomie-Lehre?

Thorsten Polleit
Thorsten Polleit

Thorsten Polleit: Auf ihre Frage habe ich nur Gutes zu vermelden. Beispielsweise hat die Website unseres Ludwig von Mises Institut Deutschland mittlerweile mehr als 200.000 Besucher pro Monat. Die Konferenzen und Seminare, die wir anbieten, sind in kürzester Zeit ausgebucht. Auch fällt es den Hauptstrom-Volkswirten immer schwerer, die Argumente der „Austrians“ beiseite zu schieben. Der Diskurs ist mittlerweile auch in Deutschland in Gang gekommen. Das Buch, das Michael von Prollius und ich geschrieben haben, ist vor wenigen Wochen in der dritten Auflage neu erschienen, und es verbreitet sich. Auf vielen Vortragsveranstaltungen merke ich die Begeisterung für die Ideen der Österreichischen Schule – die für viele gänzlich neu sind. Der Grund: Sie wurden nicht mehr gelehrt und verbreitet. Man darf hoffnungsvoll sein, dass sich die besseren Ideen durchsetzen werden.

3.finanzmarktwelt.de: Herr Marquart, die amerikanische Notenbank steigt aus den Anleihekäufen aus – und wird möglicherweise in 2015 die Leitzinsen anheben. Kann man wirklich aus einer Politik aussteigen, die die Märkte mit der Droge Liquidität versorgt hat, ohne ernsthafte Entzugserscheinungen bis hin zum Crash fürchten zu müssen? Oder werden die Notenbanken nie wirklich aussteigen, weil sie genau das fürchten?

Andreas Marquart: Nein, das wird nicht funktionieren. Und die Äußerungen von Notenbank-Chefs weltweit sind nichts weiter als Lippenbekenntnisse. Auch wenn die amerikanische Notenbank im November Qantitative Easing 3 beendet. QE 4 wird kommen, wenn nicht gleich im Frühjahr, dann eben im nächsten Herbst. Einen Anstieg der Zinsen können sich weder die USA selbst, noch die amerikanischen Verbraucher leisten. Dazu kommt, ein Papiergeldsystem ist in seiner Konstruktion so angelegt, dass es ständiger Kreditausweitung bedarf, um nicht zu kollabieren. Da sind steigende Zinsen absolut kontraproduktiv. Ironischerweise sagte der frühere Notenbankchef Alan Greenspan gerade dieser Tage im Wall Street Journal, dass er es nicht für möglich halte, aus der Niedrigzins-Politik auszusteigen, ohne Probleme an den Märkten auszulösen.

4.finanzmarktwelt.de: Herr Polleit, die Politik der Notenbanken führt – das scheint inzwischen gesichert – zu einer Umverteilung von Vermögen: Vermögenspreise steigen dadurch, die Löhne jedoch nicht. Was sind in Ihren Augen die Gründe, warum diese Politik auf Dauer nicht funktionieren kann?

Thorsten Polleit: Die nicht marktkonforme Umverteilung ist eine Folge des ungedeckten Papiergeldsystems. Es führt jedoch auch – und das ist wichtig zu erkennen – zu einem Anwachsen der Schulden relativ zur Wirtschaftsleistung, zu einer Überschuldung. Eine Entschuldung auf aufrichtigem Wege ist nicht möglich. Denn werden Bankschulden getilgt, schrumpft die Geldmenge. Die Preise und Löhne fallen dann niedriger aus, als sich die Schuldner ursprünglich erhofft hatten. Es kommt zu Zahlungsausfällen auf breiter Front. Oder es wird, je nach politischer Gesinnungslage, die elektronische Notenpresse angeworfen, um die offenen Rechnungen mit wertlosem Geld zu begleichen. Oder man versucht, dass ungedeckte Papiergeldsystem in Gang zu halten, indem immer mehr Marktwirtschaft ausgeschaltet wird. Das aber mindert die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften, die Schuldenlasten tragen zu können.

5.finanzmarktwelt.de: Herr Marquart, als Vertreter der „Österreichischen Schule“ treten Sie für einen Wettbewerb von Währungen ein. Uns aber scheint es unwahrscheinlich, dass die Politik und die Finanzmärkte dies ohne weiteres zulassen werden. Braucht es dazu eines echten Umdenkens, wie es in der Regel nur durch kollektive Schock-Erlebnisse stattfindet – also eine Art Fukushima der Finanzmärkte?

Andreas Marquart: Sie haben Recht. Vielleicht brauchen die Menschen erst eine Art „Wachmacher“, um festzustellen, dass das Vertrauen, dass sie gegenwärtig noch in das Papiergeld und in die dafür Verantwortlichen haben, nicht gerechtfertigt ist. Dieser Moment wird kommen. In der Zwischenzeit müssen wir mit stetiger Aufklärungsarbeit dafür sorgen, dass im Moment eines solchen Schock-Erlebnisses dessen wahre Ursachen und die Vorteile einer wettbewerblichen Geldordnung präsent sind. Sonst geht es mit einem Reset des jetzigen Geldsystems wieder von vorne los.

6.finanzmarktwelt.de: Herr Polleit, Sie vertreten die These, dass nur Edelmetalle wie Gold wirklich wertstabil sind, weil sich die Geldmenge durch die Notenbank-Politik ständig vermehrt und Papiergeld dadurch inflationiert wird. Kann die Rückbindung an Gold in der heutigen, komplexen Welt wirklich funktionieren?

Thorsten Polleit:Ich kann mich nicht erinnern, jemals gesagt zu haben, dass es etwas ewig Wertstabiles gibt. Denn so etwas gibt es nicht, kann es im menschlichen Handeln auch nicht geben. Die wichtigen Vorteile des Goldgeldes sind, dass es nicht aus politischen Erwägungen heraus beliebig vermehrbar ist. Und dass es auch nicht einem Kontrahentenrisiko ausgesetzt, wie es etwa bei Bankeinlagen der Fall ist. Gold ist im Prinzip ein perfektes Geld. An dieser Stelle darf ich vielleicht betonen, dass ich Befürworter eines freien Währungswettbewerbs bin. Eine Möglichkeit, ihn zu eröffnen, ist, die ausstehenden Papiergeldmengen mit dem Zentralbankgold zu decken. Eine Deckung, die verhindert, dass das bislang ungedeckte Papiergeld einen Totalverlust erleidet. Das alles ist machbar. Anschauungsmaterial dafür gibt es beispielsweise nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als viele europäische Währungen die Golddeckung wiederherstellten. Aber das ist derzeit politisch wohl nicht mehrheitsfähig. Es wird wohl noch viel schlimmer werden müssen, bis man die Lösungsvorschläge, die zurück zu gutem Geld führen, ernst nimmt.

7 Kommentare

7 Comments

  1. T2014

    7. November 2014 08:21 at 08:21

    Gold ist bis auf die industrielle Verwendung wertlos. Außerdem gehört ein Großteil davon sowieso einer kleinen Minderheit, die dann ein noch stärkeres Monopol und noch mehr Macht hätte. Wer das verkauft, outet sich sofort als ein Diener der Aristokratie.

    In einer wachsenden Welt wächst auch die Geldmenge, das ist normal. Kredite hin oder her. Das System ist nicht das Problem und war es auch nie, sondern die Korruption der herrschenden Clique und der groß angelegte Raub am Volk mit staatlicher Sanktionierung – offensichtliches Beispiel die zig Billionen (!!!), die in „Bankenrettungen“ geflossen sind. Zweite Säule des Raubs ist das völlig kranke Steuer(-betrugs-)system, die dritte ist eine nicht wirklich funktionierende Justiz.

    Die ganze Diskussion um Gold oder fiat oder was-auch-immer soll nur von diesen simplen Tatsachen ablenken – wir wurden und werden ausgeraubt und der Rest ist hohles Geschwafel.

    Auch die sgn. „österreichische Schule“ wäre da nicht hilfreich, im Gegenteil – diese Lehre ist inhärent menschenfeindlich und auf Stagnation ausgelegt und würde alles noch schlimmer machen. Das ist aber ein ganz anderes und eigentlich irrelevantes Thema.

    • Michael Werner

      8. November 2014 09:41 at 09:41

      Wenn Gold wertlos wäre wie sie behaupten, dann erklären sie mir, warum die Menschen es seit Jahrtausenden als wertvollstes Gut ansahen, bevor es durch künstlich und vor allem staatlich bestimmtes Luftgeld ersetzt wurde.
      Würde der Staat diese Gestzt zurücknehmen, würden sie ganz schnell sehen wie wertvoll Gold tatsächlich ist, keiner würde mehr diese Papierschnipsel akzeptieren, nur Silber und Gold, wie immer schon.
      Das System ist genau das Problem. Sie haben nicht verstanden, das Geld auch einen gewissen Wert haben muss, sonst ist es seines Sinnes beraubt.
      Die USA hatten in der Zeit des Goldgedeckten Dollars ihre beste Wirtschaftszeit, die Banken dienten ihren ursprünglichen Sinne nach, erst als dieser Mistkerl Nixxon den Goldstandard aufhebte WEIL er eben mehr Geld für diesen illegitimen Vietnam Krieg benötigte fing das Problem für die USA an.
      Die ganzen Rettungsdpakete wurden erst nötig WEIL eben diese schwachen Länder aufeinmal Geld ohne Ende hatten. Erinnern sie sich nur an die Zeit 1950-2000.
      Italien und Griechenland waren besser dran, die Kreditprobleme kamen alle durch das massenweise gedruckte BILLIGE Geld auf.
      Etwas Geschichte würde ihnen nicht schaden, sie erklärt alles auch die lat. Münzunion.

  2. Enno

    7. November 2014 10:28 at 10:28

    Werter Herr T2014,
    Gold ist nicht wertlos. Und wenn es das doch sein sollte, so ist jegliche Art von Geld ebenso wertlos, da historisch gesehen eben jenes Gold das Material stellte aus dem Geld gepraegt wurde. Fakt Nummer 1!
    Fakt Nummer 2: Unser Welt waechst nicht. Der Planet Erde hat eine definierte Groesse. Die Bewertung aller Ressourcen, in welche Art und Weise auch immer, hat also einen Maximalwert und der Mensch hat mit der Einfuehrung eines Tauschmittels, sprich Geld, versucht die einzelnen Komponenten zu bewerten.
    Daraus ergibt sich, dass alles was an Geld gekoppelt ist, automatisch an die natuerlichen Ressourcen gekoppelt sind (oder stellvertretend eben nur eine, wie z.B. Gold). Wer sich also diesen Zusammenhang auf so abstruse Weise, wie es mit der Schaffung von Giralgeld heutzutage geschieht, entzieht, ist entweder wahnsinnig oder ein unheilbarer Realitaetsverweigerer. Wenn man diesem unwissenschaftlichen Wirtschaftsdogma dennoch verfaellt, ist man allerdings dazu geneigt Woerter wie „alternativlos“ zu benutzen, die einem dann das Gefuehl geben, das einzig Richtige zu tun.
    Nun, meine Frage an Sie waere: Sind Sie wirklich der Meinung, dass Korruption das Problem ist, ohne dass das herrschende System dem Ganzen Vorschub leistet? Stellen Sie sich nur mal ganz kurz eine Welt ohne Geld vor! Kann es da Korruption geben? Da gibt es hoechstens Aggresion. Aber die gibt es auch mit Geld…

    Fuer Vollgeld und mit wertschaetzenden Gruessen an alle wachen Geister dieser beschraenkten Welt,

    Enno

  3. blister

    7. November 2014 14:20 at 14:20

    1 pfund weizen um ein silberstueck und 3 pfund gerste fuer ein silberstueck

    • Michael Werner

      8. November 2014 09:43 at 09:43

      1 pfund weizen um ein 100000000000000 Billionen Reichsmark und 3 pfund gerste fuer ein 10000000000 Billionen Reichsmark …. und weiter?

  4. U.M.

    8. November 2014 19:37 at 19:37

    Zu T2014: „Das System ist nicht das Problem und war es auch nie, sondern die Korruption der herrschenden Clique und der groß angelegte Raub am Volk mit staatlicher Sanktionierung – offensichtliches Beispiel die zig Billionen (!!!), die in “Bankenrettungen” geflossen sind.“ – Genau das kritisiert die Österreichische Schule ja auch als menschenverachtend.

    „Zweite Säule des Raubs ist das völlig kranke Steuer(-betrugs-)system, die dritte ist eine nicht wirklich funktionierende Justiz.“ – Auch das wird von der Österr. Schule unter dem Stichwort Staatsinterventionismus vehement abgelehnt.

    L. v. Mises betonte in seinen Werken, daß Kriegsfinanzierung eben nur durch Mißachtung der Marktgesetze von Staatsseite möglich sind. Märkte, die nach Mises funktionieren, würden langfristigen Wohlstand sichern. Das belegt z.Bsp. die 800-jährige Geldgeschichte des Byzantinischen Reiches.

    Ich lasse mich gern belehren, da ich selbst Lernender bin. Nennen Sie mir bitte Belege aus den einschlägigen Werken der Ökonomen Österreichischer Provenienz, die Ihre These von der „inhärenten Menschenfeindlichkeit“ stützen. Gerade Mises betont, wie entscheidend Frieden für eine gedeihliche Marktwirtschaft ist.

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Hintergrund

Dax: Bullenpower sieht anders aus..

Über das radikale Auseinanderdriften der globalen Aktienmärkte..

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Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverkäufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zurück zu machen. Von Entwarnung kann daher noch überhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden – und das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren – aber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidität, die Schwellenländer daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben könne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, überall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so groß (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Annäherung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Allgemein

Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen Rückschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

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Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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Europa

Tschüß deutsche Immobilienblase! Wohnimmobilienkreditrichtlinie: weniger Kredite, fallende Preise!

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Von Markus Fugmann

Die Preise für Wohnimmobilien in deutschen Großstädten steigen und steigen – in den letzten fünf Jahren alleine um 45%! Aber damit könnte, damit wird wohl eher bald Schluß sein. Der Grund: die Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WKR), die am 4. Februar 2014 von der EU beschlossen wurde und binnen zwei Jahren, sprich jetzt, in die nationale Gesetzgebungen umzusetzen ist (für Deutschland siehe die Texte hier). In dieser Woche werden erste Banken in Deutschland beginnen, diese Richtlinie umzusetzen – mit vermutlich dramatischen Konsequenzen für den deutschen Immobilienmarkt.

Dabei wird die Umsetzung dieser Richtlinie von den Banken nicht an die große Glocke gehängt – mit gutem Grund. Denn diese Richtlinie wird dazu führen, dass deutsche Banken deutlich weniger Kredite für Wohnimmobilien vergeben werden als zuvor. Denn mit dieser Richtlinie sind die Banken in der Haftung, wenn sie über die Risiken des Immobilienerwerbs nicht ausreichend aufgeklärt haaben. Und: mit dieser Richtlinie gilt, die Rückzahlung des Kredits durch den Kreditnehmer muss über die gesamte Laufzeit wahrscheinlich sein – in einigen Ländern wie UK oder Schweden zahlen die Kreditnehmer meist nur die Zinsen, tilgen aber nicht die Schulden an sich, da man von immer weiter steigenden Immobilienpreisen ausgeht.

In Deutschland ist das anders, aber dennoch sind viele Kredite auf „Kante genäht“, also sehr knapp kalkuliert. Kommt etwas dazwischen (Krankheit, Scheidung, Berufsunfähigkeit) schaut es schlecht aus – bislang haben Banken diese Risiken in Kauf genommen, nun wird der Fokus verändert: der Kunde muß unterschreiben, dass er sich solcher Risiken bewußt ist. Da Banken ab jetzt in der Haftung sind, könnte etwa ein Kunde, der nächsten Monat einen Immobilienkredit mit einer Bank abschließt, gegen die Bank klagen, wenn etwa klar wird, dass der Kunde gar keine ausreichende Rente erzielen wird um dann den Kredit bedienen zu können.

Also werden die Banken vorsichtiger und darauf drängen, dass der Kunde etwa eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, deren Ausschüttung so hoch ist, dass er selbst im Falle einer Berufsunfähigkeit die Kredite bedienen kann. Aber das wird teuer für die Kunden, das Geld, das so in die Berufsunfähigkeitsversicherung fließt, fehlt wiederum als disponibles Cash für einen Kredit. Gleichzeitig deutet sich an, dass die Banken bei der Berechnung dessen, wieviel etwa eine 4-köpfige Familie monatlich zum Leben braucht, die Sätze steil nach oben gehen werden: bislang liegt dieser Wert ca. bei 600 Euro pro Erwachsenem, inklusive zwei Kindern wird dann meist ein Wert von 1500 Euro veranschlagt.

Nach unseren Informationen aus Bankenkreisen wird dieser Wert deutlich nach oben gehen auf ca. 1800 Euro – damit haben die Kreditnehmer deutlich weniger „Luft“ für den Kredit. Und gleichzeitig werden die Banken auf eine erhöhte Tilgungsrate drängen – eben weil es wahrscheinlich sein muß, dass der Kredit zu Lebzeiten auch voll zurück gezahlt werden kann. Das bedeutet im Klartext: die monatlichen Tilgungsraten werden deutlich steigen. Schätzungen gehen von einem Anstieg von 50% aus – das würde bedeuten, dass wer bislang 1400 Euro pro Monat zahlte, nun ca. 2100 Euro monatlich berappen muß zur Tilgung des Kredits. Und das ist ein KO-Kriterium für viele Kreditwillige!

Nach Angaben von informierten Bankenkreisen geht man innerhalb der deutschen Banken davon aus, dass sich die Zahl der vergebenen Immobilien-Kredite so um 50% reduzieren dürfte, also faktisch nur noch jeder Zweite einen Kredit bekommen wird, der zuvor kreditwürdig war! Was das für die Preisentwicklung von Immobilien bedeuten wird, kann man sich ausrechnen!

Aber das eigentliche Problem wird dann noch auf viele Kreditnehmer zukommen, die in ihren Verträgen mit der Bank keine „Prolongierung“ vereinbart haben – das gilt vor allem für viele Privatbanken wie etwa die ING Diba, Sparkassen dagagen haben meist eine Kreditanschlußgarantie gewährt, was das Problem wesentlich entschärft, da die Verträge dann nach alter Rechtslage behandelt werden.

Ohne Prolongierung bedeutet: der Kreditvertrag wurde etwa für 10 Jahre ausgehandelt und muß dann neu verlängert werden. Bei dieser Verlängerung muß der Kunde dann gemäß der neuen Richtlinie nicht nur seine Kostenstruktur lückenlos nachweisen (was bei Privatbanken meist bislang nicht erforderlich war). Die Wohnimmoblienkreditrichtlinie wird auch dafür sorgen, dass sowohl die Tilgungsrate nach oben geht als auch die Anforderungen an die Kreditwürdigkeit deutlich steigen werden, eben damit die Rückzahlung des Kredits „wahrscheinlich“ ist. Wessen Kredit bislang „knapp auf Kante genäht“ war, dürfte also kaum mehr einen Anschlußkredit bekommen, wenn sich seine Einkommenssituation in der Zwischenzeit nicht deutlich verbessert haben wird. Und das bedeutet: viele werden dann mit leeren Händen dastehen, ihre Immoblie wird zwangsversteigert, da die Anschlußfinanzierung nicht gelingt. Mit der Zunahme von Zwangsversteigerungen wiederum werden die Preise für Wohnimmobilien vor allem in Großstädten unter Druck geraten.

Daher: es ist Zeit, der Immobilienblase in deutschen Grostädten „tschüß“ zu sagen. Die Flucht in Betongold ist meist mit dem Eingehen von Klumpenrisiken verbunden, die den Sicherheitssuchenden nicht einmal bewußt sind. Jede Wette, dass viele Kreditnehmer, die keine Prolongierung in ihren Verträgen vereinbart haben, sich der neuen Gesetzeslage und der damit verbundenen Änderung der Praxis bei der Kreditvergabe nicht einmal bewußt sind. Da wird es für Tausende ein böses Erwachen geben..

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