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Anleihen

Rendite – Anleihen der Südländer als Objekt der Begierde

Wolfgang Müller

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am

Die Politik der Europäischen Zentralbank bringt viele Investoren in Anlagenotstand: Vor allem Großinstitutionelle, die nach ihren Anlagerichtlinien verpflichtet sind, Anleihen zu kaufen (und zu halten) und daraus die Rendite für ihre Verpflichtungen zu erwirtschaften. Mittlerweile ist das fast ein Ding der Unmöglichkeit, denn die letzten, mehr und mehr auslaufenden und gut rentierlichen Langläufer müssen demnächst ersetzt werden. Zusätzlich ist die EZB seit November weiter als Aufkäufer mit 20 Milliarden Euro pro Monat tätig und sorgt für eine Verknappung des Angebots.

Rendite: Der Drang in den Süden

Der Kampf um Rendite ist sehr gut an den Daten der elektronischen Handelsplattform Tradeweb erkennbar: Ende Dezember notierten 56 Prozent aller ausstehenden Staatsanleihen der Euro-Zone leicht im Minus. In Deutschland waren es über 80 Prozent, in Spanien 45 Prozent und selbst im hochverschuldeten Italien 25 Prozent. Damit verbessert die Zentralbank unwillkürlich die Situation der Staatsschulden in verschiedenen Staaten der EU-Zone und betreibt damit Staatsfinanzierung, auch wenn sie es niemals so bezeichnen würde. Die südeuropäischen Staatsanleihen sind gefragter denn je, wie es die jüngsten Anleiheauktionen beweisen, der Run in den Süden geht weiter. Beispiele:

Für eine neue, zehn Milliarden Euro schwere 10-jährige Staatsanleihe aus Spanien gab es mit 50 Milliarden Euro die höchste bisher verzeichnete Nachfrage eines europäischen Staates bei einer Auktion. Ähnlich hoch war auch die Nachfrage nach einer italienischen 30-Jährigen – 47 Milliarden Euro – , man gab sich mit sieben Milliarden Euro zufrieden. Investoren glauben an die Zuverlässlichkeit der EZB und spekulieren darauf, dass es infolge der weiteren Käufe durch die Zentralbank bald zu einer Verknappung des Angebotes kommen könnte.

Anders die Situation in Deutschland: Wie bereits berichtet, gab es bei der Emission neuer 10- und 30-jähriger Staatsanleihen eine so genannte Unterdeckung, was bedeutet, dass die Nachfrage nach den Nullkupon-Anleihen geringer war, als das Angebot.

In Summa entsteht durch diese Käufe der Investoren mit ihrem Kampf um Rendite eine absurde Divergenz zwischen Risiko und Ertrag bei Anleihen nach früheren Maßstäben. Demzufolge hat der (Fast)-Pleitestaat Griechenland auch niedrigere Zinsen als der (vermeintlich) sicherste Schuldner der Welt – die USA.

Der aktuelle Vergleich der Renditen für die 10-Jährigen lautet: Griechenland 1,402 Prozent – USA 1,794 Prozent.

Die Effekte der bisherigen Bilanzausweitung der EZB auf die Rendite

Das ständige Intervenieren am Markt für Anleihen durch die EZB hat trotz fallender Zinsen in den letzten Jahren doch noch zu recht ansehnlichen Renditen der Bonds geführt. Grund hierfür ist natürlich der Kursanstieg von Anleihen, der selbst beim Sturz in den negativen Verzinsungsbereich stattfindet.

In den vergangenen fünf Jahren konnten Anleger mit Staatsanleihen der Euro-Zone noch 2,5 Prozent pro Jahr verdienen, bei Unternehmensanleihen mit vernünftigem Rating waren es auch noch 2,3 Prozent. Auf Sicht der ganzen Dekade betragen diese Erlöse sogar durchschnittlich 4,3 Prozent bei EU-Staatsanleihen, beziehungsweise 4,1 Prozent bei Unternehmensanleihen.

Die Zinsen sind weiter gefallen, mit Nullkupons und Renditen im Minusbereich.

Aber der Minuszins schafft mehr und mehr Probleme, wie die schwedische Zentralbank mit ihrer Leitzinsanhebung ganz klar zum Ausdruck gebracht hat.

Und hiermit verschärft sich das Problem mit der Zinssituation in Europa.

Fazit

Aus den oben angeführten Überlegungen ergibt sich sehr anschaulich die Zwangslage für die europäische Notenbank im Hinblick auf ihre Anleihekäufe. Die Kurse liegen absonderlich hoch, die Zinsen ebenso niedrig aber damit wird auch sofort erkennbar, was passieren würde, sollte sich die Zentralbank als Käufer am Markt zurückziehen oder sogar ihre Bilanz zurückführen. Ein sofortiger Sprung bei der Rendite für viele Länder wäre die Folge, die Zinsbelastung schösse in die Höhe.

Damit wird klar: Die Anleihen der EZB dürften nie mehr am Markt auftauchen, sondern werden irgendwann einfach ausgebucht werden, um einen Finanzierungskollaps der Staaten zu verhindern. Man muss nur nach Japan blicken, wo die Bank of Japan schon die Hälfte der Staatsschulden in den eigenen Büchern hält. Unmöglich diese wieder am Markt loszuwerden. Das große Experiment der Notenbanken. Wohin wird es irgendwann führen? In Vertrauensverlust und Inflation?

Auf der Jagd nach Rendite kaufen Investoren südeuropäische Anleihen

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Anleihen

Andre Stagge: Steigende US-Rendite, US-Wahl, Aktienmarkt – sein aktuelles Trading

Redaktion

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Der Experte Andre Stagge spekuliert aktuell auf die steigende Rendite für US-Staatsanleihen, und hat daher den Future für Staatsanleihen geshortet (Renditen und Kurse bewegen sich logischerweise immer exakt gegenläufig). Im folgenden brandaktuellen Video erklärt er die derzeitigen Zusammenhänge am Kapitalmarkt. Als da wäre die heutige Wichtigkeit der US-Wahl in Georgia und deren Folgewirkungen auf die US-Politik und die Kapitalmärkte. Auch geht es darum, dass steigende Aktienmärkte und steigende Anleiherenditen dauerhaft nicht parallel existieren können. Denn es ist, wie es ist. Deutlich höhere Renditen machen Anleihen attraktiver und sorgen eigentlich für einen Geldfluss raus aus Aktien.

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Anleihen

Hellmeyer, Halver, Leber und Co – optimistisch ins neues Jahr!

Claudio Kummerfeld

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Wie wird das Börsenjahr 2021 laufen, und wie werden einzelne Anlageklassen wie Aktien, Gold oder Anleihen performen? Dazu äußern sich im folgenden Video Folker Hellmeyer von Solvecon Investment, Robert Halver von der Baader Bank, Frank Fischer von Shareholder Management, Thomas Romig von Assenagon, Dr. Hendrik Leber von ACATIS und Johannes Hirsch von antea. Natürlich hat jeder der hier gezeigten Personen im Detail unterschiedliche Standpunkte. Aber wenn man das große Bild betrachtet, dann herrscht für den Aktienmarkt doch ein recht großer Optimismus. Klar, die Coronakrise scheint mit dem Impfungen ein Ende zu finden, und Joe Biden bringt Ruhe in die Kiste, nach vier chaotischen Trump-Jahren. Aber gelten „Experten“ mit ihren Jahresaussichten nicht oft als Kontra-Indikatoren? Aber gut, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Die Begründungen der Experten sind jedenfalls inhaltlich schlüssig und durchaus nachvollziehbar.

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Allgemein

EZB betreibt keine Staatsfinanzierung? Man schaue auf diese Analyse

Claudio Kummerfeld

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EZB-Tower in Frankfurt

Erst gestern berichteten wir. Mit Blick auf die Risikoprämien scheint es kein Risiko mehr bei Staatsanleihen in der Eurozone zu geben. Für Portugal sind sie negativ, bei Spanien direkt an der Null-Linie, und auch Italien kann sich immer günstiger verschulden. Die EZB drückt alles immer weiter runter. Die totale Rettung der Notenbank sorgt dafür, dass sich das Risiko vermeintlich in Luft auflöst.

Ursprünglich betrug das Corona-Notfall-Anleihekaufprogramm der EZB (PEPP) 750 Milliarden Euro. Dann wurde es aufgestockt auf 1,35 Billionen Euro. Und gestern erfolgte die erneute Aufstockung um 500 Milliarden Euro auf nun insgesamt 1,85 Billionen Euro. Auch der Zeitraum der möglichen Aufkäufe wurde bis ins Jahr 2022 verlängert. Die Orgie aus Gelddrucken, Anleihekäufen, abgeschafften Zinsen, Liquidität für Banken zu Negativzinsen uvm scheint immer weiter zu gehen.

EZB kauft nur am Sekundärmarkt

Immer wieder sagt sich der kritische Beobachter: Hier findet doch durch die Europäische Zentralbank eine Staatsfinanzierung statt. Denn sie kauft in gigantischem Ausmaß die Staatsanleihen der Eurozonen-Mitglieder auf. Ohne diese Käufe gäbe es zum Beispiel in Italien wohl längst desaströse Zustände, weil die privaten Marktteilnehmer die Mengen an Papieren gar nicht kaufen würden. Und da ist ja noch ein wichtiger Mechanismus, auf den die EZB offiziell verweisen kann. Man kauft die Staatsanleihen nicht in der Erstauktion der Anleihen, sondern erst danach am freien Anleihemarkt (Sekundärmarkt). Also müssen die zu den Auktionen zugelassenen Banken in der Erstauktion die Staatsanleihen kaufen. Erst danach, wenn die Anleihen frei handelbar sind, kauft die EZB sie auf.

Geht man danach, ist doch alles in Ordnung? Denn eine offizielle glasklare Staatsfinanzierung wäre es ja nur, wenn die EZB direkt bei der Emission (Primärmarkt) als Erstkäufer die Staatsanleihen von den Regierungen kaufen würde. Aber so wie man es jetzt macht, kann man sich bequem zurücklehnen. Alles in Ordnung also? Formal wohl schon. Dennoch ist es klar. Die Banken hätten die letzten Jahre und auch erst recht in 2020 niemals diese Mengen Staatsanleihen in den Auktionen kaufen können, wenn danach nicht die EZB ständig als Abnehmer bereit gestanden hätte.

Aktuelle Analyse

Aber man schaue bitte auch auf die von der Commerzbank veröffentlichte Analyse, die nach der gestrigen Verkündung der EZB publik gemacht wurde. Nicht irgendwer, sondern der CoBa-Chefvolkswirt Dr. Jörg Krämer hat diese Analyse veröffentlicht. Seine Ausführungen zeigen die auffallend ähnlich großen Dimensionen der Aufkaufprogramme der EZB in Relation zu den zu finanzierenden Defiziten der Euro-Staaten. Aber lesen Sie selbst. Hier im Wortlaut:

Seit Ausbruch der Pandemie entsprechen die Nettokäufe an Staatsanleihen durch die EZB den Netto-Anleiheemissionen der Euro-Staaten. Mit anderen Worten: Die EZB hat faktisch die gesamten Haushaltsdefizite finanziert (s. Grafik). Die Aufstockung und Verlängerung der PEPP-Anleihekäufe erlauben es der EZB, bis März 2022 über den Ersatz auslaufender Anleihen hinaus in jedem Monat 92 Mrd Euro für den Kauf neuer Anleihen auszugeben. Die monatlichen Käufe bleiben damit so hoch wie seit August. Nach unseren Berechnungen dürfte die EZB mit ihren Anleihenkäufen auch im kommenden Jahr die gesamten Haushaltsdefizite finanzieren. Das läuft auf einen Blankoscheck für die Finanzminister hinaus. Weil darüber hinaus vor allem die südlichen Länder hohe Mittel aus dem Corona-Wiederaufbaufonds erhalten dürften, werden ihre Netto-Emissionen 2021 unter Berücksichtigung der EZB-Käufe wohl negativ sein. Diese künstliche Verknappung schirmt die Anleihen vor allem der Peripherieländer weitgehend von den eigentlichen Marktkräften ab; nur deshalb erwarten wir, dass die Risikoaufschläge beispielsweise italienischer Staatsanleihen 2021 weiter sinken dürften.

Im Zweifel legt EZB nach

Wer meint, mit den heutigen Beschlüssen sei das Ende der Fahnenstange erreicht, dürfte sich irren. Auf der Pressekonferenz behielt sich Präsidentin Lagarde vor, die Käufe möglicherweise weiter aufzustocken. Wir erwarten ohnehin, dass die EZB nach dem Auslaufen des PEPP-Kaufprogramms im Frühjahr 2022 das monatliche Volumen des normalen APP-Kaufprogramms erhöht – und zwar von 20 Mrd auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies u.a. mit einer unter zwei Prozent liegenden Inflation. Sie prognostiziert für die entscheidende Kerninflation 2022 ohnehin nur 1,0%.

Grafik zeigt Anleihekäufe der EZB und Emissionen der Staaten

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