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Gold/Silber

Silberpreis – wie weit kann die Korrektur noch laufen?

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Silber Barren Beispielbild

Der Silberpreis schien bereits seine achtwöchige Konsolidierungsphase mit einem erneuten Sprung über die Marke von 18 US-Dollar pro Unze erfolgreich beendet zu haben. Doch im Zuge der irrationalen Euphorie in Sachen Handelsdeal und von Verkaufsempfehlungen großer Wallstreet-Banken kommt es erneut zu einem heftigen Rücksetzer. Damit ist das positive Chartbild zunächst obsolet.

Der „turn on a dime“ beim Silberpreis ist ungewöhnlich

Normalerweise folgt auf den Ausbruch eines Kurses aus einer mehrwöchigen Konsolidierungsphase die Fortsetzung des Primärtrends. Stattdessen kehrte der Silberpreis plötzlich auf dem Hacken um und stürzte zurück unter die Korrekturniveaus von Anfang Oktober. Ein wesentlicher Grund dafür dürften die Empfehlungen großer US-Investmenthäuser aus der vergangenen Woche gewesen sein, Gold zu verkaufen, da im Zuge des Phase-1-Handelsdeals weniger Bedarf an sicheren Häfen bestünde. Das gleiche Schicksal ereilt aktuell den Rentenmarkt und den Volatilitätsindex VIX. Wie absurd und lächerlich derartige Behauptungen faktisch sind, muss hier nicht dargelegt werden. Fakt ist, dass der Silberpreis den Goldnotierungen aufgrund der Marktenge überproportional nach unten folgt. Auch weil der Silbermarkt durch das ausgeprägte Long-Exposure am Terminmarkt (rote Linie im verlinkten Chart) anfällig war für einen Ausverkauf, unabhängig von den sonstigen kursbeeinflussenden Faktoren.
Es ist nach wie vor so, dass die großen US-Investmentbanken, wie z. B. J.P. Morgan oder die Citigroup mit dem Terminmarkt im Rücken die Preise für Gold und Silber kurzfristig stark in die von ihnen gewünschte Richtung beeinflussen können. Langfristig ist hartes Geldmetall dem der politischen Willkür und dem staatlichen Missmanagement ausgelieferten US-Dollar natürlich klar vorzuziehen.

Es riecht nach einer Zweidrittelkorrektur

Wie im Chart weiter unten zu sehen ist, war der Silberpreis in US-Dollar nach dem erfolgreichen Ausbruch aus der achtwöchigen Konsolidierungsflagge schon wieder auf dem Weg Richtung zyklischer Höchststände. Auch getrieben von der dritten Zinssenkung der US-Notenbank und der Implementierung eines neuen Staatsanleihekaufprogramms in Höhe von 60 Mrd. US-Dollar pro Monat. Doch gegen die Macht der großen US-Investmentbanken sowie den überbordenden Optimismus der US-Anleger ist eben kein Kraut gewachsen. Wie sagte meine Oma oft so treffend: „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“. Nachdem der Silberpreis nach dem 38,2 Prozent nun auch das 50 Prozent Fibonacci Retracement Level nach unten durchbrochen hat, sieht es ganz nach einem Rückfall bis in den Bereich von 16,33 US-Dollar pro Unze aus. Damit hätte der Silberpreis 61,8 Prozent der vorherigen Aufwärtsbewegung korrigiert.

Silberpreis pro Unze in US-Dollar Chart

Unterhalb dieser potenziellen Haltemarke für den Silberpreis fungiert noch die horizontale Verbindungslinie der Kursspitzen vom Anfang des Jahres als potenzielle Unterstützung. Auf diesem Niveau befindet sich zusätzlich die 200-Tage-Durchschnittslinie. Auch diese böte im Falle weiter rückläufiger Silbernotierungen Halt.

Positive Preis-Impulse sind schon in Sichtweite

Sobald das spekulative Terminmarkt-Exposure signifikant abgebaut wurde, warten neue Aufwärtsimpulse, die den Silberpreis Richtung Jahresultimo erneut Auftrieb verleihen können. So ist beispielsweise ab Dezember bis Mitte Februar die Saisonalität für Silber günstig.

Silber Future Chart

Zudem ist davon auszugehen, dass es in den USA weitere Zinssenkungen Richtung null Prozent Leitzins geben wird – allein schon aufgrund der ausufernden US-Staatsverschuldung und der damit einhergehenden enormen Zinskosten. Auch kann davon ausgegangen werden, dass die US-Fed spätestens im ersten Quartal 2020 ihr Staatsanleihekaufprogramm zu einem echten QE-Programm aufbohren wird, um die Renditen auch am langen Ende der Zinsstrukturkurve unter ihre Kontrolle zu bringen. Anders ist der US-Staatshaushalt nicht mehr finanzierbar. Das gleiche gilt für die EZB, für die der Senior Economist der Commerzbank, Michael Schubert, eine Aufstockung des QE-Programms um 50 Prozent im kommenden Frühjahr erwartet. Spätestens wenn in Sachen Handelsdeal erneut Ernüchterung an den Märkten eintritt und das Absicherungsbedürfnis wieder zunimmt, ist das Set für wieder steigende Silbernotierungen perfekt.

Fazit

Es gibt Investments, die momentan deutlich mehr Spaß machen als Silber. Doch genau diese Tatsache soll Anleger ja abschrecken und in Finanzprodukte locken, an denen Banken Spaß haben, und nicht die Anleger. Ergo werden die monetären Edelmetalle wo es nur geht diskreditiert – eben auch auf dem Kurszettel. Bedenkt man die Tatsache, dass ein Vielfaches der existierenden Menge an Silber über ungedeckte Kaufkontrakte im Markt zirkuliert, ist es ohnehin schwer, sich ein Bild von dem fairen Kursniveau zu machen. Fakt ist aber, dass Silber in nahezu jeder Hinsicht das bessere Geld darstellt, im Vergleich zum aus dünner Luft beliebig erzeugbaren Fiat-Money. Insofern sollten sich Anleger nicht von der künstlich verstärkten Volatilität des Geldmetalls abschrecken lassen und sich fragen, wem sie mehr vertrauen: von Eigeninteressen gesteuerten amerikanischen Investmentbanken oder dem über Jahrtausende belegten Werterhalt des Rohstoffs Silber, das keine eigenen Interessen verfolgt.

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Gold/Silber

Goldpreis mit Bewegung? Mögliche Kausalkette beginnt bei der EZB

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Mehrere Gold-Barren

Eine Kausalkette ist eine Reihe von Ursachen und Wirkungen, wobei die Wirkung wieder zu einer neuen Ursache wird. In diesem Fall fängt diese Kette wohl bei der EZB an. Sie hat gestern angekündigt (hier die wichtigsten Punkte der PK), dass man im Dezember vermutlich auf die verschlechterte Corona-Lage in Europa reagieren und weitere Maßnahmen ergreifen könnte. Was das mit dem Goldpreis zu tun haben könnte? Nun, dann mal los mit der Kausalkette.

Anstehende EZB-Maßnahmen weisen auf steigenden oder fallenden Goldpreis hin?

Wenn die EZB ihre Geldpolitik weiter lockert, schwächt das den Euro. Da der Euro global das größte Gegengewicht gegen den US-Dollar ist, könnte der US-Dollar vermutlich aufwerten, sichtbar im Dollar-Index, einem Währungskorbs gegenüber anderen Hauptwährungen, wo der Euro das Haupt-Gegengewicht zum Dollar darstellt. Ein stärkerer US-Dollar sollte wiederum den Goldpreis schwächen. Denn alles was gegen den US-Dollar gehandelt wird, tendiert oft schwächer, wenn der US-Dollar aufwertet.

Aber halt, die Sache mit so einer klar nachvollziehbaren Kausalkette (EZB-Zinsen-Euro-Dollar-Gold) kann auch schnell wieder unklar werden. Denn wo der US-Dollar im Dezember womöglich vor einer weiteren Aufwertung steht, und der Goldpreis damit einem Abwärtsdruck ausgesetzt ist – da findet sich auch ein gutes Argument für einen steigenden Goldpreis. Denn wenn die EZB ihre Zinssätze weiter absenkt, würde dies das zinslose Gold gegenüber Anleihen mit Negativrenditen noch attraktiver machen. Denn der Einlagenzins der EZB ist ja bereits mit -0,50 Prozent im Negativbereich – und das zinslose Gold ist nunmal immer exakt bei 0,00 Prozent.

Expertenkommentare über EZB

Und wie aktuelle Expertenkommentare zeigen, könnten die Zinsen der EZB im Dezember in der Tat weiter sinken. So sagen die Analysten der Commerzbank in einem aktuellen Kommentar, dass man erwarte, dass das PEPP-Anleihekaufprogramm der EZB bis Ende 2021 verlängert und um 600 Milliarden Euro erhöht werde, im kommenden Jahr neue Langfristtender (TLTROs) auflegt und den Einlagensatz nochmals um 10 Basispunkte auf -0,6% gesenkt werde. Hiervon solle Gold in seiner Eigenschaft als wertstabile Anlage profitieren, so die Commerzbank. Man gehe daher nicht davon aus, dass der Goldpreis weiter stark nachgeben wird. Allerdings dürfte er in den kommenden Wochen Gegenwind von der Währungsseite erhalten, da man nach den Ankündigungen von EZB-Präsidentin Lagarde nun bis Jahresende keine EUR-Aufwertung mehr, sondern eine EUR-Abwertung (und damit einen festeren US-Dollar) unterstellen, so die Commerzbank. DIW-Chef Marcel Fratzscher hat in seinem aktuellsten Kommentar zu den gestrigen EZB-Aussagen erwähnt, dass er eine Ausweitung um der Anleihekäufe der EZB um 500 Milliarden Euro und eine Verlängerung bis Ende 2021 erwarte.

Aktuell notiert der Goldpreis bei 1.881 Dollar. Nach dem gestrigen Tief bei 1.860 Dollar konnte sich der Markt wieder etwas stabilisieren, weil der US-Dollar seit gestern minimal schwächelt. Aber von einer stärkeren Dollar-Abwertung kann noch keine Rede sein. Die Lage rund um das Edelmetall bleibt unklar. Im Zuge der stark fallenden Aktienkurse und des deutlich steigenden US-Dollar war der Goldpreis diese Woche von 1.910 Dollar auf das Tief von 1.860 Dollar gefallen – jetzt hat sich die Lage vorerst beruhigt. Weitere Abwärtsschübe am Aktienmarkt könnten (so meine bescheidene Meinung) zusätzlich zu einem stärkeren US-Dollar erneut Druck auf Gold ausüben.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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Gold/Silber

Gold: Angebot und Nachfrage auf Talfahrt laut World Gold Council

Jörg Bernhard

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Am frühen Morgen veröffentlichte die internationale Interessenvertretung der Goldindustrie World Gold Council (WGC) aktuelle Quartalszahlen zur weltweiten Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Gold – mit interessanten Erkenntnissen.

Gold: Licht und Schatten im dritten Quartal

Aufgrund der Pandemie gab es im dritten Quartal sowohl beim Angebot als auch bei der Nachfrage negative Vorzeichen zu vermelden. Insgesamt sank das Angebot an Gold gegenüber dem Vorjahresquartal um drei Prozent auf 1.223,6 Tonnen, was vor allem auf den Rückgang der Minenproduktion zurückzuführen war.

Überraschenderweise hat sich trotz der gestiegenen Unsicherheit an den Finanzmärkten auch die Nachfrage nach Gold markant reduziert. In den Monaten Juli bis September sank diese mit 892,3 Tonnen sogar auf den niedrigsten Wert seit Q3 2009 und verbuchte damit ein Minus von 19 Prozent p.a. Doch in den diversen Marktsegmenten gab es mitunter kräftige Verwerfungen zu beobachten.

Einen regelrechten Nachfrageboom gab es zum Beispiel im Investmentsektor zu beobachten, wo summa summarum ein Anstieg um 21 Prozent auf 494,6 Tonnen gemeldet worden war. Bei Gold-ETFs beschleunigten sich zum Beispiel die Nettozuflüsse von 258,7 auf 272,5 Tonnen und trieben damit deren gehaltene Goldmenge Ende September mit 3.880 Tonnen auf einen neuen Rekordwert. Noch deutlicher bergauf ging es bei Barren & Münzen, wo ein Nachfrageplus von 149,4 auf 222,1 Tonnen (+49 Prozent) registriert worden war.

Besonders schlimm hat es in Q3 allerdings den Schmucksektor erwischt, der auf Jahressicht von 468,1 auf 333,0 Tonnen (-29 Prozent) regelrecht eingebrochen ist, was vor allem auf den Absatzeinbruch in Indien (-48 Prozent) und China (-25 Prozent) zurückzuführen war. Und auch der Notenbankensektor ist im dritten Quartal eher negativ in Erscheinung getreten. Weil sich die Notenbanken der Türkei (22 Tonnen) und Usbekistans (35 Tonnen) von signifikanten Goldmengen getrennt haben, gab es im Notenbanksektor mit minus 12,1 Tonnen erstmals seit Q4 2010 wieder Nettoverkäufe zu vermelden, nachdem im Vorjahresquartal netto 141,9 Tonnen Gold gekauft wurden.

Wichtig zu wissen: Trotz der negativen Tendenz der WGC-Quartalszahlen sollten Anleger auf keinen Fall außer Acht lassen, dass bei einer massiven Kapitalflucht in den „sicheren Hafen“ Gold erhebliche Versorgungsengpässe auftreten dürften. Vergleicht man zum Beispiel den Marktwert sämtlicher Gold-ETFs mit dem Billionen-Dollar-Unternehmen Apple fällt auf, dass das US-Technologieunternehmen um den Faktor 8,6 höher bewertet wird. Massive Umschichtungen aus Aktien, Immobilien oder Anleihen würde der Goldmarkt höchstwahrscheinlich gar nicht verkraften.

Die Nachfrage nach Gold ist gefallen

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Gold/Silber

Goldpreis reagiert nicht wie gedacht – was ist da los? Expertenkommentare

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Der Goldpreis fungierte diese Woche eindeutig nicht als sicherer Fluchthafen für Anleger, die vor Unsicherheit am Aktienmarkt fliehen wollen aufgrund der sich deutlich verschärfenden Corona-Lage, wodurch die globale Konjunktur in Mitleidenschaft gezogen wird. Gestern berichteten wir schon über den Absturz im Goldpreis zusammen mit dem Absturz an den Aktienmärkten. Ein ähnlicher Verlauf wie schon im März. Aktien, Öl und Goldpreis fielen kräftig, der US-Dollar als weltweit großer vermeintlicher sicherer Hort konnte profitieren. So auch gestern.

Goldpreis weiter unter der Fuchtel des starken US-Dollar

Der Goldpreis fiel von 1.910 Dollar im Tief bis auf 1.869 Dollar. Über Nacht konnten sich Märkte wie Aktien und Gold beruhigen, und das Edelmetall notiert jetzt bei 1.877 Dollar. Aber es kann weiter bergab gehen. Im Chart sehen wir im Vergleich seit Ende letzter Woche in blau den Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) gegen den fallenden Goldpreis in rot-grün. Es ist wie schon im Frühjahr erstaunlich, dass Gold als Fluchthafen überhaupt nicht funktioniert. Braucht es an den Aktienmärkten erst wieder eine gewisse Beruhigung, bis die Gold-Bullen voll auf steigende Kurse setzen? Heute um 13:45 Uhr steht die EZB-Zinsentscheidung an, und wichtiger wird dann die PK der EZB ab 14:30 Uhr sein. Aussagen von Christine Lagarde könnten Aktienmärkte, Devisenkurse und auch den Goldpreis in Bewegung bringen.

Expertenkommentare

Daniel Briesemann von der Commerzbank kommentiert ganz aktuell die Entwicklung bei Gold. Die Risikoaversion an den Finanzmärkten nehme dramatisch zu, und Gold befinde sich im Abwärtssog der Finanzmärkte. Der Goldpreis habe gestern nicht von der hohen Risikoaversion der Marktteilnehmer im Zuge der Ankündigung neuer Lockdown-Maßnahmen in verschiedenen europäischen Ländern profitiert, und sei mit in den Abwärtssog der Finanzmärkte geraten. Dabei sei der Goldpreis auch unter die charttechnisch wichtige 100-Tage-Linie gerutscht, was zu Anschlussverkäufen führte. Anzulasten sei der Preisrutsch dem festen US-Dollar, der als sicherer Hafen gefragt war. Dass Gold von dieser Eigenschaft nicht profitiert hat, erstaunt uns, so Daniel Briesemann. Der Preisrückgang sei diesmal nicht als Kaufgelegenheit erachtet worden. Die ETFs verzeichneten mit 7,6 Tonnen sogar die höchsten Abflüsse seit fünf Wochen. Die industriellen Edelmetalle seien wesentlich stärker gefallen als Gold. Silber brach zeitweise um 5,5% auf 23 USD je Feinunze ein. Palladium rutschte im selben Ausmaß ab. Platin hielt sich mit einem Minus von 3% noch halbwegs. Erst im späten Handel haben sich Gold und Co. etwas erholt.

Jasper Lawler von der London Capital Group kommentiert die Lage bei Gold aktuell so, dass der US-Dollar der klare Nutznießer gewesen sei – er habe einen fallenden Goldpreis und fallende Kurse bei wichtigen Devisen verursacht. EUR/USD fiel trotz 1,18 und GBP/USD schloss unter 1,30. Sogar Bitcoin fing etwas Flak ein und zog sich von einem 18-Monats-Hoch zurück, so Jasper Lawler.

Chart zeigt Kursverlauf von Goldpreis gegen US-Dollar

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