Folgen Sie uns

Aktien

S&P 500: Explodierende Konzerngewinne oder Kurseinbruch

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Die Schere zwischen den Unternehmensgewinnen und den Aktienkursen des S&P 500 geht immer weiter auseinander. Das weckt Erinnerungen an einen früheren Zyklus. Damals Schloss sich die Schere – durch eine Baisse.

S&P 500 – Sonderfaktoren aller Orten

Genauso wie in allen zurückliegenden Zyklen, bei denen die Bewertungen vom historischen Mittel stark abwichen, gibt es auch in diesem Zyklus Gründe, warum sich die Aktienpreise von den Gewinnentwicklungen der Konzerne abgekoppelt haben. Vor allem die Zinsentwicklung und die massive Reduzierung der ausstehenden Aktien durch Rückkaufprogramme wirken preistreibend. Doch umso reifer die Hausse wird, desto mehr steigt die Anfälligkeit der Märkte. Sonderfaktoren können sich auch abnutzen (Basiseffekt), teilweise wegfallen oder durch negative Einflüsse überkompensiert werden (z. B. eine Welthandelsrezession). Das würde den aktuell relativ hoch bewerteten US-Aktien zumindest temporär den fundamentalen Boden entziehen.

Bereinigt um die Wertveränderung von Lagerbeständen und den Kapitalverzehr sind die Vorsteuer-Gewinne der Unternehmen aus dem S&P 500 seit dem dritten Quartal 2014 im Trend rückläufig. Damals lagen die kumulierten Gewinne bei 2,19 Billionen US-Dollar. Zum Ende des zweiten Quartals dieses Jahres waren es lediglich 2,08 Billionen US-Dollar – ein Rückgang um fünf Prozent. Für das abgelaufene dritte Quartal wird mit einer Fortsetzung der US-Bilanzrezession mit Gewinneinbußen um weitere ca. drei Prozent gegenüber dem Vorquartal gerechnet.

Gleichzeitig ist der S&P 500 seit dem dritten Quartal 2014, also seit fast genau 5 Jahren, von 1.925 auf 2.931 um 1.006 Punkte nach oben geschossen – ein Plus von 52 Prozent.

S&P 500 und Unternehmensgewinne

Eine ähnliche Diskrepanz zwischen Aktienkursen und Unternehmensgewinnen gab es während der Boomphase der New Economy, als konventionelle Bewertungsmaßstäbe verlacht wurden und man stattdessen bizarren Kennzahlen wie der Cash-Burn-Rate huldigte (umso höher, umso besser). Diese Entwicklung konnte man am US-IPO Markt bis vor Kurzem erneut beobachten – bevor das WeWork-Debakel die Partystimmung in den USA wohl nachhaltig eintrübte.

Bewertung historisch hoch

Die Bewertung des S&P 500 gemäß dem inflationsbereinigten Shiller-KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) beträgt aktuell 29 und liegt damit 74 Prozent über dem langfristigen Durchschnitts-KGV von 16,66. Nur zweimal seit 1870 gab es in einem Aktienzyklus höhere Werte: am Ende der Roaring Twenties (1929) und währender der Dot.com-Blase (2000).

Ähnlich wie in diesem Zyklus wurden Sonderfaktoren ins Feld geführt, um die überdurchschnittlich hohen Bewertungen zu rechtfertigen: neue Technologien, neue wirtschaftliche Paradigmen, Alternativlosigkeit der Aktie, Niedrigzinsen sowie fortwährendes Wachstum ohne Rezessionen (Fed-Put).

Dabei sind die Unternehmensgewinne seit 2014 rückläufig, obwohl die US-Konzerne in den Genuss einer vierzigprozentigen Senkung der Körperschaftssteuer von 35 auf 21 Prozent ab 2018 und massiv rückläufiger Kapitalkosten kamen. Allein der Rückgang der Kreditkosten trug seit 2009 mit ca. 70 Prozent zu den Konzernüberschüssen bei. Wie signifikant allein der positive Steuereffekt für die Unternehmen war, sieht man am Einbruch der Steuereinnahmen der US-Regierung:

USA Steuern

Besorgniserregend ist die Verschuldung der US-Unternehmen aus dem nicht finanziellen Sektor, die sowohl in absoluten Beträgen, als auch relativ zum Bruttoinlandsprodukt der USA in diesem Jahr neue Rekordstände erreicht hat:

USA Unternehmensschulden

Fazit und Ausblick

Das Risiko der aktuellen Bewertung des S&P 500 liegt im negativen Überraschungspotenzial. Alles Positive ist bereits mehrfach eingepreist, also sinkende Zinsen, die Steuerreform, eine wie auch immer gearteter Handelsdeal und eine konjunkturelle Erholung bis zum Jahresultimo, die ein Abgleiten der USA in die Rezession vermeidet. Treffen diese Hoffnungen nicht ein, ist ein Szenario wie in den Jahren 2000 bis 2003 denkbar. Dann werden die Unternehmensgewinne tendenziell weiter sinken und der Aktienmarkt seine Bewertungen stark nach unten anpassen. In diesem Szenario würde es dann sehr wahrscheinlich zu einer noch aggressiveren Geld- und Fiskalpolitik kommen, was einen finalen Crack-Up-Boom bei den Aktien in Gang setzen würde.

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Quartalszahlen, Fed, Gamestop

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Einige Quartalszahlen werden besprochen. Und natürlich ist wieder der Irrsinn rund um Gamestop ein Thema. Heute Abend steht auch die Fed-Verkündung an.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Boeing-Quartalszahlen: Auf ersten Blick schockierend großer Verlust

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Beispielbild einer Boeing-Maschine

Die Boeing-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Eckdaten. Der Umsatz liegt bei 15,3 Milliarden Dollar (Vorjahreswert 17,91/erwartet 15).

Der Verlust (!!!) nach Non-GAAP liegt bei -15,25 Dollar pro Aktie (Vorjahreswert -2,33/erwartet -1,80). Hallo? 15,25 Dollar Verlust pro Aktie bei Erwartungen von „nur“ -1,80 Dollar Verlust? Insgesamt ist das ein Verlust von 8,4 Milliarden Dollar nach -1 Milliarde Dollar vor einem Jahr. Was ist hier los? Sonderposten? Eigentlich ist die Non-GAAP-Zahl ja gerade dafür gedacht, Sonderkosten herauszurechnen, damit die Anleger sehen können, wie sich das Kerngeschäft eines Unternehmens entwickelt. Boeing sagt aktuell, dass dieser  monströse Verlust auch eine Belastung von 6,5 Milliarden US-Dollar vor Steuern für das 777X-Programm und eine steuerliche Wertberichtigung beinhaltet. Also, einmal tief durchatmen bitte. Dennoch sind es keine guten Zahlen.

Die Boeing-Aktie notiert vorbörslich mit -3,9 Prozent.

Im 4. Quartal 2020 wurden 59 kommerzielle Flugzeuge ausgeliefert nach 79 im 4. Quartal 2019. Der Umsatz sank von 7,5 auf 4,7 Milliarden Dollar. Der operative Verlust weitete sich aus von -2,8 auf -7,6 Milliarden Dollar. Im Klartext: Die Rüstungssparte durfte mal wieder stützend wirken. Sie lieferte operativ einen Gewinn von 502 Millionen Dollar nach 34 Millionen Dollar ein Jahr zuvor.

Grafik zeigt aktuelle Quartalszahlen von Boeing

weiterlesen

Aktien

Tesla-Quartalszahlen heute Abend – hier eine kurze Vorschau

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Innenansicht eines Tesla-Autos

Tesla meldet heute Abend kurz nach 22 Uhr deutscher Zeit seine Quartalszahlen. Wir werden dann umgehend berichten. Hier eine kurze Vorschau. Vor genau einem Jahr lag der Quartalsumsatz noch bei 7,38 Milliarden Dollar, im dritten Quartal 2020 waren es 8,77 Milliarden Dollar. Für heute liegen die durchschnittlichen Erwartungen von 18 Analysten für das 4. Quartal 2020 bei 10,3 Milliarden Dollar.

Gewinnerwartung für Tesla

Beim Gewinn pro Aktie lag Tesla bei seinen Quartalszahlen vor einem Jahr bei 0,41 Dollar, und im 3. Quartal 2020 bei 0,76 Dollar. Für heute Abend liegen die Erwartungen von 17 Analysten für das 4. Quartal 2020 im Schnitt bei 1,01 Dollar. Bei Tesla kommt es oft zu Überraschungen. Kann Elon Musk die Erwartung auch dieses Mal sensationell nach oben toppen? Oder haben zum Beispiel Preissenkungen in China an der Marge gefressen? Man wird sehen.

Die Aktie

Interessant wird auch sein, ob es bei einer Erfüllung der Erwartungen zu einem „Sell on good news“ kommt, wie bei vielen anderen Aktien an der Wall Street. Gerade bei Tesla könnte es anders laufen. Werden die Zahlen auch nur halbwegs in Ordnung gemeldet, könnte es kommen wie schon so oft in den letzten Jahren in der Tesla-Aktie. Gerade rund um Elon Musk hat sich schon seit langer Zeit eine „Gemeinde von Gläubigen“ gebildet, die jeden Anlass nutzen um die Aktie immer weiter hoch zu pushen. Und gibt es keinen Anlass, kauft man trotzdem. Dazu kommen jetzt noch die in 2020 in Millionenstärke hinzugekommenen Jung-Trader, die wie wild einige Aktien stumpf hoch pushen. Tesla könnte heute erneut von einer blinden Euphorie profitieren.

Die KGV-Erwartung für die Tesla-Aktie liegt für 2021 bei einer „lumpigen“ Zahl von 294. Man könnte also glatt behaupten, dass die Aktie völlig überteuert ist. Aber wen interessiert das noch? Alleine in den letzten zwölf Monaten ist die Aktie von unter 200 auf jetzt 883 Dollar gestiegen. Tesla hat einen Marktwert von 837 Milliarden Dollar, und ist so viel wert wie die acht größten Autobauer der Welt zusammen. Und das bei eher bescheidenen Absatzzahlen in Relation zu den großen Konkurrenten. Es ist auf so hohen Niveaus also eine reine Spekulation abseits von echten wirtschaftlichen Kennzahlen. Die Frage für heute Abend lautet also nur noch, wie vor allem die neue wilde Masse von Tradern die Zahlen interpretiert. Kann Elon Musk halbwegs die Erwartungen erfüllen, dann wie gesagt…. könnte ein weiterer schneller Kursanstieg folgen. Aber eine gesicherte Erkenntnis ist das natürlich nicht.

Chart zeigt Verlauf der Tesla-Aktie in den letzten zwölf Monaten
Verlauf der Teslsa-Aktie in den letzten zwölf Monaten.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage