Anleihen

Ausverkauf auf breiter Front US-Dollar und hohe Renditen lösen Turbulenzen an den Märkten aus

US-Dollar und hohe Renditen lösen Turbulenzen an den Märkten aus

Der US-Dollar und die US-Renditen setzen ihren parabolischen Anstieg weiter fort und verstärken damit die Turbulenzen am Devisen- und Aktienmarkt. Zum Beispiel ist der Euro gegen den Dollar (0,9540 USD) auf ein 20-Jahrestief gefallen. An den Aktienmärkten ist auch noch kein Ende der Verkaufsdynamik zu erkennen. Der S&P 500 notiert nur noch hauchdünn über seinem 200-Wochen-Durchschnitt (3.590 Punkte), während der Dax am Morgen zeitweise deutlich unter die 12.000-Punkte-Marke abgerutscht ist. Die Auswirkungen der Dollarstärke und der hohen Renditen sind ebenfalls am Gold- und Ölmarkt zu spüren, auch dort fallen die Notierungen weiter. Die treibende Kraft für den Rückgang der Ölpreise ist neben dem starken Dollar nach wie vor die zunehmende Gefahr einer Rezession.

Dollar-Stärke: Turbulenzen im Währungspaar USD/JPN

Der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet aktuell, dass der Dollar auf ein Rekordhoch kletterte, nachdem das Weiße Haus die Aussicht auf eine Abschwächung der Währung heruntergespielt hatte, während sich die weltweiten Turbulenzen am Anleihenmarkt fortsetzten. Die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen erreichten den höchsten Stand seit 2008, da man sich Sorgen über steigende Zinsen und mögliche Verkäufe von US-Staatsanleihen durch Japan machte. Aufgrund der Verunsicherung stieg die 10-jährige US-Anleiherendite erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt auf über 4 %. Damit hat sie im Jahr 2022 nun fast 250 Basispunkte zugelegt, während Staatsanleihen auf den größten Jahresverlust seit mindestens 1973 zusteuern. Die Rendite für 2-jährige Staatsanleihen sprang indessen in der Spitze auf rund 4,35 %.

Anstieg der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen über 4 % - Turbulenzen am Markt

Im Gespräch mit Bloomberg sagte Andrew Ticehurst, ein Zinsstratege bei Nomura, „der Anstieg des Dollars gegenüber dem Yen ist negativ für Anleihen. Je näher wir der Zahl 145 kommen, desto größer werden die Erwartungen für neue Interventionen, und einige befürchten, dass Japan dazu Anleihen verkaufen muss.“ Genau an dieser Marke notiert aktuell das Währungspaar USD/JPY.

Japan könnte am vergangenen Donnerstag eine Rekordsumme von 3,6 Billionen Yen (24,9 Mrd. USD) gekauft haben, um seine Währung zu stützen, schätzte Totan Research Co. anhand von Zentralbankdaten. Dies entspricht etwa 20 % der Bargeldkomponente der Devisenreserven des Landes in Höhe von 1,1 Billionen Dollar, was laut Ticehurst von Nomura die Sorge schürt, dass weitere Interventionen den Verkauf eines Teils der Staatsanleihen erfordern werden.

Anleihemärkte in Aufruhr wegen Fed-Politik

Eine nachlassende Liquidität, da die Zentralbanken ihre Bilanzen verkleinern, und eine zunehmende Volatilität könnten die Turbulenzen an den Finanzmärkten noch verschärfen. Die US-Notenbank Fed hat in diesem Monat den Abbau ihrer Bilanz im Rahmen der sogenannten quantitativen Straffung beschleunigt, während die Bank of England dies nächste Woche tun wird, meldet Bloomberg.

„Die Marktliquidität ist ausgetrocknet, sodass sich die Verkäufe leicht in eine Richtung beschleunigen können, zumal es viele Anleger gibt, die bereit sind, ihre Verluste zu reduzieren“, sagte Eiichiro Tani, Chefstratege bei Daiwa Securities Co. in Tokio. „Die quantitative Straffung der Zentralbanken hat einen erheblichen Einfluss auf die Marktliquidität“.

Bullards Engagement für die Eindämmung der Inflation wurde am Dienstag von Charles Evans, dem Chef der Chicagoer Fed, und Neel Kashkari aus Minneapolis bekräftigt, die sagten, die Zentralbank solle die von ihr prognostizierten Zinserhöhungen durchführen und dann beibehalten, um die Inflation zu drosseln. Der restriktive Ton der Fed-Mitglieder verleiht dem Dollar und den Renditen für US-Staatsanleihen weiteren Aufwind.

Die Anleihemärkte wurden in dieser Woche zusätzlich durch den Plan des Vereinigten Königreichs für umfassende Steuersenkungen in Aufruhr versetzt. Folglich nehmen die Befürchtungen über eine weltweite Welle an fiskalischen Stimulus zu, was dem Kampf gegen die Inflation entgegenwirkt und letztendlich zu noch höheren Zinssätzen der Zentralbank führen könnte.

FMW/Bloomberg



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