Folgen Sie uns

Allgemein

US-Staatsanleihen: China verkauft weiterhin in großem Umfang, Problem für die USA!

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

China verkauft weiterhin in großem Umfang US-Staatsanleihen, wie jüngste Daten zeigen. Per Saldo waren ausländische Zentralbanken in den letzten Monaten in großem Umfang nicht mehr Käufer, sondern Verkäufer von US-Schulden. Das wird bald ein ernsthaftes Problem für die USA. „Wer kauft unsere Schulden“, könnte die Frage in Washington lauten. Aber wie bereits in Japan haben die USA einen großen Rettungsanker für dieses Problem.

People´s Bank of China verkauft weiter US-Staatsanleihen
Die Zentrale der chinesischen Notenbank in Peking.
Foto: Yongxinge/Dr. Meierhofer / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Raus aus US-Staatsanleihen

Nur im September hat die chinesische Notenbank „People´s Bank of China“ Währungsreserven im Wert von 43 Milliarden US-Dollar verkauft – hierbei wird es sich aller Wahrscheinlichkeit nach wie in den Vormonaten auch fast ausschließlich um US-Staatsanleihen handeln. Mit dem Geld wurde zuletzt vor allem der in Hong Kong frei handelbare „Offshore Yuan“ gestützt, d.h. man verkauft mit den US-Staatsanleihen ja auch den Dollar und konvertiert in den Yuan, dadurch steigt der Yuan. Im Chart unten fällt der Dollar gegen den Yuan im September wieder, also steigt der Yuan, gestützt durch die Käufe der PBOC, die ihr Geld aus den Verkäufen der US-Staatsanleihen gezogen hat.

Offshore Yuan 2
USD vs Offshore Yuan

Die Deutsche Bank hat errechnet, dass in den 12 Monaten bis Juli 2015 die Netto-Verkäufe (Überhang der Verkäufe über den Käufen) von US-Staatsanleihen durch ausländische staatliche Institutionen ein Volumen von 123 Milliarden Dollar erreicht haben (Anleihen mit Restlaufzeit von weniger als 1 Jahr). Das ist der größte Netto-Rückgang seit 1978.

Die offiziellen Daten seitens des US-Finanzministeriums, in welchen Größenordnungen andere Nationen US-Staatsanleihen halten, wird für August erst Mitte Oktober veröffentlicht. Da dürfte es evtl. einen Schock geben, wenn man sieht, in welchem Ausmaß die Ausländer im August ausgestiegen sind, denn das war ja DER Crash-Monat gerade in Asien und den anderen Emerging Markets. Chinas offiziell gehaltenes Volumen blieb in den letzten Monaten laut US-Statistik stabil (immer über 1,2 Billionen Dollar), aber in den letzten Monaten ging das offiziell von Belgien gehaltene Volumen drastisch zurück von 345 Milliarden Dollar im Februar auf nur noch 155 Milliarden Dollar im Juli 2015. Es ist ein relativ offenes Geheimnis, dass die chinesische Notenbank über Verwahrstellen in Belgien Teile ihrer US-Staatsanleihen hält und zuletzt verkauft hat.

US-Staatsanleihen ausländische Inhaber
Grafik: US Treasury Department

Problem für die USA

Viele Analysten und sonstige „Experten“ reden jetzt davon, dass gerade Länder wie China und Brasilien als Schwellenländer die Gelder aus den USA abziehen, weil sie in der Krise ihre Gelder „zurück nach Hause“ holen müssen. Es gehe hier also um die Krise der Schwellenländer. Das mag sein, aber wenn jemandem Geld entzogen wird, hat derjenige in erster Linie das Problem. Denn in der Tat ziehen neben China auch Brasilien, Russland, Taiwan etc effektiv Geld aus den USA an, in den sie US-Staatsanleihen verkaufen und nicht neu dazukaufen.

Geht es so weiter, d.h. wird China auch weiterhin Verkäufer statt Käufer von US-Staatsanleihen sein, und werden wg. dem dramatisch gesunkenen Ölpreis die Öl-Scheichs auch aufhören neu emittierte US-Staatsanleihen zu kaufen, hat das US-Finanzministerium ein echtes Problem: „Wer kauft unsere Schulden“? Keiner? Dann müssten die USA es zukünftig so machen wie Japan – man müsste über die (selbstverständlich unabhängige) Notenbank „Federal Reserve“ einen dauerhaften Kreislaufmechanismus von Anleihekaufprogrammen einführen. Das Finanzministerium emittiert dann wie immer neue Anleihen um die USA weiterhin liquide zu halten, und die „Federal Reserve“ tritt dann als großer Käufer auf. Der Staat finanziert sich also selbst, pervertiert das Finanzsystem und seine Glaubwürdigkeit dann endgültig, wie es in Japan schon jetzt Realität ist. Die Fed besitzt aktuell über ihre drei QE-Programme bereits US-Staatsanleihen im Wert von 2,5 Billionen Dollar, also schon ein netter Teil der mehr als 18 Billionen Staatsschulden der USA.

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    joah

    7. Oktober 2015 11:23 at 11:23

    Die Schulden könnten immerhin noch ihrem „liebsten“ Vasallen aufgebürdet werden. Die müssten ja ohnehin niedergedrückt werden und würden damit gleichzeitig noch den Beherrscher eine weiteres Bisschen Zeit verschaffen, während diejenigen Auffänger [1] dadurch quasi vollständig kaputt gehen.

    [1] der Auffänger ist der, der immer erschlagen wird, nicht der Fallende (!), es sei denn, er tritt zur Seite

  2. Avatar

    G.Scheer

    7. Oktober 2015 11:33 at 11:33

    Jetzt erst mal ganz langsam.
    Natürlich haben die USA einen sehr großen Schuldenhaufen, aber Europa hat noch sehr viele Geldreserven (vorwiegend Industrielle und Private). Nachdem die Amerikaner Ihre breite Bevölkerung bis auf die letzte Zelle auf Konsum geeicht haben, sind wir nun das nächste willige Opfer.
    Mit TTIP werden wir unseren amerikanischen Freunden mit freuden unter die Arme greifen – natürlich nicht offiziell. Aber das Ergebnis wird das solche sein.
    Wir stehen bei den Amerikanern tief in der Schuld, Sie haben uns vor Hitler gerettet, vor Sadam befreit und noch viele mehr – die Rettung ist noch am laufen. Unsere Opferbereitschaft ist das mindeste was wir den Amerikanern geben dürfen.
    Also stellt eure Opfergaben zum einsammeln bereit….

    • Avatar

      Flo

      7. Oktober 2015 12:04 at 12:04

      Kannst du bitte ein *ironie on* vor deinen Text einfügen! Mein Herz….

      • Avatar

        joah

        7. Oktober 2015 13:24 at 13:24

        Nein, das muss er nicht: Ironie und Sarkasmus besteht in mentaler Kapazität der Erkennung (Logik, Analytik, Wissen), wodurch sich die „Spreu vom Weizen“ trennt. Der, der sie hat, versteht es, der nicht, nicht. Natürliche Selektion.
        (die Welt braucht keine Ironie- oder Sarkasmus- #Tags)

  3. Avatar

    G.Scheer

    7. Oktober 2015 12:38 at 12:38

    Ja, das könnte ich.
    Ich könnte es aber auch Realsatire nennen – was meiner Meinung nach zutreffender wäre. Aber Danke

  4. Avatar

    martin

    7. Oktober 2015 13:49 at 13:49

    …wenn dem so ist, weshalb sind denn die Kurse für die 10 jährigen Treasuries gestiegen (im Umkehrschluss die Rendite gesunken?). Da hätten ja andere sehr grosszügig zulangen müssen um den Verkaufsdruck von China und Brasilien aufzufangen…

  5. Avatar

    Jürgen Forbriger

    8. Oktober 2015 10:09 at 10:09

    Alle hier sind intelligent! Aber warum haben wir diese Regierung?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

Avatar

Veröffentlicht

am

Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

weiterlesen

Allgemein

Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

weiterlesen

Allgemein

Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen