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Europa

Wachstumsabsenkungen für Deutschland haben derzeit Konjunktur – von Rezession spricht aber nach wie vor keiner

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„What a difference a year makes“. Vor einem Jahr sprach man unisono von einem synchronen, weltweiten Aufschwung, im Sommer kamen durch die chinesischen Wirtschaftszahlen erste Zweifel auf, kurz darauf in Deutschland und Europa und ab Oktober.fand ein richtiger Wettlauf um die Wachstumsaussichten statt.

Die Revisionen der großen Institute für Deutschland

Ganz besonders stark traf es unsere exportlastige Wirtschaft, nicht nur wegen China, unsere Automobile, Maschinen, chemische und pharmazeutische Produkte sind (waren) in vielen Ländern beliebt. Deshalb auch der Satz: „Unser Dax ist ein Call auf die Weltwirtschaft“.

Hier ein kurzer Überblick über die Revisionen der Wirtschaftsausblicke großer Institute.

Ausblicke September – November/Dezember – März:

IWF Internationaler Währungsfonds) 1,9 – 1,9 – 1,3

OECD 1,8 – 1.6 – 0,7

DIW 1,7 – 1,6 – 1,0

Ifo-Institut 1,9 – 1,6 – 0,6

IWH (Halle) 1,7 – 1,4 – 0,5

Bundesregierung 1,8 – 1,0

Keiner erwähnt die Möglichkeit einer Rezession.

 

Wie geht es weiter? Rezession ja, oder doch nicht?

Das Ifo-Institut spricht von einer vorübergehenden Wachstumsabschwächung und einer Erholung im Laufe des Jahres, im Gleichklang mit nahezu allen Instituten. Zu gut seien die Inlandsdaten im Dienstleistungsbereich und im unglaublichen Bauboom. Im Industriesektor glaubt man an die Wirksamkeit der chinesischen Maßnahmen (Steuersenkungen, Lockerungen in der Kreditvergabe und Infrastrukturprogramme – nicht im Wohnungsbau).

Dies bringt mich wieder auf ein Phänomen der letzten Jahrzehnte, welches von unabhängigen Seiten mehrfach bestätigt wurde. selbst der ehemalige Chef der Wirtschaftsweisen, Professor Bernd Rürup, gab in einem Interview zu bedenken: „Es gab in der Nachkriegszeit sechs Rezessionen, und keine wurde vorhergesehen!“

 

Gibt es Signale für eine Industriewende?

Wo wir im Bereich der Frühindikatoren wären. Die Aktienmärkte sind die frühesten aller Frühindikatoren, weil sie tagtäglich die Zukunft bewerten, allerdings mit einem gerüttelt Maß an Unzuverlässigkeit.

Bonmot des Wirtschaftswissenschaftlers Paul Samuelson: „Der Aktienmarkt hat neun der letzten fünf Rezessionen richtig vorhergesagt!“

Konkreter ist hier schon der Ifo-Index, der die Einschätzung von 9000 Unternehmenschefs (aktuell und für die Zukunft) darstellt und der Baltic Dry Index, der die großen Frachtraten misst, denn die allermeisten Güter werden über die Seefahrtsrouten transportiert. Von diesen Indikatoren brauchen wir Wendesignale.

 

Fazit

Ich mag es gar nicht mehr schreiben. Die größte Gefahr geht aus meiner Sicht vom Protektionismus aus und damit von der ganzen Zollthematik USA – China und USA – EU. Dabei geht es nicht so sehr um Verteuerungen von Produkten oder einige Handelshemmnisse. Es ist der lähmende Attentismus, der Unternehmer davon abhält Investitionsentscheidungen zu treffen – ein sehr häufig zu vernehmendes Lamento von Wirtschaftsbossen. Wie schnell das gehen kann, beweist mir immer wieder das Statement des Chefs von BASF im Jahr 2008 vor der großen Krise Jürgen Hambrecht: „Er sehe noch keine Abschwächungstendenzen in seinen Büchern“, wenige Monate später kam die stärkste Rezession (minus 5 Prozent) in der Nachkriegszeit.

Hopp oder Topp, könnte die Devise lauten, hinsichtlich der Konjunktur oder ganz banal, wie es Jerome Powell auszudrücken pflegte:

„We have to keep an eye on data“!

 

Beispielbild für Stahlproduktion. Foto: Omzfoundry Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Prognostiker

    19. März 2019 10:50 at 10:50

    @ Wolfgang M. „Die Weisen haben noch nie eine Rezession vorausgesehen : Vielleicht liegt es daran, dass diese Leute in ihren geschützten u. gutbezahlten Werkstätten den Puls des wirklichen Lebens zuwenig fühlen.Bei der nächsten Rezession kann man sagen , dass mindestens Einer davor gewarnt hat, nämlich Wolfgang M.
    Bei der 2008 er Krise hat ein prominenter Wirtschaftsprofessor einer hochdotiertern Hochschule gesagt,
    die Lehmann -pleite sei nur ein regionales US-Bankenproblem, Monate später musste die CH- UBS vom Staat gerettet werden.
    Columbo wird sich wieder Gedanken machen ,warum die intelligentesten Leute der Welt mit 20 bis 60Jahren Erfahrung so daneben liegen können.
    Wir können nur darauf hoffen ,dass Handwerker durch Roboter , gesteuerte Autos durch selbstfahrende ersetzt werden u,Flugzeuge durch Computer mit „ TODSICHERER“ Software gesteuert werden.
    Wirtschaftsanalysten werden relativ einfach zu ersetzten sein, da braucht es nur ein Computerprogramm,
    das jährliche Kurssteigerungen bis zur Unendlichkeit prognostiziert.

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Deflation im Westen – Inflation nur in Osteuropa

Redaktion

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Soeben wurden für die Eurozone für den Monat September die Verbraucherpreise veröffentlicht (2.Veröffentlichung). Sie gehen im Jahresvergleich um -0,3 Prozent zurück, nach -0,2 Prozent im August und +0,4 Prozent im Juli. Auffallend: Inflation gibt es nur im Osten, während der Westen eher unter Deflation leidet.
Zum Vormonat steigen die Verbraucherpeise um +0,2%, ebenso in der Kernrate (ohme Nahrung und Energie) um +0,2%.

Dazu schreibt Eurostat, das die Daten erhebt:

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im September 2020 bei -0,3%, gegenüber -0,2% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 0,8% betragen. Die jährliche Inflationsrate in der Europäischen Union lag im September 2020 bei 0,3%, gegenüber 0,4% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,2% betragen. .
Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Griechenland (-2,3%), Zypern (-1,9%) und Estland (-1,3%) gemessen.
Die höchsten jährlichen Raten wurden in Polen (3,8%), Ungarn (3,4%) und Tschechien (3,3%) gemessen.

Die Verbraucherpreise in den jeweiligen Ländern

 

Gegenüber August ging die jährliche Inflationsrate in dreizehn Mitgliedstaaten zurück, blieb in sieben unverändert und stieg in sieben an.
Im September kam der höchste Beitrag zur jährlichen Inflation im Euroraum von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+0,34 Prozentpunkte, Pp.), gefolgt von Dienstleistungen (+0,24 Pp.), Industriegütern ohne Energie (-0,08 Pp.) sowie Energie (-0,81 Pp.).

Die Verbraucherpreise in der EU und der Eurozone

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Europa

Aktuell: ZEW-Index schwach – neuer Realismus?

Markus Fugmann

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Jeden Monat wird der ZEW-Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhoben. Der Index gilt daher als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gerade veröffentlichten Daten sind wie folgt ausgefallen:

Der ZEW-Index (Konjunkturerwartungen Oktober) ist mit +56,0 Punkten deutlich schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war +73,0; Vormonat war +71,5).

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei -59,5 (Prognose war -60,0; Vormonat war -66,2) – damit sehen wir erneut eine starke Divergenz zwischen Erwartung und der Einschätzung der aktuellen Lage, wobei die aktuelle Lage nun jedoch skeptischer gesehen wird.

Dazu das ZEW: Erwartungen gehen erheblich zurück, große Unsicherheit wegen steigender Corona-Zahlen, dazu Unsicherheit vor US-Wahl..

Der ZEW-Index ist nach dem ifo Index der wichtigste Indikator für die deutsche Wirtschaft

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Devisen

Industrieproduktion in Italien: Ist das die große Wende für Europa? Euro steigt

Claudio Kummerfeld

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Italien-Flagge

Offizielle Daten zur Industrieproduktion in Italien für August wurden heute veröffentlicht. Und siehe da, was für eine Überraschung. Das übelst gebeutelte Italien feiert (zumindest gemäß dieser Daten) ein Comeback. Die Industrieproduktion steigt im Vergleich zu Juli um satte 7,7 Prozent, während ein Plus von lediglich 1 Prozent erwartet wurde. Im Durchschnitt der letzten drei Monate steigt sie im Vergleich zum Durchschnitt der vorigen drei Monate um 34,6 Prozent. Aber noch deutlich wichtiger ist, dass sie im Jahresvergleich zu August 2019 nur noch um 0,3 Prozent gesunken ist. Damit kann man sagen, dass die Industrie in Italien das Corona-Tal verlassen hat.


source: tradingeconomics.com


source: tradingeconomics.com

Gleich nach Veröffentlichung der Zahlen zur Industrieproduktion in Italien machte der Euro gegen den US-Dollar einen Sprung nach oben, von 1,1775 auf 1,1801. Das ist zwar nicht viel, aber bei der minimalen Volatilität der letzten zwei Handelstage war der Ausreißer nach oben direkt ab 10 Uhr heute Vormittag klar erkennbar. Der Devisenmarkt zeigt sich freudig überrascht von den Italien-Daten. Der kleine Euro-Anstieg ist derzeit auch ein Grund dafür, dass der US-Dollar heute insgesamt weiter fällt, was man in Form des US-Dollar-Index gut erkennen kann. Er ist ein Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen, wo der Euro das Hauptgewicht darstellt.

Frage: Wenn schon Italien mit seiner Industrieproduktion glänzen kann, schafft es dann ganz Europa in diesem Herbst wirtschaftlich wieder nach oben? Man weiß es immer erst hinterher.

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