Devisen

Rückblick ins Jahr 2015 – was eine Währungsaufwertung mitten in Europa auslösen kann

An dieser Stelle wollen wir zurückblicken auf den legendären 15. Januar 2015 und die große Währungsaufwertung. Seit Jahren hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Umrechnungskurs de facto bei 1,20 eingefroren (für 1 Euro bekam man 1,20 Franken). Man wollte verhindern, dass der Schweizer Franken zu teuer wird. Denn alle Welt flüchtete vorher in den Sicheren Hafen namens Schweiz, wodurch der Franken seit der Finanzkrise 2008 immer teurer wurde.

Man sieht dies sehr gut im Abwärtspfeil des Euro gegen den Franken. Der Euro verlor an Wert, der Franken gewann also im Umkehrschluss. Dann in den Jahren 2012, 2013 und 2014 hatte die SNB durch Devisentransaktionen den Kurs bei 1,20 eingefroren, um ein weiteres Abstürzen von EURCHF und somit eine weitere Franken-Aufwertung zu verhindern. Dadurch wären nämlich Schweizer Produkte im Ausland immer teurer geworden, und der Tourismus in der Schweiz für Ausländer immer unerschwinglicher.

Aber jegliche Art von künstlicher Intervention am Kapitalmarkt sorgt für Verzerrungen, die irgendwann explodieren. Und so kam es dann am 15. Januar 2015 zum berühmten „Schweizer Franken-Schock“, als die SNB völlig unerwartet diese Stützung des Kurses bei 1,20 aufhob. Damit gab sie de facto dem Devisenmarkt wieder freie Hand über den Kurs, und so crashte EURCHF in wenigen Minuten von 1,20 auf bis zu 0,85 in den Keller. Der Franken wertete also dramatisch auf.

Im folgenden Video aus 2015 sieht man die ganz praktischen Auswirkungen im Alltag. Weil der Franken gegenüber dem Euro auf einen Schlag so viel mehr wert war, stürmten die Schweizer die deutschen Grenzorte, und kauften dort ihre Alltagswaren ein – um gut 20% günstiger als noch eine Woche zuvor. Dadurch hatten natürlich die Schweizer Einzelhändler enorme Einbußen. Auf einen Schlag wurden aber auch Schweizer Produkte im Ausland dramatisch teurer, und der Schweizer Tourismus war auf einen Schlag für Ausländer ebenfalls dramatisch teurer geworden.

Bei einem unbeeinflussten Markt, wo der Kurs innerhalb der drei Jahre Schritt für Schritt langsam gefallen wäre, hätten Schweizer Einzelhändler und Hoteliers wohl Zeit gehabt sich nach und nach den Gegebenheiten anzupassen. So aber, durch dieses Hauruck-Ereignis, war man zu Notfallmaßnahmen gezwungen. Tja, so sehen die Ergebnisse aus, wenn staatliche Institutionen versuchen mit Kapitalverkehrkontrollen beziehungsweise Kapitalbeschränkungen Politik zu machen. Dies endet letztlich immer im Desaster.

Nach dem EURCHF-Absturz hat sich der Kurs bis heute wieder weitestgehend am freien Markt erholt auf über 1,13. Dies liegt aber nicht nur am freien Markt – die SNB hatte auch ihrem Fehler gelernt, und hatte neue kleinere Interventionen ab 2015 im laufenden freien Devisenhandel vorgenommen, ohne diese öffentlich kund zu tun. So konnte man den Franken nach und nach unbemerkt wieder abwerten von 2015 bis heute.


Euro vs Franken seit dem Jahr 2003.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Also unbemerkt stimmt natürlich keinen falls, die SNB hat immer wieder Kommuniziert das Sie den franken auch bei 1.20 als überbewertet erachtet und Intervenieren wird. Und so wurde die Fremdwährungsbestämde Quartal für Quartal beibachtet und daraus Retrospektiv die Schlüsse gezogen wie stark das interveniert wurde. Die Aufblähung der Bilanz seit 2015-Heute zeigt gut wie stark die SNB immer noch interveniert…

  2. DIES ENDET LETZLICH IMMER IM DESASTER!
    Das wird auch irgendwann mit den Börsen passieren, wenn die Notenbanken u. Rückkäufe die einzigen Börsentreiber sind. Die US Rentner wird’s freuen, wenn sie erfahren, dass ihr Rentenvermögen plötzlich 30bis 50% weniger ist.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage