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Warum der Silberpreis unter dem Coronavirus leidet

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Ebenso wie Rohöl und Kupfer erlebt auch Silber im Zuge der Coronavirus-Epidemie eine Preiskorrektur. Doch so stark wie das Industriemetall Kupfer verbilligt sich der Silberpreis nicht – aus gutem Grund.

Silberpreis leidet unter möglichen wirtschaftlichen Schäden

Nachdem sich Anfang Januar in der chinesischen Millionenstadt Wuhan die Erkrankungen an Lungenentzündungen ungewöhnlich häuften, forschten die Mediziner genauer nach und stießen auf einen neuen Corona-Virus, ähnlich dem SARS-Virus aus dem Winter 2002/2003.

Mittlerweile hat sich das Virus, dass schwere Atemwegserkrankungen bis hin zum Tode verursacht, über die Stadt Wuhan mit seinen 11 Millionen Einwohnern und die Provinz Hubai mit insgesamt 58,5 Millionen Einwohnern hinaus ausgebreitet. Über den internationalen Reiseverkehr droht eine weltweite Pandemie. Die wirtschaftlichen Folgen für die direkt betroffene Region sind noch nicht quantifizierbar, werden aber von den Analysten der Economist Intelligence Unit (EIU) als signifikant eingeschätzt.

Die Provinz Hubai und ihre Hauptstadt Wuhan sind der wichtigste Standort der chinesischen Automobil- und Stahlindustrie, in der auch große Mengen an Kupfer und Silber verarbeitet werden. Die als „Durchgangsstraße Chinas“ bekannte Stadt fungiert als Verkehrs- und Industriezentrum für Zentral-China und ist das politische, wirtschaftliche und kommerzielle Zentrum der Region.

Die Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft sind noch nicht bezifferbar und hängen von der Dauer der Epidemie und der Dauer der Werksschließungen in China ab (Werkbank der Welt).

Fakt ist, dass bedingt durch die Produktionseinbußen im Zuge der Coronavirus-Epidemie die Nachfrage nach Industrierohstoffen wie Rohöl, Kupfer und Silber temporär leidet. Zumal die Weltwirtschaft sich ohnehin in einem anämischen Aufschwung befindet. Dies dürfte einer der Gründe dafür sein, warum der Silberpreis aktuell zusammen mit dem Kupfer- und Ölpreis schwächelt, während das für die Industrie weitgehend unbedeutende Währungsmetall Gold sich als „Save Haven“-Asset sehr stabil in der Nähe seiner Allzeithöchststände (in Euro) halten kann.

Der Silberpreis ist wie andere Rohstoffe wegen des Coronavirus unter Druck

Silber – das Zwittermetall

Die Industrienachfrage macht 51 Prozent an der Gesamtnachfrage bei Silber aus. 49 Prozent werden als Schmuck, Geschirr, Münzen, Barren oder an physisch gedeckte ETFs als Investments verkauft und dienen vor allem dem Schutz vor Inflation und systemischen Risiken im Geldsystem (Daten-Quelle: The Silver Institute, Metals Focus).

In der Industrie wird das Hightech-Metall Silber in stark zunehmendem Maße aufgrund seiner einmaligen physikalischen Eigenschaften in der schnell wachsenden Solarindustrie (Spiegel) sowie in sämtlicher Elektronik, in Batterien (Kontaktstellen), in E-Autos sowie in der Logistik (RFID-Chips) und für Medizinbesteck sowie Funktionskleidung eingesetzt (antiseptisch).

Silber ist aufgrund des Angebots-Nachfrage-Verhältnisses kurz vor einem Angebotsdefizit, was grundsätzlich positiv für die Preisentwicklung einer knappen Ressource ist.

Kupfer wird hingegen nahezu vollständig von der verarbeitenden Industrie absorbiert. Der Hauptteil fließt dabei in den Bausektor, der in China momentan blasenbedingt schwächelt. Ein Viertel des jährlichen Angebots in Höhe 23.55 von Million Tonnen wird in der Elektronikindustrie verbaut (hauptsächlich Drähte), zu 24 Prozent findet das Metall Anwendung in der Infrastruktur sowie dem Transport und zu 15 Prozent wird es in Automobilen verbaut (Quelle: IWCC, Copper Alliance/ European Copper Institute).

Die Vermögensverwaltung Incrementum AG aus Lichtenstein hat drei ausgeprägte Phasen in der Historie, die geprägt waren von Deflation und wirtschaftlicher Schwäche, untersucht. Das Ergebnis dieser Untersuchung deckt sich im großen Bild mit der Momentaufnahme im obigen Chart. Industrierohstoffe werten in Phasen schwacher industrieller Nachfrage ab. Silber als Zwittermetall zwischen Industrie- und Geldmetall hält sich hingegen relativ gut und Gold wertet sogar auf (Chart #18 v. 61).

Aufgrund der hohen Korrelation zwischen der Konjunktur und der Kupfernachfrage trägt das rötliche Metall auch den Beinamen „Dr. Copper“, also dass Metall mit dem Doktortitel in Ökonomie. Sowohl

„Dr. Copper“ als auch Rohöl weisen eher auf eine hartnäckige Wachstumsschwäche der Weltwirtschaft hin. Dies ist für Silber aber nur kurzfristig ein relativer im Nachteil im Vergleich zu Gold.

Silberpreis: Terminmarkt, Saisonalität und Geldpolitik

Ein weiterer Grund für den jüngsten dynamischen Abverkauf bei Silber bildet die angespannte Terminmarktsituation, die überdurchschnittliche hohe spekulative Long-Positionen aufweist (rote Linie im Chart). Diese Konstellation mach den Silberpreis kurzfristig anfällig für spekulative Gewinnmitnahmen, die sich wertmindernd auswirken können.

Auf der anderen Seite spricht die Saisonalität für eine Fortsetzung des aktuellen Aufwärtstrends bei Silber bis Anfang Mai.

Der wohl wichtigste Grund für den säkularen Aufwärtstrend bei Silber ist und bleibt jedoch die monetäre Nachfrageseite via Münzen, Barren und ETFs. Für diese Nachfrage spielt primär die Geldpolitik, insbesondere in den USA, die entscheidende Rolle.

Es ist empirisch belegt, dass im Vorfeld der Sitzungen des US-Offenmarktausschusses der Fed (FOMC, heute Abend) die Preise für Gold und Silber nachgeben. Fakt ist aber auch, dass sich die akkommodierende Geldpolitik der US-Notenbank nicht nur fortsetzen, sondern in Anbetracht der US-Aktienmarktblase, der US-Schuldenproblematik sowie der spezifischen Situation am US-Anleihemarkt in den nächsten Monaten noch verschärfen wird und die Fed die Leitzinsen weiter absenken muss.

Für das zinslose und zur Hälfte monetäre Edelmetall mit seiner partiellen „Save Haven“-Funktion im Falle extrem laxer Geldpolitik bedeutet dies einen anhaltenden Aufwärtsdruck für den Silberpreis.

Fazit und Ausblick

Die Abhängigkeit der Silbernachfrage von der Industrie macht das weiße Edelmetall konjunkturanfälliger als die reine „Save Haven“-Währung Gold. Schon mehrfach hatte ich darauf hingewiesen, dass Silber sehr stark von der Nachfrage als Hightech-Metall in der Industrie profitiert. Mit disinflationären Phasen, einhergehend mit konjunktureller Schwäche, kann das Edelmetall hingegen weniger gut umgehen als sein großer gelber Bruder.

Da jedoch davon auszugehen ist, dass entweder die Coronavirus-Epidemie schnell wieder abebbt und sich damit die industrielle Nachfrage nach Silber wieder rasch erholt oder aber alternativ die Epidemie sich verschlimmert und die Notenbanken zur Stützung der Konjunktur noch aggressiver gegensteuern, dürfte die aktuelle Schwäche beim Silberpreis nur eine temporäre Episode in einem übergeordneten säkularen Aufwärtstrend bleiben.

 

 

 

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    29. Januar 2020 12:27 at 12:27

    Die FedFundFutires haben achon ordentlich zugelegt die Tage bei der EZB ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung von 0 auf 50% hochgeschnellt…

    • Avatar

      Koch

      29. Januar 2020 13:02 at 13:02

      Kapitalismus ohne Zins ist Kommunismus und Planwirtschaft und wird auch so enden.Basta!

      • Avatar

        Michael

        29. Januar 2020 20:56 at 20:56

        @Koch, ist daraus in logischer Konsequenz zu folgern, dass einzig der Zins den Kapitalismus definiert und vom Kommunismus unterscheidet?

  2. Pingback: Gold, Rohöl und mehr: So wirkt sich das Coronavirus auf die Rohstoffpreise aus

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Gold/Silber

Goldpreis knallt nach oben – Risk Off Trade übers Wochenende

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Ein Stapel Gold Barren

Der Goldpreis notiert in US-Dollar mit aktuell 1.676 Dollar auf dem höchsten Stand seit sieben Jahren. Gut sieht man den kräftigen Anstieg auch im Langfristchart am Ende dieses Artikels, der zehn Jahre zurückreicht. Was ist aktuell passiert? Alleine letzte Woche konnte der Goldpreis um mehr als 60 Dollar auf 1.643 Dollar zulegen. Dann von Freitag Abend auf heute früh der große Sprung, weiter nach oben. Mit aktuell 1.676 Dollar notiert Gold nur 4 Dollar vom absoluten Hoch heute früh. Was für eine Rally. Was ist da los?

Goldpreis voll im Risk Off-Modus

Gold ist momentan so richtig kräftig im Risk Off Modus. Dabei flieht der Anleger aus risikoreichen Anlagen wie Aktien in die Sicheren Häfen, also vor allem Gold. Und wie man übers Wochenende sehen konnte, hat sich das Coronavirus auch in Italien ausgebreitet. Mehrere Ortschaften wurden abgeriegelt, Fußballspiele und Karneval abgesagt. Nun droht das Coronavirus also auch in Europa die gesellschaftliche und wirtschaftliche Aktivität zu lähmen (hier dazu der aktuelle Kommentar von Markus Fugmann). Das sorgt natürlich sofort für Angst am Aktienmarkt (sie nahm schon letzte Woche langsam Fahrt auf). Weniger Konsum und weniger Reisetätigkeit bedrohen in fast allen Wirtschaftsbereichen die Umsätze. Der Dax eröffnet heute gegenüber Freitag Abend 340 Punkte tiefer. Der Dow 30 notiert aktuell gegenüber Freitag Abend 560 Punkte tiefer! Und so kann der Goldpreis als Fluchthafen übers Wochenende mit einem Plus von 33 Dollar von dieser Angst profitieren! (Goldpreis-Verlauf im folgenden Chart seit dem 12. Februar)

Goldpreis seit dem 12. Februar

Kommentare von Analysten

Die Analystengemeinde ist teilweise sogar überrascht von so einem schnellen und kräftigen Anstieg im Goldpreis. Hier einige Kommentare. Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst der Swissquote Bank, erwähnt dass Risikokapital in das gelbe Metall geflossen sei. Technische Indikatoren würden darauf hindeuten, dass Gold seit mindestens drei Wochen überkauft sei, aber dass die Risikobereitschaft so zerbrechlich sei, dass selbst himmelhohe Preise das Kapital nicht davon abhalten, in das Edelmetall zu fließen. Milan Cutkovic, Marktanalyst bei AxiTrader, sagt kurz und knapp „Gefragt bleiben die sicheren Häfen, der Goldpreis kennt kein Halten mehr“. Jasper Lawler, Head of Research bei der London Capital Group, erwähnt seine eigene Aussicht vom letzten Donnerstag, dass der Goldpreis im optimistischsten Szenario bis auf 1.650 Dollar steigen könne. Aber nun sei Gold über Nacht auf 1.680 Dollar gestiegen. Es werde zweifellos einige Gewinnmitnahmen in der Nähe von 1.700 Dollar geben. Man sehe nicht die Logik dafür, dies vor Erreichen der Spitzenwerte von 2011/12 zu tun, die näher bei 1800 Dollar liegen.

Goldpreis in US-Dollar im Verlauf der letzten zehn Jahre

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Aktien

Kommt eine 10% Korrektur bei Aktien? China pumpt Geld, Gold steigt, und zwei Aktienideen

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China pumpt Milliarden ins Finanzsystem und senkt seinen Leitzins. Das soll helfen gegen die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. Manuel Koch bespricht das Börsengeschehen dieser Woche im folgenden Video. Goldman Sachs sieht die Möglichkeit, dass die Aktienmärkte um 10% einbrechen könnten. Gold hat laut Empfehlungen der trading-house Börsenakademie, die im Video besprochen werden, die Möglichkeit auf 1.700 Dollar zu steigen. Die Aktie von Airbus sei eine Short-Idee. Für beide Empfehlungen gibt es im Video konkrete Einstiegsmarken.

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Gold/Silber

Warum der Goldpreis diese Woche so deutlich ansteigt

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Der Goldpreis ist im Verlauf dieser Woche deutlich gestiegen. Von 1.582 Dollar Montag früh bis aktuell auf 1.634 Dollar, das ist schon was! Wieso, weshalb, warum? Die Gründe sind eigentlich bekannt. Die Angst vor den wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus – aktuell befeuert durch einen Anstieg in Südkorea! Und natürlich das Umfeld von Null- und Negativzinsen, welches sich weiter zu verschärfen droht. Je tiefer der Zins ins Negative geht, desto attraktiver wird das zinslose Gold. Der folgende Chart zeigt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen. Je tiefer, desto besser für Gold! Auch hatten wir gestern bereits große Mittelzuflüsse durch Institutionelle ins Gold erwähnt. Aber warum der kräftige Anstieg gerade in dieser Woche?

10 Jahre USA-Staatsanleihen-Rendite - gut für Gold

Goldpreis reagierte auf Abwärtsschübe am Aktienmarkt

Schauen wir uns auf der Spurensuche den folgenden Chart an. Er zeigt seit Montag früh den steigenden Goldpreis in US-Dollar, im Vergleich zum fallenden US-Aktienmarkt, hier dargestellt im Dow 30 als CFD. Man sieht drei Abwärtsschübe im Dow. Er verlor diese Woche 350 Punkte. Jedes Mal kurz nach dem Start eines Abwärtsschubs im Dow begann ein stabiler Aufwärtslauf im Goldpreis. Es sieht also zusätzlich zu den üblichen Gründen danach aus, dass der Markt sich im Risk Off-Szenario (bei Unsicherheit raus aus riskanten Anlagen) ins Gold flüchtet.

Eigene Stärke

Und wie wir bereits diese Woche berichteten, hat Gold aktuell eine eigene Stärke entwickelt. Der US-Dollar konnte diese Woche sehr gut zulegen, trotzdem stieg der Goldpreis in US-Dollar. Und auch als der Dow im Laufe der Woche mal eine kleine Aufwärtsphase hatte, konnte Gold vorsichtig weiter steigen. Oben drauf mag noch kommen, dass mit Überschreiten der 1.600 Dollar-Marke am Dienstag die Markttechnik als positiver Faktor hinzu kommt. Sehen einige Anleger das Überlaufen dieser Symbolmarke als Kaufsignal, springen andere auch mit auf den Zug auf, und eine Kaufeuphorie entsteht, die ein Eigenleben entwickelt. Kommt bald eine kleine technische Korrektur mit Gewinnmitnahmen?

Goldpreis vs Dow 30 im Verlauf dieser Woche

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