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Warum die Inflation versickert oder besser gesagt gar nicht erst anspringt

Bei steigender Geldmenge nicht automatisch höhere Inflation

Wo bleibt sie denn, die Inflation? Wolfgang Müller hatte gestern gute Gründe genannt, warum die Inflation in Deutschland anziehen könnte. Gut, hierzulande bremst derzeit die Mehrwertsteuersenkung die Teuerung ab, wie die ganz frischen Inflationsdaten zeigen (Teuerung exakt bei 0,0 Prozent). Aber bei aller Liebe. Die Geldmengen in Europa und den USA explodieren in einem noch nie da gewesenen Tempo. In der Coronakrise wollen Notenbanken und Regierungen quasi die Wirtschaftskrise weg-drucken. Da muss doch Inflation entstehen? Zwangsläufig? Aber wo bleibt sie?

Schauen wir auf die folgenden Charts der St. Louis Fed, der Statistik-Mühle der Federal Reserve. Im ersten Chart sieht man für die USA den Anstieg der Geldmenge M2 (hier alle Details der einzelnen Geldmengen) seit dem Jahr 2000. Sie steigt kontinuierlich an von damals 4,6 Billionen US-Dollar auf 17,6 Billionen US-Dollar zu Ende Juni diesen Jahres. Noch Ende März lag sie bei 15,6 Billionen US-Dollar. Ein extrem steiler Anstieg in dieser sehr kurzen Zeit!

Und jetzt kommen wir ebenfalls für den Zeitraum ab dem Jahr 2000 zur Geldumlaufgeschwindigkeit. Zirkuliert das Geld nicht, kann die Inflation nicht angefeuert werden. Und siehe da, die Geldumlaufgeschwindigkeit fällt seit 20 Jahren kontinuierlich. Besonders seit Ausbruch der Coronakrise und dem starken Ansteigen der Geldmenge sinkt die Umlaufgeschwindigkeit.

So kann das mit der Inflation nichts werden? Und was hat das alles zu bedeuten? Wir verweisen an dieser Stelle auf unseren Artikel aus Mai, wo wir uns mit der Thematik der Geldumlaufgeschwindigkeit bereits beschäftigt hatten. Hier der wichtigste Teil des Textes:

Im makroökonomischen Sinne beschreibt die Geldumlaufgeschwindigkeit (V) die Summe aller realen Transaktionen einer Volkswirtschaft im Verhältnis zum Geldbestand, z. B. der Geldmenge M2. Zur Berechnung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wird das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch die Geldmenge dividiert (V=BIP/M2). Zum 31. März lag die Geldumlaufgeschwindigkeit in den USA bei 1,374 – das ist der niedrigste jemals gemessene Wert seit der Datenaufzeichnung durch die Federal Reserve Bank.

Nun ist es logisch, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (V) sinkt, wenn massiv Geld durch die Notenbank erzeugt wird und die Geldmenge M2 dadurch prozentual zweistellig ansteigt aber gleichzeitig die wirtschaftliche Aktivität (BIP) unverändert bleibt. Das zusätzliche Geld wird gehortet und damit nicht nachfragewirksam. Im ersten Quartal schrumpfte das US-BIP jedoch gemäß vorläufiger Zahlen sogar um annualisiert 4,8 Prozent. Damit sinkt der Wert V zusätzlich. Würde im gegenteiligen Fall das BIP ansteigen und die Geldmenge gleichbleiben, würde die Geldumlaufgeschwindigkeit ansteigen, ebenso wie die Preise.

Bargeldverbot, Negativzinsen und Schwundgeld als Schlüssel zur Inflation

Natürlicherweise steigt die Geldumlaufgeschwindigkeit, wenn sowohl Geld als auch die Bereitschaft vorhanden ist, dieses auch auszugeben. An Geld (M2) mangelt es derzeit gesamtwirtschaftlich nicht. Aber die Neigung zu Investieren und zu Konsumieren ist aktuell so gering ausgeprägt wie während der Weltfinanzkrise.

Also: Wird folgerichtig die Inflation dann kräftig anspringen, wenn die Wirtschaft wieder brummt, und die Menschen das angehäufte Geld ausgeben wollen?



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2 Kommentare

  1. Avatar
    Geldmengen Allergiker

    Inflation kann nicht nur von der Nachfrage her kommen, sondern auch vom Angebot. Wenn Energie, Wasser ,Rohstoffe und Steuern steigen, werden die Produkte teurer. Lebensmittel und Gesundheitskosten werden ohne Sklavenlöhne auch steigen.W. Müller hat doch dies Alles kürzlich sehr schön aufgelistet.
    Ist doch nur logisch dass eine x-mal grössere Geldmenge weniger Umlaufgeschwindigkeit hat.
    Beispiel für Schwererziehbare. Wenn ein Mensch 10liter Blut hätte und für die Körperfunktionen dies 10 Liter 100mal im Tag umgewälzt werden, so müssten bei 100 Liter Blut diese grössere Menge nur 10 mal umgewälzt werden. Hört doch endlich mit dem blöden Geldmengenvergleich auf! NIEMAND KANN DIE WIRTSCHAFTSGESETZE LANGFRISTIG AUSHEBELN.

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