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Gold/Silber

Warum man sich beim Goldpreis auf eine Achterbahnfahrt einstellen muss

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Ein Barren Gold

Der Goldpreis hat sich in der jüngsten Liquiditätskrise im Vergleich zu den Preisen anderer Vermögenswerte sehr gut gehalten. Im Zuge des Abflauens der Pandemie könnte es jedoch zu Mittelabflüssen kommen. Gleichwohl stärken die ökonomischen Folgen der Corona-Krise das fundamentale Umfeld für das Edelmetall nachhaltig.

Goldpreis im Spannungsfeld von Corona-Erleichterung und fundamentalem Umfeld

Die Nachfrage nach physischem Gold war zuletzt auf die Stände der Finanzkrise von Anfang 2009 nach oben geschossen, wie man u. a. an den Absätzen der v. a. in den USA sehr beliebten Goldmünze „American Eagle“ bis zum totalen Ausverkauf bei der U.S. Mint Ende letzter Woche sehen kann (aktuell keine Auslieferungen mehr möglich).

Verkäufe US Mint Statistik

Gleichzeitig scheint die Pandemiewelle in Asien abzuebben. Diese Entwicklung wird in Europa für Ende April und für Amerika für Anfang Mai erwartet. Umso näher diese „Corona-Erleichterung“ rückt, umso mehr wird auch die Risikofreude in die Märkte zurückkehren. Dies kann zu Umschichtungen raus aus den „sicheren Häfen“ Gold und Staatsanleihen zurück in die Aktienmärkte führen. Doch wie nach der Finanzkrise ist auch jetzt mit massiven Folgeschäden zu rechnen, die aktuell noch gar nicht bezifferbar sind. Eines ist aber schon klar: Die Schuldenstände der Staaten, Banken, Unternehmen und privaten Haushalte werden dauerhaft höher bleiben als vor der Pandemie. Dabei ist für den Goldpreis besonders die Entwicklung in den USA relevant, da der US-Dollar als Weltleitwährung und Reservewährung Nummer eins der natürliche Konkurrent für die Reservewährung Gold ist.

Das Virus zieht sich zurück, die Schulden schießen durch die Decke

Für die USA erwartet das Congressional Budget Office (CBO) durch die bereits vom Kongress verabschiedeten Hilfsmaßnahmen Mehrausgaben in Höhe von 2,2 Billionen US-Dollar oder 10,3 Prozent des BIP. Wobei Donald Trump erst heute Nachmittag erneut ein viertes Hilfsprogramm forderte und darüber hinaus zwei Billionen US-Dollar für Infrastrukturmaßnahmen. Dazu kommen noch Mindereinnahmen des Fiskus im Zuge der aktuellen Krise, die durch Neuverschuldung im Staatshaushalt kompensiert werden müssen.

Schon jetzt liegt die Staatsverschuldung der USA gemessen am Bruttoinlandsprodukt mit 23,54 Billionen US-Dollar bei über 100 Prozent. Für das Ende des laufenden Fiskaljahres am 30. September 2020 wird ein Hochschießen der Verschuldung auf über 120 Prozent des BIP erwartet, sofern keine neuen Nachtragshaushalte für weitere Hilfsmaßnahmen verabschiedet werden. Wie man in dem nachfolgenden Balkendiagramm gut erkennen kann, kam es auch im Zuge der Finanzkrise zu einem deutlichen Anstieg der Staatsverschuldung, die auch elf Jahre später nicht abgebaut wurde.

Staatsverschuldung der USA - indirekt auch wichtig für den Goldpreis

Dieses Phänomen kann man in nahezu allen Staatshaushalten beobachten. Allein Deutschland konnte als bedeutendes Industrieland seine Schuldenquote wieder deutlich reduzieren, dank striktem Sparkurs, starker Exportwirtschaft und negativen Staatsanleiherenditen.

Die jetzt in allen Bereichen ansteigende Verschuldung wird dazu führen, dass die Zinsen auch nach dem Abklingen der Pandemie nicht mehr steigen können – auch nicht in den USA. Das bedeutet aber auch, dass die Notenbanken den gesamten Anleihemarkt dauerhaft durch Ankaufprogramme werden alimentieren müssen. Eine Reduzierung der Bilanzen ist damit ebenfalls kaum noch möglich, im Gegenteil. Durch die Zerstörung der Risikoprämien an den Kapitalmärkten werden private Investoren als Gläubiger zurückhaltender. Diese Lücke zum explodierenden Refinanzierungsbedarf der Schuldner müssen die Notenbanken mit QE-Programmen füllen.

Ein Umfeld aus sprunghaft ansteigender Verschuldung, dauerhaft niedrigen Zinsen und Gelddruckprogrammen in bisher unbekannter Dimension, spricht für eine dauerhaft hohe Nachfrage nach Gold. Zwischenzeitliche Schwankungen beim Goldpreis sind dabei mit einzukalkulieren, ändern aber nichts an dem positiven Grundtrend.

Charttechnik beim Goldpreis in alle Richtungen offen

In Euro notiert der Goldpreis aktuell mit 1.559,6 Euro pro Unze nur 4,45 Prozent unter dem Tagesschlussrekord vom 24. Februar. Bei 1.420 sowie bei 1.320 Euro verlaufen die kurz- bzw. mittelfristigen Aufwärtstrends. Auch wenn es beim Goldpreis im Euro-Chart momentan nach einer Top-Bildung aussieht, so muss sich diese nicht zwingend auch ergeben. Zumal die Preisausschläge zuletzt liquiditätsbedingt ungewöhnlich hoch waren und die sich daraus ergebenen Chartmuster keine sehr hohe Aussagekraft besitzen.

Kursverlauf vom Goldpreis in Euro

In US-Dollar ist die V-förmige Erholung beim Goldpreis, ebenso wie in Euro, sehr gut zu erkennen. Diese Erholung ging einher mit den starken Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed sowie die Ankündigung unlimitierter Kreditvergabe und Wertpapierkäufe. An diesem geldpolitischen Umfeld, das für das zinslose und knappe Gold ideal ist, wird sich in Zukunft wenig ändern. Kurzfristig bietet der Bereich von 1.593 bis 1.610 US-Dollar pro Unze eine gute Unterstützungszone. Der mittelfristige Aufwärtstrend verläuft aktuell bei ca. 1.560 US-Dollar.

Verlauf des Goldpreis in US-Dollar

Fazit und Ausblick

Die hohe Volatilität bleibt dem Goldpreis wahrscheinlich erhalten, bis der Markt weniger auf die aktuellen Zahlen der Virus-Epidemie schaut und wieder verstärkt auf den fundamentalen Datenkranz.

Das Umfeld für Gold bleibt trotz der Preisschwankungen sehr konstruktiv. Aufgrund der akuten Probleme am Markt für Papiergoldmarkt in der jetzigen Krise könnte es möglicherweise sogar zu einem Paradigmenwechsel bei der Wahl der Goldinvestments führen – zugunsten des physischen Metalls. Ein solche Entwicklung, weg von den ungedeckten Derivaten und Terminkontrakten hin zum Metall, würde den Goldpreis angesichts der Enge des Marktes zusätzlich unterstützen.

Mittelfristig wird Gold als Vermögensversicherung in Anbetracht der explodierenden Schuldenstände weiter an Bedeutung gewinnen. Daher sollten Preisrücksetzer als Opportunität verstanden werden. Denn auch wenn die Corona-Krise abebbt, die ökonomischen Herausforderungen in den hoch verschuldeten Industriestaaten und Schwellenländern werden sich unabhängig davon im Zeitverlauf weiter verschärfen.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Hustenberg

    1. April 2020 09:52 at 09:52

    Ein guter Artikel Herr Zipfel, Danke vielmals!

  2. Avatar

    Columbo

    1. April 2020 10:36 at 10:36

    Nicht vergessen, daß einige Zentralbanken kein Gold mehr kaufen. Allen voran die russische.
    Die Zentralbanken sind ein Damoklesschwert für Gold.

    • Avatar

      Dennis de Graaf

      1. April 2020 13:34 at 13:34

      Die russische Zentralbank hat aber keinen Gold im Ausland gekauft, sondern sich aus der eigene einheimische Minen beliefern lassen. Da jetzt durch den Ölkrieg mit Saudi Arabien Devisen fehlen, und die Frage nach physischen Gold gross ist, wird Russland seinen Gold eher verkaufen als selber behalten.

  3. Avatar

    Nurmalso

    1. April 2020 14:44 at 14:44

    Mittelfristig heißt in einigen Jahren…bis dahin sind die meisten völlig pleite und dürfen ihr Gold wieder an die Big Boys abgeben. Außer Spesen nichts gewesen…

  4. Avatar

    Goldsammler

    1. April 2020 15:28 at 15:28

    Welch eine Debatte:
    Den Preis machen die Papiertiger und die sind sich einig.
    Wenn NY zugemacht wird, wird die Comex explodieren.

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Gold/Silber

Silberpreis: Geht es jetzt bald deutlich nach oben?

Markus Fugmann

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am

Der Silberpreis hatte einen holprigen Start in die Woche – aber er hat es geschafft, wieder ins Positive zu drehen. Wohin wird sich das Edelmetall in den kommenden Wochen bewegen?

Der Silberpreis war im Januar 2021 ziemlich instabil. Das gilt insbesondere nach dem deutlichen Pullback, den wir seit Wochenbeginn gesehen haben. Fast unmittelbar danach prallte Silber jedoch vom Unterstützungsniveau bei 24 $ wieder nach oben.

Silberpreis: Der Widerstand bei 26 Dollar

Trotz der deutlichen Erholung beim Silberpreis vom Unterstützungsniveau von 24 Dollar: nun liegt ein starker Widerstand um die $26-Marke vor uns. Sollte es dem Silber jedoch gelingen, diese Marke zu überwinden, könnten im Januar sogar Gewinne bis zur 28 $-Marke möglich sein.

Bricht jedoch das Unterstützungsniveau von 24 $,  dann dürfte der Silberpreis bis auf 22,90 $ zurückfallen. Übergeordnet geht David Jones, chief market strategist bei capital.com, davon aus, dass Silber weiter steigen wird. Aber das größte Risiko wäre eine Erholung beim US-Dollar:

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Wohin geht der Silberpreis?

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Gold/Silber

Goldpreis steigt weiter an – keine einfache Spurensuche nach den Gründen

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Barren Gold

Der Goldpreis steigt weiter an. Gestern Vormittag besprachen wir die gute Laune der Gold-Anleger bei einem Preisniveau von 1.855 Dollar. Jetzt 24 Stunden später notiert Gold bei aktuell 1.872 Dollar. Die Spurensuche für die Gründe ist nicht ganz so einfach.

Schwierige Spurensuche für steigenden Goldpreis

Sogar die Experten der Commerzbank, die in Sachen Edelmetallen ziemlich fit sind, tun sich aktuell schwer. So sagen sie in einem ganz frischen Kommentar, dass die Preise für Edelmetalle gestern Nachmittag urplötzlich und ohne einen erkennbaren Grund nach oben sprangen. Der Preisanstieg auch im Goldpreis sei ohne Zutun des US-Dollar erfolgt, der sogar leicht aufwertete. Möglicherweise habe die Erwartung massiver fiskalischer Stimulierungsmaßnahmen am Tag der Amtseinführung von US-Präsident Biden eine Rolle gespielt, wodurch die Inflationsrisiken steigen und die Staatsverschuldung nochmals deutlich anschwillt. Aber auch charttechnische Faktoren könnten laut CoBa eine Rolle gespielt haben, nachdem der Goldpreis die wichtige 200-Tage-Linie überwunden hat. Dadurch könnten spekulative Finanzanleger weitere Käufe getätigt haben.

Man könnte auch abgesehen von diesen Faktoren sagen (so meine Meinung): Vielleicht setzt derzeit ein neuer Aufwärtsschub im Goldpreis ein, weil die Anleger grundsätzlich wieder stärker in Kauflaune für Gold sind? Die gesamte Gemengelage aus Inflationsangst und globalen Unsicherheiten lässt Gold wieder attraktiver erscheinen in 2021, und die Menschen kaufen mehr Gold? Ganz kurzfristig schaut der aktive Trader heute auf die EZB-Entscheidung um 13:45 Uhr und die folgende PK um 14:30 Uhr. Große Entscheidungen werden nicht erwartet, aber man weiß ja nie. Und um 14:30 Uhr werden die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA veröffentlicht. Auch sie können vor allem den Devisenmarkt bewegen, und somit auch den Goldpreis.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf seit dem 11. Januar
Chart zeigt Goldpreis-Verlauf seit dem 11. Januar.

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Devisen

Goldpreis steigt nach Yellen-Rede – was ist da los?

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Der Goldpreis reagiert recht merkwürdig auf die gestern Abend gehaltene Online-Rede der neuen US-Finanzministerin Janet Yellen vor dem US-Kongress. Wir sprachen vorgestern vorab darüber, und was ihre möglichen Aussagen für den Goldpreis bedeuten könnten. Ein stärkerer US-Dollar würde den Goldpreis schwächen. Vorab waren Redeinhalte durchgesickert. Aber ob sie auch wirklich genau das sagen würde? Nun, es kam wie erwartet. Janet Yellen (hier alle wichtigen Redeinhalte) sagte ganz eindeutig, dass man nicht wie die Trump-Regierung einen niedrigen US-Dollar sehen möchte.

Nein, man überlässt es dem freien Devisenmarkt den fairen Wert für den US-Dollar zu finden, ohne jede verbale Beeinflussung. Trump hatte auf einen billigeren US-Dollar gedrungen, damit die US-Wirtschaft wettbewerbsfähiger wäre (damit wären US-Produkte im Ausland günstiger). Janet Yellen sprach gestern von einer stabile Währung, deren Preis von den Marktkräften bestimmt werden solle. Man strebe keinen schwächeren US-Dollar an. Es sei inakzeptabel absichtlich schwächere Wechselkurse anzuvisieren um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen, so Yellen. Und der Goldpreis, wie reagierte der auf diese Worte?

Warum steigt der Goldpreis nach der Yellen-Rede?

Nun, ihre Worte bringen ganz eindeutig Phantasie für einen höheren US-Dollar. Dann würde der Goldpreis fallen. Aber das Gegenteil passiert seit gestern Abend. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere wichtige Währungen) fiel von 90,50 auf aktuell 90,27 Indexpunkte. Der Goldpreis steigt seit gestern Abend von 1.840 auf aktuell 1.855 Dollar. Damit zeigt er Stärke, als klassische negative Korrelation zum US-Dollar.

Nun, offenbar geht der Markt kurzfristig vor nach dem Motto „Sell on good news“? Der US-Dollar war die letzten Tage vor der Yellen-Rede gestiegen (in Erwartung genau dieser Aussagen), und jetzt kam die Yellen-Rede exakt wie erwartet auf den Tisch. Also, erstmal Gewinne im Dollar machen, und der Goldpreis kann steigen? Auch kann man den aktuellen Anstieg im Gold erklären mit anderen gestrigen Aussagen von Janet Yellen. Ebenfalls wie erwartet will sie nun erstmal jede Menge neue Schulden machen um US-Bürger und Wirtschaft zu stützen in dieser Krise. Das ist tendenziell positiv für Gold. Aber, als Frage formuliert: Kommt der Drang hin zu einem stärkeren US-Dollar bald wieder zum Vorschein, und Gold schwächelt doch? Vorsicht ist also geboten im restlichen Verlauf dieser Woche.

Chart zeigt Kursverlauf von Goldpreis gegen US-Dollar
Im Chart sehen wir seit gestern früh den steigenden Goldpreis in rot-grün gegen den fallenden US-Dollar.

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