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Warum Trump seiner Kern-Anhängerschaft massiv schadet – aber ein übergeordnetes Ziel dabei hat

Die geplanten Importzölle bringen vor allem in jenen US-Bundeststaaten viele Jobs in Gefahr, die bei der Wahl für Trump votiert hatten. Dass die Zölle ökonomisch keinen Sinn machen, dürfte selbst Trump klar sein – aber der US-Präsident hat ein übergeordnetes Ziel!

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Doanld Trump will unbebingt die Jobs im Stahl- und Aluminiumsektor retten durch Importzölle – das sind derzeit ca. 139.000 Jobs. Aber er riskiert durch die Importzölle steigende Preise, die wiederum vor allem jene Branchen unter Druck bringen dürften, die mit verarbeiten Stahl- und Aluminium arbeiten. Und das sind sechs Millionen Jobs, also ungleich mehr Jobs aus dem Bereich Bau und Produktion (construction und manufacturing) als in der eigentlichen Produktion von Stahl und Aluminium. Auch relevant sind etwa lokale Behörden im Bereich Infrastuktur oder etwa Häfen wie der in New Orleans, bei dem 30% seiner Fracht Stahl ist.

Dazu kommt noch, dass aufgrund von Zweitrunden-Effekten auch andere Branchen aus dem Service-Sektor leiden dürften, von Restaurants bis zu Reinungungskräften, Zulieferer etc. Das alles kann eine Spirale in Gang setzen von steigenden Preisen, dadurch anziehender Inflation, dadurch einer restiktiveren Geldpolitik der Fed, steigenden Kreditzinsen für die verschuldeten Amerikaner und und und!

Sollte es zu Jobverlusten in der verarbeitenden Industrie kommen – was sehr wahrscheinlich ist – dann sind es jene US-Bundesstaaten, deren Wirtschaft auf Bauwesen, Metallverarbeitung, Transport, Maschinenbau und Elektronikkomponenten fokussiert ist. Und siehe da: die zehn am meisten betroffenen US-Bundesstaaten hatte allesamt Trump bei der US-Präsidentenwahl gewonnen! Das heißt: die Menschen in den „Trump-Staaten“ tragen faktisch das größte Risiko eines Jobverlusts – und das obwohl Trump die Zölle ja angeblich zum Schutz der Jobs erlassen will und im Wahlkampf „jobs, jobs, jobs“ versprochen hatte.

Besonders stark betroffen wären dabei die US-Bundesstaaten Indiana und Michigan – also jene Bundesländer, in denen noch viel Industrie angesiedelt ist. Dazu auch die „Trump-Staaten“ Missouri, Louisiana, Connecticut, Maryland und Arkansas.

Da Trump nun ja nicht völlig auf den Kopf gefallen ist und die Zölle selbst für ihn erkennbar ökonomisch keinen Sinn machen dürften, stellt sich die Frage, was Trump eigentlich erreichen will. Und da liegt die Annahme nahe, dass Trump übergeordnet die militärische Überlegenheit der USA im Sinne hat mit dem Schutz der heimischen Stahl-Indsutrie:

Faktisch weiß Trump: China wird uns überholen, wenn wir so weiter machen wie bisher. Und das können wir nur verhindern, wenn unserer militärische Dominanz erhalten bleibt – rein militärisch-geostrategisch haben die USA durch ihre massive Präsenz im Südpazifik eben diese Dominanz und könnten etwa – in dem sie die Straße von Malakka (durch die 80% der externen Energieversorgung Chinas transportiert wird ) dicht machen würden für Chinas Schiffe – das Reich der Mitte am langen Arm verhungern lassen.

Wenn also irgendein rationaler Gedanke dem Vorgehen Trumps unterliegen sollte, dann ist es wohl das Streben nach Aufrechterhaltung der militärischen Dominanz, für die Trump als Schlüssel eine funktionierende heimische Stahlindustrie deklariert hat!

Dazu kommt noch: wenn wieder mehr Produktion in den USA stattfinden würde, würde sich damit auch das US-Handelsbilanzdefizit verringern. Die USA sind derart krass auf Dienstleistung fokussiert und de-industrialisiert, dass hier ein Umsteuern durchaus rational ist. Aber die ökonomischen Kollateralschäden der Politik Trumps durch Zölle sind so groß, dass sie die geplanten Maßnahmen Trumps schlicht nicht rechtfertigen können!


Foto: whitehouse.gov

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    Olaf

    7. März 2018 12:49 at 12:49

    Er ist eben auch nur ein kleiner Ammi der sein Macht behalten will ,da ist er so wie die anderen vor ihm und die nach ihm. Aber der Zahn der Zeit nagt an der Vormachtstellungen der Ammis.

  2. Avatar

    hubi stendahl

    7. März 2018 13:27 at 13:27

    „Aber die ökonomischen Kollateralschäden der Politik Trumps durch Zölle sind so groß, dass sie die geplanten Maßnahmen Trumps schlicht nicht rechtfertigen können!“

    Diese MEINUNG teile ich nicht.

    Die Aufgabe der Trump Administration ist es, in der Zeit die noch verbleibt, bis es einen Reset geben muss, das Land in eine brauchbare Startposition zu bringen. Das beste ist also, die Handelsbilanz erheblich zu verbessern und damit am Tisch in der ersten Reihe zu sitzen. Und es sieht so aus, als könnte er das schaffen.

    Unter den Maßnahmen der Trump Administration wird China, die EU insbesondere die BRD mit Maschinenbau und Automobilen viel mehr zu leiden haben, als die USA, die ohnehin einen inneren Markt von 70% besitzen. Den abzubauen, ist eben einfacher, als ein überbordendes Exportland wie Deutschland auf einen ausgewogenen Weg mit dem Mühlstein EU zu bringen. Hinzu kommen Mexiko und Südkorea, um der Handelsbilanz neuen Schliff zu geben.

    Wir werden uns mit dem Eurodollar noch wundern, wie schlau diese Leute vorgehen.

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    Manfred

    7. März 2018 13:54 at 13:54

    Das glaube ich nicht, dass Trump der militärische Sektor in Zukunft wichtiger ist, als die Binnenwirtschaft. Was hat Afghanistan Irak usw. gebracht? Mit diesen Billionen hätte man in den USA alles auf Strom umstellen können. Wer weis wie lange S. Arabien noch Öl hat. Dem Iran wird man es nicht so leicht weg nehmen können. Gehe mal davon aus das dann Russland und China sich auch einmischen würden. Ich glaube eher das es zu einer Aufteilung kommt wo jede Großmacht ihr Revier hat.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      7. März 2018 14:19 at 14:19

      @Manfred, es geht nicht um Irak oder Afghanistan, sondern um China, dessen Aufstieg Trump verhindern will, damit die USA der unangefochtene Platzhirsch bleiben!

  4. Avatar

    Donald Duck

    7. März 2018 14:07 at 14:07

    Dummerweise scheinen geostrategische Ziele bei Trump zu fehlen. Divide (wirtschaftliche Vorteile) ed impera (US Dominanz) kapiert er wohl nicht. China und Russland freut das und bei uns dürften der Wehretat bald durch die Decke gehen.

  5. Avatar

    leo

    7. März 2018 14:22 at 14:22

    Im Grunde hat Trump doch Recht. Deutschland erwirtschaftet trotz seines
    Sozialstaates Überschüsse. Wir Deutsche lassen uns von Amis ,Briten verteidigen
    und geben nichts zurück. Langfristig funktioniert ein solches Geldsystem nicht.
    TTIP hätte das alte bestehende System manifestiert aber nicht das Grundproblem
    gelöst. Es gehört viel Phantasie und Sachverstand dazu ein System zu entwickeln
    das Chancengleichheit beinhaltet ohne das einer den andern ausnimmt.

  6. Avatar

    Marko

    7. März 2018 15:12 at 15:12

    „Faktisch weiß Trump: China wird uns überholen, wenn wir so weiter machen wie bisher. Und das können wir nur verhindern, wenn unserer militärische Dominanz erhalten bleibt – rein militärisch-geostrategisch haben die USA durch ihre massive Präsenz im Südpazifik eben diese Dominanz und könnten etwa – in dem sie die Straße von Malakka (durch die 80% der externen Energieversorgung Chinas transportiert wird ) dicht machen würden für Chinas Schiffe – das Reich der Mitte am langen Arm verhungern lassen.

    Wenn also irgendein rationaler Gedanke dem Vorgehen Trumps unterliegen sollte, dann ist es wohl das Streben nach Aufrechterhaltung der militärischen Dominanz, für die Trump als Schlüssel eine funktionierende heimische Stahlindustrie deklariert hat!“

    Markus, beim Donald gibt es keinen Hintergedanken, der ist und bleibt ein (unberechenbarer) Chaot !
    :D
    Er verschreckt ja sogar seine eigenen Berater (!!) und dies nicht seit gestern !
    Er ist sauer , dass sein Schwiegersohn aus dem Top-Secret-Kreis herausgeflogen ist usw ?? Der Herr Twitter-Präsident… Twitter ist natürlich für ihn ein Medium , um beim gemeinen Volk zu sagen, seht her, ich bin kein „normaler“ Poltiker, bin ein „Mann des Volkes“…

    Was ich ihm abnehme, ist , dass er versucht, seine Wahlversprechen einzuhalten, aber ein Diplomat/Politiker ist er nicht.Er schadet sich selbst und vor allen Dingen seinem America-first Land durch seine chaotische Vorgehensweise. E

    Also ehrlich, der Herr mag ja ja guter Geschäftsmann sein, was aber hat er – und seine Clique – auf dem Präsidentschaftsamt verloren ?

    • Avatar

      Hinterfrager

      7. März 2018 16:39 at 16:39

      „Guter Geschäftsmann?“ Mit sechs Großpleiten seines Bauimperiums, durch die zehntausende mittelständische Arbeitsplätze in den USA zerstört wurden und einem bis heute nicht beglichenen Schuldenfiasko?! Die zahlreich betroffenen „kleinen Leute“ hatten da nix zu lachen, und zwar bis heute. Nee, dieser kurzsichtige Egomane ist schlicht rücksichtslos und eine gefährliche, dummdreiste politische Null, wie sie der Westen noch nie gesehen hat! Und ein widerwärtiges Großmaul, das seine Wählerklientel ganz schlicht für seine eigenen, rein egoistischen Zwecke missbraucht, ohne Rücksicht auf Fakten!

  7. Avatar

    Marko

    7. März 2018 15:40 at 15:40

    Bei Trumps Wahlkampf hatte ich den Eindruck – er, der Donald möchte anders sein.

    D.h. er möchte im Gegensatz zu seinen Konkurrenten die Wahlversprechen einhalten, weil er eben kein „normaler“ Politiker/Diplomat ist ! War und ist ja auch sein Markenzeichen.

    Dagegen ist eigentlich nix zu sagen, was aber verwunderlich ist, dass er sich immer und immer wieder aus dem Bauch heraus“geschossene Schnellschüsse leistet ???
    Gut, er ist der Präsident. Wer muss die Scherben aufkehren, die Diplomaten ?

    Den Rostgürtel kann er doch sowieso nicht reparieren, wie denn ? – Stichwort Mauerbau zu Mexiko ?

  8. Avatar

    Marko

    7. März 2018 15:59 at 15:59

    Und was heißt dies, sollte es wirklich zu einem Handelskrieg kommen, zwischen den USA und China /Europa ggf Japan ?

    Das wäre dann der Sargnagel für Donald Trumps politische Ambitionen.
    Na gut, das wäre nicht so schlimm (sogar für den Donald, er möchte ja lieber in Flordia wohnen) aber : bei den Amis drüben, dürfte dann so einiges los sein… :D

  9. Avatar

    Marko

    7. März 2018 17:21 at 17:21

    Herr Hinterfrager, das war eine Anspielung. Das Wort Ironie sagt Ihnen was ? :D
    Der Donald hat von seinem Vater gelebt, bzw. sein Erbe vermehrt.
    Prinzipiell nix schlimmes, aber : was der Donald hier macht ist folgendes : Ich bin hier der Boss ( Präsident) – Ihr Amis wolltet das so, die anderen habt zu spuren.

    Das und genau das, macht er in seinem Präsidentschaftsamt, er kapiert einfach nicht, dass er im Team arbeiten muss !! Mit seinen Beratern/Dipolmaten zusammen.

    Die Präsidentschaft eines Donald Trumps, tja was soll man dazu sagen. Protestwahl ? – Ein ziemliches armseliges Bild für Amerika…

    • Avatar

      Hinterfrager

      7. März 2018 17:39 at 17:39

      @ Marko Sorry, wie soll eine Ironie überhaupt erkennbar sein, wenn weder gängige Icons noch einschlägige Satzzeichen, die die deutsche Sprache kennt, zum Einsatz kommen?! Immer schön andere verantwortlich machen, wenn man nicht richtig verstanden wird…;-)
      In der Tat scheint der Donald von Teamwork nichts zu halten, falls ihm dieser Begriff überhaupt etwas sagt. Nun, der egomanische, zutiefst menschenverachtende und letztlich außenpolitisch hochgradig gefährliche Abschaum wurde ja nicht zum ersten Mal in der Geschichte in allerhöchste Ämter gewählt, wie etwa das Beispiel Deutschland zeigt…

      • Avatar

        Hinterfrager

        7. März 2018 17:50 at 17:50

        Um Missverständnissen vorzubeugen: Gemeint ist natürlich das Deutschland 1933 ff..

      • Avatar

        Marko

        7. März 2018 18:16 at 18:16

        Wieso sorry ? Ja so weit sind wir schon, wegen ;) :D usw..

        Die Digitalisierung schreitet voran, ich war 1994 zum 1. Mal im Internet.
        Der Donald hat das Erbe seines Vaters insgesamt gesehen ganz gut verwaltet, er hat es vermehrt, natürlich gab es Pleiten.

        Er macht aber den Fehler, dass er seinen Befehlston als Präsident auf den Ami-Staat übertragen will, bzw. er sagt : Ich führe Amiland wie ein Unternehmen.
        Und das bringt ihm (als Twitter-Präsident) und den Amis auf lange Sicht gar nix.

        Angst vor einem Handelskrieg, wegen Trump ?

        Da wären die Amis garantiert die Deppen !!

        Dies könnte den Donald sogar sein Amt kosten !

        VG
        Marko

        • Avatar

          Wolfgang M.

          7. März 2018 19:11 at 19:11

          @Marko. Ich weiß nicht, wie Trump glauben kann, die Globalisierung ohne Riesenschäden teil-rückgängig machen zu können. Beispiel Apple: Das teuerste Unternehmen der Welt lässt sein I-Phone X in Taiwan durch Billiglöhner von Foxconn zusammenschrauben, Konkurrent Samsung aus Korea liefert OLED-Displays, Speicherchips, Akkus und Prozessoren (und verdient daran angeblich mehr, als am Galaxy S8) und selbst aus Deutschland (Dialog Semiconductor) kommen Bestandteile – u.s.w. Die USA haben „noch“ einen Anteil von 24% am Welt-BIP. Wie kann er glauben, ein Handelskrieg könne leicht gewonnen werden? Gruß

  10. Avatar

    Maitdjai

    7. März 2018 18:49 at 18:49

    Mit „Prinzipien“ kann die „Welt der Maerkte“ nur sehr schlecht umgehen. Eine gewisse „Ehrlichkeit“ muss ich Trump schon unterstellen, im Gegensatz zu den europäischen „Fähnchen im Wind“. Er sieht das ganz prinzipiell. Sehr gut! Wenn es schief geht, so what? Die Maerkte werden sich auch wieder erholen. „America First“ war ein Wahlverspechen. Entschuldigung, aber versprochen ist versprochen! In Dummland sieht man das natürlich ganz anders! Mir ist „Twitter“ lieber, als „Hinterzimmerpolitik“ ala Mutti! Und SIE wird auch wieder kriechen und einknicken, weil das ist „Deutsches Schicksal“. Zu Recht!.

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Aktien

Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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am

Von

Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

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am

Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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Aktien

Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

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