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Giovannie Cicivelli Tradingchancen

Anleihen

Was die Lage gefährlich macht: Massive Abflüsse aus Anleihen-ETFs – wenn die Kreditmärkte in Panik geraten..

Wenn die Unruhen an den Kreditmärkten anhalten, war das gestrige Blutbad an der Wall Street nur ein laues Lüftchen!

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Ein Abverkauf an den Aktienmärkten ist gemeinhin nicht wirklich gefährlich – es sei denn bei dem ungleich größeren Anleihemarkt kracht es ebenfalls! Und genau das ist derzeit der Fall – und das macht das gestrige Blutbad an der Wall Street erst richtig gefährlich!

Denn die Anleihemärkte sind faktisch Kreditmärkte, und wenn an den Kreditmärkten Panik ausbricht, bedeutet das zweierlei: erstens wird es immer teurer für Unternehmen, sich zu verschulden und benötigtes Kapital aufzunehmen. Und zweitens wird es für die stark verschuldeten Unternehmen immer schwieriger, die Schulden zu stemmen – und die Verschuldung etwa der US-Unternehmen war noch nie so hoch wie heute, weil man sich in der Zeit des billigen Geldes mit gepumpten Kapital vollgesogen hatte.

Und an den Anleihemärkten wird es jetzt brenzlig: derzeit fließen so massiv Gelder ab aus Anleihen-ETFs ab wie noch nie!

Betroffen sind besonders der iShares Core U.S. Aggregate Bond ETF (AGG, ein ETF für amerikanische Investment Grade-Anleihen):


(Grafik durch anklicken vergrößern)

 

Schwer getroffen sind auch die Junk Bonds (riskante weil bonitätsschwache Unternehemensanleihen), sichtbar in den massiven Abflüssen aus dem HYG-ETF, das diese Junk Bonds abbildet – und gestern kam der Kurs dieses ETFs immens unter Druck:


(High-Yield ETF HYG; Chart durch anklickenn vergrößern)

Meist sind es kleinere US-Firmen die häufig im amerikanischen Nebenwerte-Index Russell 2000 gelistet sind, die solche Junk Bonds ausgeben. Und der Schuldenhebel wurde immer größer, nun scheinen langsam die Risikoprämien für diese Unternehmensanleihen sich in Richtung der Realität zu bewegen:

 


(Grafik: zerohedge.com; durch anklicken vergrößern)

 

Die innere Struktur („breadth“), die aussagt, wieviele der Anleihen neue 52-Wochen-Tiefs erreichen im Vergleich zu den Anleihen, die ein 52-Wochen-Hoch erreichen, war noch nie so schlecht wie aktuell (derzeit schlechter als auf dem Hochpunkt der Finanzkrise!):

 

(Grafik: zerohedge.com;  durch anklicken vergrößern)

 

Auslöser der historisch bisher einmaligen Mittel-Abflüsse dürfte die Aussagen  von Jerome Powell letzten Dienstag gewesen sein – den Investoren wurde klar, dass die Fed es wirklich ernst meint mit den Zinsanhebungen! Geld wird teurer – und damit müssen die Renditen auch für Unternehmensanleihen steigen, ergo die Kurse dieser Anleihen fallen. Daher wird es entscheidend sein auch für die Aktienmärkte, ob sich die Kreditmärkte wieder beruhigen – oder die Turbulenzen dort weiter gehen! Sollte das dann der Fall sein, habe wir gestern mehr als den Beginn einer Korrektur an der Wal Street gesehen!

 

Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0)

8 Kommentare

8 Comments

  1. GN

    11. Oktober 2018 12:46 at 12:46

    ….aber die Unternehmen sind doch lt. Flassbeck zu Sparern mutiert, ……ach ja, in den USA ist das logisch anders, hier in Europa sind die Unternehmen überliquidiert, auch ganz logisch…weshalb sie sparen…..

  2. Marcus

    11. Oktober 2018 14:28 at 14:28

    Ich persönlich denke nicht, das dies gestern nur eine Eintagsfliege war. Letztendlich haben wir drei Faktoren von denen man ausgehen kann das es auch in Zukunft weiter steigende Renditen geben wird: 1.) Hawkisher Ton der Fed (Zinserhöhungen) 2.) Bilanzabbau der Fed 3.) Steigendes oder gleichbleibendes Angebot an Treasuries bei gleichzeitig weniger Käufern, da insbesondere die Fed aufgrund ihrer „Caps“ in Zukunft zum Teil gar keine Reinvestitionen mehr vornimmt.

    Dazu kommt sicher auch noch die massive Überbewertung bei Aktien und auch Anleihen generell. Das mit der Unternehmensverschuldung, da hatte im Mai schon mal Greg Lippmann darauf hingewiesen das es hier bei steigenden Zinskosten zu massiven Problemen kommen dürfte.

  3. Andreas

    11. Oktober 2018 14:43 at 14:43

    Ich muss in einem Punkt „tm“ recht geben, das kgv vom dow jones ist alles andere als hoch im Vergleich zu anderen Blasen in der Börsengeschichte.1993 z.b. lag es bei 79. 2009 bei knapp 150! Jetzt liegen wir im guten Bereich von 24.
    https://www.boerse.de/dow-jones-kgv/
    Die Party kann also noch etwas länger gehen.

    Ps: Das Kgv vom DAX liegt bei lächerlichen 13 Punkten! Selbst schuld wenn hauptsächlich Old Economy Firmen im Index vertreten sind.

  4. Andreas

    11. Oktober 2018 14:48 at 14:48

    Inzwischen berichtet weltonline, BILD und GMX über einen bevorstehenden Aktiencrash. Werden sie diesmal recht behalten oder sind das lediglich kontraindikatoren, wie in der Vergangenheit auch immer schon gewesen?

    • Emm wie Meikel

      11. Oktober 2018 21:08 at 21:08

      Kontraindikatoren. Wahrscheinlich geht es bald wieder rauf.

      Wegen der prekären Lage (längster Bullenmarkt, extreme Überschuldung, Zinswende) halte ich mich dennoch dezent zurück. Ich vermute, die Vola fällt in absehbarer Zeit wieder ins Koma.

  5. Beobachtet

    11. Oktober 2018 15:23 at 15:23

    Es hat schon mehrere Berichte in der Finanzpresse gegeben ,die genau dieses Problem angesprochen haben, nämlich stark steigende Volumen von Anleihen mit noch knappem Invstment grade, mit dem Risiko,
    bei einer Verschlechterung in die Schrottanleihen-klasse zu fallen.Anscheinend haben es jetzt die Märkte auch wahrgenommen.Was ich nicht verstehe, wenn Aktien, Rohstoffe u.Risikoanleihen fallen, müssten eigentlich die sicheren Staatsanleihen steigen.Wo geht denn das Geld all dieser Verkäufe hin?
    Ich glaube dass nächstens am ehesten wider US-Bonds gekauft werden.
    Übrigens an alle die an TINA geglaubt haben, ausser den US- Indices sind weltweit fast alle Indices seit Januar im Minus.

  6. Gixxer

    11. Oktober 2018 15:24 at 15:24

    Ich bin mal gespannt, was dieses Mal der Game Changer sein wird.

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Anleihen

Interview mit Bernd Lucke über den „Systemausfall“ der Politik

Ein Gespräch mit dem einstigen Parteorsitzenden der AfD, Bernd Lucke, über die Reform-Unfähigkeit der EU – und über die Medien

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Um den einstigen AfD-Parteivorstizenden Bernd Lucke ist es zuletzt deutlich ruhiger geworden. Nun aber hat er das Buch „Systemausfall. Europa, Deutschland und die AfD: Warum wir von Krise zu Krise taumeln und wie wir den Problemstau lösen“ vorgelegt (Sie können das Buch hier direkt vom Verlag bestellen!). Wir sprechen mit ihm über die Reform-Unfähigkeit der EU – und über die Medien, die nach Ansicht von Lucke eine Mitverantwortung dafür tragen, dass die AfD eine rechte Partei geworden ist.

 

1. finanzmarktwelt.de: Sie beklagen in Ihrem Buch „Systemausfall“. Europa, Deutschland und die AfD: Warum wir von Krise zu Krise taumeln und wie wir den Problemstau lösen“ ein massives Versagen der Politik, eben einen „Systemausfall“. Was meinen Sie damit?

Bernd Lucke: Mit „Systemausfall“ bezeichne ich den Ausfall eines staatlichen Sicherungssystems. Der Begriff „Kontrollverlust“ setzt ja voraus, dass man eine Situation oder eine Problematik ursprünglich unter Kontrolle hatte. Folglich hat es ein Sicherungssystem gegeben, das diese Kontrolle gewährleistete. Der Ausfall dieser jeweiligen Sicherungssysteme fand lange vor den eigentlichen Krisen statt – beispielsweise in der Eurokrise oder bei der Flüchtlingsproblematik. Aber natürlich gibt es in der EU auch Bereiche, die funktionieren. Der Binnenmarkt oder die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität sind sinnvolle Aufgaben für die EU!

 

2. finanzmarktwelt.de: Sie behaupten in Ihrem Buch, dass Deutschland eigentlich ein gut funktionierender Staat sei, der aber zu viele Kompetenzen an die EU abgegeben habe und dadurch in Schwierigkeiten geraten sei. Ist es nicht aber doch so, dass Beispiele wie das Flüchtlingschaos sowie der sogenannte Diesel-Skandal zeigen, dass auch Deutschland „Systemausfälle“ erlebte?

Bernd Lucke: Was den Diesel betrifft, haben Sie völlig recht! Da haben viele Bundesregierungen tief geschlafen. Zum Beispiel hat man das Verbot der Abschalteinrichtungen nicht überprüft und man hat sich von der EU einen wissenschaftlich unbegründeten Grenzwerte für Stickstoffdioxid aufschwatzen lassen. Beides geht aber darauf zurück, dass die EU überhaupt Kompetenzen in diesem Bereich erhielt. Und so kommt es jetzt zu dem bizarren Vorgang, dass eine der wichtigsten deutschen Industrien ohne vernünftigen Grund im Kern zerstört wird. Der Dieselmotor ist doch ein leistungsstarkes, klimafreundliches Antriebsaggregat! Und Bundesregierung und EU tun alles, um diesen Motor zu ruinieren und die Elektromobilität zu fördern, obwohl sie weniger Leistung ermöglicht und die Technologieführerschaft in den USA und in China liegt.

 

3. finanzmarktwelt.de: Sie fordern, dass die Staaten der EU eine echte Wahlmöglichkeit haben müßten, etwa die, aus der Eurozone auszutreten bzw. den Euro zu verlassen. Warum gibt es diese Wahlmöglichkeit, Grundprinzip eigentlich jeder Demokratie, in der Realität der Eurozone nicht?

Bernd Lucke: Die Verantwortlichen haben kein Austrittsrecht aus dem Euro zugelassen, weil sie nicht wollten, dass gegen die Euro-Mitgliedschaft eines Staates spekuliert werden kann. Hier wollte man ein klares Signal setzen. Aber die Spekulation bricht sich dann eben woanders Bahn, etwa bei Staatsanleihen. Und daraus entsteht ein neues Problem, weil besonders die Banken der Südländer der Eurozone mit den jeweiligen Staatsanleihen ihrer Länder vollgesogen sind und damit einer Staatsinsolvenz gleich auch noch eine Bankenkrise folgt. Das ist viel schlimmer als ein Euroaustritt. Nun hat die EZB am Symptom rumgedoktert und Billionen Euro an Staatsanleihen aufgekauft. Aber auch wenn diese Käufe über den Sekundärmarkt getätigt wurden, waren sie eine verbotene monetäre Staatsfinanzierung. Sie diente nicht dem Allgemeinwohl, sondern schröpfte die Sparer zugunsten der überschuldeten Staaten.

 

4. finanzmarktwelt.de: Halten Sie die EU für reformfähig?

Bernd Lucke: Mit Blick auf die derzeitigen EU-Verantwortlichen, muß man klar sagen: nein! Man wurstelt sich durch, und versucht immer an den Symptomen zu kurieren, statt an die Ursachen zu gehen. Man denkt nicht nachhaltig, weder bei der Staatsverschuldung noch bei der Flüchtlingspolitik noch zum Beispiel bei der Finanzierung der Alterssicherungssysteme. Staaten, die in Schwierigkeiten kommen, sollen eben von anderen Staaten finanziert werden. Das ist ein kurzfristiges Kalkül, bei dem man hofft, dass es für die laufende Wahlperiode schon irgendwie gut gehen wird. Dabei gibt es durchaus Politiker, die Probleme auch nachhaltig angegangen sind, etwa Bill Clinton, der zwischen 1992 und 1998 die Neuverschuldung der USA deutlich senken konnte. Auch Margaret Thatcher in Großbritannien und Poul Schlüter in Dänemark haben sich ähnliche Meriten erworben – und es hat ihnen sicherlich nicht geschadet!

 

5. finanzmarktwelt.de: Sie waren nun einige Jahre im Europaparlament – welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Bernd Lucke: Grundsätzlich: das Europaparlament ist zahlenmäßig viel zu groß und beschließt zu viel. Oft haben die Abgeordneten gar keine ausreichende Kenntnis von der Sachlage, weil enorme Mengen an Gesetzen geradezu durchgepeitscht werden. Schon daher kann ich Slogans wie den der SPD „Europa ist die Antwort“ nicht nachvollziehen.
Dazu kommt: das Europaparlament ist zwar zahlenmäßig sehr groß, aber es sind faktisch kleine Zirkel, die die maßgeblichen Entscheidungen treffen! Da kungelt die EU-Kommission mit den Fraktionsvorsitzenden von Christdemokraten, Grünen, Liberalen und Sozialdemokraten und die Abgeordneten sollen es dann abnicken.
Natürlich gibt es einige Aufgaben, die bei der EU besser aufgehoben sind als bei den Nationalstaaten, aber es gibt auch viele Aufgaben, wo genau das Gegenteil der Fall ist. Deshalb bräuchten wir eine bessere Balance zwischen EU und ihren Mitgliedsstaaten, denn die EU ist, anders als die SPD es uns weismachen will, nicht der Heilsbringer für alles und jedes.

 

6. finanzmarktwelt.de: Die AfD war ihrem Kern nach eine Euro-kritische, wirtschaftsliberale Partei. Ab wann habe Sie gemerkt, dass rechte Strömungen immer dominanter werden?

Bernd Lucke: Das war ein gradueller Prozess seit Mitte 2014, aber ein Schlüsselmoment war Anfang 2015, als ich im Bundesvorstand die Aufnahme von Götz Kubitschek in die AfD widerriefen ließ. Für mich war Kubitschek anfangs ein unbeschriebenes Blatt gewesen, aber als ich seine Schriften las, war mir klar: Der gehört nicht in unsere Partei! Doch nach unserem Beschluss zeigte sich an zahlreichen schriftlichen Protesten, wieviele Anhänger Kubitschek bereits in der Partei hatte. Er hatte sein Gift schon in viele Kanäle getröpfelt.

 

7. finanzmarktwelt.de: Viele Medien haben Sie in die rechte Ecke gestellt und damit diskreditiert. Wie haben Sie das erlebt?

Bernd Lucke: Das war eine schlimme Erfahrung, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet! Gleich in der Frühphase der AfD wurde von manchen Medien ein regelrechtes Zerrbild der Partei gezeichnet. Dabei hatten wir damals noch überhaupt kein Problem mit Rechten, das kam erst später. Dieses „in die rechte Ecke stellen“ hat dann paradoxerweise den Rechtsruck der AfD maßgeblich gefördert: Denn gemäßigte Parteimitglieder zogen sich zurück, weil sie berufliche Schwierigeiten oder Konflikte im Freundeskreis fürchteten, während hartgesottene Rechte sich durch die Presseberichte angezogen fühlten. Und dagegen kann man nichts machen. Gegenüber Meinungsmache in den Medien ist man völlig machtlos. Leider hat das die Fehlentwicklung der AfD maßgeblich befördert.

 

8. finanzmarktwelt.de: Ist Ihr Buch „Systemausfall“ als eine Art „politisches Vermächtnis“ zu verstehen?

Bernd Lucke: Nein! Ich bin quicklebendig und trete deshalb ja auch bei der Europawahl als Spitzenkandidat der LKR (Liberal-Konservative Reformer) an! Das Buch ist vielmehr eine Einladung, mal ernsthaft zu argumentieren. Denn die Probleme, die wir haben, sind so tiefgreifend, dass man sie wirklich nicht mit einem Plakatslogan, einem Flugblatt oder einem Tweet bei Twitter erledigen kann. Es gibt ja Menschen, die sehr stolz auf die deutsche Kultur sind, aber wenn man sich unsere Wahlkämpfe anschaut, muss man sich eigentlich in Grund und Boden schämen. Irgendwo in der Tiefe wird man dann das Niveau finden. Das wollte ich mit meinem Buch ein wenig heben. Und wenn mir sogar ein Hans-Werner Sinn schreibt, dass er aus dem Buch viel Neues gelernt hat, scheint mir das ja einigermaßen gelungen zu sein.

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Anleihen

Deutsche Schulden für 10 Jahre: 0,02% Rendite – warum weniger Nachfrage als bei Negativrendite?

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Liebe Leute liebe Leute, seid doch bitte dankbar dafür, dass der deutsche Staat immerhin für zehn Jahre laufende Bundesanleihen jetzt 0,02% Rendite zahlt. Das ist doch immerhin besser als gar nichts! (Realsatire). Wenn Sie monatlich fleißig in ihre Betriebsrentenkasse oder private Lebensversicherung einzahlen, dann haben Sie ja nun immerhin einen Mini-Zuwachs. Gut, die Inflation liegt über 1,0%, und von daher machen Sie trotzdem dick Minus. Aber was soll´s.

Der deutsche Staat hat heute den institutionellen Investoren per Auktion angeboten zehn Jahre laufenden Bundesanleihen im Volumen von 3 Milliarden Euro zu kaufen. Die Nachfrage lag bei 4,78 Milliarden Euro. Vor vier Wochen waren es auch 3 Milliarden Euro Angebot, aber da lag die Nachfrage bei 6,3 Milliarden Euro – und die Rendite lag bei -0,05%.

Tja, nun könnte man scherzhaft sagen: Die Investoren stehen total darauf beim Kauf von Anleihen Zinsen zahlen zu müssen, von daher war die Nachfrage vor vier Wochen bei der Negativrendite höher als heute. Aber es hat wohl eher mit der Kursrally der Anleihen zu tun. Alleine an den Emissionskursen kann man gut sehen, dass mit Bundesanleihen in den letzten Monaten gutes Geld zu verdienen war, wenn man auf steigende Kurse setzte.

Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten. Lag die Emissionsrendite dieser Serie im Januar noch bei 99,56%, so lag sie im März schon bei 103,00%. Heute geht der Emissionskurs leicht zurück auf 102,26%. Trauen die Anleihe-Händler der Bundesanleihe wohl erstmal nicht mehr zu? Dennoch, die Nachfrage lag auch heute deutlich über dem Angebot. Und wer statt auf Kurse zu spekulieren als großer Institutioneller dauerhaft sein Geld parken will, fährt mit quasi Nullzinsen in der deutschen Bundesanleihe immer noch günstiger als sein Geld mit -0,4% bei der Bank zu parken. Denn die Praxis zeigt es immer öfter. Große Firmenkunden, Fonds etc, die große Geldsummen bei Banken parken, werden von den Banken mit den selben -0,4% Negativzins bestraft, den die EZB den Banken aufdrückt.

By the way… je schlechter die Konjunktur in Euroland läuft, und je weiter die EZB ihre Zinswende auf den Sankt Nimmerleinstag verschiebt, desto länger hängen die Renditen bei Null, und bei Kurzläufern sogar kräftig im Minus. Also bedeutet das: Läuft die Konjunktur immer länger schleppend oder schlecht, kann sich der deutsche Staat umso bequemer entschulden, quasi im Schlaf.

Bundesanleihen fast ohne Rendite - Olaf Scholz
Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Foto: Olaf Kosinsky CC BY-SA 3.0 de

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Anleihen

Bundesanleihen mit 30 Jahren Laufzeit: 0,68% Rendite + Wette auf Rezession

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Heute hat die Finanzagentur Deutschland für den Bundesfinanzminister Bundesanleihen mit 30 Jahren Laufzeit zum Verkauf angeboten. Das Volumen lag bei 1 Milliarde Euro. Die Nachfrage der Investoren lag bei 1,6 Milliarden Euro. Somit gab es deutlich mehr Nachfrage als Angebot, und das bei einer Rendite, die immer weiter in den Keller rauscht. Die heutige Emissionsrendite liegt nur noch bei 0,68%. Bei der letzten Emission im März waren es noch 0,74%. Bei der letzten Emission dieser heutigen Emissionsserie (mit identischem Zinskupon) aus Oktober 2018 lag die Rendite noch bei 1,04%. Das sind Welten bei Anleiherenditen. Liebe Leute, liebe Leute. Für 30 Jahre Geld verleihen, und dafür nur noch 0,68% Rendite kassieren, wo es im Oktober noch über 1% waren.

Daran erkennt man, dass der Anleihemarkt die Politik der EZB sowie die schwächelnde Konjunktur immer stärker dahin gehend interpretiert, dass die Zinswende noch weiter in die Zukunft verschoben wird. Vielleicht bis in alle Ewigkeit? (Scherz). Spekulanten, die auf eine sich verschärfende Konjunkturabkühlung spekuliert hatten (heute erneute Absenkung der Prognose), waren am Anleihemarkt in den letzten Monaten die großen Gewinner.

Schauen wir nur mal auf die Emissionskurse der 30jährigen deutschen Bundesanleihen (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten). 132,86% kostete diese Anleihe-Aufstockung dieser Serie noch im Oktober, und heute kostete die neue Anleihe-Aufstockung schon 142,03%. Alleine an diesem einfachen Vergleich sieht man: Im Anleihemarkt ließen sich in den letzten Monaten gute Kursgewinne erzielen, worauf sich vor allem institutionelle Spekulanten konzentrieren, die natürlich in erster Linie den Bund-Future handeln, der auf eine synthetische zehnjährige Bundesanleihe ausgerichtet ist.

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