Folgen Sie uns

Allgemein

Wie gut steht es um die US-Wirtschaft wirklich?

Die US-Wirtschaft brummt schon seit Jahren viel stärker als die in Europa. Gerade strenge Gläubige der Notenkbank-Gelldruckerei glauben daran, dass die drei nach der Lehman-Krise in den USA…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Die US-Wirtschaft brummt schon seit Jahren viel stärker als die in Europa. Gerade strenge Gläubige der Notenkbank-Gelldruckerei glauben daran, dass die drei nach der Lehman-Krise in den USA durchgeführten Anleiheaufkaufprogramme der Federal Reserve (QE 1, 2 und 3) einen guten Anschub gegeben haben – und weil man deutlich früher als Europa reagierte, war man auch früher aus der Krise raus. Aber ist dem überhaupt so? Es gibt immer zwei Wahrheiten. Die eine ist immer das, was Regierung und vor allem die Notenbank sieht. Das andere ist das genaue Betrachten vieler Einzelfaktoren.

Bei den jeweils am 1. Freitag im Monat verkündeten US-Arbeitsmarktdaten schauen alle Beobachter immer auf die Zahl der neu geschaffenen Stellen. Aber wenn man ein paar Schritte zurücktritt, um das gesamte Bild zu betrachten, schaut man doch gerne auf die Arbeitslosenquote, auch in den USA! Und die liegt derzeit bei offiziellen und sensationellen 4,7%, also auf dem selben Level wie vor der Lehman-Krise, und damit hast man in den USA quasi Vollbeschäftigung. Aber wie der geneigte Beobachter weiß, sind die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten noch deutlich weniger wert als die in Deutschland. Die Schätzungen gehen weit auseinander, ob die tatsächliche Arbeitslosenquote in den USA nicht doch doppelt so hoch, oder noch höher liegt. Zweifellos wurden viele neue Arbeitsplätze in den USA geschaffen, aber eben nicht wie vor der Krise in hochwertigen Jobs, sondern oft in schlecht bezahlten Dienstleistungsjobs. Damit treibt man die Bürger, die ihren alten Lebensstandard aufrechterhalten wollen, direkt in eine neue Konsumentenverschuldung.

US-Wirtschaft Arbeitslosenquote
Grafik: BLS

Schaut man sich einige der Einzelfaktoren an, kann man sehen, dass es um die US-Wirtschaft wohl doch nicht so rosig bestellt ist, wie Präsident Obama es vielleicht zum Abschluss einer Amtszeit gerne hätte.
Kritische Beobachter der US-Wirtschaft glauben, dass der Boom nach der Lehman-Krise dann wieder endete, als das 3. QE der Fed endete, also das Auslaufen der Geldschwemme. Und dieses Auslaufen des Booms, so kann man vermuten, schlägt sich seit gut 2 Jahren immer weiter in vielen Kennzahlen nieder.

Mit nur 38.000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen in den USA lag der Wert im Mai so schlecht wie seit 6 Jahren nicht mehr. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten in den USA erreichte im Dezember 2015 ihren Höhepunkt und fällt seitdem sehr stark ab. So weit so gut bzw. nicht so schlimm? Das kann aber vor allem ein Zeichen für eine sehr stark bevorstehende konjunkturelle Abkühlung sein, denn Teilzeitkräfte können am schnellsten und leichtesten „abgeschafft werden“, wenn man als Arbeitgeber schnell Kosten reduzieren will. Und genau dieses Muster bei den Teilzeitarbeitern war kurz vor der 2001er-Krise sichtbar, und auch kurz vor der Lehman-Krise 2008. Auch der „Labor Market Conditions Index“ der Fed, den man aktuell komischerweise nicht so beachtet, fällt jetzt den fünften Monat in Folge.

Die Industrieproduktion in den USA fällt inzwischen ebenfalls den fünften Monat in Folge. Diese Anzahl von Rückgängen nacheinander gab es sonst nie – nur in Zeiten einer Rezession. Also, beginnt sie gerade oder stecken die USA schon drin ? Oder hat es noch niemand gemerkt? Die kompletten Unternehmensumsätze fallen konstant seit fast nun zwei Jahren – im April z.B. -2,9% gegenüber April 2015. Die Industrieaufträge fallen inzwischen den 18. Monat in Folge. Das bedeutet: Jetzt keine Aufträge, dann fehlen in den nächsten Monaten die realen Umsätze!

Die Ausfallrate bei Unternehmenskrediten steigt seit Januar 2015 – ebenso steigen die Unternehmensinsolvenzen in den USA annualisiert den 7. Monat nacheinander. Der „Recession Indicator“ der größten US-Bank JP Morgen, der normalerweise oft beachtet wird, aber komischerweise derzeit kaum, steigt derzeit auf den höchsten Wert seit der Lehman-Krise (also hohe Rezessionswahrscheinlichkeit). Und zum Schluss noch ein weicher Faktor, der natürlich keine öffentliche Statistik ist: Beim weltweit größten Stellennetzwerk LinkedIn stieg die Zahl der angebotenen Stellen 70 Monate in Folge. Aber seit Februar diesen Jahres fällt diese Zahl.

So, jetzt haben wir Sie mit genug US-Daten ertränkt. Ob es zur Rezession in den USA kommt, oder ob sie bereit da ist, oder ob sie abgewendet werden kann? Schauen wir doch in den nächsten ein zwei Quartalen auf das US-BIP, ob es noch im Plus bleibt. Aber die vielen kleinen Einzelfaktoren lassen da nichts Gutes vermuten.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Steven

    20. Juni 2016 13:31 at 13:31

    Bei 1,x% Wachstum von brummen zu sprechen ist schon hart.
    Ein Feiertag mehr oder weniger , ein Blizzard oder ein paar Tornados im Golf bewirken da mehr als ein vermeintlicher Aufschwung

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

So sichern Sie Ihr Depot optimal ab – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

die Aktienmärkte eilen von einem Rekord zum nächsten. Das Virus wühlt zwar weiterhin, und tatsächlich eilt auch die Anzahl der Covid-Neuinfektionen weltweit von einem Rekord zum nächsten. Wir vertrauen allerdings auf die Kraft des Impfstoffes und sehen die Volkswirtschaften dieser Welt nächstens befreit.

Bei so viel Euphorie beschleicht allerdings den ein oder anderen Börsianer ein ungutes Gefühl. Sie haben also das Bedürfnis Ihr Depot, Ihre Buchgewinne einmal zumindest teilweise abzusichern. Im Folgenden erkläre ich Ihnen, welche drei goldenen Regeln Sie berücksichtigen müssen, damit die Absicherung auch wirklich greift.

Das Absichern oder Shorten eines Depots ist kein Hexenwerk. Allerdings sind wir als Börsianer natürlich eher geeicht auf steigende Kurse und Chancen. Mit anderen Worten: Shorten zählt bei den meisten von uns nicht zur ersten Begabung.

Das sind die drei goldenen Regeln:

– Fassen Sie immer punktuell und kurzfristig zu!
– Definieren Sie Ihren Depotschwerpunkt und vergessen Sie Einzelaktien!
– Legen Sie eine prozentuale Absicherungsquote fest!

Was sagen uns diese Regeln konkret?

Zu 1. Ein Short – ganz gleich ob als Optionsschein, Short-ETF oder Zertifikat – ist kein Pkw-Anschnallgurt, den wir fortwährend zur Anwendung bringen. Erfolgreiches Shorten verlangt eine kurzfristige Marktmeinung. Solche Instrumente kaufen wir immer punktuell und lediglich für wenige Wochen oder Monate. Andernfalls verzichten wir auf Geld und Rendite. Dabei sind weniger die laufenden Kosten eines Short-ETFs oder eines Optionsscheins das Problem. Sondern: Shorts – egal in welcher Form – bringen uns Verluste, wenn der Markt entgegen unserer Prognose doch steigt. Zudem fehlt uns das Kapital für den Short auf der Aktienseite. Zu Deutsch: Ein unsauber gesetzter Short wird schnell zum doppelten Renditekiller.

Zu 2. Das ist offensichtlich: Wenn von 20 Ihrer Depotpositionen 15 aus dem DAX stammen, sichern Sie nicht gegen den S&P 500 oder NASDAQ-Index ab, sondern natürlich gegen den DAX. Als kluger Börsianer kennen Sie den Schwerpunkt Ihres Depots und erwerben dazu passend einen Short. Ganz wichtig: Vergessen Sie…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage