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Aktien

Wieso immer die Amis? Warum sich der deutsche Michel immer an den US-Märkten orientiert

Kennen Sie das? Seit Jahrzehnten, also quasi seitdem die breite Öffentlichkeit Zugang zur Börse hat, liest man es und hört man es immer und überall. Der Dax ist gestiegen, weil der Dow Jones gestiegen ist. Umgekehrt das selbe. Der Dax tut…

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Kennen Sie das? Seit Jahrzehnten, also quasi seitdem die breite Öffentlichkeit Zugang zur Börse hat, liest man es und hört man es immer und überall. Der Dax ist gestiegen, weil der Dow Jones gestiegen ist. Umgekehrt das selbe. Der Dax tut dies, weil in den USA jenes passiert ist usw. Die Börse in Europa und besonders in Deutschland tanzt letztlich immer noch nur im Takt nach dem, was die Amis machen. Warum eigentlich? Haben Sie sich diese Frage auch schon mal gestellt? Schon seit Jahren träumen Börsianer in Deutschland davon, dass sich der Dax doch endlich mal emanzipiert von den US-Indizes, und eine eigene Kursentwicklung vollzieht. Aber warum ist das einfach nicht möglich?

Nun, zu aller erst sind die USA ein geschlossener Wirtschaftsraum von 320 Millionen Menschen, die EU ist nur auf dem Papier ein geschlossener Raum von 500 Millionen Menschen. Das wirkt zunächst nur größer und mächtiger, ist es aber nicht. Mit NYSE und Nasdaq sind in den USA letztlich nur zwei Aktienbörsen verblieben, über die alles im Publikumshandel abgewickelt wird. In Europa gibt es neben diversen kleinen Börsen die drei Großen Deutsche Börse, Euronext und LSE, aber es ist kein einheitlicher Markt wie in den USA. Jeder brutzelt sein eigenes Süppchen nach eigenen Regeln und länderspezifischen Gesetzen. Welcher spanische Aktienanleger interessiert sich schon für niederländische Aktien? Oder umgekehrt?

Der gesamte Aktienmarkt in den USA ist vor allem deswegen so unendlich größer und bedeutender als in Europa, weil dort einerseits der Aktienhandel sowie Aktienbesitz bei normalen Durchschnittsmenschen etwas völlig Normales ist. Dazu kommt, dass es in den USA für jedes halbwegs mittelständische Unternehmen ganz normal ist an die Börse zu gehen und mit dem dort eingenommenen Kapital zu wachsen. Von daher ist die Vielzahl der Auswahlmöglichkeiten an Aktien immens groß im Vergleich beispielsweise zu Deutschland.

Und durch die Innovationskraft der USA, die sich zur Jahrtausendwende und jetzt erneut gerade durch das Internetgeschäft darstellt, ist der US-Aktienmarkt immer der Leader. Wo gibt´s rund ums Internet interessante Aktienstorys für deutsche Spekulanten? Nur in den USA, weil alle wichtigen Player dort sitzen wie Facebook, Amazon, Google etc. Auch die neuen Streamingdienste wie Netflix, auch von der Seite kommt aus Europa kein Konkurrent auf den Markt. Alles im Bereich Internet, was die Aktionäre auch in Europa stark interessiert, findet in US-Aktien statt. Das ist das aktuellste Problem, warum der deutsche Börsianer regelrecht gezwungen ist auf den US-Markt zu schauen.

Ein anderer wichtiger Faktor, warum die US-Märkte insgesamt gesehen so wichtig sind für uns in Europa: Die Terminmärkte für börslich gehandelte Futures und Optionen haben sich erst so richtig in den USA entwickelt, weil Landwirte dort in großem Stil ihre Waren gegen Wertschwankungen absicherten. Daraus entstanden später die großen Terminbörsen in Chicago und New York, die letztlich mehr und mehr für Spekulationen genutzt wurden. Preise für Zucker, Kaffee, Öl (WTI), Benzin etc werden maßgeblich in Chicago durch die Terminhändler gemacht, vielleicht mit der Ausnahme vom Brent-Öl-Kontrakt in London.

Auch ein wichtiger Faktor sind die großen Kapitalsammelstellen in den USA. Pensionskassen sammeln dort Geld von Arbeitnehmern in enorm großem Ausmaß und investieren die Gelder zu großen Teilen in Aktien, was in Deutschland bei Pensionskassen ganz anders aussieht. Der Deutsche wünscht eben kein Risiko. Der Amerikaner sieht es als ganz normal an, dass sein Geld in Aktien arbeitet – so auch indirekt über Pensionsfonds. Sie pumpen gigantische Summe in Aktien, schichten um von den USA nach Europa, und wieder zurück. Aber im Großen und Ganzen ist entscheidend, ob solche Fonds ihre Hauptinvestitionen in US-Aktien gerade aufstocken, oder ob sie Mittel zeitweise aus Aktien abziehen.

Wenn dies geschieht, ist es (allgemein gesprochen) wahrscheinlich, dass auch europäische Aktien betroffen sind. Ganz aktuell befindet sich Europa konjunkturell mehrere Jahre hinter den USA, bei denen der jahrelange Aufschwung anscheinend vorbei ist. Von daher haben wir womöglich noch eine gewisse Zeit von steigenden Kursen vor uns. Aber die große Abkopplung von den US-Märkten auf lange Sicht, ist die sichtbar? Nein, im großen Bild nicht, wie dieser Langzeitvergleich zwischen Dax und Dow seit 2002 zeigt. Sinkt die Aktienquote in US-Aktien im großen Maßstab, kann sich der europäische Markt nicht abkoppeln, weil institutionelle Anleger auf kurz oder lang auch dort die Aktienquoten senken.


Dax und Dow im Vergleich seit dem Jahr 2002.

Die global bedeutenden Konzerne sitzen in ihrer großen Mehrzahl in den USA. Man siehe nur Beispiele wie Procter & Gamble, General Electric, Caterpillar, Coca Cola, Pfizer und und und. Über Giganten wie Apple und Google brauchen wir da erst recht nicht reden. Die Amerikaner scheuen sich nicht durch Kapitalerhöhungen und aggressive Zukäufe im Ausland immer weiter zu wachsen, um so gigantisch groß zu werden. Natürlich gibt es auch immer wieder Ausnahmen von der Regel wie beispielsweise die deutsche Bayer, die den US-Konkurrenten Monsanto schluckt. Aber die Masse der großen Konzerne mit großen Umsätzen und hoher Marktkapitalisierung sitzen in den USA. Also sind auch die USA eine Art Magnet für anzulegendes Kapital aus aller Welt, was auch mit der dauerhaften Rechtssicherheit für den Anlagestandort USA zu tun hat, der schlicht und einfach auch das Volumen bietet um große Summen von Investoren zum Beispiel aus der Golfregion unterzubringen, die nicht wissen wohin mit ihrem Geld. Europa hingegen ist zu kleinteilig, zu zersplittert.

Wie könnte sich langfristig etwas ändern am täglichen Blick auf den Leitwolf Dow Jones und S&P 500? Es müsste einen wirklich echten einheitlichen europäischen Kapitalmarkt geben, mit einheitlichen Börsenregeln, einem einheitlichen Unternhemensrecht. Und vor allem müssten Unternehmen wie auch Anleger in Europa in ihrer breiten Masse lernen die Aktie nicht als etwas Böses anzusehen, sondern als Chance für Wachstum beziehungsweise als normale Geldanlage. Bis es so weit ist (und das kann noch dauern), gucken wir weiter täglich auf den großen Bruder mit dem großen wichtigeren Kapitalmarkt. Ach ja, und das Denken in Sachen „Zukunftschancen und Risikobewusstsein“ müsste sich von momentan 0 verdammt stark steigern, sonst wird es auch die wirklich interessanten Unternehmen wie Google, Snap, Facebook, Tesla etc in Deutschland nie geben. Aber solide, das sind die deutschen Konzerne immerhin.

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Value-Werte auf der Überholspur

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Es gibt gute Konjunkturindikatoren aus Deutschland und Asien. Laut Markus Koch sind die Value-Werte jetzt auf der Überholspur.

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fashionette: Onlineshop für Luxus-Shopping geht an die Frankfurter Börse

Claudio Kummerfeld

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Bürotürme in Frankfurt

fashionette ist kein normaler Onlineshop für Klamotten und Schuhe. Nein, hier werden nur hochpreisige Handtaschen, Schuhe, Schmuck etc verkauft. Darauf hat sich die Düsseldorfer fashionette AG spezialisiert. Man konzentriert sich auf die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Nach eigenen Angaben bietet das Portal 11.000 Artikel von 150 Premium- und Luxus­marken, und hat pro Monat mehr als 3 Millionen Seitenaufrufe. Die Umsatzerlöse lagen im Jahr 2019 bei 73 Millionen Euro, und der Gewinn (EBITDA) lag bei 6,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 9,3 Prozent.

Die Deutsche Börse hat heute offizielle Angaben zur Aktienzeichnung und zum ersten Handelstag an der Börse für das Unternehmen veröffentlicht. Die Aktienzeichnung für den Börsengang der fashionette AG (ISIN: DE000A2QEFA1) an der Frankfurter Wertpapierbörse ist heute gestartet und wird voraussichtlich bis zum 27. Oktober andauern. Inklusive der Mehrzuteilungsoption werden bis zu 3.605.000 Aktien angeboten, die Bookbuilding-Spanne liegt bei 30,00 bis 38,00 Euro je Aktie. Der erste Handelstag der fashionette AG im Segment Scale ist laut der Deutschen Börse für den 29. Oktober geplant.

Beim Klick an dieser Stelle finden sie alle Detaildaten zu dieser Emission bei der Frankfurter Börse.

Der Börsengang von fashionette hat einen Gesamtumfang von bis zu 137 Millionen Euro. Aber der Großteil der Papiere werden vom aktuellen Hauptaktionär Genui verkauft, womit ein Großteil der Emission nicht in der Firma landet, sondern an den Altaktionär fließt. Im Unternehmen werden von der Emission wohl 36-46 Millionen Euro ankommen.

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