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Aktien

Fracking: „Wenn die OPEC ihre Politik nicht ändert, gehen wir da raus“

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am

Von Claudio Kummerfeld

Der Druck auf die Fracking-Industrie in den USA wird immer größer. Kleinere Firmen gehen pleite, andere fusionieren, die Cash-Reserven schmelzen dahin. Diejenigen, die die ganze Fracking-Sause finanziert haben, bekommen es langsam mit der Angst zu tun. Ein Hedgefonds-Manager sagte wortwörtlich „Wenn die OPEC ihre Politik nicht ändert, gehen wir da raus“.

Fracking in Wyoming USA
Gas-Fracking in Wyoming, USA.
Foto: Wikipedia / public domain

Fracking-Finanzierung am Ende?

 

Wie uns ein Hedgefonds-Manager aus Chicago berichtet, der namentlich nicht genannt werden wollte, reißt vielen Managern in seiner „Industrie“ langsam der Geduldsfaden. Sein Statement zur aktuellen Lage war „If OPEC isn´t changing it´s policy, we´ll get out of it“ (wenn die OPEC ihre Politik nicht ändert, gehen wir da raus). Damit bezog er sich auf das an diesem Freitag stattfindende Treffen der OPEC. Wenn sie auch weiterhin Rekordmengen an Öl auf den Markt schmeißt, wird der Ölpreis wohl nicht steigen, und die Fracking-Industrie produziert weiterhin defizitär. Der Ölpreis ist locker 10 Dollar zu tief (60 US-Dollar), als dass Fracking-Unternehmen in den USA überhaupt an der Gewinnzone kratzen könnten. Und dann kommt ja erst der große Knall: Viele kleine Fracking-Firmen haben sich das Geld für ihre Bohrungen extrem überteuert am Markt für Schrottanleihen (Junk Bonds) geliehen für teilweise 10% Zinsen p.a. Mehr als 15% des gesamten Junk Bond-Marktes in den USA steckt derzeit in Fracking-Firmen. Und wer kaufte voller Euphorie diese Anleihen noch vor einem Jahr, wo Öl doppelt so teuer war wie heute? Hedgefonds, Rentenfonds, Versicherungen, die alle ihre mageren 0%-Renditen bei Staatsanleihen aufbessern wollten. Jetzt schwitzen und zittern sie, weil sie sehen, dass ein Anleiheschuldner nach dem anderen wohl nicht mehr lange in der Lage sein wird, Zinsen (geschweige denn die Endtilgung) zurückzuzahlen, weil man durch den niedrigen Ölpreis nichts als Verluste erwirtschaftet.

Was ist „Fracking“ ?

Whiting Petroleum Fracking
Der Kurs der Fracking-Unternehmens Whiting Petroleum im Abwärtstrudel mit dem Ölpreis.

Southwestern Energy Fracking
Southwestern Energy, einer der TOP 10 Ölförderer in den USA.

Continental Resources Fracking
Auch die Aktie von Continental Resources, einem anderen Branchenriesen, wurde in die Tiefe gerissen.

Silica Holdings Fracking
Ebenfalls im Abwärtsstrudel: Silica Holdings liefert u.a. Sand, der beim Fracking in den Boden gepumpt wird.

Hedgefonds

Hedgefonds reden ungern oder eher gar nicht über Probleme. Einer der ganz wenigen, oder fast der einzige Hedgefonds-Manager, der sich öffentlich zur Fracking-Problematik äußert, ist David Einhorn. Seine massive Kritik an der Branche Anfang Mai ging um die Welt. Er geißelte die Geldzuflüsse von Hedgefonds Richtung Fracking-Industrie als schlechtes Investment. Die Firmen würden Geld verbrennen und keine Gewinne erwirtschaften.

Rettungsanker „Effizienzsteigerung“ ?

In den letzten Wochen war es ganz deutlich zu sehen, vor allem an den „rig counts“, der Anzahl der aktiv in den USA betriebenen Öl-Bohrlöcher. Die Zahl fiel und fiel, Woche für Woche. Trotzdem stieg die Öl-Produktionsmenge weiter an bzw. blieb auf einem sehr hohen Niveau. Grund hierfür ist eine große Effizienzoffensive der Fracking-Industrie. Wenn man als Fracking-Unternehmen Produktionskosten von 70 US-Dollar pro barrel hat, ist Effizienz nicht ganz so wichtig, wenn der Ölpreis über 100 Dollar liegt. Ist er aber bei 60 Dollar und man macht bei jedem geförderten barrel 10 Dollar Verlust, muss man sich umschauen. Produktionsabläufe und Technik wurden gerade in den letzten Monaten immer weiter verbessert, so dass Experten davon sprechen, das die kapitalstarken Fracking-Firmen inzwischen in der Lage sind ca. 10 Dollar günstiger zu produzieren – das wären grob geschätzt 60 Dollar, also genau das aktuelle Preisniveau der amerikanischen Öl-Sorte WTI. Aber zu welchem Preis ein einzelner Produzent fördert, hängt einerseits von seiner Kapitalstärke und Professionalität ab, anderseits aber auch von der Höhe seiner Finanzierungskosten (Junk Bonds?), und vor allem davon, wie ergiebig und groß das Feld ist, in dem er das Erdreich auffrackt.

Marktbereinigung

In der ganzen Branche findet bereits eine große Marktbereinigung statt. Der Ausrüstungs-Gigant Halliburton kaufte seinen Konkurrenten Baker Hughes um durch Synergien Geld zu sparen.

Whiting Petroleum, der größte Produzent im Bakken-Ölfeld in North Dakota, hatte im März vergeblich versucht für sich selbst einen Käufer zu finden – wohl kaum weil die Lage so rosig aussieht. Derzeit macht die Firma nach außen auf „Eitel Sonnenschein“, wenn man sich die Unternehmensberichte anschaut. Die Verschuldungsrate der Firma steigt aber kontinuierlich, wie das „Debt-to-capital ratio“ der Firma zeigt. Lag es 2010 noch bei 24%, waren es 2014 schon 50%. Da niemand genau weiß, wie hoch die Effizienzsteigerung z.B. bei Whiting ist, schwanken die Prognosen für den Jahresgewinn/Verlust der Firma in 2015 erheblich. Die optimistischsten Analysten erwarten einen Gewinn von 0,41 Dollar pro Aktie, die Pessimisten einen Verlust von bis zu 1,30 Dollar.

Kann man seine Kredite bzw. Zinsen nicht ordnungsgemäß zurückzahlen, wird mit den Gläubigern verhandelt, wie geschehen bei der texanischen Fracking-Firma „Sabine Oil„. Letztendlich gaben sie der Firma mehr Zeit sich zu „restrukturieren“. Hier scheint man erkannt zu haben, dass es keinen Sinn macht draufzuhauen und auf die Zahlung der Zinsraten zu bestehen. Was nützt dem Anleihegläubiger eine bankrotte Firma, die die Anleihe dann gar nicht mehr zurückzahlt? Dann lieber an der langen Leine Luft zum Atmen geben… (ist hier eine Parallele zum Thema Griechenland erkennbar?).

Bei der Firma „American Eagle Energy“ half gar nichts mehr. Anfang Mai meldete man Bankrott an und versucht jetzt sich wohl über das US-Insolvenzrecht von einem Teil der Schulden zu befreien: „American Eagle will continue to operate the business as debtors-in-possession under the jurisdiction of the Bankruptcy Court. American Eagle has filed a series of motions with the Bankruptcy Court requesting authority to continue normal operations, including requesting Bankruptcy Court authority to continue paying employee wages and salaries and providing employee benefits without interruption.“

Nicht nur der Ölpreis, sondern auch das Schicksal dutzender Fracking-Firmen (mal ganz abgesehen vom Umweltschutz) und zehntausende Arbeitsplätze in den USA hängen davon ab, was die Öl-Multis aus Saudi-Arabien, Kuwait und Katar am Freitag bei ihrer OPEC-Tagung zu sagen haben. Eine Strategie-Änderung in Richtung „Drosselung der Fördermenge“ ist wenig wahrscheinlich. Aber lassen wir uns überraschen.


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Aktien

Nach Mietpreisbremse-Urteil: Aktien von Deutsche Wohnen und Vonovia ganz düster

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Gestern gab es nach dem Berliner Verbot von Mieterhöhungen für die nächsten fünf Jahre den nächsten Nackenschlag für Vermieter in Deutschland. Das Bundesverfassungsgericht lehnte Beschwerden gegen die Mietpreisbremse ab, die bundesweit gilt, aber von den einzelnen Bundesländern angewendet werden kann, oder eben auch nicht (hier der Infotext des Gerichts).

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Unternehmensdaten oder Sonstiges scheinen am Markt momentan wenig zu interessieren. Betroffen sind natürlich am Ehesten die beiden großen börsennotierten Unternehmen Vonovia und Deutsche Wohnen. Hier sieht man den Vonovia-Chart seit Oktober 2018. Gestern fiel die Aktie deutlich, und heute geht es weiter. Die Aussichten scheinen zumindest erst einmal düster zu sein.

Vonovia Aktie

Die Deutsche Wohnen ist offenbar noch schlimmer betroffen, weil sie laut aktuellsten Daten 70% ihrer Wohnungen in Berlin hat! Im folgenden Chart sieht man die Aktie seit Oktober 2018. Der Chartverlauf in den letzten 10 Monaten ist eindeutig schlechter als der von Vonovia. Tendenz für die beiden Aktien: Schaut man auf das Mieterhöhungsverbot in Berlin + die fast bundesweit geltende Mietpreisbremse, die vom Gesetzgeber ja verschärft wird, dann sind die Aussichten für die beiden Aktien zumindest nach dem momentanen Stand schlecht. Wie weit können sie noch fallen? Oder sind das bald Kaufkurse, weil die Dividendenrendite durch die sinkenden Kurse für Neu-Käufer ansteigt?

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Deutsche Wohnen-Aktie

Vonovia-Zentrale - auch Deutsche Wohnen Aktie sieht mies aus
Vonovia Hauptverwaltung in Bochum. Foto: Laurardnk CC BY-SA 4.0

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Aktien

Banken – schon bald zu Tode reguliert

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Was ist das Problem der Banken in Europa? Klar, die Null- und Negativzinspolitik der EZB macht das Kerngeschäft der Banken kaputt, die Kreditvergabe lohnt sich kaum mehr angesichts der inversen Zinskurven und der damit zu Grabe getragenen Fristentransformation (die Banken leihen sich kurzfristig Geld, um es dann langfristig als Kredit zu vergeben). Wenn eine europäische Bank Geld bei der EZB parkt, zahlt sie dafür Negativzinsen – in den USA wäre das undenkbar!

 

Die Krankheit der Banken – kein Geschätsmodell und die hohen Kosten

Das Geschäftsmodell ist also nicht mehr wirklich vorhanden – und das, zumindest im Falle Deutschlands – während einer Hochkonjunktur. Was erst wird passieren, wenn Deutschland nun tatsächlich in eine Rezession rutscht und damit wieder mehr Firmen pleite gehen und so die Banken dann auch noch Kreditausfälle verkraften müssen?

Erschwerend kommt hinzu, dass die Kostenstruktur vor allem der großen Geldinstitute extrem ungünstig ist: man sitzt auf einer teuren, veralteten und ineffzienten IT-Struktur und kann nur an dem bestehenden System weiter herumdoktern – was aber die Kosten eher weiter ausufern läßt. Dazu kommt noch, dass viele Banker auf lukrativen Verträgen sitzen – also versuchen die Banken, Mitarbeiter zu entlassen, besonders in Deutschland, das „overbanked“ ist.

 

Zu Tode reguliert, weil schuld an der Finanzkrise

 

Aber ein ganz gewaltiger Faktor ist auch die Regulierung, besser gesagt die Überregulierung der Banken in Europa. Da müssen ganze Abteilungen, vor allem aber auch die Vorstände, die sich eigentlich um die strategisch Ausrichtung ihrer Bank kümmern sollten, einen großen Teil ihrer Arbeitszeit für aufsichtsrechtliche Regularien investieren.

Das Ganze erinnert schon fast an Kafkas Roman „Das Schloss“: man verheddert sich gewissermaßen im undurchsichtigen Labyrinth der Autoritäten und ist als Banker per se verdächtig, weil die Finanzinstitute doch die Schuld hätten an der Finanzkrise, so der Volksmund. Und die Politik hat das dankbar aufgenommen – und damit von ihrer Mitverantwortung für das Schlamassel abgelenkt. Gewissermaßen werden die Banken nun bestraft durch eine geradezu absurde Regulierungswut!

Diesen Zusammenhang bringt Professor Hans Peter Burghof, Bankenexperte an der Uni Hohenheim, auf den Punkt. Wenn es so weiter geht, so Burghof, werden wir die Banken bald zu Tode reguliert haben:

 

Die ohnehin angeschlagenen Banken werden in Europa zu Tode reguliert

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Aktien

General Electric mit Kursdebakel – eine gute Kaufgelegenheit?

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General Electric war jahrelang schon genug gebeutelt worden. Der Siemens-Konkurrent in den USA ist immer noch ein gigantischer Mischkonzern, aber die Geschäfte laufen seit geraumer Zeit schlecht. Vor einem Jahr wurde die Aktie von General Electric aus dem Dow 30-Index gestrichen, und durch eine Apothekenkette ersetzt. Was für eine Demütigung für die altehrwürdige GE-Aktie. Dadurch verlor GE enorm an Aufmerksamkeit. Der Vorteil für den Gesamtmarkt aber ist: Fällt GE weiter kräftig in den Keller, kann das den Dow nicht mehr nach unten ziehen.

General Electric mit größerem Betrug als Enron?

Da ist es für die Bullen wohl besser, dass die Aktie von General Electric seit einem Jahr nicht mehr im Dow enthalten ist? Denn im Herbst 2018 rauschte sie gewaltig in den Keller. Und jetzt nach einer langen Phase einer „kleinen“ Erholung rauschte sie gestern erneut nach unten. Alleine gestern verlor die GE-Aktie 1,02 Dollar oder 11,3% an Wert. Grund dafür ist ein Whistleblower, der schon den Madoff-Skandal aufdeckte (größtes Schneeballsystem aller Zeiten).

Der Privatermittler Harry Markopolos behauptet nämlich General Electric habe seine Bücher frisiert. In einer ausführlichen Studie behauptet er GE habe Verluste in Höhe von 38,1 Milliarden Dollar verschleiert. Der Betrug bei General Electric sei ein größerer Fall als Enron. Beobachter erinnern sich noch an diesen gigantischen Skandal, der die US-Börse erschütterte. Sein Team habe sieben Monate lang die Bücher von GE analysiert, so Markopolos.

General Electric Aktie seit September 2018

General Electric weist Vorwürfe zurück- Kaufgelegenheit?

 

In einer offiziellen Stellungnahme weist General Electric die Anschuldigungen als „wertlos“ zurück (hier nachzulesen). Auch würde Markopolos mit einem Hedgefonds zusammenarbeiten, der auf fallende Kurse bei GE setzen würde. Gegenüber dem WSJ sagte Markopolos man würde mit einem nicht genannten Hedgefonds kooperieren. Tja, jetzt dürfte wohl ein Rechtsstreit zwischen beiden Seiten folgen? Eine Schlammschlacht? Fest steht nur: Die Börse ist verunsichert. Ist was dran oder nicht an den Vorwürfen? Ist dieser tiefe Kurs von GE eine Kaufgelegenheit, oder wird die Aktie nun in eine lange Phase der „Abwärts-Lethargie“ eintreten, weil auf lange Zeit niemand weiß, ob die Vorwürfe fundiert sind oder nicht?

Auf lange Sicht gesehen (folgender Chart seit 1997) hängt die Aktie derzeit an ihrem Tief aus dem Jahr 2009. Fällt sie darunter, kann es ganz düster werden. Der Chef von General Electric Larry Culp hat gestern jedenfalls für 2 Millionen Dollar GE-Aktien gekauft – offenbar als Vertrauensbeweis des Chefs in die Aktien des Unternehmens, um die Märkte zu beruhigen. Der Kaufpreis lag bei 7,93 Dollar – also unter dem Tagesschlusskurs von gestern Abend. Da hat er ja schon mal einen kleinen Gewinn erzielt (Scherz).

General Electric Aktie seit 1997
Hier die GE-Aktie seit 1997.

General Electric
GE Gelände in Schenectady, New York. Foto: UpstateNYer CC BY-SA 3.0

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