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Aberwitzig: Italienische Regierung verkauft Bankenrettung durch Steuerzahler mit der Aussicht auf Gewinne!

Es ist aberwitzig. Gestern hatten wir über die Bankenrettung in Italien berichtet. Die zwei Veneto-Banken Veneto Banca S.p.A. und Banca Popolare di Vicenza S.p.A. wurden durch die EZB de facto für…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Es ist aberwitzig. Gestern hatten wir über die Bankenrettung in Italien berichtet. Die zwei Veneto-Banken Veneto Banca S.p.A. und Banca Popolare di Vicenza S.p.A. wurden durch die EZB de facto für pleite erklärt. Die EU bestätigte, dass man eigentlich gar nicht zuständig sei. Daher könne Italien die ganze Sache sozusagen hausintern regeln.

Und so pumpt die Regierung in Rom laut offizieller Aussage der EU nun 4,79 Milliarden Euro in Cash in die beiden Banken. Oben drauf gibt es noch eine Bürgschaft über bis zu 12 Milliarden Euro. Da die beiden Banken sogar laut EZB kaputt sind, darf man davon ausgehen, dass die Kosten für den italienischen Steuerzahler bei insgesamt gut 17 Milliarden Euro liegen werden, da die Bürgschaft wohl voll gezogen wird.

Dass dieses Szenario wohl so kommen wird, zeigt ja auch der Umstand, dass die Banca Intesa Sanpaolo als Aufkäufer der beiden Banken nur bereit war sie zu kaufen, weil man die Zusicherung erhielt, dass sämtlicher Schrott beim Staat verbleibt. Ein toller Deal für Intesa. Man bekommt eine problemfreie Bank für 1 Euro. Daher ist der Aktienkurs von Intesa auch seit Freitag Abend bis jetzt gestiegen.

Aber jetzt wird es erst richtig abenteuerlich. Wie rechtfertigt die italienische Regierung diese Bankenrettung? Denn der spanische Staat ließ zusammen mit der EU gerade erst die dortige Banco Populare bluten, in dem Aktionäre und Anleihegläubiger ihre Ansprüche verloren. In Italien sieht das anders aus. Wie also verkauft man dem eigenen Steuerzahler und vor allem auch dem Parlament, dass 17 Milliarden Euro Steuergeld zur Rettung zweier mittelgroßer Banken eingesetzt werden?

Ganz einfach. Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan hat da eine Lösung parat. Laut „Il Sole 24 Ore“ sagt er dazu, dass die Werte in der Bad Bank (also der Schrott, der beim Steuerzahler verbleibt), werthaltiger sei als gedacht. Die Stimmung an den Märkten würde sich verbessern (also ein Blick in die Zukunft), was ja jetzt schon der Fall sei, so seine Worte. Diese bessere Stimmung werde den Wert der notleidenden Kredite erhöhen.

Also im Klartext: Weil die Stimmung „am Markt“ irgendwie besser werde, geht man davon aus, dass Schuldner in Italien, die aktuell ihre Kredite nicht zurückzahlen können, dies bald wieder können. Wenn dem so wäre, kann der italienische Staat mit dieser Kapitalzufuhr in die beiden Banken am Ende sogar noch Gewinn machen. So lautet doch tatsächlich die Rechtfertigung der italienischen Regierung. Man könne mit dieser Rettung am Ende sogar einen Gewinn für den Steuerzahler erzielen. Also hätte die Intesa ein schlechtes Geschäft gemacht, und hat werthaltige Schrottkredite einfach so links liegen gelassen, und dem Staat geschenkt? Aberwitzig!

Wohl gestützt auf Daten der italienischen Notenbank soll der Gewinn für den italienischen Steuerzahler bei bis zu 1 Milliarde Euro liegen können, wenn denn die beiden Banken endgültig verwertet sind. Dazu beitragen sollen vor allem die offenen Kredite der Banken, die also werthaltiger sein sollen als bisher angenommen. Eine verdammt kühne Annahme. Dann müssten Intesa wie auch die EZB mit ihren Annahmen falsch liegen. Dann hätten die beiden Veneto-Banken ihr Schrott-Assets früher bereits höher bewerten können, womit sie nicht in die Pleite gerutscht wären.

Naja, was für ein Geschmäckle. Es erinnert irgendwie an die Schiffskredite deutscher Banken. Auch hier dachte man jahrelang, dass ihre an Reeder ausgegebenen Schrottkredite irgendwann wieder werthaltig werden, denn der Markt werde sich ja irgendwann mal erholen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Die Reeder gehen nun nach und nach pleite. Der italienische Premierminister Paolo Gentiloni nannte jüngst die Injektion von Steuergeld in die beiden Veneto-Banken nicht nur legitim, sondern auch angemessen. Denn es gehe ja auch um zwei Millionen Bankkunden sowie die mittelständischen und kleinen Firmenkunden der Banken. Auch ginge es um die Wirtschaft der Region als Solches, so seine Aussage.

Tja, so geht die Bankenrettung auf Steuerzahlerkosten in Europa munter weiter. Dabei dürfte es die laut neuester EU-Regularien doch gar nicht mehr geben. Aber jetzt, mit der Aussicht sogar auf Rettungsgewinne für die Steuerzahler, da fasst man doch gleich wieder richtig Mut in die Zukunft des europäischen Finanzsystems (Scherz).

Die italienische Flagge. Grafik: Gemeinfrei

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Lossless

    27. Juni 2017 17:17 at 17:17

    Bail-in ist nichts für Italien. Die südländische Mentalität würde sowas gar nicht zulassen. (Siehe den riesen Schuldenberg!)

    Dieses momentane Wegsehen in Verbindung mit dieser selbstherrlichen Sorglosigkeit wird sich bald sehr brutal rächen. Irgendwann ist Zahltag.

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Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

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Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

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Grenke das neue Wirecard? Neue Fed-Strategie, Luft für Dax wird dünner

Redaktion

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Wird die Grenke AG das neue Wirecard? Wir haben diesen Themenkomplex diese Woche mehrmals thematisiert, und im folgenden Video wird er auch von Manuel Koch besprochen. Auch bespricht er mit einem Experten die neue Strategie der US-Notenbank Federal Reserve. Es gehe nun nicht mehr darum die Inflation ab einem bestimmen Niveau zu begrenzen. Nein, die Senkung der viel zu hohen Arbeitslosenzahl sei nun das Hauptaugenmerk der Fed. Lange Zeit könne die Notenbank daher nun den Zins ganz tief im Keller belassen.

Und wie sieht es aus mit dem Dax? Gibt es neue Impulse? Im Video wird besprochen, dass derzeit offenbar einige negative Aspekte beiseite geschoben werden. Dennoch werde die Luft nach oben dünn – weitere Anstiege könnten sich also schwieriger gestalten. Auch im Video besprochen werden ganz konkret zwei Handelsempfehlungen der trading house Börsenakademie. Die Aktien von Bayer und Continental seien jeweils ein Kauf. Beide Aktien könne man über das Vehikel einer Stop Buy-Order kaufen.

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Warum haben wir keine Börsengänge mehr? – Werbung

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Lieber Börsianer,

es ist ein eigentümlicher Befund. Im vergangenen Jahr ging der deutsche Aktienmarkt steil. Zu Deutsch: Das Geld saß locker, und die Investoren fassten zu. Trotzdem verschmähten viele Unternehmen dieses Geld und verzichteten auf einen Börsengang. Ganze drei Unternehmen haben im vergangenen Jahr den Gang aufs Parkett gewagt. 2020 das nämliche Bild. Bis jetzt zähle ich mit Teamviewer und dem Datenbankspezialisten Exasol zwei IPOs (Börsengang).

Zum Vergleich: 1999 feierten 175 Unternehmen hierzulande ihr Börsendebüt, ein Jahr später zählten die Statistiker 142 IPOs. Natürlich wurde damals auch viel Schrott verkauft, wie dann die Folgejahre zeigten. Dennoch legten die Investoren damals den Grundstein für den digitalen Standort Deutschland.

Diese Frage drängt sich auf: Warum geht bei uns jetzt nichts mehr?

Meine Antwort fällt differenziert aus. Es ist richtig, dass viele Unternehmen derzeit keinen Börsengang planen, weil sie sich das Geld in Form von Fremdkapital anderweitig besorgen können. Ein Beispiel: Wenn die Bosch GmbH bedeutenden Kapitalbedarf hat, dann geht man einfach zur Bank oder zapft den Rentenmarkt an und holt sich dort Fremdkapital zu Nullzinsen.

Holte sich Bosch das Geld als Eigenkapital an der Börse, müsste man eine Dividende von – sagen wir 2 oder 3 % – bezahlen. Der Zusammenhang ist klar: Das derzeitige Zinsumfeld begünstigt also nicht unbedingt den Börsengang, wenn es um die Finanzierung von unternehmerischer Tätigkeit geht.

Das ist allerdings nur ein Teil der Wahrheit wie die Beispiele CureVac sowie EuroEyes International zeigen. So feierte der Impfstoff-Spezialist CureVac kürzlich sein Börsendebüt in New York. Und das war eine rauschende Party. Gleich am ersten Tag zog die neue Aktie 250 % in die Höhe. Die Erstzeichner – allesamt US-Investoren – schoben sich rund 700 Millionen USD in die Taschen. Und wir hier blickten in die Röhre.

Und das sei an dieser Stelle, liebe Bundesregierung, schon einmal angesprochen! Das Biotech-Unternehmen aus Tübingen wurde aus dem Staatssäckel üppig alimentiert und subventioniert. Und dann bleibt am Ende ein…..

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