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Aktien: Kurse auf Allzeithochs, was machen die Dividenden?

Dividenden auf Aktien werden weiter eine große Rolle spielen - ohne diese stünde unser Dax nicht einmal auf seinem Niveau vom Jahr 2000

Die steigenden Renditen am Anleihemarkt bringen wieder Konkurrenz ins Spiel, es könnte bald wieder so etwas wie reale Renditen am Bondmarkt geben – aber wie sieht es eigentlich mit den Dividenden bei Aktien aus, dem Lohn für eine Unternehmensbeteiligung bei Standardtiteln? Corona hat auch hier Spuren hinterlassen.

Aktien: Dividenden im Coronajahr 2020

Einer Studie des britischen Fondsanbieters Janus Henderson zufolge, sind die Dividendenzahlungen im letzten Jahr weltweit um 12,2 % auf 1,26 Billionen US-Dollar gefallen. Jedes achte Unternehmen hatte die Ausschüttung gestrichen, jedes fünfte gekürzt. Erstaunlich: Zwei Drittel der Firmen erhöhten die Dividenden sogar oder hielten diese zumindest konstant. Besonders wichtig für die USA, wo das Rentensystem stark auf Aktien ausgerichtet ist – vor allem auf die vierteljährlichen Dividendenausschüttungen, mit denen man das System am Laufen hält.

Wie schon oft erwähnt, der Zustand des Aktienmarktes wird mehr und mehr zur Achillesferse der amerikanischen Gesellschaft.

Demzufolge waren die Kürzungen der Dividende sehr ausgeprägt in Großbritannien und im Rest Europas, wo die Hälfte der Dividendenkürzungen vollzogen wurden, auf das Niveau von 2009.

Besonders stark die Kürzungen in Spanien und Frankreich, mit einer Rate von 71 Prozent der Unternehmen. Besser die Situation in Deutschland. Die Kürzung betraf etwa ein Viertel der Unternehmen, die Summe des Rückgangs belief auf circa zehn Prozent.

Große Firmen wie Adidas, Continental, Covestro, Heidelberg-Zement und MTU senkten die Dividenden oder strichen sie komplett. Was das Coronajahr wieder einmal einmalig machte, ist der Umstand, dass die Dividendenkürzungen das Jahr 2019 betroffen haben, einem Geschäftsjahr, in dem Gewinne eigentlich noch geflossen waren.

Unbeeindruckt von der Krise blieben große Konzerne, wie die Allianz (vier Milliarden Euro Ausschüttung), Siemens (3,1 Milliarden) oder BASF (3 Milliarden), die ihre Dividende sogar angehoben hatten.

Sonderfall USA

Ganz anders, wie sollte es auch anders sein, die Lage in Nordamerika.

Die großen Firmen in den USA erhöhten die Dividendenzahlungen gegenüber 2019 um 2,6 Prozent auf sagenhafte 503 Milliarden Dollar, in Kanada sogar um 5,9 Prozent auf 46 Milliarden Dollar. Die Meister im Financial Engineering reduzierten ganz einfach die Rückkäufe eigener Aktien zum Zwecke der Gewinnbeteiligung. Wie bereits erwähnt, spielen die vierteljährlichen Zahlungen eine enorm wichtige Rolle, bei einer Rangliste über die größten Dividendenzahler finden sich US-Unternehmen ganz vorne. Hier das letzte Ranking:

  • Microsoft 15,8 Milliarden Dollar
  • AT&T 15 Milliarden
  • Exxon Mobil 14,7 Milliarden
  • Apple 13,9 Milliarden
  • JP Morgan 11,1 Milliarden
  • China Construction Bank / China 10,8 Milliarden
  • Johnson & Johnson 10,5 Milliarden
  • Verizon 10,2 Milliarden
  • Chevron 9,7 Milliarden
  • Taiwan Semiconductor Taiwan 8,8 Milliarden

Hat nicht Warren Buffett nicht einige dieser Aktien in seinem Portfolio?

Was bringt das Jahr 2021?

Die Ausschüttungen von Dividenden im neuen Jahr sind natürlich auch geprägt vom Thema Nummer eins – der Eindämmung von Covid-19 und damit dem Fortgang der gigantischen globalen Impfaktion. Sollte alles nach Plan laufen, ist mit einem Anstieg der Dividendenzahlungen von etwa fünf Prozent auf 1,32 Billionen Dollar zu rechnen. In Europa könnte der Zuwachs sogar etwas stärker ausfallen, schließlich waren dort die Kürzungen auch stärker. Allianz Global Investors rechnet für die 430 Unternehmen aus dem MSCI Europe mit einem Anstieg der Dividendenzahlungen um 15 Prozent auf 330 Milliarden Euro (2019 – 360 Mrd.).

Was ist für Deutschland zu erwarten?

Schätzungen für die kommende Dividendensaison liegen bei 40 Milliarden Euro, etwas weniger als 2020, aber immerhin ergibt dies eine Dividendenrendite von drei Prozent. Die größten Zahler von Dividenden Allianz, BASF, Telekom und Siemens glänzen zwar mit Renditen von drei bis fünf Prozent, liegen aber trotz der Milliardensummen im internationalen Ranking dennoch jenseits der Plätze 50.

Ein kleiner Beigeschmack: Aufgrund der Aktionärsstruktur landet die Mehrheit der Dividendenzahlungen in ausländischen Händen, angelsächsischen (BlackRock), aber auch im Depot des norwegischen Staatsfonds, der einen großen Anteil an der Dax-Familie besitzt. Dafür haben die Deutschen Cash-Bestände auf Giro- und Sparkonten in Höhe von 2,6 Billionen Euro.

Fazit

Auch wenn die Zinsen in diesem Jahr steigen sollten, es zu einem Re-Balancing in den großen Depots der Geldverwalter kommen wird, das Zinsniveau dürfte auf absehbare Zeit dennoch nicht ausreichen, um die Vorsorgesysteme am Laufen zu halten. Daher werden Dividenden auf Aktien weiter eine große Rolle spielen, ohne diese stünde unser Dax nicht einmal auf seinem Niveau vom Jahr 2000.

Dividenden sind Gewinnausschüttungen – und bei allen Krisen: Die großen Unternehmen fahren in Summa fast immer Gewinne ein, mal mehr mal weniger, ohne profitable Unternehmen würden Staaten und ihre Steuersysteme kollabieren. Auch wenn Aktien korrigieren, manchmal crashen, die Realwirtschaft muss für die Einnahmen sorgen, auch wenn Notenbanken in bedenklicher Weise ins System eingegriffen haben.

Die Aktien stehen nahe der Allzeithochs - nicht aber die Dividenden



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1 Kommentar

  1. Ich bin da nicht so sicher ob die Firmen Dividenden erhöhen können, vor allem bei solchen die Staatshilfe beanspruchen mussten.Dann könnten ja auch noch höhere Steuern die Firmen belasten.Dann noch der moralisch ,ethische Grund, die Pandemiegewinner sollten die Umverteilungsmaschine drosseln bevor der Mob ausrastet.

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