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Aktienmärkte: Impfstoff – warum Marktreaktionen schwächer werden

Warum diese Reaktion der Aktienmärkte gestern? War die PfizerMeldung keine gute Nachricht und ist das Thema Impfstoffhoffnung vom Tisch?

Wolfgang Müller

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Es war der ganz große Paukenschlag für die Aktienmärkte, die Meldung von BioNTech/Pfizer am Montag vor einer Woche. Man berichtete zur Mittagszeit über die Ergebnisse der Phase-3 -Studie zum Impfstoff BNT162b2, hinsichtlich Wirksamkeit und der in Kürze anstehenden Beantragung einer Notzulassung bei der Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) in den USA. Die Börsenwelt veränderte sich in Minuten. Dann zog Konkurrent Moderna eine Woche später nach, es gab erneut einen Schub für die Aktienmärkte, allerdings mit schwächerer und kürzerer Auswirkung, bei gleichzeitigen Gewinnmitnahmen bei der deutsch-amerikanischen Impfstoff-Coproduktion. Am gestrigen Mittwoch nochmals eine Erfolgsmeldung in Sachen Wirksamkeit des ersehnten Impfstoffes – die Nachricht verpuffte zusehends an den Börsen. Hat sich das Hoffungsszenario erledigt?

Aktienmärkte: Die exorbitante Wirkung von Meldung eins

Als am Montag vor einer Woche die Pressemeldung von Pfizer hinsichtlich der Beantragung der Zulassung des Impfstoffes (BNT162b2) mit der festgestellten 90-prozentigen Wirksamkeit über die Ticker lief, kam es zu einem wahren Beben der Aktienmärkte.

Der globale MSCI World Index erreichte binnen Minuten ein neues Allzeithoch, in Europa sprangen Dax und Euro Stoxx innerhalb kurzer Zeit um 6,5 beziehungsweise 7,4 Prozent in die Höhe. Der Dow Jones eröffnete am Nachmittag mit 5,7 Prozent plus fast an der 30.000 Punkte-Marke und es gab eine Umschichtung von Growth zu Value, die kein Analysesystem in dieser Form auf dem Schirm hatte. Leerverkäufer mussten sich blitzschnell auf eine neue Situation einstellen – der perfekte Sturm, infolge einer an sich noch vagen Unternehmensmeldung und dies rund um den Globus. Es wurden Billionen Dollar an Börsenwert geschaffen, die Börsenwelt sprach von einem Game Changer. Wieso diese heftige Reaktion der Investoren?

Dies lässt sich ein wenig durch das System der Preisfestsetzung der Aktienmärkte und ihrer vorherigen Erwartungshaltung erklären: Die Investoren gingen von der Möglichkeit der Verfügbarkeit eines Impfstoffes im Jahr 2021 aus, ohne konkreten Zeitpunkt und auch von der Möglichkeit der Meldung von Rückschlägen, schließlich gab es noch nie in der Geschichte der Menschheit einen (wirksamen) Impfstoff in so kurzer Zeit. Die Ankündigung von BioNTech/Pfizer über die anstehende Zulassung brachte das ganze System der Einpreisung von Unternehmensergebnissen in Unordnung. Es war ein riesiges Delta zwischen vorheriger und neuer Erwartung entstanden, man musste blitzschnell eine Neubewertung vornehmen.

Ein konkretes Beispiel: Wenn es tatsächlich zu einer Impfung von Millionen Menschen ab Januar 2021 käme, was bedeutet dies für Fluggesellschaften wie Lufthansa oder United Airlines? Es gäbe plötzlich Millionen Kunden, die im Sommer die verschobene Flugreise buchen könnten, weil man geimpft eine schwere Erkrankung nahezu ausschließen könnte. Die ganze Kalkulation über die Reduzierung von Flugplänen müsste neu gedacht und nach oben abgepasst werden. Und dies ist nur ein Beispiel von Vielen, denn ähnliche Überlegungen gäbe es natürlich auch für die Tourismusbranche, Freizeit, Hotellerie und, und, und. Das gesamte Spektrum der Corona-Opfer von Branchen mit großen Personenkontakten. Zu viel Neubewertung und Einpreisung in so kurzer Zeit, denn man muss sich nur das Grundprinzip der Aktienmärkte zu Gemüte führen, welches auf Erwartungen basiert. Mit Millionen kleiner Entscheidungen  – und die wurden durch die Meldung von BioNTech/Pfizer in Windeseile teilweise über den Haufen geworfen. Und für Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen, ein seltenes Ereignis, denn zumeist geht es bei Unternehmens- oder auch Konjunkturmeldungen um Investionsentscheidungen von begrenzter Reichweite.

Die nachlassende Wirkung bei Meldung drei

Als am gestrigen Tag die Meldung von Moderna-Konkurrent Pfizer hinsichtlich der hohen Wirksamkeit des Vakzins kam, mit der eigenen hohen Wirksamkeitsquote (95 Prozent) war die Börsenrelevanz eine sehr überschaubare – und man widmete sich rasch dem Thema Überkauftheit der Aktienmärkte. Warum diese Reaktion? War das Ganze keine gute Nachricht und ist das Thema Impfstoffhoffnung vom Tisch? Nun ja, den obigen Überlegungen folgend, wurde das Delta inzwischen eingepreist, die Hoffnungen haben nsich also kaum mehr verändert. Man hat sich auf die neue Situation schon eingestellt, der Zwang zur Anpassung anlässlich des Meldungsinhaltes war zu gering.

Von Börsenrelevanz dürften daher auch nicht weitere Meldungen von anderen Impfstoff-Entwicklern sein, allerdings wäre die Zulassung des Vakzins mit genauem Zeitpunkt des Beginns der Impfungen nochmal ein Hausse-Grund, weil sich dann schlagartig die Planungsverhältnisse für die betroffenen Branchen verändern. Alles auf die Zukunft gerichtet, denn die so genannte Gegenwartsrelevanz ist für die Aktienmärkte selten von Bedeutung, außer aus einer Tagesmeldung ergäben sich künftige Konsequenzen. Schwer vermittelbar für die Nachrichtenbranche, aber ihre spektakulären Tagesmeldungen erzeugen unglaublich viel „Noise“ mit geringer Halbwertszeit.

Fazit

Die Extremreaktionen der Aktienmärkte offenbaren wieder einmal das Wesen der Börse, welches im Wesentlichen auf dem Prinzip Hoffnung und Erwartung basiert. Wir kaufen „Assets“, egal aus welcher Anlageklasse, in der Annahme, dass sich das Investment in Zukunft auszahlt.

Wir treffen Anlageentscheidungen unter Unsicherheit und unvollständigen Informationen. Ohne Unsicherheit gäbe es keine rentable Investitionen und ohne Unsicherheit gäbe es nicht einmal einen Markt. Wenn wir darauf warten würden bis Sicherheit vorhanden ist, kämen die meisten Geschäfte gar nicht zustande. Die unvollständigen Informationen werden im Laufe der Zeit abgebaut, die Preisentwicklung danach angepasst. Manchmal gibt es ein Ereignis, welches das ganze System über den Haufen wirft und zu einem Game Changer wird, so wie die Meldung am Montag vor einer Woche. Aber das kann in dieser Form auch nicht sehr häufig geschehen, die Aktienmärkte reagieren blitzschnell auf neue Umstände, oft auch mit Fehlannahmen. Zukunft ist nun mal unsicher und es gibt unendlich Viele, die es anschließend schon gewusst haben wollen.

Aber der Effekt einer neuen Lage mit allen Folgemeldungen muss sich abnutzen, aus den oben beschriebenen Gründen.

Die Reaktion der Aktienmärkte auf Impfstoff-Meldungen werde geringer

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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