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Aktienmärkte und Coronakrise: Investoren im Wechselbad der Gefühle

Wir haben sie, die wohl ungewöhnlichste Rally der Aktienmärkte ever – und das trotz der Coronakrise! Wann kommt jetzt die Korrektur?

Wolfgang Müller

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Obwohl wir es gestern auf FMW schon thematisiert hatten: wir haben sie, die wohl ungewöhnlichste Rally der Aktienmärkte ever – und das trotz der Coronakrise!

Die Wirtschaftsteile der Zeitungen sind voller Berichte, die darüber räsonieren, wie es einen solchen Anstieg der Aktienmärkte geben kann, bei der herrschenden Wirtschaftslage aufgrund der Coronakrise. Ein Riesen-Gap zwischen Real- und Finanzwirtschaft, zwischen Main Street und Wall Street.

Aktienmärkte: Diese Rally passt in kein Schema

Es gab zwar nach dem Zweiten Weltkrieg schon mehr als ein halbes Dutzend Rezessionen, die ein Warren Buffett alle erlebt und bewältigt hat, aber es dürfte kaum jemand geahnt und erwartet haben, was sich zwischen Februar und Juni an den Märkten abspielen wird. „This time is totally different“, denn nicht einmal zu Zeiten der Weltkriege dürfte es einen Lockdown, ein fast paralleles Herunterfahren der Wirtschaft, in Dutzenden Industriestaaten gegeben haben. In allen 23 Ländern, die im MSCI World gelistet sind, inklusive China, welches investmenttechnisch noch als Emerging Market gilt.

Der Dax treibt es am wildesten

Es ist erst knapp 11 Jahre her, als Deutschland infolge der Finanzkrise die größte Rezession seit dem zweiten Weltkrieg überstehen musste. Die deutsche Wirtschaft schrumpfte um 5,7 Prozent und der deutsche Leitindex fiel von seinem Hoch um 54 Prozent. Daran dürften sich viele Investoren und Volkswirte erinnert haben, als man im März erkannt hat, dass der Shutdown infolge der Coronakrise im Frühjahr noch einen viel brutaleren Wirtschaftseinbruch als 2009 nach sich ziehen wird. Die ersten Befürchtungen gingen von zweistelligen Schrumpfungen in den großen Industrienationen aus. Und was machten die Aktienmärkte? Sie fielen bis Mitte März um 30 bis knapp 40 Prozent (Dax), also viel weniger als in der letzten Krise.

Klar, dass man nach dem großen Schreck und den ersten Rettungsaktionen vorsichtig war, bei steigenden Kursen der Aktienmärkte misstrauisch wurde, das Kapital parkte und einige – wie ganz speziell Hedgefonds – sogar stark auf fallende Notierungen setzte. Dies war auch jenseits des Atlantiks in etwa so gelaufen, was Stephan Heibel nach seiner wöchentlichen Umfrage (AnimusX) unter Investoren sinngemäß so formulierte: „Die Erholung des DAX von 8.400 auf 10.000 haben viele Anleger, Privatanleger sowie auch Institutionelle erwartet und zu einem großen Teil mitgenommen. Manche haben sogar die Nerven behalten und sind bis 11.000 Punkten dabeigeblieben. Doch dort haben viele ihre Positionen verkauft, viele Profis sind sogar short gegangen.“ Das war die Phase der Unsicherheit im April.

Es kam zum erwarteten Rücksetzer, der jedoch nicht mehr auf 10.000 Punkte führte, ja und dann ging es flugs bis über 12800 Punkte (insgesamt plus 57 Prozent).

Und es begann die extreme Phase der Schieflagen vieler, was zu ständig wiederkehrenden Short Squeezes und zu FOMO führte (Fear of missing out) und da war sie, die meistgehasste Hausse der Aktienmärkte.

Das Zusammenspiel von Extremfaktoren

Es gab zwei außergewöhnliche Faktoren, die so eine Katastrophenrally der Aktienmärkte ermöglicht haben – und die kaum jemand vorher in diesem Ausmaß geahnt haben konnte, sonst wäre sie auch nicht zustande gekommen.

Der Lockdown, der zu noch nie erlebten Wirtschaftseinbrüchen (in punkto Geschwindigkeit) geführt hat – und gleichzeitig in Windeseile durch Staaten und Notenbanken geschnürten Rettungspaketen, die ohne historisches Beispiel sind.

Die logische Konsequenz von fundamental agierenden Anlegern: Erst einmal Vorsicht walten lassen, Geld sicher stellen. Wenn die Autoproduktion von China bis Europa bis zu 90 Prozent einbricht, der Flugbetrieb sogar noch darüber hinaus und man davon spricht, dass sich der Tourismus – der für über acht Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung steht – infolge der Coronakrise auf Jahressicht nicht erholen wird, wer hält da dagegen? Und jetzt geht es in vielen Ländern ganz schnell wieder nach oben. Das ist Punkt eins.

Punkt zwei ist die exorbitante Geldflut durch Rettungspakete der Industriestaaten und die Geldpolitik der Notenbanken. Über die fast 10 Billionen Dollar schwere und historisch einmalige Bazooka wurde schon in allen Einzelheiten berichtet. Aber dies führt zu zwei ganz elementaren Folgeerscheinungen:

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    9. Juni 2020 11:00 at 11:00

    Was alle Finanzgurus ja ungern hören ist die Tatsache das sich Aktienkurse nicht vorhersagen lassen. Auch alle nachträglichen Erklärungen für ein Verhalten sind lediglich Rationalsierungsversuche für tatsächlich nicht vorhandene Determinismen.
    Auch der Einsatz von komplexen Modellen, Analysemethoden sind nichts anderes als die neumodische Form komplizierter Hexagramme mittelalterlicher Astrologen. Allerdings erzeugen diese etwas das Psychologen als „Kontrollfiktion“ bezeichnen. So stabilisiert das System sich selbst.

    Die Helden der Branche sind diejenigen, die per Zufall mal den Jackpot gezogen haben, dass aber ihrer eigenen Genialität zuschreiben. (Obwohl sicher der ein oder andere die Möglchkeit hatte dem eigenen Glück mit Falschspielertricks etwas auf die Sprünge zu helfen).

    Und ist erst mal ein ausreichend großes Vermögen zusammen kann man gar nicht mehr verlieren (Übermut ist hier die einzige Gefahr).
    Denn auf Grund des durch ein großes Vermögen erweiterten Handlungsraum ist man immer im Vorteil. Vermögen verklumpen von ganz alleine, ähnlich wie physikalische Massen. Der Teufel scheißt halt immer auf den größten Haufen.

    Langfristig sind die Aktienkurse und Immobilienwerte immer gestiegen. Und es kann auch gar nicht anders sein, denn beides ist die (einzige) Basis jeder Wertschöpfung. Geht also die globale Güterproduktion nicht DAUERHAFT zurück, fallen auch die Preise nicht dauerhaft.

    Werden trotzdem weiterhin ganz viele an das finanzielle Schamanentum glauben? Selbstverständlich. Schließlich hat sich die Menge an Esoterikern, Hexen- und Horoskopgläubigen in den letzten 100.000 Jahren nicht verringert.

  2. Avatar

    Schher

    9. Juni 2020 15:06 at 15:06

    Danke für den guten Kommentar. Da gibt es nicht viel hinzuzufühgen.

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Rüdiger Born: Charttechnik bei Nasdaq und Gold

Rüdiger Born

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Dax: Der deutsche Leitindex und die deutsche Wirtschaft

Wie kann es sein, dass der deutsche Leitindex Dax auf Rekordständen notiert, obwohl es einem Teil der Wirtschaft doch so schlecht geht?

Wolfgang Müller

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Derzeit wird viel darüber gerätselt, warum es sein kann, dass der deutsche Leitindex Dax auf Rekordständen notiert, obwohl es einem Teil der Wirtschaft doch so schlecht geht? Im Bereich der Gastronomie und in vielen Dienstleistungsbranchen herrscht große Not und viele Firmen können sich nur knapp über Wasser halten. Woher also diese Divergenz, spielen die Börse komplett verrückt?

Der Dax und Deutschlands geschrumpfte Wirtschaft

Vor Kurzem wurde die erste Berechnung für das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands des Jahres 2020 veröffentlicht. Es ist um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen, von 3,44 auf 3,329 Billionen Euro, macht pro Bürger 40.033 Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Das Verarbeitende Gewerbe war besonders durch den Totaleinbruch im zweiten Quartal 2020 um 10,4 Prozent gefallen. Der Dienstleistungsbereich mit Handel, Verkehr und Gastgewerbe um 6,4 Prozent, allerdings nur deshalb vergleichsweise wenig, weil der Onlinehandel einen gewaltigen Boom erlebt hat. Die Bauausgaben hingegen nahmen gegenüber dem Vorjahr sogar um 1,4 Prozent zu.

Die Konsumausgaben der Bürger erlebten mit minus 6 Prozent den größten Rückgang seit Jahrzehnten, allerdings wirkten die Ausgaben des Staates mit plus 3,4 Prozent dagegen stabilisierend.

Der Außenhandel mit seinen Exporten und Importen von Waren und Dienstleistungen ging im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders stark natürlich der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

„Die staatlichen Haushalte beendeten das Jahr 2020 nach vorläufigen Berechnungen mit einem Finanzierungsdefizit von 158,2 Milliarden Euro. Das war das erste Defizit seit 2011 und das zweithöchste Defizit seit der deutschen Vereinigung, nur übertroffen vom Rekorddefizit des Jahres 1995, in dem die Treuhandschulden in den Staatshaushalt übernommen wurden.“ So das Statistische Bundesamt.

Wieso steht der deutsche Leitindex nun knapp über seinem Stand vom Februar 2020, dem Beginn der Corona-Krise?

Die Besonderheit des Dax

Warum also steht der deutsche Leitindex Dax höher als vor der Krise, trotz der schlechten Wirtschaftsdaten? Dafür dürfte es mehrere Ursachen geben.

Zum einen blickt der Index bereits weit in das Jahr 2021, also auf die Zeit, in der man glaubt das Virus eingedämmt zu haben und zum anderen ist er kein Spiegelbild der deutschen Wirtschaft mit seinen vielen exportorientierten Titeln. Dies wird allein schon aus seiner Marktkapitalisierung ersichtlich. Diese beträgt aktuell 1,265 Billionen Euro, im Vergleich zum deutschen Bruttoinlandsprodukt von 3,329 Billionen Euro. Ganz anders die USA, wo allein der S&P 500 mit seiner 40-Billionen-Marktkapitalisierung fast schon das Doppelte der US-Wirtschaftsleistung ausmacht (20,8 Billionen Dollar).

Viele der Branchen, die das deutsche BIP ausmachen, sind gar nicht im Dax repräsentiert, oder gar nicht börsennotiert. Etwa der Mittelstand, oder die derzeit so gebeutelten Dienstleistungsbranchen, wie das Gastgewerbe, oder auch Tourismus und Kultur. Betrachtet man die vielen Pleiten und schmerzhaften Einschnitte in diesen Bereichen, so wird erkennbar, dass diese (zunächst) nicht den deutschen Leitindex tangieren. Beispielsweise Karstadt, Kaufhof, Douglas, Adler, Klier, Arko, Eiles u.v.m.

Die Unternehmen im Dax legen zum Teil schon wieder starke Unternehmensergebnisse vor. Sei es die deutsche Post, die die große Paketflut kaum bewältigen kann, der Spezialchemiekonzern Covestro, oder jüngst der größte Chemiekonzern Europas, BASF. Besonders bedeutsam, weil dieser weltweite Lieferant von Grundprodukten so etwas wie ein Frühindikator der Weltwirtschaft gilt. Die Ludwigshafener sind in nicht weniger als 90 Ländern dieser Erde präsent. Abertausende von Firmeninsidern haben dafür gesorgt, dass der Aktienkurs seit dem Coronatief bereits wieder um 75 Prozent gestiegen ist.

Was wird erst demnächst Infineon für Zahlen liefern, angesichts der großen Nachfrage nach Chips (Automobilbau)?

Unsere Automobilindustrie zeigt deutlich, wo die Corona-Krise bereits überwunden ist, in Fernost. BMW, Daimler und Volkswagen haben sehr von der Erholung der chinesischen Wirtschaft profitiert. Diese Firmen verkaufen bereits 30 bis 40 Prozent ihrer Fahrzeuge in China. Dort gibt es nach Jahren der Schrumpfung wieder einen richtigen Boom im Automobilsektor. Nicht zu vergessen der US-Markt, wo es zumindest 2021 einen schuldenfinanzierten Aufschwung geben sollte. Über die Pläne der neuen US-Administration wurde schon ausführlich berichtet.

So bleibt festzustellen: Die Kurs/Gewinn-Verhältnisse der Unternehmen des Dax liegen bei 20 von 30 Unternehmen für das Jahr 2021 gleich oder besser als der 10-Jahresdurchschnitt.

Fazit

Laut der deutschen Börse ergibt sich für den Dax in den vergangenen 30 Jahren ein durchschnittliches Kurs/Gewinn-Verhältnis von 19, längerfristig von 15. Das aktuelle KGV für das Jahr 2021 wird mit 19 angegeben, sollte es mit der deutschen Wirtschaftserholung tatsächlich so klappen, wie erwartet. Die ersten Ergebnisse der Unternehmen deuten daraufhin, dass es tatsächlich der Fall sein könnte, wenn Volkswagen selbst im Corona-Jahr noch einen Gewinn von 10 Milliarden Euro ausgewiesen hat. Der deutsche Leitindex ist zweifelsohne hoch bewertet, aber seine Kennziffern zeigen kein völliges Auseinanderdriften zur Wirtschaft, wie es zum Beispiel in den USA bei vielen Werten der Fall ist. Aber hier liegen auch die Probleme des deutschen „Performance-Index“. Er ist abhängig von der Entwicklung der großen Volkswirtschaften von China und den USA und von der Wall Street. Wenn dort die Kurse einbrechen, tun es unsere auch, zumal sich der Dax auch noch in Summa in den Händen ausländischer Investoren befindet, zumeist angelsächsischen (Beispiel BlackRock). Aber eines ist er gewiss nicht: Ein Abbild der deutschen Volkswirtschaft.

Spiegelt der Dax die deutsche Wirtschaft wider?

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – die Woche der Quartalszahlen

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Er bespricht die nun anstehende wichtigste Woche bei den Quartalszahlen in den USA.

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