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Aktienmärkte: Wo bleibt die Korrektur?

Sollten die 3000 Punkte im S&P 500 geknackt werden, müssen sich die großen Player in den Aktienmärkte engagieren, – der klassische „Pain Trade“

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Der Dax ist zuletzt stark gestiegen, die Aktienmärkte der USA handeln nur knapp unter ihren Allzeithochs. Dabei kommen täglich Meldungen über eine Senkung des Wirtschaftswachstums, vorwiegend aus der Ecke des Industriesektors, aber zuletzt auch von Seiten des Konsums. Aber was macht der Markt? Der S&P 500 kämpft weiter mit seiner Schlüsselmarke von 3000 Punkten. Warum fällt er nicht? Ich habe am Dienstag in dem Artikel „Aktienmärkte – geschieht das Unerwartete?“ ein paar Gründe zusammengestellt, die zu einer Entwicklung wie einer kleinen Jahresendrally führen können. Hat sich seither daran etwas verändert? Ein kleines Update..

 

Aktienmärkte und der Start in die Berichtssaison

52, 141, 13 – so lautet die Zahlenreihenfolge der Unternehmen im S&P 500, die in dieser und den nächsten beiden Oktoberwochen ihre Zahlen abliefern werden. Bisher ist das eingetreten, was man von den trickreichen Amerikanern erwarten konnte: Die niedrig gehängten Erwartungen werden oft geschlagen, so wie im Bankensektor, bis auf den Sonderfall Goldman Sachs. Es wird vermutlich nicht zu der Gewinnrevisionen von minus 5 Prozent kommen, wie die Firma Zacks Investment Research bei der Auswertung der durchschnittlichen Analystenerwartungen im Vorjahresvergleich festgestellt hat. Wieder einmal.

Jetzt wird es auf die Berichte der Tech-Werte ankommen, die allein für 23 Prozent zum Indexgewinn im S&P 500 beitragen.

 

Marktstimmung, Investitionsquote

Die Stimmung der Anleger hat sich in den letzten Tagen aufgehellt, der Fear&Greed-Index ist mit 50 Punkten in die neutrale Zone eingetaucht. Der Volatilitätsindex VIX steht bei 13,8 und signalisiert eine niedrige Absicherungsneigung der Investoren. Hinsichtlich der Investitionsquote der Fonds gibt es keine neuen Meldungen, man ist wegen des ungelösten Handelsstreits noch sehr skeptisch.

Aktienrückkäufe

Ein ganz wichtiger Punkt für eine eventuelle Jahresendrallye ist das Aktienrückkaufprogramm der Firmen, die vier Wochen vor dem Berichtstag und 48 Stunden danach keine Aktien zurückkaufen dürfen. Damit wird jetzt täglich die Zahl der Firmen größer, die ihr genehmigtes Programm umsetzen wollen, die Zeitspanne bis Weihnachten ist nicht sehr groß. Hatte gestern nicht erst der CFO von Morgan Stanley nach Bekanntgabe der guten Quartalszahlen von einer Milliardensumne gesprochen, die noch in Rückkäufe investiert wird. Dann ist auch noch Microsoft zu nennen, die ihr gigantisches 40 Milliardenprogramm (4% aller umlaufenden Aktien) noch nicht umgesetzt haben.

 

Aktienmärkte, der Wechselkurs und die Fed

Durch das spezielle Anleihekaufprogramm der Federal Reserve mit 60 Milliarden Dollar monatlich in kurzlaufende Anleihen, T-Bills, erreicht die US-Notenbank zweierlei: Zum einen senkt sie den Zinssatz am kurzen Ende, versteilt die Zinskurve und bringt die Einnahmen für die Banken durch die Fristentransformation im Gang. Die Bankaktien reagieren, selbst in Deutschland. Zum zweiten schwächt sich damit den Kurs des US-Dollars, dies führt zu einer Unterstützung der Multi-Nationals (Exportwerte) und in der Folge auch diverser Emerging Markets, insbesondere derjenigen, die in US-Dollar verschuldet sind.

 

Handelsstreit und Brexit

Auch hier gibt es positive Signale, insbesondere durch die gestrige Brexit-Entscheidung, die aber noch die Parlamentshürde überwinden muss. Im Handelskrieg gibt es auch von Seiten Chinas positive Töne, mit konkreten Ergebnissen muss aber noch bis Mitte November gewartet werden. Außer es „pressiert“ beiden Seiten mit der Aufhellung der Stimmung der Investoren, die bekanntlich durch ihre abwartende Haltung die Wirtschaft dämpfen.

Gerade zeigen Wirtschaftsdaten aus China, dass sich das Wachstum im dritten Quartal in der Jahresrate auf 6,0 Prozent abgeschwächt hat, den niedrigsten Wert seit fast 30 Jahren. Ein weiterer Mosaikstein zu meiner gestrigen Analyse „warum beide Seiten im Handelsstreit nicht mehr eskalieren können“.

 

Fazit – warum die Aktienmärkte nicht fallen

Man steigt nicht ohne akute Rezessionsfurcht aus den Aktienmärktenaus, wenn es so mickrige Zinsen am Anleihe/Geldmarkt gibt. Anders als 2000 oder 2008, wo man bei ca. 5 Prozent sein Geld parken konnte.

Die Notenbanken weltweit feuern aus allen Rohren, nur darf es in den USA nicht zu einem starken Zinsanstieg der so wichtigen 10-Jährigen US-Treasury kommen, wie Hannes Zipfel gestern dargestellt hat. Es hängt halt vieles vom US-Konsumenten ab, der mit seinen jährlichen Ausgaben von 13 Billionen Dollar, die (Welt-)Wirtschaft am Laufen hält.

Kurzfristig stehen die Zeichen auf gelb, sollten die 3000 Punkte im S&P 500 aber nachhaltig geknackt werden, müssen sich die großen Player in die Aktienmärkte engagieren, ob es Ihnen recht ist oder nicht – der klassische „Pain Trade“. Ein Rückschlag liegt aber genauso jederzeit in der Luft, ausgelöst durch die weitere Berichtssaison. Dieser sollte aber wahrscheinlich nicht zu heftig ausfallen, denn dann würde Donald Trump vermutlich verbal ziemlich „Gas geben“, unterstützt durch seinen Helfer Powell, der bereits auf der Sitzung in neun Börsentagen monetär nachlegen könnte.

 

Die Aktienmärkte steigen trotz schlechter Nachrichten aus der Realwirtschaft

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