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Aktuelle Monte dei Paschi-Rettung: Warum das offiziell alles völlig in Ordnung ist

Aber halt, war da nicht noch was? Müssen nicht zuerst die Gläubiger der Bank an den Rettungskosten beteiligt werden? Nein, denn bei diesem Notkredit, der nun quasi unbegrenzt über die italienische Notenbank…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wie heute verkündet wurde, hat die EU-Kommission Nothilfen für die „Banca Monte dei Paschi di Sienna“ bewilligt. Die kann die italienische Notenbank jetzt unverzüglich in die Monte dei Paschi pumpen. Welche Höhe genau, ist noch unklar, aber es dürfte nicht zu wenig sein. Aber halt, war da nicht noch was? Müssen nicht zuerst die Gläubiger der Bank an den Rettungskosten beteiligt werden? Nein, denn bei diesem Notkredit, der nun quasi unbegrenzt über die italienische Notenbank ausgezahlt werden kann, handelt es sich um das selbe Instrument, dass de facto die letzten beiden Jahre auch die griechischen Banken fortlaufend am Leben gehalten hat.

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Der Sitz der Banca Monte dei Paschi. Foto: Tango7174 / Wikipedia (GFDL)

Es handelt sich um die sogenannte „Emergency Liquidity Assistance“ (ELA). Es geht hierbei nicht um die zuletzt oft besprochene Aufstockung des Eigenkapitals der Bank, bei der wiederum zunächst Gläubiger teilweise auf ihre Forderungen verzichten müssten. Nein, ELA hat nichts mit dem Eigenkapital der Bank zu tun. Hierbei geht es lediglich darum per Definition der EZB „eigentlich gesunde Banken“ kurzfristig mit Liquidität zu versorgen, also ein Notkredit, der (irgendwann eines Tages…) wieder zurück zur Notenbank fließen muss.

Das Problem entsteht folgendermaßen: Normalerweise versuchen Banken größtenteils ein Gleichgewicht herzustellen zwischen verwalteten Bankeinlagen von Sparern, die man dann zu allergrößten Teilen als Kredit an Firmen und Konsumenten wieder herausreicht. Nur ein kleiner Teil bleibt übrig für die Liquidität, wenn mal mehr Kunden Cash abheben, als dass andere Cash einzahlen. Nun passiert aber der Supergau für jede Bank. In Griechenland stürmten die Bankkunden quasi monatelang die Geldautomaten aus Sorge vor einer Bankpleite. Die herausgereichten Kredite kann man ja nicht mal eben so schnell zurückfordern, um das Cash in die Automaten zu stecken.

Da das geforderte Auszahlungsvolumen nicht mehr zu stemmen war, haben EZB und Notenbank in Griechenland eben die Lücke geschlossen. In der Spitze der Krise hatten griechische Banken bis zu 100 Milliarden Euro an ELA-Krediten bei der griechischen Notenbank/EZB offen. Man kann den ELA auch besser als eine Art Dispo der Notenbank für die Geschäftsbanken ansehen. Und eben auf diesen ELA darf die Monte dei Paschi jetzt auch zugreifen. Theoretisch könnte diese Summe unbegrenzt sein, wenn die Bankkunden ebenfalls die Automaten stürmen. Und offiziell muss die Bank, die diese ELA´s beansprucht, ja kerngesund sein.

Und ach Gott, da haben EZB, Banca d´Italia und EU-Kommission direkt vor Silvester mal alle fünfe grade sein lassen. Ja, die Monte dei Paschi ist natürlich eine grundsolide Bank!?? Die letztliche Kapitalaufstockung der Bank, bei der die Gläubiger mit bluten müssen, ist noch nicht letztendlich geklärt, auch wenn die Regierung in Rom schon mal ein Volumen von 20 Milliarden Euro bereitgestellt hat. Das kann noch lustig werden. Im Augenblick scheint noch nicht ganz klar zu sein, wie viel neues Eigenkapital denn nötig ist. Italiens neuer Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte gestern dazu er sei sehr überrascht, dass die EZB mit einer Summe von 8,8 Milliarden Euro rechne. Denn in Italien (Regierung, Notenbank, Öffentlichkeit) dachte man da bisher eher an Summen von 5 bis 6,6 Milliarden Euro. Die italienische Notenbank hat sich heute beeilt mit einer Mitteilung klarzustellen, dass beide Sichtweisen, die aus Italien und die aus Frankfurt, richtig seien. Es gehe, um es mal sinngemäß wiederzugeben, nur um die Art und Weise der Betrachtung, wie so eine Kapitalaufstockung durchgeführt wird. Wenn Sie sich ins Detail einlesen wollen, hier der Originaltext der Notenbank aus Rom.


The difference between the amount of the capital injection for Banca Monte dei Paschi di Siena calculated on the basis of the ‘market solution’ (€5 billion) and the amount required in the case of a ‘precautionary recapitalization’ by the Italian state (€8.8 billion) depends on the different hypotheses and objectives of the two measures, which also imply different methods of calculation and lead to different results.

The ‘market solution’ was directed at private investors and aimed to drastically reduce the bank’s credit risk, thereby guaranteeing its stability in the face of the negative result of the stress test published in July 2016 by the European Banking Authority (EBA). This solution envisaged the sale of all bad loans and an increase in the level of coverage of loans that were ‘unlikely to pay’. The cost of these operations was calculated at €5 billion, of which about €3 billion to cover the losses deriving from the sale of the bad loans and €2 billion to increase the coverage ratio of the unlikely-to-pay loans.

The ‘precautionary recapitalization’ is a measure provided under European legislation (the Bank Recovery and Resolution Directive – BRRD) in exceptional circumstances, to remedy a serious disturbance to the economy of a Member State and preserve financial stability. In these cases, in order to strengthen the capital of a bank, extraordinary State aid of a precautionary and temporary nature is permitted as long as the bank is solvent and the intervention is compliant with the rules on State aid. These rules mean that a State can only intervene after the subordinated bonds have been converted into equity (the burden sharing principle). If the subordinated bonds were sold to retail customers without complying with the relevant transparency rules, the impact of the burden sharing principle may be mitigated.
The amount of ‘precautionary’ capital that a bank can request from the State is the amount necessary to cover the capital shortfall deriving from the adverse scenario of a stress test. In the case of Banca Monte dei Paschi di Siena the requirement has been assessed by the ECB at €8.8 billion in reference to the stress test published by the EBA.

This amount was determined given the outcome of the stress test under the adverse scenario (for Banca Monte dei Paschi di Siena, its fully loaded common equity tier one (CET1) ratio was -2.44 per cent) and by calculating the amount necessary to bring the CET1 ratio to 8 per cent and the total capital ratio (TCR) to 11.5 per cent, as decided in a special meeting of the ECB’s Supervisory Board.
In particular, the requested amount of €8.8 billion was determined by taking into account the following two requirements (see the Figure ‘Use of resources’):

 €6.3 billion are needed to realign the CET1 ratio to the 8 per cent threshold (taking into account the initial lowering and the subsequent partial reconstitution of the exemption threshold for the deduction of negative capital components); of these €6.3 billion, about €4.2 billion would be covered by the burden sharing on subordinated bonds and about €2.1 billion would be provided by the Italian state;

 an additional €2.5 billion are needed to reach the total capital ratio (TCR) threshold of 11.5 per cent to compensate for the elimination, as a result of the burden sharing, of the subordinated bonds (lower-quality capital instruments) previously included in total capital.

Pending subsequent and more precise verification, the immediate cost to the State would therefore amount to about €4.6 billion (€2.1 billion to cover the first requirement and €2.5 billion to satisfy the second); to this must be added the subsequent compensation of retail subscribers (about €2 billion, to be verified on the basis of the status of the subscribers and their actual willingness to adhere to the State compensation scheme), for a total of about €6.6 billion. The cost to entities other than the Italian state will be about €2.2 billion. Accordingly, the total cost amounts to €8.8 billion.

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Aktien

Dax mit Crash? Mögliche Ausweitung der EZB-Maßnahmen, Ideen zu SAP und Allianz

Redaktion

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Gibt es im Dax einen neuen Crash? Diese Frage bespricht Manuel Koch im folgenden Video mit einer Expertin. Auch Thema seines Videos sind die ganz frisch verkündeten neuen Rettungsgelder für die Wirtschaft, damit der anstehende kleine Lockdown im November verkraftet werden kann. Wichtig ist auch die heute angedeutete Ausweitung der EZB-Maßnahmen im Dezember.

Manuel Koch bespricht im Video auch zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Die Aktien der Allianz seien eine Short-Chance per Stop-Sell-Order. Die Aktien von SAP seien ein Kauf per Stop-Buy-Order. Beide Ideen werden ausführlich begründet.

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Corona-Hilfen: Ausfallzahlungen im November, und eine ganz wichtige Änderung!

Claudio Kummerfeld

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Neue Corona-Hilfen vom Bund

Aufgepasst liebe Selbständige und Unternehmer, es tut sich was bei den Corona-Hilfen des Bundes. Es ist ja inzwischen bekannt, dass die Bundesregierung betroffene Unternehmer mit bis zu 75 Prozent der Umsätze aus November 2019 entschädigen will, wenn sie jetzt im November 2020 durch Betriebsschließungen Umsatzeinbußen erleiden. Dies soll für Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern gelten. Für Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern gibt es gestaffelt Erstattungen von 70 Prozent und weniger. Vor allem die Gastronomie wird wohl profitieren, aber auch Freizeiteinrichtungen, und womöglich deren Zulieferbetriebe. Details werden gerade noch geklärt. Diese Corona-Hilfen sind sehr wichtig. Sonst hätte dieser neue kleine Lockdown, der ab Montag startet, wohl endgültig viele Unternehmen finanziell ruiniert.

Die genauen Details der neuen Hilfen sollen laut Olaf Scholz noch veröffentlicht werden auf https://www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de . Noch ist die Seite nicht auf aktuellem Stand, aber aus den ganz frischen Aussagen der beiden Minister hört man, dass die beiden Ministerien genau in diesem Minuten die Details ausarbeiten. Also sollte man morgen oder am Wochenende diese Seite mehrmals besuchen und nach neuesten Infos Ausschau halten. Anträge sollen schnell bearbeitet werden. Wir empfehlen die nächsten Tage auch immer einen Blick zu werfen auf die Webseiten des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesfinanzministeriums.

Corona-Hilfen mit kleinem, aber sehr wichtigem Detail

Aber ein wichtiges Detail bei den Corona-Hilfen wird für viele Unternehmer eine große Erleichterung darstellen, um jetzt weiter durchhalten zu können. Denn bisher galt die ziemlich unsinnige und unfaire Regelung, dass die KfW-Schnellkredite in der Coronakrise nur für Unternehmen zugänglich waren, die mindestens 10 Mitarbeiter haben. Jetzt liest man im offiziellen Infotext des Bundeswirtschaftsministeriums (siehe hier), dass der KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten zugänglich gemacht werden soll. Diese winzige Änderung bei den Corona-Hilfen kann für viele kleine Unternehmer die Rettung bedeuten, zumindest in Sachen Liquiditätshilfe. Hier weitere Details im Wortlaut vom Ministerium:

Es hat sich als unvermeidlich erwiesen, für die Dauer der nächsten vier Wochen auch viele Unternehmen zu schließen, um auf diese Weise Kontakte im erforderlichen Umfang zu reduzieren. Das betrifft unter anderem Gastronomiebetriebe, Bars, Clubs und Diskotheken, aber auch Dienstleistungsbetriebe, Messen, Kinos, Freizeitparks oder Fitness-Studios. Viele von ihnen haben Vorbildliches bei der Umsetzung von Hygiene- und Abstandskonzepten geleistet und seit Ausbruch der Pandemie schwere Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.

Die Bundesregierung wird diese Betriebe umfassend unterstützen, um ihnen den Fortbestand in dieser schweren Zeit zu erleichtern:

Wir gewähren den von temporären Schließungen erfassten Unternehmen eine außerordentliche Wirtschaftshilfe, die bis zu 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats erfasst;

Wir werden die Leistungen der Überbrückungshilfe verlängern und für die hauptbetroffenen Wirtschaftsbereiche wesentlich verbessern;

Wir öffnen den KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten;

Die Regelungen gelten unter anderem für Unternehmen, Selbständige und Soloselbständige. Insbesondere auch in der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft.

Die beschlossenen Maßnahmen zeigen, dass wir unsere Unternehmen nicht allein lassen, sondern zielgerichtet unterstützen. Hierzu stellen wir Mittel bis zu einer Höhe von 10 Milliarden Euro bereit.

Hier weitere aktuelle Aussagen aus der vorhin gelaufenen PK von Olaf Scholz und Peter Altmaier, in Kurzform zusammengefasst:

Der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft will man auch über den November hinaus eine Perspektive aufzeigen. Und auch der Gastronomie will man helfen die anstehende harte Zeit zu überstehen. An Einzelheiten arbeite man jedoch noch. Auch will man eine Verlängerung der „Überbrückungshilfe III“ bis ins nächste Jahr hinein erreichen. Und bis zu 300.000 Euro sollen auch über Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereitgestellt werden können.

Hier die PK im Video:

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Christine Lagarde: Headlines zur EZB-Pressekonferenz – sehr dovish!

Markus Fugmann

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Die wichtigsten Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde auf der EZB-Pressekonferenz – wie wird sie sich zu den ökonomischen Perspektiven durch die neuen Lockdowns äussern?

– Lagarde und Vize de Guindos betreten den Saal – beide mit Mundschutz..

– Neue Corona-Welle: Wirtschaft verliert an Fahrt, klare Verschlechterung des Ausblicks, vor allem im Dienstleistungsbereich

– Konsumenten halten sich zurück

– Inflation geringer aufgrundd fehlender Nachfrage

– FMW: jetzt das Übliche Loblied auf die EZB-Maßnahmen (gähn..)

– Risiken klar abwärtsgerichtet

– EZB wird im Dezember auf die neue Entwicklung reagieren und dabei auch Wechselkurs berücksichtigen

– Corona-Maßnahmen bringt „headwinds“ für wirtschaftlichen Ausblick (FMW: wo ist bloß die viel besungene „V-Erholung“?)

– Inflation dürfte negativ bleiben wegen deutscher Mehrwertsteuersenkung und niedrigem Ölpreis (FMW: Brent Öl fällt gerade erstmals seit Mai unter die Marke von 37 Dollar)

– Banken zeigen bei Kreditvergabe strengere Kriterien aufgrund steigender Risiken

– jetzt kommt der schon rituelle Aufruf Lagardes zu fiskalischen Maßnahmen, diese sollten zielgerichtet sein

– Lagarde jetzt über „Next Generation EU“ – wie Daniel Stelter sagen würde die „Klimaplanwirtschaft“

– Lagarde „hat“ fertig, jetzt kommen Fragen, natürlich alle virtuell..

—-

– Lagarde: für nächste EZB-Sitzung im Dezember werden alle Instrumente untersucht – das wird bereits vorbereitet, damit die EZB bei der Erholung (der Vermögenspreise…?) helfen kann

– FMW: Lagarde bisher sehr dovish, das bringt auch den Ölpreis so unter Druck, der Euro jetzt unter 1,17

– Lagarde: morgen kommen BIP-Zahlen, diese „könnten positiv überraschen“ (Prognose ist +15%), aber für das 4.Quartal sieht es nicht gut aus

– Lagarde zu Inflation: wir die derzeit negative Inflation nicht Deflation, weil es ein Sondereffekt der Pandemie ist

– Lagarde: Dass die Staaten der Eurozone Anleihen mit Gemeinschaftshaftung ausgeben, hat die Wahrnehmung der Eurozone verändert

– Lagarde: haben auf dieser Sitzung nicht über Veränderung der Geldpolitik diskutiert

Hier der Live-Feed zur EZB-PK:

Chrstine Lagarde - die Aussagen auf der EZB-Pressekonferenz

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