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Alles in Deckung – AKK spricht von „Überprüfung der EZB-Politik“

Claudio Kummerfeld

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am

Wenn Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) dieser Tage etwas sagt, braucht man als CDU-Anhänger starke Nerven. Fast egal zu welchem Thema sie sich äußert, sie stolpert gefühlt von einem Fettnäpfchen ins Nächste (um es mal nett auszudrücken). Bräuchte sie vielleicht einen Medienberater oder einen erfahrenen Bundespolitiker an ihrer Seite, der ihre Aussagen und Pressezitate vorher noch mal prüft? Besser wäre es fast. Denn aktuell haut AKK mal wieder einen raus.

AKK nimmt sich die EZB vor

Hätte jemand der AKK doch vorher mal gesagt, dass es in der „seriösen Politik“ mehr als nur ein NO GO ist, die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank in Frage zu stellen. Selbst die bloße Erwähnung der Zinspolitik der EZB, und dass einem die aktuelle Lage nicht gefalle, gilt schon fast als verpönt. Aber AKK geht gleich noch ein paar Schritte weiter. In einem Interview mit der „FAZ“ fordert sie eine Überprüfung der derzeitigen Nullzinspolitik der EZB. So sagte sie, dass man „für die Zukunft“ schauen müsse, ob man nicht „die Niedrigzinsphase ein Stück weit einbremsen“ müsse.

Ohhhhhh, so meinen wir, da möchte eine bedeutende Politikerin der EZB direkt in ihre eigenständige Machtbefugnis reinreden. Das hört sich ja fast schon an wie „Erdogan light“ (der entließ am Wochenende mal eben den Notenbankchef). Hätten Wolfgang Schäuble und Co vorher von solchen Formulierungen gehört, sie hätten AKK ihr Interview wohl verboten. Egal ob Du Parteichefin bist, das sagt man nicht, liebe Annegret, ein NO GO. Das hätte Schäuble ihr wohl gesagt. Aber sie hat es nun mal gesagt.

Was ginge, wäre ein grundsätzlicher Wunsch, nach dem Motto „höhere Zinsen wären besser für Sparer“. Aber so allgemein ist sie nicht geblieben. Nein, sie spricht von einer Überprüfung der EZB-Politik, also einer politischen Einflussnahme auf die Notenbank. Das geht so nicht!

Problematisch und unproblematisch

Unproblematisch sind aktuelle Äußerungen von AKK, dass sie die niedrigen Zinsen grundsätzlich für problematisch halte, weil Sparer dabei benachteiligt werden. Unproblematisch ist diese Aussage, weil sie nur einen Zustand beschreibt, der auf Fakten basiert und unbestritten ist.

Hört man ihren weiteren Ausführungen zu, dann könnte man fast denken, dass die EZB quasi Teil der EU-Kommission ist. Denn man müsse dafür sorgen, dass man in der Geldpolitik mehr Spielraum habe, aber gleichzeitig die Geldpolitik nachhaltig und sehr sensibel anpassen könne. Dies sei eine Aufgabe für die nominierte neue EZB-Chefin Christine Lagarde, so AKK. Das klingt fast so, als gebe die CDU oder die Bundesregierung die Leitlinien der Geldpolitik vor!

So weit vor wagen sich sonst nur Donald Trump und der türkische Präsident Erdogan, wenn sie ihre Notenbanken kritisieren. Und ja, die Frau AKK, da hätte jemand in der CDU ihre Worte vorher nochmal gegenlesen sollen. Oder meint sie das wirklich ernst? Ähnlich merkwürdig wirkten in der Vergangenheit AKK-Aussagen wie zum Beispiel zur Meinungsfreiheit. Sie stehe zur Meinungsfreiheit, aber für YouTuber müsse man doch schon mal überlegen neue Regeln einzuführen…

AKK will Notenbankpolitik überprüfen
Achtung, dies ist KEIN aktuelles Satire-Plakat. Es stammt aus dem Jahr 2012. Zu sehen ist Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: CDU Saar / KAS KAS/ACDP 10-011:1905 CC-BY-SA 3.0 DE – Konrad.-Adenauer-Stiftung / Plakatarchiv CC0

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Johann Steinhaus

    8. Juli 2019 14:10 at 14:10

    ……Nun Ja, Trump hat’s vorgemacht, Erdogan hat’s nachgemacht und
    AKK springt auf den Zug auf(wobei ich Ihre Aussage vom Grundsatz richtig aber in der Formulierung schräg finde).
    Wie heißt es so schön:“Gleiches Recht für alle „.

    Gruß, Johann Steinhaus

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    Altbär

    8. Juli 2019 14:19 at 14:19

    Aber Halt Herr Kummerfeld, wenn Grössen wie Sinn, Müller, Krall ,Homm, W.Müller, Fugmann, Marko !
    u. jeder Normalbürger mit einer Stunde Wirtschaftsunterricht sehen dass die Notenbanken mit ihrer tödlichen Umverteilungs-Zinspolitik ins grösste Desaster führen, wer soll dann diesen Unsinn stoppen.
    Hört jemand auf Krall u.Co. Es müssen einflussreiche Politiker sein ,die den Blindflug stoppen.
    Was die Unabhängigkeit der Notenbanken betrifft: es ist ein Unterschied ob man eine weiteres unnützes Gelddrucken fordert oder ob man den Wahnsinn stoppen will.
    Macron will jetzt die noch grössere Gelddruck – Tussi als der viel kritisierte Draghi es war, wo war da die Kritik.? Hut ab vor der Karrenbauer, Ihre Name sagt es , sie soll den Konstrukteuren der nächsten grossen Krise vor den Karren fahren.

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    Koch

    8. Juli 2019 15:44 at 15:44

    Herr Kummerfeld.Welcher Auftraggeber hat Sie beauftragt,solch einen Nonsens zu schreiben?Die Menge der grotesken Falschbehauptungen ist dermassen hoch,dass es fast schon körperlich wehtut!Sofort ab in den Reisswolf mit diesem Pamphlet.

    • Avatar

      sabine

      8. Juli 2019 17:31 at 17:31

      Herr Koch, ich mach mal die Augen zu und sage, sie sind grünlinks aufgestellt. Dieses Frontal-Niedermobben des gehassten „Gegners“ ohne Argumente kenn ich nur aus dieser Ecke.
      – „solch einen Nonsens“
      – „grotesken Falschbehauptungen“
      Sie weisen Ihre Verurteilung und „Fertigmachen“ (körperlich wehtut) überhaupt nicht nach bzw. begründen Ihr Rumschreien nicht. Ist ja selbstverständlich, wenn man ihren Namen „Koch“ liest, weiß man schon, daß Sie natürlich recht haben. Sie brauchen es also gar nicht nachzuweisen. Oder hab ich da was übersehen?

      Ihr Kommentar ist mehr als eklig!

      • Avatar

        Michael

        8. Juli 2019 18:44 at 18:44

        @sabine, wer im Glashaus sitzt…
        Lesen Sie mal Ihre eigenen ersten zwei Sätze hier:
        https://finanzmarktwelt.de/iran-wie-lange-noch-bis-zum-krieg-exklusiv-interview-mit-einem-nahost-experten-130781/#comment-58508
        Auch Sie begründen nichts, dennoch lese ich ganz schöner Quatsch, wild dahergeredet, nicht sinnvoll.

        Auch sollte jemand, der sich über Frontal-Niedermobben echauffiert, nicht unbedingt mit geschlossenen Augen auf grünlinks tippen und von Rumschreien und ekligen Kommentaren tönen. Zumindest, wenn er/sie selbst bereits aufgrund des Namens auf den Charakter schließt. Sonst könnte man Ihnen am Ende noch Pauschal-Niedermobben unterstellen.

        Ich finde den Kommentar von @Koch auch alles andere als schön, angemessen oder angebracht. Aber was Sie darauf antworten, ist fast noch schlimmer!

      • Avatar

        Koch

        9. Juli 2019 12:08 at 12:08

        Frollein Sabine.Mein Kommentar ist mehr als eklig.Das sollte er auch sein.Nach meiner Beurteilung,verbreitet Herr Kummerfeld,der ansonsten eher hochwertige Artikel schreibt,in diesem Unwahrheiten und Anschuldigungen.Ich bin so ziemlich nichts,was Sie von mir annehmen,ausser glühender Verfechter der Thesen des Dr.Markus Krall.Ich richte seit ca.2Jahren meine Finanzbasis nach seinen Auffassungen aus.Auch ich werde Verluste erzielen,jedoch verkraftbare!Die nähere Zukunft wird zeigen,dass Politik und EZB-Verteidigungstitel a la Kummerfeld völlig fehl am Platze sind.Ich erwarte keine Antwort,zumindest werde ich nicht antworten.Die Scharmützel anderer Kommentatoren sind mir nämlich ein Graus.

  4. Avatar

    Othmarschener

    8. Juli 2019 17:34 at 17:34

    Vielleicht erklärt mal jemand der netten Annegret aus der saarländischen Provinz, dass die derzeitige EZB-Politik eine WIRKUNG des völlig vermurksten Elitenprojekts „Euro“ (URSACHE) ist und sie ihre Aufmerksamkeit daher eher der „Überprüfung der Funktionsweise der Währungsunion“ widmen sollte anstatt so einen kompletten Verbalschlag gegen die EZB (Populismus pur!) zu verbreiten. Wenn man dieser Tage die Nachrichten liest, könnte man glatt meinen es sei Satire…die Frau kann weder Kanzler noch Parteivorsitzende, bei der ökonomischen Kompetenz reicht es nicht mal für die Rolle als Hauswirtschafterin…

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    Katja Womka

    9. Juli 2019 17:59 at 17:59

    Nun was ist wenn bei der EZB einmal Wahnsinnige das Sagen haben? Die Wahl der EZB-Lenker trifft ja auch die Politik und mischt sich damit direkt ein indem nur ihr genehme Persönlichkeiten gewählt werden. Jeder der die Geldschwemme mit ihren ungeheuerlichen Auswirkungen wie, Überschuldung der Statten mit Exzessen, Immobilien-Preis-Explosionen, Aktienkurse ohne Basis etc. etc. ansieht, der weiss doch, dass irgendjemand hier dringend eingreifen muss. Oder wollen wir, dass die Enteignung der Bürgen von Europa durch wie ein ökonomischer Genickschuss weitergehen soll?

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    Ranzentier

    10. Juli 2019 10:47 at 10:47

    Ich finde es gut zumindest mal wieder anzudeuten dass es Zinsanhebungen geben sollte. Es herrscht ja fast schon eine Deflation an der Zinsfront. Investiert wird dennoch nicht so richtig, weil jeder erwartet, dass der Zins morgen noch tiefer sein könnte und man noch billiger an Geld kommt. Um die Investitionen anzutreiben gehört es jetzt dazu verbal steigende Zinsen anzudrohen. Dann entwickelt sich das gegenteilige Spiel. Alle denken, jetzt noch schnell investieren bevor die Zinsen wieder steigen. Das entfacht wiederum Wachstum und Investitionen und dann können die Zinsen wirklich steigen und man kommt aus dieser Spirale nach unten endlich raus.

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Aktienmärkte: Die Jungen entdecken die Aktie – und zocken

Ist die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie ein Trend – oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte haussieren, und das bleibt nicht ohne Folgen. Das Corona-Jahr 2020 mit Covid-19 hat viele Veränderungen ins Alltagsleben der Menschen gebracht. Zwangsläufig mit vielen Aktivitäten, die mit „Home“ beginnen. Auch hatte mancher Zwangsaufenthalt in den vier eigenen Wänden dafür gesorgt, dass viele und vor allem junge Privatanleger den Weg an die Aktienmärkte fanden. Angelockt durch zahlreiche Erfolgsmeldungen über die sozialen Medien, vermutlich initiiert durch die RobinHooder aus den USA. Ein Trend, der von Dauer ist?

Aktienmärkte: Corona und der Anstieg der Zahl der Aktionäre

Die Internetblase im Jahr 2000 und der folgende Jahrhunderteinbruch des Dax (- 72 Prozent) haben lange Jahre Spuren hinterlassen. Während es nach den Daten des Deutschen Aktieninstituts im Jahre 2001 noch 12,85 Millionen Aktionäre in Deutschland gab, pendelte der Wert seit Jahren nur noch an der 10-Millionen-Marke. 2019 war die Zahl der Anleger noch einmal zurückgegangen, 9,7 Millionen direkte Aktionäre in Deutschland.

Jetzt kam die Coronakrise, die einen Boom beim Aktienhandel durch die Privatanleger ausgelöst hat. „Retail Bros“, oder Handelsbrüder, hat die englische „Financial Times“ die neuen Anleger genannt. Seit Längerem gibt es eine „Crypto Bros“, das Pendant mit Kryptowährungen.

Der Trend, der aus den USA herüberschwappt

Der Name ist in der Finanzberichterstattung in aller Munde: Robinhood, ein ehemaliges Start-up aus Kalifornien, welches in den vergangenen Monaten einen Boom verstärkt hat. Der Broker hat bereits über 13 Millionen Kunden, von denen drei Millionen allein seit Anfang des Jahres bis Herbst dazu kamen. Bemerkenswert: Die Hälfte der neuen Kunden sind Aktienneulinge. Star der Szene ist David Portnoy, Inhaber des Sport-Blogs Barstool Sports, der mit seinen superoptimistischen Börsentweets (Aktien und Aktienmärkte würden immer steigen etc.) eine ganze Community antreibt. Hinzu kommt die Entwicklung zum nahezu kostenlosen Börsenhandel, durch E-Trade und Schwab weiter vorangetrieben. So haben manche Arbeitslose ihre 600 Dollar-Wochen-Schecks zum Zocken eingesetzt.

Der Anstieg der Online-Depots in Deutschland

Eine Studie von Comdirekt, Consorsbank und ING zeigte eine deutliche Zunahme der Zahl der Aktionäre unter 25 Jahren. Viele junge handeln auch auf Plattformen wie dem Handybroker Trade Republic. Kaufgebühren von einem Euro pro Trade oder gebührenfreie Sparpläne haben schon zu sechsstelligen Kundenzahlen geführt.

Auch die klassischen Onlinebroker profitieren davon. Konkret wurde die Comdirect, die mit 232.000 neuen Kunden innerhalb der ersten neun Monate vom größten Depot-Wachstum seit 20 Jahren spricht.

Der Vormarsch der Jungen

Wie bereits erwähnt, sind es vor allem die ganz jungen deren Interesse für die Aktienmärkte gewachsen ist, wie die Studie aufzeigt. Nach 26 Prozent, der unter 25-jährigen, die im vergangenen Jahr die Aktienanlage nutzen, sind es derzeit bereits 39 Prozent. Die Steigerung gegenüber 2017 beträgt sogar 22 Prozent. Aber auch bis zur Generation Ü 50 hat sich die Zahl der Aktionäre gesteigert. Was die Börsenplätze sicherlich erfreut, dürfte nicht unbedingt für die herkömmlichen Geschäftsbanken gelten. Denn der Drang zu Online- und Discountbrokern ist unübersehbar.

Ein schnelles Hin und Her

Noch etwas zeichnet die neue Generation Börsianer aus. Die Haltedauer von Aktien ist so kurz wie nie. In den USA lag diese im Sommer diesen Jahres gerade noch bei circa fünfeinhalb Monaten, im letzten Jahr hatte sie noch achteinhalb Monate betragen. Ein Trend, der schon seit Jahrzehnten zu beobachten ist. Aus Daten der New Yorker Börse zeigt sich, dass man vor dem Jahrhundertwechsel Aktien noch durchschnittlich 14 Monate im Depot vor einer Umschichtung beließ. Die Ausnahme:

Nach der Finanzkrise von 2008 wurde das bisherige Haltetief von sechs Monaten erreicht. Krisen beschleunigen anscheinend das Handeln von Wertpapieren.

Wie könnte es anders sein: Auch in Europa ist die gleiche Aktientendenz zu beobachten. Hier ging den Erhebungen zufolge die Haltedauer von Aktien von sieben Monaten zum Jahresende 2019 sogar auf weniger als fünf Monate zurück.

Kein Vergleich mit dem Verhalten des Langfristinvestors Warren Buffett, der seinen Titeln bisher im Schnitt 11 Jahre die Treue hält, auch folgt ein Teil der jungen Generation nicht dem Rat der ungarischen Börsenlegende Kostolany: „Aktien kaufen und dann schlafenlegen.“

Allerdings gibt es heutzutage auch den großen Trend zu langfristigen Sparplänen, monatliche Einzahlungen kleinerer Investmentsummen für die Altersvorsorge. Beides wurde möglich durch eine ganz andere Gebührenstruktur. Zocken zum Nulltarif, nicht nur bei Aktien und Optionen, selbst bei Staatsanleihen oder Junk-Bonds hat sich die Umlaufgeschwindigkeit der Papiere deutlich erhöht.

Wird das eine erhöhte Rendite bringen? Vielleicht kurzfristig im besonderen Jahr 2020. Ältere Börsenexperten sind davon überzeugt, dass die Masse der Anleger durch das Hin und Her auf keine durchschnittliche Rendite von acht Prozent pro Jahr kommen wird. Das Ergebnis sollte Volatilität sein, also ein größeres Auf und Ab in den Märkten mit Vielen, die teuer kaufen und dann billig wieder aussteigen.

Fazit

Ist es ein Trend in Deutschland, die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie, oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte mit dem Vergleich zur Internetblase des Jahres 2000? Damals gab es es Tausende von neuen und noch unerfahrenen Daytradern, die glaubten mit dem raschen Handel reich werden zu können. Das Ergebnis ist bekannt. Es gibt aber einen großen Unterschied zur Gegenwart. Damals warf eine 10-jährige Bundesanleihe fast noch das ganzen Jahr über Renditen von über fünf Prozent ab, selbst Lebensversicherungen waren noch attraktiv. Anders die Gegenwart. Wie soll langfristig ein Kapitalstock aufgebaut werden in dem jetzigen Zinsumfeld? Bei einem vermutlich noch länger anhaltenden Zustand der finanziellen Repression. Selbst wenn die Zinsen über die 0-Prozent-Marke stiegen, wäre dies wahrscheinlich einer gestiegenen Teuerungsrate geschuldet.

Es ist also mehr als notwendig, sich mit dem Kapitalmarkt zu beschäftigen, nicht so sehr mit Hebelprodukten auf Tesla oder FANGMAN-Aktien, sondern eher mit langweiligen Sparplänen. Nach dem wundersamen Jahr 2020 mit den vielen Home-Aktivitäten (Home Office, Home Schooling, Home Shopping, Home Banking) sollte es beim aggressiven Home Trading der RobinHoodies zunächst einmal einen schmerzhaften Ausleseprozess geben.

Die Jungen entdecken die Aktienmärkte

 

 

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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