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Arbeitslosenquote: Durchschnittlich „nur“ 9,7% in der EU? Achtung, nicht täuschen lassen…

Von Claudio Kummerfeld

Im April betrug die Arbeitslosenquote laut EU-Statistikbehörde Eurostat in der EU „nur“ 9,7%. In den Staaten der Eurozone waren es 11,1%. Deutschland kommt in dieser Statistik mit einer Arbeitslosenquote von 4,7% erstaunlich gut weg. Wie kann das sein, wo die Arbeitsagentur doch offiziell 6,3% Arbeitslose ausweist? Es geht nur um ein Wort…

Doch so wenige Menschen arbeitslos? Super!

Deutschland führt parallel zwei „offizielle“ Statistiken rund um das Thema Arbeitslosigkeit. Einmal gibt es da die „Arbeitslosenquote“, die laut offizieller Statistik bei derzeit 6,3% liegt (unsere wohl realistischere Berechnung finden Sie hier). Parallel dazu veröffentlichst das Statistische Bundesamt ebenfalls monatlich die „Erwerbslosenquote“. Nur allzu gerne verwechselt man diese beiden Begriffe. Aufgrund einer grundlegend unterschiedlichen Berechnungsmethode ist die Erwerbslosenquote immer deutlich niedriger als die Arbeitslosenquote.

„Erwerbslos“ und „Arbeitslos“

Grund hierfür ist die Definition dieser beiden Begriffe. Per Definition wird bei uns in Deutschland die Arbeitslosigkeit nach dem Sozialgesetzbuch errechnet. International (wie z.B. bei Eurostat) verwendet man das ILO-Verfahren (International Labour Organisation). Und jetzt kommt das Entscheidende: nach der Berechnungsmethode „ILO“, aus der bei uns die „Erwerbslosigkeit“ berechnet wird, ist man nur dann als arbeitslos gezählt, wenn belegt ist, dass man zuletzt auch wirklich aktiv nach Arbeit gesucht hat. Genau formuliert heißt es:

„Nach dem ILO-Erwerbskonzept ist „aktive Arbeitsuche“ dann erfüllt, wenn innerhalb der letzten vier Wochen spezifische Schritte unternommen wurden, um eine abhängige Beschäftigung oder selbständige Tätigkeit zu finden.“

So kann man sich die Arbeitslosenquote immer schön runterrechnen und hat europaweit eine „relativ angenehme“ Zahl von offiziell weniger als 10% Arbeitslosen.

Arbeitslosenquote April 2015 Eurostat
Grafik: Eurostat

Arbeitslosenquote mal kurz nachgerechnet

Viele andere Länder berechnen ihre offizielle Statistik gleich nur mit der Erwerbslosen-Methode gemäß ILO, damit man gleich die niedrigeren Zahlen hat. Die EU-Statistik arbeitet grundsätzlich nur mit der Erwerbslosenzahl. Wenn man bedenkt, dass allein die offizielle deutsche Arbeitslosenquote (6,3) um 34% höher liegt als die von Eurostat verwendete Erwerbslosenquote (4,7), so kann man auch bei allen anderen hier aufgelisteten EU-Ländern mal pauschal 34% drauf rechnen und kommt für die Eurozone auf 14,87 statt 11,1% Arbeitslosigkeit. Und auch das ist ja nur die offizielle Zahl. Wenn man getrost davon ausgeht, dass Länder wie Spanien, Italien und Frankreich genau wie die deutsche Regierung alles tun um möglichst viele Arbeitslose aus der Statistik rauszurechnen (Bastelkurse etc), kann man getrost davon ausgehen, dass wir in der Eurozone im Schnitt derzeit um die 20% Arbeitslose haben (ohne Niedriglohnsektor und Geringverdiener).

Aber die Statistik so wie sie hier präsentiert wird, erfüllt ihren Zweck. In der gesamten EU unter 10% Arbeitslose, hört sich doch gar nicht mal so schlimm an!



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