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Skandal 3.0: „Nachruf“ auf die frisierte Mai-Arbeitslosenquote

Redaktion

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am

Von Claudio Kummerfeld

Heute hat die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitsmarktdaten für Mai veröffentlicht.
In unserem „Nachruf“ auf die frisierte Mai-Arbeitslosenquote von 6,3% bearbeiten wir erneut den „Skandal 3.0“, die weggerechnete und umettiketierte Arbeitslosigkeit…

Arbeitslosenquote Arbeitslosigkeit Bundesagentur für Arbeit
Der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit
Foto: Bundesagentur für Arbeit

Arbeitslosenquote Mai

Laut Bundesagentur für Arbeit waren im Mai 2.762.000 Menschen arbeitslos (6,3%). Das sind 120.000 weniger als im Mai 2014. Während die offizielle Arbeitslosenquote zurückging, steigt die Gesamtanzahl der Hartz4-Empfänger im Vergleich zu Mai 2014 um 3.000 an auf 4.429.000. Die Bundesagentur für Arbeit weist in ihrem Bericht zurecht darauf hin, dass nicht jeder Hartz4-Empfänger arbeitslos ist. Der Anstieg zeigt aber, dass trotz Rekordbeschäftigung die Zahl der Menschen ansteigt, die von ihrer Arbeit nicht leben können (trotz Mindestlohn). Diese Personengruppe stockt dann mit Hartz4 ihr Minieinkommen auf, um sich überhaupt einen Mindeststandard leisten zu können.

Arbeitslosigkeit genannt „Unterbeschäftigung“

Wie wir schon mehrmals berichteten, versteckt die Arbeitsagentur viele Arbeitslose, die z.B. in Bastelkursen „geparkt“ werden, für die Optik unter dem Sammelbegriff „Unterbeschäftigung“ und nicht unter dem Punkt „Arbeitslos„. Eine Frechheit finden Sie? Wir auch! Wie in den Vormonaten auch haben wir die versteckten Arbeitslosen aus der Unterwelt des monatlichen Arbeitsmarktberichts befreit und sichtbar gemacht.

Arbeitslosenquote Unterbeschäftigung
Grafik: Bundesagentur für Arbeit

Offiziell arbeitslos: 2.761.696
„Personen, die im weiteren Sinne arbeitslos sind“: 345.408
„Personen, die nahe am Arbeitslosenstatus sind“: 458.703
Insg. 3.565.807 Arbeitslose im Mai

Offizielle Arbeitslosenquote: 6,3%
Tatsächliche Arbeitslosenquote: 8,13%

Diese Gesamtzahl ist im Vergleich zum Vormonat wie die offizielle Zahl rückläufig (von 8,32 auf 8,13%). In unserem Artikel vom 7. Mai hatten wir uns der zusätzlichen Grauzone der Bundesagentur für Arbeit gewidmet, in der z.B. Studenten oder die Rubrik „Unbekannt“ versteckt wird. Diese Grauzone nennt sich als Statistik „Erwerbsfähige Leistungsberechtigte“ und wird nicht wie die Arbeitslosenstatistik monatlich aktualisiert. Da uns für Mai kein aktuelles Material vorliegt, müssen wir vorsichtig schätzen und addieren im Vergleich zum Vormonat eine Zahl von 550.000 Personen hinzu, die in irgendeiner Form „erwerbsfähig“ sind, aber nicht als arbeitslos gezählt werden. Hier haben wir die von uns weiter oben im Artikel gezählten Personen bereits rausgerechnet; ebenso Menschen, die Familienangehörige pflegen, erwerbsunfähig sind etc.

3.565.807
+ 550.000
Insg. 4.115.807 Arbeitslose

9,38% Arbeitslosenquote

Da diese von der Bundesagentur für Arbeit herausgegebene Tabelle („Erwerbsfähige Leistungsberechtigte“) derart schwammig dargestellt ist, kann man leider nur schätzen. Exakt darstellen kann man die tatsächliche Arbeitslosenquote von 8,13% statt 6,3% im Mai, real liegt sie wohl eher um die 9,38% herum.

Skandal bleibt Skandal

Je öfter man einen Skandal erwähnt und bespricht, desto mehr gewöhnt sich so mancher Leser daran und der Skandal verliert teilweise seinen Schrecken. Aber dennoch sind wir der Meinung man sollte es weiterhin einen Skandal nennen, wenn der Staat die tatsächliche Arbeitslosenquote derart kleinrechnet, damit sich die Masse der Menschen gut fühlen kann/soll. Wir meinen die Wahrheit ist immer allemal besser als eine Wohlfühlstatistik.



Datenmaterial: Bundesagentur für Arbeit

21 Kommentare

21 Comments

  1. Avatar

    oliver

    2. Juni 2015 15:26 at 15:26

    Super das ihr solche Zahlen offen legt ! Der „normale Bürger“ hat nicht die Zeit , sich solche geschönten Zahlen anzusehen ! DANKE

  2. Avatar

    fox23.de

    2. Juni 2015 16:09 at 16:09

    Ich empfehle mal auf youtube „Arbeitslosenindustrie“ zu suchen, da findet man schön Aufnahmen, wie sich Vereine und Firmen an Harzt-IV-Empfängern ein goldenes Näschen verdienen.

  3. Avatar

    Peter

    2. Juni 2015 16:28 at 16:28

    Alles für den Arsch. Hier wird sowiso nur noch gelogen und betrogen und das Volk beschissen das sich die Balken biegen. Ein geldgieriges Egoistenpack ist das alles nur noch, ekelhaft!!!

  4. Avatar

    Tom

    2. Juni 2015 16:44 at 16:44

    Wie wäre es, die Rechnung einfach umzukehren und nicht zu fragen, wer erwerbslos ist, sondern wer Erwerb hat. Wie viele Deutsche haben einen Job, der ihnen ein Einkommen von mindestens 1500 € netto einbringt? Von 85 Mill Einwohnern dürften das weniger als 20 Millionen sein. So sieht es in Wahrheit aus. Die tatsächliche Erwerbslosenquote dürfte demnach bei 60 Millionen liegen (man könnte davon evtl. noch Rentner und Pensionäre abziehen).

    • Avatar

      Paul

      2. Juni 2015 17:37 at 17:37

      Seehr gute Vorschlag.

    • Avatar

      wandere2013

      3. Juni 2015 11:08 at 11:08

      Besser wäre zu fragen, wer erwerbstätig ist und OHNE Aufstockung in einer Vollzeitbeschäftigung ist!!
      Den es sehr sehr viele Erwerbstätige, die zu Ihrem sogenannten LOhn noch zusätzlich Aufstockleistugen bekommen, da Ihr Lohn/Gehalt unter der vorgegebenen Grenze liegt.

  5. Avatar

    Paul

    2. Juni 2015 17:36 at 17:36

    Ich verstehe nicht warum eigentlich die 4,5 millionen Hartz IV nicht als Arbeitslose aufgefürt werden.Zwar sind sie NICHT arbeitssuchend aber Arbeitslos alemall.

  6. Avatar

    Buerger67

    2. Juni 2015 17:43 at 17:43

    Zitat:“..(BIAJ) 5,152 Millionen „Arbeitslosengeld-Empfänger/innen“ (SGB III und SGB II) im April 2015, darunter 4,417 Millionen erwerbsfähige Leistungsberechtigte (Arbeitslosengeld II-Empfänger/innen). 4,897 Millionen Arbeitsuchende, darunter 2,843 Millionen registrierte Arbeitslose* davon 868.000 (30,5 Prozent) bei den 156 Arbeitsagenturen und 1,975 Millionen (69,5 Prozent) bei den 408 Jobcentern…“

    Quelle: http://biaj.de/archiv-kurzmitteilungen/36-texte-biaj-kurzmitteilungen/619-arbeitsmarkt-im-april-2015-laendervergleich-insgesamt-frauen-maenner-rechtskreise.html

    Jeden Monat gibt es vom BIAJ die richtigen Arbeitslosenzahlen !
    Wie vor Beginn der Agenda 2010 = insgesamt über 5 Mio. !!!
    Wie Herr Schröder am 28.01.2005 in Davos sagte, war uns ist das Ziel der Agenda 2010 die Einführung des größte Niedriglohnsektors in der EU, was mit Hilfe der SPD (entgegen den Interessen aller Arbeitnehmer in D.) auch geschafft wurde.
    Übrigens: laut Berechnung des WSI (HBS) lag die Armutslohnschwelle 2010 bereits bei 10,74 Euro/Std. brutto !

  7. Avatar

    M.G. D.

    2. Juni 2015 18:04 at 18:04

    Es sind 67% aller Deutschen nur erwerbstätig. d.h. 30 Millionen Deutsche können nicht in das Steuer- u. Rentensystem einzahlen. DAS SIND DIE ZAHLEN !!!

    • Avatar

      M.G. D.

      2. Juni 2015 18:08 at 18:08

      Das wissen auch die LINKEN und schweigen!

  8. Avatar

    khaproperty

    2. Juni 2015 18:55 at 18:55

    Warum sollte ausgerechnet in Deutschland nicht ebenso einfallsreich an der Statistik „gearbeitet“ werden wie etwa in USA, wo die entsprechenden Zahlen auch manipuliert und für das schlichte Publikum hergerichtet werden.

    Immerhin beschäftigt die BfA derart viele hochbezahlte Wasserköpfler, daß man sich lange schon fragen muß, was die eigentlich zu tun haben – außer für bessere Quote zu sorgen.

    Das zuständige Arbeitsministerium ist derweil damit beschäftigt, Grundlagen, Methoden und Zuweisungen immer neu zu gruppieren, um auch ihre politischen Köpfe auch künftig Wahlen gewinnen zu lassen – völlig unabhängig von den Realitäten.

    So erklärt sich die Dauerberieselung per Einheitsmedien in Rundfunk, TV und Presse wonach Vollbeschäftigung, Jobmangel und Zuwanderung sich ganz hervorragend zusammen gruppieren.
    Propaganda professionelle eben nach Jahrzehnte bekannter und bewährten Art und Weise – hinweg über vielfältige Regime- und Regierungswechsel.

  9. Avatar

    Oliver

    2. Juni 2015 21:08 at 21:08

    Ich bin ja stark dafür, daß mal eine Statistik mit der Anzahl der Nettosteuerzahler gemacht wird! Das ist die einzige interessante Größe – wieviele Parasiten hat ein produktiver Mensch zu ertragen…

  10. Avatar

    Werniman

    3. Juni 2015 11:35 at 11:35

    Normalerweise müsste man nicht nur diejenigen in die Statistik rechnen,die in irgendwelchen Maßnahmen stecken,sondern auch diejenigen,die in sonstiger Weise einen großen Teil ihres Einkommens vom Amt beziehen. Speziell denke ich dabei an Minijobber. Auf der Statistikseite der BA gibts dazu leider momentan nur die Angabe von März 2015: 4.822.300 Leute sind „ausschließlich geringfügig beschäftigt“.

  11. Avatar

    Florian

    3. Juni 2015 17:58 at 17:58

    Das sind Hartz4-Bezieher, keine Empfänger.

  12. Avatar

    Apokalypse

    4. Juni 2015 02:17 at 02:17

    Vor etwa 15 Jahren machte ich mal meine einfache Rechnung auf: 80 Mio Einwohner minus etwa 40 Mio Kinder und Rentner, dann ca. 20 Prozent welche arbeitlos oder nicht erwerbsfähig sind und kam auf rd. 30 Millionen Beschäftigte. Diese erwirtschaften also die restlichen 50 Millionen und sich selbst. Diese Milchmädchenrechnung geht solange auf, bis alle in Generalstreik treten. Wäre da nicht die Angst – THE GERMAN ANGST.

  13. Avatar

    FreeSpeech

    6. Juni 2015 19:06 at 19:06

    Würden die heiligen 3 Könige die Wahrheit schreiben, würde man sie mit Schimpf und Schande aus dem Amt jagen.
    Nachdem die Herren der Statistikfälschung aber nie wieder im Leben mit einer Vergütung von über 20.000 Euro erhalten würden (monatlich versteht sich) wird also gebogen und gelogen, was das Zeug hält… – denn – wer sägt schon gerne am eigenen Stuhl???

  14. Avatar

    Werniman

    16. Oktober 2015 17:15 at 17:15

    Die BA veröffentlich ja nicht nur die Kurzfassung der Arbeitslosenstatistik,sondern auch ausführliche Fassungen,die unter statistik.arbeitsagentur.de einsehbar sind. Der interessante Teil ist hierbei m.E. der Unterschied zwischen der Anzahl der Beschäftigten insgesamt (ca 42,5 Mio) und der Zahl derer davon,die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind (ca 30 Mio). Letzteres ist man,wenn man mehr 451€ oder mehr verdient. Das bedeutet,daß wir insgesamt 12,5 Mio Menschen haben,die zwar arbeiten,aber kein sozialversicherungspflichtiges Einkommensniveau erzielen, ergo wohl zum größten Teil noch aufstockende Leistungen vom Amt beziehen und somit in gewisser Weise auch unterbeschäftigt sind. Zu dieser Gruppe zählen etwa die ganzen Minijobber. Rechnet man noch die ganzen Aufstocker (ca 1,4 Mio), 2,7 Mio offiziellen Erwerbslosen und die 900000 Maßnahmeteilnehmer etc dazu, kommt man auf mind. 17 Mio Leute,die vom Amt leben. Und da sind Kinder und Rentner in Grundsicherugn noch gar nicht eingerechnet.

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Banken halten bei EZB 3,3 Billionen Euro – Daten zu Strafzinsen und Freibeträgen

Claudio Kummerfeld

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am

Türme von Banken in Frankfurt

Die einfache Sichtweise der „großen“ Experten in den Türmen der Notenbanken lautet: Je tiefer wir die Zinsen setzen, desto weniger attraktiv wird es für die Menschen Geld auf Bank- und Sparkonten zu parken. Sie werden dann immer mehr Geld in den Konsum pumpen. Aber egal wie viel sehr man auch an so einer Theorie festhält – die Realität sieht oft ganz anders aus. Die Bürger (vor allem die Deutschen) wollen gerade in Krisenzeiten offenkundig weiterhin Monat für Monat von ihrem Ersparten anständig was auf die hohe Kante packen – Vorsorgen für die schlechten Zeiten, sozusagen.

Und bei de facto Nullzinsen, die in den letzten Jahren in der Regel (nach Abzug der Inflation) reale Negativzinsen bedeuten, legen die Menschen einfach pro Monat noch mehr Geld auf die hohe Kante, sozusagen als Ausgleich für die fehlenden Zinsen. Und so steigen seit Jahren in der Eurozone die Bankguthaben immer weiter an. Das wird für die Banken immer mehr zu einem dramatischen Problem. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wollte nicht nur, dass der (einfältige?) Bürger endlich sein Geld in den Konsum steckt. Nein, die EZB wollte auch erreichen, dass die (faulen?) Banken endlich mehr Geld als Kredit herausreichen an Privat- und Geschäftskunden, damit die Konjunktur angekurbelt wird – und dadurch letztlich die Inflation ansteigt – die letzten Jahre geschah aber letztlich das Gegenteil.

Banken vor immer größerem Problem

Aber egal wie fleißig die Banken auch sein mögen bei der Kreditvergabe – der Sparfleiß der Bürger ist stärker. Die Guthaben bei den Banken wachsen immer mehr. Und genau deswegen hatte sich die EZB eine Art Strafmechanismus ausgedacht, damit die Banken nun wirklich mal die Einlagen der Kunden vermehrt als Kredit rausreichen. Verrechnet man das von den Bankkunden eingezahlte Guthaben mit den ausgegebenen Krediten, dann haben praktisch alle Banken eine Überschussliquidität, die bei der EZB geparkt wird. Die EZB bestraft die Banken hierfür mit einem Negativzins von derzeit -0,5 Prozent (ab 2014 stufenweise eingeführt, damals noch bei -0,1 Prozent). Je mehr die Kunden sparen und je höher sich die Banken-Überschüsse auf ihren EZB-Konten auftürmten, desto mehr mussten sie als Strafzins an die EZB überweisen.

Dies wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einem Problem für die Banken, die sowieso dank Nullzinsen ein ernsthaftes Problem mit ihrem wichtigsten Geschäft hatten, nämlich der Zinsmarge. Die EZB sah dieses Problem, und führte einen Freibetrag ein. Die Banken sollten für zu viel hinterlegte Einlagenüberschüsse also bestraft werden – aber nicht so sehr, dass sie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Und so gibt es EZB-Strafzinsen für die Banken mit einem Freibetrag an Einlagen, der nicht mit einem Strafzins bedacht wird.

Gigantische Überschüsse, Strafzinsen und Freibetrag

Heute veröffentlichte Daten der Bundesbank zeigen die Dimension der Beträge. Demnach gab es im Dezember 2020 eine Überschussliquidität im Euroraum in Höhe von 3,35 Billionen Euro. Zwischen Einführung des Tiering-Systems (Freibeträge) im Oktober 2019 und Dezember 2020 betrug der Zinsaufwand der Banken im Euroraum für das Halten dieser Überschussliquidität bei der EZB 8,9 Milliarden Euro. Dieser Zinsaufwand (die Strafzinsen) fiel laut Bundesbank um 4,7 Milliarden Euro niedriger aus, als dies unter sonst gleichen Bedingungen ohne ein Tiering-System der Fall gewesen wäre. Gleichzeitig wurde mit zuletzt 2,498 Billionen Euro der größte Teil der Überschussliquidität weiterhin negativ verzinst.

Während die Überschussliquidität der Banken bei der EZB in den letzten Jahren immer weiter stieg (oberer Teil der Grafik), dachte die EZB wohl sie könnte dies verhindern, indem sie den Strafzins immer weiter anhebt. Es brachte aber nichts! Wer arg ins Detail gehen möchte, kann sich beim Klick an dieser Stelle in den Bundesbank-Bericht auf den Seiten 61-72 in das Thema vertiefen. Wer sich für die Rücklagen der Deutschen interessiert, der klicke bitte hier. Im Krisenjahr 2020 wurde von deutschen Haushalten 333,5 Milliarden Euro auf die hohe Kante gelegt, nach 220,3 Milliarden Euro in 2019. Diese Summe steigerte sich in den letzten Jahren immer weiter, obwohl das Zinsniveau für die Sparer immer weiter abrutschte.

Grafik zeigt Bundesbank-Daten zu Strafzinsen und Überschussliquidität

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BlackRock, Wall Street – und China: Kampf der Giganten

Wolfgang Müller

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Wird BlackRock zu mächtig? Während BlackRock immer größer und wichtiger wird, scheinen die USA insgesamt abzusteigen (siehe hierzu das Interview mit der USA-Korrespondentin der „Zeit“, Heike Buchter).

Der Kampf der beiden Supermächte USA und China um die wirtschaftliche und technologische Vorherrschaft elektrisiert viele Marktbeobachter. Klar ist es fast unmöglich Chinas weiteren Aufstieg zu verhindern, schließlich hat China mit seiner riesigen Anzahl an Menschen – Vergleich zu den USA: 1439 Millionen zu 332 Millionen – einen Riesenvorteil. Aber die USA haben neben ihren großen Techfirmen auch noch weitere Riesen, einer davon ist der Finanzdienstleister BlackRock, der letzte Woche gigantische Zahlen abgeliefert hat.

BlackRock: Der schwarze Felsen wird immer größer

Der weltweite Aktienmarkt klettert, wie schon so oft dargestellt, auch infolge der Aktionen der Notenbanken nach oben, auf zuletzt 106 Billionen Dollar. Maßgeblich beteiligt daran ist die Wall Street, deren Aktienmärkte allein schon ein Gewicht von über 40 Billionen Dollar aufweisen. Angesichts des Anteils der USA an der Weltbevölkerung (4,3 Prozent) und der Wirtschaftsleistung (kaufkraftbeteinigt etwa 16 Prozent) eigentlich viel zu groß. Aber ebenso dominant ist der Anteil der Vermögensverwaltung in den USA, wie allein die letzten Donnerstag veröffentlichten Zahlen von BlackRock aufweisen.

BlackRock ist mit 8,68 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen (Stand: 31. Dezember 2020) der weltgrößte Vermögensverwalter. Die Kunden sind Privatanleger und Institutionen wie Banken, Pensionskassen, Stiftungen, Versicherer, Staatsfonds und Zentralbanken. So der zutreffende Eintrag bei Wikipedia.

Inmitten der Corona-Krise ist es der Firma von Larry Fink gelungen, einem sehr einflussreichen CEO, was demnächst auch die Regierung von Joe Biden erleben dürfte, das Volumen der verwalteten „Assets“ im Jahr 2020 um 17 Prozent oder 1,2 Billionen Dollar auf 8,68 Billionen Dollar zu steigern.

BlackRock profitierte nicht nur von der aktiven Fondsbranche, auch seine bekannte ETF-Sparte (iShares) ist um 185 Milliarden Dollar gewachsen.

Aus diesen ganzen Zahlen ergab sich ein Gewinn für das Jahr 2020 von 5,2 Milliarden Dollar, ein Anstieg von ebenfalls 17 Prozent. Dass die Fantasie der Investoren auch bei diesem Felsbrocken der Finanzwelt ins Kraut schießt, zeigt die Entwicklung der Aktie, die bis zur Veröffentlichung der Jahresbilanz um 44 Prozent gestiegen ist. Aufgrund der großen Marktmacht von BlackRock spürt der Gigant nicht einmal so sehr die Entwicklung in der Fondsbranche hin zu den kostengünstigen Exchange Traded Funds. Der Gewinn des Finanzdienstleisters war auch im vierten Quartal um 1,6 Milliarden Dollar angewachsen.

Noch ein paar Sätze zum Zweikampf zwischen den USA und China.

Liste der größten Firmen der Welt

Betrachtet man sich die aktuelle Liste der nach Marktkapitalisierung schwersten Unternehmen der Welt, so stellt man fest, dass sich unter den größten 20 Unternehmen allein 13 US-Unternehmen, unter ersten Zehn gleich deren sieben befinden. China ist mit Tencent, Alibaba vertreten.

Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Tesla, Facebook, Berkshire Hathaway, Visa, Walmart, Johnson &Johnson, JP Morgan, Procter&Gamble, MasterCard, von einem Finanzgiganten BlackRock ist dabei nichts zu sehen, nicht einmal unter den ersten Hundert.

Sicher wird es demnächst durch Regulation bei den Monopolfirmen einiges an Korrekturen geben. Auch befinden sich die Kurse einiger Firmen in Höhen, die nicht aufrechterhalten werden können – auch wenn einige glauben, Aktien könnten sich dauerhaft den Fundamentaldaten entziehen.

Was das Vermögen von Kundengeldern angeht, haben die USA noch weit die Nase vorn. Denn neben dem 8-Billionen-Dollar-Koloss BlackRock gibt es noch die Riesen Vanguard Group, State Street Global Advisors und Fidelity Investments, jedes Unternehmen verwaltet mehrere Billionen Dollar.

China hat ein großes Problem in seinem Aufwärtsstreben und das ist sein totalitäres System. Es wird sicherlich nicht das Vertrauen von Investoren steigern, wenn eine Regierung so rigoros an eine Firma wie Alibaba herangeht, kürzlich noch achtwertvollstes Unternehmen der Welt, dessen Gründer Jack Ma schon seit Wochen von der Bildfläche verschwunden ist. Da vertraut die westliche Welt schon eher auf einen ETF der Firma BlackRock, Sparte iShares, wie die jüngsten Zahlen beweisen. Der Produktionsstandort China boomt – aber der Finanzstandort?

BlackRock und die Wall Street

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Wirtschaft kommt laut Bundesbank recht gut durch den Lockdown, aber…

Claudio Kummerfeld

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Lockdown Schriftzug

Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für Januar veröffentlicht. Demnach kommt die deutsche Wirtschaft recht gut durch den Lockdown. Die Erholung der deutschen Wirtschaft ist laut Bundesbank im letzten Quartal 2020 durch das erhöhte Infektionsgeschehen und die wieder erheblich verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zwar ausgebremst worden. Aber es habe jedoch keinen größeren Rückschlag gegeben, da sich weniger durch die Maßnahmen betroffene Bereiche der Wirtschaft weiter erholten. Insbesondere die Industrie aber auch die Bauwirtschaft hätten nach den bis November vorliegenden Zahlen kräftig zugelegt.

Die Auftragseingänge in der Industrie hätten im November das Vorkrisenniveau vom Schlussquartal 2019 sogar deutlich überstiegen. Zudem seien die Einzelhandelsumsätze bis November noch erheblich gewachsen. Dies hätte ein Gegengewicht zu den Einbußen gebildet, die aufgrund der im Dezember angeordneten Schließungen im stationären Einzelhandel entstanden sein dürften. Die Unternehmensstimmung hellte sich im Dezember laut ifo Geschäftsklimaindex trotz des Wiederaufflammens der Pandemie auf. Diese ermutigenden Signale lassen laut aktueller Bundesbank-Aussage darauf hoffen, dass auch die zu Beginn des neuen Jahres verlängerten und weiter verschärften Einschränkungen die wirtschaftliche Erholung nicht allzu weit zurückwerfen.

Aber die Bundesbank versieht diese rosigen Aussagen mit einer kleinen Warnung, wie es nicht anders zu erwarten wäre. Bei dieser Krise sind ja „Risiko-Disclaimer“ fast schon unverzichtbar, da niemand eine Glaskugel hat und unzählige Variablen vorhersehen kann. Sollte das Infektionsgeschehen jedoch nicht erheblich nachlassen und die gegenwärtigen Beschränkungen der Wirtschaftstätigkeit länger anhalten oder noch weiter verschärft werden, so könne es gleichwohl noch zu einem spürbaren Rückschlag (für die Wirtschaftsleistung) kommen, so die Bundesbank.

Auch beim Thema Arbeitslosigkeit sieht die Bundesbank offenbar keine ernsthaften Probleme. So blieb der Arbeitsmarkt laut Aussage der Bundesbank trotz der wieder strikteren Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung bemerkenswert stabil. Zwar seien im November und Dezember vermehrt Anmeldungen zur Kurzarbeit eingegangen, diese entsprächen jedoch nur einem Bruchteil der Anzeigen aus dem vergangenen Frühjahr. Die aktuellen Anzeigen würden sich vor allem auf den von den angeordneten Schließungen betroffenen Hotel- und Gaststättenbereich sowie Teile des Handels beschränken. Die registrierte Arbeitslosigkeit sei im Dezember wie schon in den beiden Monaten zuvor spürbar zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen sei um saisonbereinigt 37.000 gegenüber dem Vormonat gesunken, die entsprechende Arbeitslosenquote läge damit bei 6,1 Prozent.

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