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Europa

Autoindustrie im Keller – ist die Lage wirklich so düster?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Autoindustrie steckt derzeit tief im Keller: Es waren schockierende Zahlen vom Verband der Automobilindustrie für das Autoland Deutschland, die der Verband der Automobilindustrie am Freitag für das bisherige Produktionsjahr 2020 präsentierte. Man muss schon Jahrzehnte in die Vergangenheit blicken, um auf ähnliche Produktionsziffern zu kommen. Aber gibt es bei starken Einbrüchen nicht auch eine zweite Seite der Medaille?

Autoindustrie: Die Zahlen des Verbandes für Deutschland

Bereits am Freitag hatte FMW über diese Zahlen berichtet: Ein Rückgang der der Pkw-Zulassungen im ersten Halbjahr um 35 Prozent auf 1,21 Millionen Pkw.

Auch im Juni gab es noch keine große Verbesserung für die Autoindustrie – laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden immer noch 32,3 Prozent weniger Autos zugelassen als im Vorjahresmonat. Spielte hier der erhöhte Mehrwertssteuersatz (bis 30.Juni) noch eine Rolle?

Für das Gesamtjahr rechnet der Automobilverband mit etwa 2,8 Millionen verkaufter Pkw in Deutschland, was einem Minus von 800.000 Autos gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Und für die Welt?

Die Zahlen für die ersten fünf Monate zeigen auch einen happigen Einbruch der Pkw-Zulassungen:

Europa minus 43 Prozent, China minus 27 Prozent und die USA mit minus 23 Prozent.
Aber auch für das Gesamtjahr soll es ein annus horribilis für die Automobilindustrie werden:

  • China minus 2 Millionen auf 19 Millionen Pkw
  • USA minus 3 Millionen auf 13,9 Millionen
  • Europa minus 3,8 Millionen auf 12 Millionen Autos
  • Für die Welt-Pkw-Produktion hieße das einen Rückgang um 17 Prozent auf 65,9 Millionen Einheiten gegenüber dem Vorjahr.

Auch wenn es im zweiten Halbjahr eine Entspannung geben sollte, so reicht dies natürlich nicht aus, um den Einbruch der Autoindustrie infolge des Lockdowns ausgleichen zu können. Natürlich alles unter der Prämisse, dass es zu einer Eindämmung von Covid-19 in den Industrieländern kommt.

Die Bewertung der Zahlen

Wie so oft bei Zahlen aus der Realwirtschaft, so auch in der Autoindustrie: Vor Einbrüchen wird das Bild lange Zeit schön gemalt, und wenn es dann zu heftigen Einschnitten kommt, mit Entlassungen, malt man den Zukunftsteufel an die Wand, allein schon um Umstrukturierungen und Entlassungen zu begründen.

Für die Börse sind aktuelle Konjunkturzahlen oft Schnee von gestern. Wer sich mit Aktienmärkten über einen längeren Zeitraum beschäftigt, wird realisiert haben, dass man mit Pressemeldungen am Markt für eine Anlageentscheidung wenig anfangen kann. Das Allermeiste steckt schon in den Kursen drin, was zählt ist die langfristige Perspektive. Diese ist nunmal unsicher und kann nicht einmal von Firmeninsidern zuverlässig prognostiziert werden. Deshalb bin ich immer etwas skeptisch, wenn von Verbänden Daten, gespickt mit Prognosen, präsentiert werden. Das gilt auch für die Autoindsutrie.

Könnte es nicht sein, dass der Automobilverband mit seiner Präsidentin Hildegard Müller (ehemalige Staatsministerin im Bundeskanzleramt) und ihrem Lamento deutlich machen will, wie wichtig zum Beispiel eine staatliche Abwrackprämie wäre, allein um Arbeitsplätze zu sichern? Könnte da nicht etwas Frustration dahinter stehen, nachdem der Bundestag vor Wochen eine solche Unterstützung abgelehnt hat? Klar:  wie leben im Zeitalter des automobilen Umbruchs mit großen Kosten, aber auch mit großen Unsicherheiten.

Der Automobilbestand als Ganzes

Der Weltfahrzeugbestand hat bereits die unglaubliche Zahl von 1,3 Milliarden Kfz erreicht, erst vor zehn Jahren hat man die Miliardengrenze überschritten. Da das Durchschnittsalter der Fahrzeuge kaum über 20 Jahre erreichen dürfte, läge damit die Zahl der Verschrottungen bei bis zu 40/50 Millionen Einheiten pro Jahr. Klar kann man in einer Krise die Autos etwas länger nutzen –  aber wie lange?

Das bedeutet, dass hierdurch ein großer Ersatzbedarf entsteht, auch wenn es in China erhebliche Überproduktion gegeben hat, aber schließlich ging dort der Fahrzeugabsatz jetzt schon bald drei Jahre hintereinander nach unten.

Die Entwicklungsländer streben nach Motorisierung, in welcher Form auch immer. Und gerade in Coronazeiten wurde das Auto als persönlicher Schutzraum entdeckt. Millionen Menschen führen gerade Urlaubsreisen mit dem Kfz durch.

Fazit: Die Lage der Autoindustrie ist perspektivisch gar nicht so düster

Desto stärker der Einbruch im Jahr 2020, desto größer der Nachhol- und Ersatzbedarf 2021/22. Außer Covid-19 siegt auf ganzer Linie und die Erholung der Wirtschaft 2021 erweist sich als zu frühe Hoffnung. Der deutsche Pkw-Bestand von über 47 Millionen zugelassener Pkw jedenfalls hatte schon im Jahr 2019 ein Durchschnittsalter von 9,5 Jahren. Und das ist ein Hoffnungszeichen für die Autoindustrie!

„Zurück ins Jahr 1975“, lautete eine Schlagzeile in der Welt, die aktuellen Kfz-Zahlen betreffend. Gerade das zeigt aber, welcher Nachholbedarf sich in rascher Zeit aufbauen wird, gerade wenn man sich an diese Zeit verkehrstechnisch erinnern kann (in Deutschland 19,8 Millionen zugelassene Pkw – oder gar an die Zahl der damals lebenden Menschen und den Grad der Motorisierung!

Wenn man jetzt das Argument anführt, die Menschen hätten doch erhebliche finanzielle Einbußen wegen Corona durch Arbeitslosigkeit und Verdienstausfälle: Sicher, jedoch wird bereits ein Großteil der Fahrzeuge geleast und auf Kredit gekauft – im Jahr 1975 war es genau anders herum, da wurden die Pkw in der Masse bar bezahlt. So düster also sieht es doch gar nicht aus für die Autoindustrie..

Ist die Lage der Autoindustrie wirklich so düster?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Peter

    6. Juli 2020 13:37 at 13:37

    Na ja, nicht die Anzahl der Privatfahrzeuge ist die Schlüsselgrösse, sondern die der Geschaftsfahrzeuge. Diese werden weniger werden, schon aufgrund der zunehmenden Webkonferenzen. In Asien werden eher Billigautos den Markt dominieren.

  2. Avatar

    Wolfgang M.

    6. Juli 2020 14:34 at 14:34

    @Peter. Sorry, aber das dürfte nicht so sehr ins Gewicht fallen. Die Anzahl der Privatfahrzeuge ist in Deutschland von 2019 auf 2020 von 42,014 Mio auf 42,472 Mio gestiegen, die der gewerblich genutzten von 5,067 auf 5,23 Mio. Der Gesamt-Pkw-Bestand lag Anfang des Jahres bei über 47 Millionen.
    Viele Grüße

  3. Avatar

    Vince S.

    7. Juli 2020 13:58 at 13:58

    @Wolfgang M. Allerdings kaufen Privatleute in Deutschland kaum Neufahrzeuge und sind daher als direkte Kunden für Autohersteller nicht besonders relevant. 2019 wurden nur 34,5 % der Neuwagen auf Privatleute zugelassen (Quelle: statists.com).

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Europa

ifo Index mit zweitem Rückgang in Folge – Lage ok, Erwartungen schwächer

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für November veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 90,7 (Prognose war 90,1; Vormonat Oktober war 92,7) – das ist der zweite Rückgang in Folge nach zuvor fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,0 (Prognose war 87,0; Vormonat war 90,3)

– Erwartungen: 91,5 (Prognose war 93,5; Vormonat war 95,0)

Dazu Wohlrabe von ifo: Dienstleistungssektor spürbar schwächer, Industrie hat sich Abwärtsentwicklung entgegen gestemmt, Handel schwächer

Hier die Pressemitteilung des ifo:

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November auf 90,7 Punkte gesunken, nach 92,5 Punkten im Oktober. Der Rückgang war vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Auch ihre aktuelle Lage bewerteten sie etwas weniger gut. Die Geschäftsunsicherheit ist gestiegen. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen.

Das Verarbeitende Gewerbe ist der Lichtblick in diesem Monat. Das Geschäftsklima hat sich verbessert. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage deutlich besser. Die Auftragseingänge stiegen, wenn auch langsamer als im Vormonat. Der Ausblick auf die kommenden Monate fiel jedoch merklich weniger optimistisch aus.

Im Dienstleistungssektor hat der Geschäftsklimaindikator merklich nachgegeben. Er liegt erstmals seit dem Juni wieder im negativen Bereich. Die zuletzt gute Lageeinschätzung hat sich deutlich eingetrübt. Zudem blicken erheblich mehr Unternehmen pessimistisch auf die kommenden Monate. Die Indikatoren im Bereich Hotels und Gastgewerbe sind regelrecht abgestürzt.

Im Handel hat sich das Geschäftsklima verschlechtert. Die Unternehmen waren mit ihrer aktuellen Lage weniger zufrieden. Auch die Erwartungen trübten sich merklich ein. Insbesondere die Einzelhändler berichteten von deutlich weniger gut laufenden Geschäften.

Im Bauhauptgewerbe hat der Index leicht nachgegeben. Die Baufirmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas besser als im Vormonat. Ihre Erwartungen hingegen fielen etwas pessimistischer aus.“

Der ifo Index ist das wichtgiste deutsche Konjunkturbarometer

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanager – Lage mau, aber Optimismus wegen Impfstoff

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für November) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 52,0 (Prognose war 50,4; Vormonat war ,)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,9 (Prognose war 56,5; Vormonat war 58,2)

Dienstleistung: 46,2 (Prognose war 46,3; Vormonat war 49,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 49,1 für Gewerbe (Prognose war 50,1; Vormonat war 51,3) und mit 38,0 für Dienstleistung (Prognose war 37,7; Vormonat war 46,5) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Wie erwartet wirkten sich die neuerlichen Lockdown-Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie negativ auf die deutsche
Wirtschaft aus. Die aktuellen PMI-Vorabschätzungen zeigen, dass der Servicesektor aktuell wieder so tief in der Krise steckt wie im Mai.
Die Widerstandskraft der Industrie, die vor allem von den Exportsteigerungen nach Asien profitierte, bekräftigt uns allerdings in der Annahme, dass ein möglicher Abschwung im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen dürfte als im ersten Halbjahr. Die positiven Nachrichten um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs verliehen der Stimmung unter den deutschen Unternehmen jedenfalls Auftrieb, von denen viele jetzt auf eine Rückkehr zur Normalität in den nächsten zwölf Monaten hoffen. Dies dürfte auch den jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt zu Gute gekommen sein, die zeigen, dass sich die Lage in der Industrie der Stabilisierung weiter angenähert hat und die Beschäftigung im Servicesektor weiter gestiegen
ist.“

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Europa

Verbraucherpreise in Eurozone dritten Monat in Folge in Deflation – Zweiteilung des Kontinents

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse in der Klemme

Die europäische Statistikagentur Eurostat hat heute die ausführlichen und endgültigen Ergebnisse für die Verbraucherpreise im Oktober veröffentlicht. Mit -0,3 Prozent im Jahresvergleich hängen sie nun den dritten Monat in Folge in der Deflation (Vormonate -0,3 Prozent und -0,2 Prozent). Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa zu großen Teilen eine Art Deflations-Abwehr darstellt. Wo einige Länder noch nicht den Euro haben, ist Inflation klar erkennbar – oft sogar mehr als deutlich. So hat die Gesamt-EU im Oktober auch einen Wert von +0,3 Prozent hingelegt. Man muss es sich mal vorstellen. Länder wie die Slowakei, Rumänien, Tschechien, Ungarn und Polen liefern Steigerungen der Verbraucherpreise zwischen +1,6 Prozent und 3,8 Prozent (siehe rechter Teil der Grafik).

Grafik zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise pro Land

In den Details für die Eurozone sieht man: Die Verbraucherpreise für Lebensmittel legen zu, jetzt mit einer Steigerungsrate von +2,0 Prozent. Die Energiepreise ziehen mit -8,2 Prozent den Schnitt weiterhin kräftig nach unten. Aber auch die Dienstleistungen sind mit schuldig mit nur noch +0,4 Prozent, wo man noch im Juni Steigerungsraten über 1 Prozent sah. Hier schlägt wohl auch die deutsche Mehrwertsteuersenkung zu Buche, die seit Juli in Kraft ist. Aber abwarten. Ab Januar, wenn die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland wieder rückgängig gemacht wird, dürften die Verbraucherpreise wieder auf die Null-Linie kommen – auch für die Eurozone?

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise

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