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Banken: Auch dank staatlicher Passivität mit Volldampf in die Katastrophe?

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Steuern die Banken mit Volldampf auf eine Katastrophe zu? Und das auch dank staatlicher Passivität? Dank der Coronakrise gibt es von den staatlichen Aufsichtsbehörden Erwartungen und Empfehlungen (!), doch bitte keine Dividenden auszuschütten. Erwirtschaftete Gewinne sollen die Kapitalbasis somit stärken, um die Banken zu wappnen für anstehende umfangreiche Kreditausfälle in den nächsten Monaten. Banken hätten eine zentrale Aufgabe bei der Bewältigung der Corona-Krise, so die BaFin im März. Dieser Aufgabe könnten sie nur nachkommen, wenn sie gut kapitalisiert seien. Die durch das umfangreiche Maßnahmenpaket der Bundesregierung und die aufsichtlichen Anpassungen erlangten Freiräume sollen die Institute daher nach Ansicht der BaFin nicht für die Zahlung von Dividenden nutzen. Vielmehr sollte das zur Verfügung stehende Kapital im Bankensektor belassen werden, um die Institute krisenfester zu machen und die Vergabe von Krediten an die Realwirtschaft zu unterstützen. Soweit die Meinung der BaFin im März.

Banken wollen Dividenden zahlen

Aber wie es nun mal so ist. Empfehlungen, Bitten und Erwartungen sind keine Gesetze und Verordnungen. Aber dürfte die BaFin den Banken überhaupt verbieten Dividenden zu zahlen? Oder wäre das nicht etwa ein Eingriff in die freie unternehmerische Entfaltung, und wäre das nicht eine Beschneidung der Eigentumsrechte der Aktionäre? Auf der anderen Seite nehmen Banken eindeutig eine Sonderstellung in einer Volkswirtschaft ein. Immer wieder haben Aufsichtsbehörden gezeigt, dass man sehr wohl in die Abläufe von Kreditinstituten eingreift. Der Deutschen Bank zum Beispiel wurde von der BaFin gerne schon mal die Ernennung bestimmter Vorstände verboten, wenn den zu ernennenden Personen die Eignung abgesprochen wurde. Bei der Warburg Bank wurden die Eigentümer aus dem Aufsichtsrat gedrängt. Das nur mal als Beispiele! Also, man sieht, dass die BaFin extrem weit in die unternehmerische Freiheit bei Banken eingreifen kann, um die Stabilität des Finanzsystems aufrechtzuerhalten. Wenn sie denn nur will.

Aber bei den Dividenden, da beließ man es bei einem Verbot, das aber genau genommen keines ist. Sonst wäre das was jetzt kommt, wohl auch kaum möglich. Die Münchner Merkur Privatbank wird laut finanz-szene.de 14,6 Millionen Euro von der 24 Millionen Euro erwirtschaftetem Gewinn ausschütten. Und das war ja nur eine Kleinigkeit. Laut Handelsblatt planen zahlreiche Volks- und Raiffeisenbanken gut 400 Millionen Euro auszuschütten, die noch im Jahr 2019 erwirtschaftet wurden. Das ist vor allem deswegen brisant, weil gerade diese Bankengruppe zusammen mit den Sparkassen doppelt betroffen sein dürfte, falls im Herbst oder Winter eine riesige Lawine an möglichen Kreditausfällen über die Banken hereinbrechen sollte. Denn sie sind quasi die Banken für den „kleinen Mann“, für die große Masse der Menschen, wie auch für kleine und mittelgroße Betriebe. Sie leben vom Kreditgeschäft für Konsumenten und kleine Betriebe. Wenn, dann werden gerade sie mit voller Wucht getroffen werden von der Welle der Kreditausfälle. Aber offenbar fühlt man sich derart solide aufgestellt, dass man Dividenden ausschütten will. Ob das wirklich gut geht, wird man erst im Herbst oder Winter sehen, und externe Beobachter werden es womöglich erst im Frühjahr 2021 sehen können, wenn die 2020-er-Jahreszahlen veröffentlicht werden. Oder wenn einzelne Banken in Schieflage geraten sollten, erfährt man dies natürlich früher.

BaFin rudert sogar noch zurück beim Drängen nach einer Dividenden-Aussetzung

Aber ja, dieser Drang der Banken doch Dividende auszukehren (womöglich kurz vor einer Welle von Kreditausfällen), wird durch ein merkwürdiges Zurückrudern der Aufseher der BaFin befeuert, welche direkt unserem Bundesfinanzminister Olaf Scholz untersteht. So war die BaFin nämlich erst vor zwei Wochen irgendwie ein bisschen zurückgerudert. Denn die Banken sollen doch bitte (mangels echtem Verbot!?) Dividenden nur dann ausschütten, wenn das jeweilige Institut über eine nachhaltig positive Ertragsprognose verfüge und die Kapitalsituation auch in einer anhaltenden Stressphase weiterhin ausreichende Puffer ausweise, so die BaFin. So so… das bedeutet? Schreibt sich die jeweilige Bank selbst eine günstige Ertragsprognose, dann kann sie Dividenden ausschütten? Nennt man das eine stringente Bankenaufsicht? Und das in solchen Zeiten?

Man kann es nicht oft genug wiederholen. Es kann gut sein (keine Garantie!), dass in den nächsten Monaten eine Lawine an Kreditausfällen über die Banken hereinbricht. Und dann müssen die Banken diese Ausfälle als Verlust abschreiben. Und dieser Verlust zehrt am Eigenkapital der Bank. Und je weniger Eigenkapital eine Bank hat, desto weniger neue Kredite kann sie herausreichen – denn Kredite müssen immer mit Eigenkapital als Sicherheit unterlegt werden. Wie viele Kreditausfälle sich seit März schon bei deutschen Banken angesammelt haben, kann man nur bei einem Blick in die Glaskugel erfahren. Denn (wir berichteten schon mehrmals darüber) die BaFin und die europäischen Bankenaufseher beschlossen im März, dass die Banken bis Ende Juni gestundete Kredite nicht als Kreditausfall abschreiben müssen. Diese Sonderregel wurde Ende Juni schnell bis Ende September verlängert. Gibt es über Ende September hinaus keine erneute Verlängerung dieses Sonderstatus, könnte die tatsächliche Verbuchung der Verluste ab Oktober starten.

Aber halt. Da ist ja auch noch die ebenfalls vom Gesetzgeber veranlasste Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zu beachten, die seit März in Kraft ist. Der Berg tatsächlich schon kaputter Unternehmen dürfte sich immer weiter vergrößern, je länger diese Aussetzung in Kraft ist. Derzeit gilt diese Aussetzung bis Ende September. Die Bundesregierung wird sie aber womöglich bis März 2021 verlängern, oder auch nur bis Ende Dezember 2020. Endgültig klar ist das noch nicht, aber eine Verlängerung der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht scheint zu kommen! Wenn es so kommt, könnte die Krise für die Banken (optisch) hinausgezögert werden. Vielleicht rein zufällig gerade so lange, bis das Geschäftsjahr 2020 komplett durch ist, und man dann im Frühjahr noch akzeptable Bilanzen für das volle Geschäftsjahr 2020 präsentieren kann? Und dann erst ab Anfang 2021 rollt die Welle aus Insolvenzen und Kreditausfällen? Noch wirkt es so, als leben die Banken in einer Art Ruhe vor dem Sturm. Und wenn der Sturm kommt, dann kriegt man das schon irgendwie gebacken? Sehen wir von FMW die Lage viel zu düster? Kommt am Ende alles halb so wild, vor allem wenn der Staat mit Sondermaßnahmen alles weiter rettet und verzerrt? Abwarten.

Zur Frage, ob die Coronakrise zur Bankenkrise führt, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft heute eine Denkschrift veröffentlicht, die man beim Klick an dieser Stelle nachlesen kann.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Karl Margin

    21. August 2020 21:35 at 21:35

    Könnt ihr bitte mal recherchieren wie es zudem um die französischen, italienischen und spanischen Banken steht?

  2. Avatar

    Insolvenz- Verschlepper

    22. August 2020 09:47 at 09:47

    Die Aussagen sind ziemlich deckungsgleich mit denen von Markus Krall .Wenn sie aber von anderer Seite kommen sind die KRALLEN- KRITIKER stumm.

    • Avatar

      leftutti

      22. August 2020 13:31 at 13:31

      @Insolvenz- Verschlepper, Rechts- Tutti, Noch- mehr-Krall, Immermehr- Krall und wie Sie sich sonst auch immer nennen mögen: Stimmt, das klingt irgendwie wie bei Markus Krall, dessen Thesen der Autor ja alles andere als ablehnend oder auch nur kritisch gegenübersteht. Die jedermann offensichtlichen zugrunde liegenden Fakten werden benannt, bei den Auswirkungen und Schlussfolgerungen dominieren dann Fantasie und Spekulation: Es kann gut sein (keine Garantie!) … kann man nur bei einem Blick in die Glaskugel erfahren … dürfte sich immer weiter vergrößern … womöglich … endgültig klar ist das noch nicht … scheint zu kommen. Hätte, könnte, dürfte, kann sein, kann auch nicht sein. Eine kritische Rezension erübrigt sich dadurch per se, weil keine nachvollziehbaren rational-logischen Analysen und Aussagen präsentiert werden.

      Hier muss man fairerweise sagen, dass Herr Krall seine spekulativen Resümees und Konklusionen überzeugend und blenderisch hinter einer Sprache zu verstecken versteht, die stets eine irgendwie stringente Logik und Alternativlosigkeit suggeriert. Muss er auch, will er doch schließlich Panik und Ängste schüren, um tonnenweise Gold an den Mann zu bringen. Und ist er zudem zutiefst vom religiösen Glauben an den immerwährende Kampf Gottes gegen Satan beseelt, der letztendlich in biblischen Apokalypsen enden muss. So etwas muss gut und überzeugend kaschiert werden.

  3. Avatar

    Columbo

    24. August 2020 12:03 at 12:03

    Regierungen und Notenbanken lassen keine Bankeninsolvenzen zu, das gäbe Unruhen, vielleicht auch Bürgerkriege.
    Banken mit Geld zu versorgen ist das geringste Problem.
    Wenn schon, kommt es irgendwann zu Inflation/Hyperinflation, wobei das Endergebnis dasselbe wäre. Das (Papier-)Geld ist weg.
    Markus Krall rät zu relativ kleinen Mengen Gold und das wundert mich. Wenn sein Szenario eintritt, scheint mir das zu wenig.

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    lǝɟɟǝnɹʇɹǝuƃɐdɯɐɥɔ

    24. August 2020 17:37 at 17:37

    Hier mal ein Schreiben einer meiner Banken, das zeigt, wie nahe der drohende Untergang tatsächlich bereits ist:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    im April haben wir Sie darüber informiert, dass wir aufgrund der Corona-Pandemie die geplante Vertreterversammlung und damit den Beschluss über die Dividendenzahlung für das Geschäftsjahr 2019 verschoben haben. Maßgeblich für diese Entscheidung war die Vorgabe der EZB an alle Banken, bis Oktober 2020 von der Ausschüttung einer Dividende abzusehen.

    In diesen Tagen hat die EZB diese Vorgabe verlängert. Sie fordert jetzt die Banken auf, zunächst bis zum 1. Januar 2021 keine Dividenden auszuschütten. Damit will die EZB vorsorglich erreichen, dass die Banken in Europa Gewinne aus dem Jahr 2019 verwenden können, um, wie die EZB schreibt, coronabedingte Kreditausfälle besser ausgleichen zu können. Banken sollen damit gestärkt werden, um die Kreditvergabe an Privatpersonen und Unternehmen zu gewährleisten. Sie hat ebenfalls angekündigt, das weitere Vorgehen im vierten Quartal erneut zu prüfen.

    Wir haben uns in den vergangenen Monaten mit Nachdruck bei der EZB dafür eingesetzt, Ihnen auch in diesem Jahr eine Dividende auszahlen zu können und dabei deutlich gemacht, dass eine Dividendenzahlung aufgrund der soliden Ertragssituation und der moderaten Risikolage trotz der derzeitigen Unsicherheiten gerechtfertigt ist.

    Wir streben jedoch an, Sie nächstes Jahr an der soliden Entwicklung im Jahr 2019 teilhaben zu lassen. Um dies zu ermöglichen, beabsichtigen Aufsichtsrat und Vorstand der Vertreterversammlung vorzuschlagen, den Bilanzgewinn einschließlich des Gewinnvortrags aus dem Vorjahr auf das Jahr 2020 vorzutragen. Da uns bislang aus den Folgen der Corona-Pandemie keine besonderen Belastungen erwachsen sind, wird es aus heutiger Sicht nicht erforderlich sein, mit dem Bilanzgewinn die Rücklagen der Bank zu stärken.

    Wie der Bilanzgewinn des Geschäftsjahres 2020 zusammen mit dem deutlich höheren Gewinnvortrag zu verwenden sein wird, ist dann im nächsten Jahr von der Vertreterversammlung im Licht der dann herrschenden Rahmenbedingungen zu beschließen.

    Das Neugeschäft und die positive Ertragsentwicklung im ersten Halbjahr 2020 zeigen, dass wir auch in einer außergewöhnlichen Krisensituation in der Lage waren, Kurs zu halten.

  5. Avatar

    Krallen-Fan

    25. August 2020 19:31 at 19:31

    Columbo und sein Kumpan sollten sich besser absprechen: Einer sagt Krall mache Werbung für möglichst viel Goldverkäufe und der Andere sagt, Krall empfehle nur kleine Mengen Gold??

    • Avatar

      leftutti

      26. August 2020 11:04 at 11:04

      @Krall-Anbeter, auch wenn Sie eine Verschwörung bzw. Verbrüderung wittern, ist dem nicht so. Ebenso gibt es keinen Widerspruch. Denn Gold ist ein seltenes Gut, der deutschen Bürger gibt es aber viele Millionen. Ich, also der Kumpan, schreibe von tonnenweise. Wenn nur 1% der Deutschen eine winzige Unze, eine Münze, kaufen, ergibt das schon das stolze Sümmchen von 25,8 Tonnen Gold.

      • Avatar

        Columbo

        26. August 2020 12:05 at 12:05

        @Leftutti, Kumpan…

        Krall-Anbeter beten an. Denken und Anbeten zugleich geht nicht.

        • Avatar

          leftutti

          26. August 2020 23:52 at 23:52

          @Columbo, alter Kumpel…

          Cogito ergo sum: Ich denke, also bin ich, ich bete an, also spinn‘ ich.

          Durch Krall und Frust geht man hinein zur Stadt der Trauer,
          Zu dem ewigen Schmerze, zum verlornen Volke [nicht zu verwechseln mit völkisch, Höcke].
          Lasst ihr, die einst der Gier verfallen waren, alle Hoffnung fahren!

          Nur TINA’s Glanz kann euch bewahren…

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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Investieren Sie in ideen-intensive Geschäftsmodelle – Werbung

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Lieber Börsianer,

eine Frage an Sie: Welches Unternehmen würden Sie derzeit gründen? Eher einen Hersteller von Elektro-Autos oder – sagen wir – eine kleine Softwareschmiede, die Anwendungen für das Autonome Fahren entwickelt?

Eine kleine Abwägung: Für den Aufbau einer Autoproduktion dürfen Sie schon gleich zu Beginn mit Investitionen von mehreren 100 Millionen Euro kalkulieren. Daneben brauchen Sie Männer und Frauen für die Fließbänder und holen sich auf diese Art und Weise einmal einen deftigen Fixkostenblock in die Gewinn- und Verlustrechnung. Wenn alles halbwegs rundläuft, haben Sie nach rund 5 oder 6 Jahren Ihre Kosten amortisiert und dürfen ab jetzt auf Gewinne hoffen.

Ihre Softwareschmiede bauen Sie im eigenen Keller auf mit einigen Kumpels (m/w/d) aus dem Informatikstudium. Kostenfaktor wenige 100.000 Euro. Im 2. Jahr dürfen Sie bereits einen mittelschweren Auftrag für BMW abwickeln und haben Ihre Startinvestitionen schon fast kompensiert.

Natürlich, ich habe stark vereinfacht. Aber im Kern zeigt dieser Vergleich, welche Geschäftsmodelle in der modernen Wirtschaft besonders gut funktionieren. Industrie- oder Hardware-Produktion ist enorm kapitalintensiv und verlangt einige spendable Finanziers an Ihrer Seite. Digitale Geschäftsmodelle hingegen verlangen zunächst einmal „nur“ eine zündende Idee. Genau so entstanden Unternehmen wie Facebook und Microsoft. Damals schwänzten Mark Zuckerberg und Bill Gates ihre Vorlesung und schrieben im Studentenwohnheim an einem Betriebssystem oder einer Social-Media-Anwendung.

Aber es geht nicht nur um die Startinvestitionen. Generell werfen Geschäftsmodelle aus den Segmenten Internet oder Software auch in der Folge ganz andere Umsatzrenditen ab als etwa die Produktion von Fahrzeugen, Maschinen oder etwa Gasturbinen. Apple oder Facebook holt aus…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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