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Banken: Auch dank staatlicher Passivität mit Volldampf in die Katastrophe?

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Steuern die Banken mit Volldampf auf eine Katastrophe zu? Und das auch dank staatlicher Passivität? Dank der Coronakrise gibt es von den staatlichen Aufsichtsbehörden Erwartungen und Empfehlungen (!), doch bitte keine Dividenden auszuschütten. Erwirtschaftete Gewinne sollen die Kapitalbasis somit stärken, um die Banken zu wappnen für anstehende umfangreiche Kreditausfälle in den nächsten Monaten. Banken hätten eine zentrale Aufgabe bei der Bewältigung der Corona-Krise, so die BaFin im März. Dieser Aufgabe könnten sie nur nachkommen, wenn sie gut kapitalisiert seien. Die durch das umfangreiche Maßnahmenpaket der Bundesregierung und die aufsichtlichen Anpassungen erlangten Freiräume sollen die Institute daher nach Ansicht der BaFin nicht für die Zahlung von Dividenden nutzen. Vielmehr sollte das zur Verfügung stehende Kapital im Bankensektor belassen werden, um die Institute krisenfester zu machen und die Vergabe von Krediten an die Realwirtschaft zu unterstützen. Soweit die Meinung der BaFin im März.

Banken wollen Dividenden zahlen

Aber wie es nun mal so ist. Empfehlungen, Bitten und Erwartungen sind keine Gesetze und Verordnungen. Aber dürfte die BaFin den Banken überhaupt verbieten Dividenden zu zahlen? Oder wäre das nicht etwa ein Eingriff in die freie unternehmerische Entfaltung, und wäre das nicht eine Beschneidung der Eigentumsrechte der Aktionäre? Auf der anderen Seite nehmen Banken eindeutig eine Sonderstellung in einer Volkswirtschaft ein. Immer wieder haben Aufsichtsbehörden gezeigt, dass man sehr wohl in die Abläufe von Kreditinstituten eingreift. Der Deutschen Bank zum Beispiel wurde von der BaFin gerne schon mal die Ernennung bestimmter Vorstände verboten, wenn den zu ernennenden Personen die Eignung abgesprochen wurde. Bei der Warburg Bank wurden die Eigentümer aus dem Aufsichtsrat gedrängt. Das nur mal als Beispiele! Also, man sieht, dass die BaFin extrem weit in die unternehmerische Freiheit bei Banken eingreifen kann, um die Stabilität des Finanzsystems aufrechtzuerhalten. Wenn sie denn nur will.

Aber bei den Dividenden, da beließ man es bei einem Verbot, das aber genau genommen keines ist. Sonst wäre das was jetzt kommt, wohl auch kaum möglich. Die Münchner Merkur Privatbank wird laut finanz-szene.de 14,6 Millionen Euro von der 24 Millionen Euro erwirtschaftetem Gewinn ausschütten. Und das war ja nur eine Kleinigkeit. Laut Handelsblatt planen zahlreiche Volks- und Raiffeisenbanken gut 400 Millionen Euro auszuschütten, die noch im Jahr 2019 erwirtschaftet wurden. Das ist vor allem deswegen brisant, weil gerade diese Bankengruppe zusammen mit den Sparkassen doppelt betroffen sein dürfte, falls im Herbst oder Winter eine riesige Lawine an möglichen Kreditausfällen über die Banken hereinbrechen sollte. Denn sie sind quasi die Banken für den „kleinen Mann“, für die große Masse der Menschen, wie auch für kleine und mittelgroße Betriebe. Sie leben vom Kreditgeschäft für Konsumenten und kleine Betriebe. Wenn, dann werden gerade sie mit voller Wucht getroffen werden von der Welle der Kreditausfälle. Aber offenbar fühlt man sich derart solide aufgestellt, dass man Dividenden ausschütten will. Ob das wirklich gut geht, wird man erst im Herbst oder Winter sehen, und externe Beobachter werden es womöglich erst im Frühjahr 2021 sehen können, wenn die 2020-er-Jahreszahlen veröffentlicht werden. Oder wenn einzelne Banken in Schieflage geraten sollten, erfährt man dies natürlich früher.

BaFin rudert sogar noch zurück beim Drängen nach einer Dividenden-Aussetzung

Aber ja, dieser Drang der Banken doch Dividende auszukehren (womöglich kurz vor einer Welle von Kreditausfällen), wird durch ein merkwürdiges Zurückrudern der Aufseher der BaFin befeuert, welche direkt unserem Bundesfinanzminister Olaf Scholz untersteht. So war die BaFin nämlich erst vor zwei Wochen irgendwie ein bisschen zurückgerudert. Denn die Banken sollen doch bitte (mangels echtem Verbot!?) Dividenden nur dann ausschütten, wenn das jeweilige Institut über eine nachhaltig positive Ertragsprognose verfüge und die Kapitalsituation auch in einer anhaltenden Stressphase weiterhin ausreichende Puffer ausweise, so die BaFin. So so… das bedeutet? Schreibt sich die jeweilige Bank selbst eine günstige Ertragsprognose, dann kann sie Dividenden ausschütten? Nennt man das eine stringente Bankenaufsicht? Und das in solchen Zeiten?

Man kann es nicht oft genug wiederholen. Es kann gut sein (keine Garantie!), dass in den nächsten Monaten eine Lawine an Kreditausfällen über die Banken hereinbricht. Und dann müssen die Banken diese Ausfälle als Verlust abschreiben. Und dieser Verlust zehrt am Eigenkapital der Bank. Und je weniger Eigenkapital eine Bank hat, desto weniger neue Kredite kann sie herausreichen – denn Kredite müssen immer mit Eigenkapital als Sicherheit unterlegt werden. Wie viele Kreditausfälle sich seit März schon bei deutschen Banken angesammelt haben, kann man nur bei einem Blick in die Glaskugel erfahren. Denn (wir berichteten schon mehrmals darüber) die BaFin und die europäischen Bankenaufseher beschlossen im März, dass die Banken bis Ende Juni gestundete Kredite nicht als Kreditausfall abschreiben müssen. Diese Sonderregel wurde Ende Juni schnell bis Ende September verlängert. Gibt es über Ende September hinaus keine erneute Verlängerung dieses Sonderstatus, könnte die tatsächliche Verbuchung der Verluste ab Oktober starten.

Aber halt. Da ist ja auch noch die ebenfalls vom Gesetzgeber veranlasste Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zu beachten, die seit März in Kraft ist. Der Berg tatsächlich schon kaputter Unternehmen dürfte sich immer weiter vergrößern, je länger diese Aussetzung in Kraft ist. Derzeit gilt diese Aussetzung bis Ende September. Die Bundesregierung wird sie aber womöglich bis März 2021 verlängern, oder auch nur bis Ende Dezember 2020. Endgültig klar ist das noch nicht, aber eine Verlängerung der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht scheint zu kommen! Wenn es so kommt, könnte die Krise für die Banken (optisch) hinausgezögert werden. Vielleicht rein zufällig gerade so lange, bis das Geschäftsjahr 2020 komplett durch ist, und man dann im Frühjahr noch akzeptable Bilanzen für das volle Geschäftsjahr 2020 präsentieren kann? Und dann erst ab Anfang 2021 rollt die Welle aus Insolvenzen und Kreditausfällen? Noch wirkt es so, als leben die Banken in einer Art Ruhe vor dem Sturm. Und wenn der Sturm kommt, dann kriegt man das schon irgendwie gebacken? Sehen wir von FMW die Lage viel zu düster? Kommt am Ende alles halb so wild, vor allem wenn der Staat mit Sondermaßnahmen alles weiter rettet und verzerrt? Abwarten.

Zur Frage, ob die Coronakrise zur Bankenkrise führt, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft heute eine Denkschrift veröffentlicht, die man beim Klick an dieser Stelle nachlesen kann.

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Karl Margin

    21. August 2020 21:35 at 21:35

    Könnt ihr bitte mal recherchieren wie es zudem um die französischen, italienischen und spanischen Banken steht?

  2. Avatar

    Insolvenz- Verschlepper

    22. August 2020 09:47 at 09:47

    Die Aussagen sind ziemlich deckungsgleich mit denen von Markus Krall .Wenn sie aber von anderer Seite kommen sind die KRALLEN- KRITIKER stumm.

    • Avatar

      leftutti

      22. August 2020 13:31 at 13:31

      @Insolvenz- Verschlepper, Rechts- Tutti, Noch- mehr-Krall, Immermehr- Krall und wie Sie sich sonst auch immer nennen mögen: Stimmt, das klingt irgendwie wie bei Markus Krall, dessen Thesen der Autor ja alles andere als ablehnend oder auch nur kritisch gegenübersteht. Die jedermann offensichtlichen zugrunde liegenden Fakten werden benannt, bei den Auswirkungen und Schlussfolgerungen dominieren dann Fantasie und Spekulation: Es kann gut sein (keine Garantie!) … kann man nur bei einem Blick in die Glaskugel erfahren … dürfte sich immer weiter vergrößern … womöglich … endgültig klar ist das noch nicht … scheint zu kommen. Hätte, könnte, dürfte, kann sein, kann auch nicht sein. Eine kritische Rezension erübrigt sich dadurch per se, weil keine nachvollziehbaren rational-logischen Analysen und Aussagen präsentiert werden.

      Hier muss man fairerweise sagen, dass Herr Krall seine spekulativen Resümees und Konklusionen überzeugend und blenderisch hinter einer Sprache zu verstecken versteht, die stets eine irgendwie stringente Logik und Alternativlosigkeit suggeriert. Muss er auch, will er doch schließlich Panik und Ängste schüren, um tonnenweise Gold an den Mann zu bringen. Und ist er zudem zutiefst vom religiösen Glauben an den immerwährende Kampf Gottes gegen Satan beseelt, der letztendlich in biblischen Apokalypsen enden muss. So etwas muss gut und überzeugend kaschiert werden.

  3. Avatar

    Columbo

    24. August 2020 12:03 at 12:03

    Regierungen und Notenbanken lassen keine Bankeninsolvenzen zu, das gäbe Unruhen, vielleicht auch Bürgerkriege.
    Banken mit Geld zu versorgen ist das geringste Problem.
    Wenn schon, kommt es irgendwann zu Inflation/Hyperinflation, wobei das Endergebnis dasselbe wäre. Das (Papier-)Geld ist weg.
    Markus Krall rät zu relativ kleinen Mengen Gold und das wundert mich. Wenn sein Szenario eintritt, scheint mir das zu wenig.

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    lǝɟɟǝnɹʇɹǝuƃɐdɯɐɥɔ

    24. August 2020 17:37 at 17:37

    Hier mal ein Schreiben einer meiner Banken, das zeigt, wie nahe der drohende Untergang tatsächlich bereits ist:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    im April haben wir Sie darüber informiert, dass wir aufgrund der Corona-Pandemie die geplante Vertreterversammlung und damit den Beschluss über die Dividendenzahlung für das Geschäftsjahr 2019 verschoben haben. Maßgeblich für diese Entscheidung war die Vorgabe der EZB an alle Banken, bis Oktober 2020 von der Ausschüttung einer Dividende abzusehen.

    In diesen Tagen hat die EZB diese Vorgabe verlängert. Sie fordert jetzt die Banken auf, zunächst bis zum 1. Januar 2021 keine Dividenden auszuschütten. Damit will die EZB vorsorglich erreichen, dass die Banken in Europa Gewinne aus dem Jahr 2019 verwenden können, um, wie die EZB schreibt, coronabedingte Kreditausfälle besser ausgleichen zu können. Banken sollen damit gestärkt werden, um die Kreditvergabe an Privatpersonen und Unternehmen zu gewährleisten. Sie hat ebenfalls angekündigt, das weitere Vorgehen im vierten Quartal erneut zu prüfen.

    Wir haben uns in den vergangenen Monaten mit Nachdruck bei der EZB dafür eingesetzt, Ihnen auch in diesem Jahr eine Dividende auszahlen zu können und dabei deutlich gemacht, dass eine Dividendenzahlung aufgrund der soliden Ertragssituation und der moderaten Risikolage trotz der derzeitigen Unsicherheiten gerechtfertigt ist.

    Wir streben jedoch an, Sie nächstes Jahr an der soliden Entwicklung im Jahr 2019 teilhaben zu lassen. Um dies zu ermöglichen, beabsichtigen Aufsichtsrat und Vorstand der Vertreterversammlung vorzuschlagen, den Bilanzgewinn einschließlich des Gewinnvortrags aus dem Vorjahr auf das Jahr 2020 vorzutragen. Da uns bislang aus den Folgen der Corona-Pandemie keine besonderen Belastungen erwachsen sind, wird es aus heutiger Sicht nicht erforderlich sein, mit dem Bilanzgewinn die Rücklagen der Bank zu stärken.

    Wie der Bilanzgewinn des Geschäftsjahres 2020 zusammen mit dem deutlich höheren Gewinnvortrag zu verwenden sein wird, ist dann im nächsten Jahr von der Vertreterversammlung im Licht der dann herrschenden Rahmenbedingungen zu beschließen.

    Das Neugeschäft und die positive Ertragsentwicklung im ersten Halbjahr 2020 zeigen, dass wir auch in einer außergewöhnlichen Krisensituation in der Lage waren, Kurs zu halten.

  5. Avatar

    Krallen-Fan

    25. August 2020 19:31 at 19:31

    Columbo und sein Kumpan sollten sich besser absprechen: Einer sagt Krall mache Werbung für möglichst viel Goldverkäufe und der Andere sagt, Krall empfehle nur kleine Mengen Gold??

    • Avatar

      leftutti

      26. August 2020 11:04 at 11:04

      @Krall-Anbeter, auch wenn Sie eine Verschwörung bzw. Verbrüderung wittern, ist dem nicht so. Ebenso gibt es keinen Widerspruch. Denn Gold ist ein seltenes Gut, der deutschen Bürger gibt es aber viele Millionen. Ich, also der Kumpan, schreibe von tonnenweise. Wenn nur 1% der Deutschen eine winzige Unze, eine Münze, kaufen, ergibt das schon das stolze Sümmchen von 25,8 Tonnen Gold.

      • Avatar

        Columbo

        26. August 2020 12:05 at 12:05

        @Leftutti, Kumpan…

        Krall-Anbeter beten an. Denken und Anbeten zugleich geht nicht.

        • Avatar

          leftutti

          26. August 2020 23:52 at 23:52

          @Columbo, alter Kumpel…

          Cogito ergo sum: Ich denke, also bin ich, ich bete an, also spinn‘ ich.

          Durch Krall und Frust geht man hinein zur Stadt der Trauer,
          Zu dem ewigen Schmerze, zum verlornen Volke [nicht zu verwechseln mit völkisch, Höcke].
          Lasst ihr, die einst der Gier verfallen waren, alle Hoffnung fahren!

          Nur TINA’s Glanz kann euch bewahren…

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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am

„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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