Folgen Sie uns

Indizes

Brexit und Handelskrieg – die Macht der Verdrängung

Avatar

Veröffentlicht

am

Ginge es nach den Märkten, dann stünden die Deals beim Brexit und beim Handelskrieg kurz bevor, und das seit Monaten und Jahren. Wenn beide Deals nicht kurzfristig finalisiert werden, könnte es zu schmerzhaften Anpassungen kommen.

 

Brexit – was nicht sein kann, dass nicht sein darf

Sowohl der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, als auch der Zollkrieg der USA gegen diverse Handelspartner werfen seit Langem ihre Schatten voraus. In Sachen Brexit machte David Cameron bereits 2011 klar, wohin die Reise geht, nachdem er als erster britischer Premierminister sein Vetorecht in der EU-Kommission nutzte und angebliche Nachteile der Briten im EU-Club anprangerte. Zwei Jahre später verschärfte er seine Verbalattacken gegenüber Europa und stellte fortan aus wahltaktischen Gründen den Briten ein Referendum zur EU-Zugehörigkeit in Aussicht. Im Mai 2015 gewann er die Wahlen und versuchte, das Vertragsverhältnis zwischen der EU und Großbritannien radikal nachzuverhandeln.

Nachdem er nicht die erhofften Konzessionen erreichte, setzte er im Februar 2016 den Termin für das Schicksals-Plebiszit auf den 23. Juni des gleichen Jahres fest. Mit einer knappen Mehrheit von 51,9 zu 48.1 Prozent gewannen die „Leave-Voters“ das Referendum. Im Oktober gab Camerons Nachfolgerin im Amt, Theresa May, offiziell bekannt, gemäß Artikel 50 des Vertrags über die Europäische Union die Gemeinschaft verlassen zu wollen.

Im März 2017 unterzeichnete sie das entsprechende Gesetz. Seitdem versuchen die Briten die EU zu verlassen und die EU versucht ihrerseits dieses Vorhaben zu sabotieren, um keinen nachahmenswerten Präzedenzfall zu schaffen.

In seinem aufschlussreichen Vortrag „Die Bedeutung des Brexit für Deutschland und Europa“ erläuterte der ehemalige Chef des ifo Institut, Prof. Hans-Werner Sinn, am 17. Dezember letzten Jahres, warum ein harter Brexit unumgänglich ist (ab Minute 22:30). Würde Großbritannien den Forderungen der EU nachkommen, müsste es seine staatliche Integrität und Souveränität aufgeben. Dass dies nicht geschehen wird, hätte den Marktteilnehmern schon seit zweieinhalb Jahren klar sein können.

Stattdessen hangeln sich der Aktienmarkt und das Pfund in der Hoffnung einer gütlichen Einigung von Monat zu Monat. Sollte der unterschätzte Boris Johnson seine Brachialstrategie bis zum Ende durchziehen, könnten die Märkte in Kürze in den Ebbe-Modus übergehen und man würde sehen, wer voller falscher Hoffnung nackt gebadet hat.

 

Handelskrieg – sollte doch schnell gehen

Ähnlich wie beim Brexit verhält es sich mit den Märkten und dem Handelskrieg. Seit den Achtzigerjahren kritisiert Trump das Ausnutzen der USA im internationalen Handel. Zunächst wetterte er gegen Japan, später gegen China, dann gegen die EU, Mexiko, Kanada, Deutschland, Vietnam, et cetera.

Im Wahlkampf machte er früh klar, wofür er steht: Neben der Gesundheitsreform (die gescheitert ist) und der Steuerreform standen von Anfang an die Rückführung der Handelsbilanzdefizite und die Re-Industrialisierung der US-Wirtschaft ganz oben auf seiner Agenda. Eine Überraschung war der Ausbruch des Handelskriegs ergo nicht. Die Hoffnung der Märkte, dass sich ein Zollstreit mit China leicht, schnell und ohne eigene Verluste gewinnen ließe, war in Anbetracht der historischen Erfahrungen mit Handelskriegen ambitioniert. Umso mehr wundert es, dass sich die Märkte, nachdem das Kind Welthandel bereits tief in den Brunnen gefallen ist, an einen Strohhalm namens „Partial-Deal“, also eine Teileinigung klammern.

Dabei wären selbst bei einem sogenannten „Plastik-Deal“ die bereits etablierten und die Weltwirtschaft belastenden Zölle nach wie vor in Kraft.

Chronologie der Eskalation zwischen den USA und China (mit freundlicher Genehmigung von Statista):

Als ob das Ausbleiben einer weiteren Eskalation und das Zurücknehmen kleiner Teile der Strafzölle irgendetwas am globalen Konjunkturabschwung ändern würde. Wegen der Unberechenbarkeit Trumps und der bereits fortgeschrittenen Abwärtsdynamik auch der US-Wirtschaft würde kein einziger CEO nach einem solchen Show-Deal ein Investitionsfeuerwerk ins Auge fassen. Vielleicht nach Trumps Abwahl – Ende nächsten Jahres, sofern die Siegerin nicht Elisabeth Warren heißt. Die Juristin und Professorin gilt als eine Art Chefökonomin der Linken und als Schreck der Wall Street.

Fazit

Zwei Börsenweisheiten werden momentan Lügen gestraft: „Politische Börsen haben kurze Beine“ und „Die Märkte nehmen die Zukunft vorweg“. Für viele Marktteilnehmer kommt das Vorhersehbare wieder einmal sehr überraschend und es wird spannend sein zu sehen, wie die Währungs- und Aktienmärkte reagieren, wenn den Akteuren ein Licht aufgeht in Sachen Brexit und Handelskrieg. Aber am Ende kann man natürlich alles wieder auf den Schwarzen Schwan schieben – das arme Tier.

Die Märkte haben weder den Brexit noch den Handelskrieg eingepreist

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Marko

    9. Oktober 2019 18:34 at 18:34

    Ein „harter Brexit“ würde den „absoluten Kill“ Gb´s bedeuten, und das da ist bis heute nicht „eingepreist“.

    Ein „harter Brexit“, wird innerhalb Europas zu Verwerfungen führen.

    Und, wer verliert : GB !!! Und das, garantiert !

    Nebst Schottland, Nordirland usw.. Wer das nicht verstehen kann, oder will, ist ein „harter“ Bär…

    Und: wer gewinnt…

  2. Avatar

    Marko

    9. Oktober 2019 18:55 at 18:55

    „Zwei Jahre später verschärfte er seine Verbalattacken gegenüber Europa und stellte fortan aus wahltaktischen Gründen den Briten ein Referendum zur EU-Zugehörigkeit in Aussicht. Im Mai 2015 gewann er die Wahlen und versuchte, das Vertragsverhältnis zwischen der EU und Großbritannien radikal nachzuverhandeln.“

    „Radikal nach zu verhandeln“, wenn ich als GB „radikal“ denke, muss ich aus der Nato austreten, und dies „radikal“ und ohne jene Gnade ?

    wenn ich ich als GB „weiterdenke“ muss ich ebenso sagen : Wir in GB leben auf einer Insel, die Welt da draußen interessiert uns nicht !

    Ist schon mal ein Statement !

    Aber : Ob GB ohne Europa überleben kann, tja…

  3. Avatar

    Prognosti

    9. Oktober 2019 19:41 at 19:41

    Wieder ein realistischer Beitrag der die Ansicht des bekannten „Felix Zulauf bestätigt.Der hat schon im Juni
    mit dem Beitrag“ Die Achterbahn beginnt bald „ kritisiert, dass sich die meisten Anleger nur auf den Handelskrieg konzentrieren, während er den unaufhaltsamen Wirtschaftsabschwung als Grund für die unvermeidliche Korrektur nannte.Die vielen zusätzlichen Probleme Brexit, abflauende Geldschwemme u.s.w. müssten eigentlich den Abschwung zusätzlich verstärken.Die Algos werden wahrscheinlich erst reagieren wenn nach dem Crash das Wort Crash täglich hundert mal erwähnt wird.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Coronakrise und der Notenbank-Sozialismus! Marktgeflüster (Video)

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Coronakrise wird weltweit immense wirtschaftliche Verwerfungen bringen – eine Erholung davon wird viele Jahre dauern. Die Märkte aber träumen von einer V-Erholung der Wirtschaft nach der Coronakrise, aber das wird so kaum möglich sein, trotz des Liquiditäts-Tsunamis, den Notenbanken und Regierungen in Wirtschaft und Finanzmärkte pumpen. Vielmehr werden Millionen von Menschen nicht mehr in ihren Job zurück kehren und in den nächsten Jahren von den Staaten bzw. Notenbanken alimentiert werden: eine Art Notenbank-Sozialismus. Bereits jetzt sehen wir viele Elemente dieses Notenbanken-Sozialismus, auch in Deutschland. Die Aktienmärkte heute mit einer Rally – können sie die Gewinne heute ins Ziel retten, anders als gestern?

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

weiterlesen

Indizes

Rüdiger Born: Trigger im Dow?

Avatar

Veröffentlicht

am

Auf dem Weg nach oben im Dow könnte man nach Einstiegs-Triggern suchen. Das schaue ich mir im folgenden Video direkt am Chart an. Der zweite ganz große Abrutscher in den Indizes könnte danach noch folgen. Wollen Sie abgesehen von meinen täglichen Analysen im Trade des Tages noch viel mehr und vor allem aktuellere Trading-News von mir erhalten, auch aufs Handy? Nutzen Sie dazu gerne meinen neuen Service „Trade to Go“ (einfach hier anmelden). Auch dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei!

weiterlesen

Indizes

Dax: Die Stimmung ist noch zu gut, der Ausverkauf fehlt noch immer

Avatar

Veröffentlicht

am

Wir erleben beim Dax gerade eine Bärenmarktrally, die für viel Kopfschütteln sorgt, angesichts der desaströsen Wirtschaftszahlen. Da könnte es von Interesse sein, auf die so genannten Sentimentindikatoren zu blicken. Aus denen schlussfolgern Experten weiterhin einen nochmaligen Ausverkauf, wie auch die letzte Umfrage des Handelsblatts zeigt.

Das Fazit der Umfrage zum Dax

Der Leiter der Analysehauses AnimusX, der die wöchentliche Umfrage unter Lesern des Handelsblatts auswertet, bleibt bei seinem Ergebnis der Vorwoche.

Stephan Heibel: „Wenn Sie Positionen in Ihrem Portfolio haben, mit denen Sie eine weitere Ausverkaufswelle vermutlich nervlich nicht durchstehen würden, dann sollen Sie sich davon trennen.“

Er erwartet also trotz einer Abflachung der Infektionskurve von Covid-19 und der Bärenmarktrally weiterhin einen zweiten Rückschlag. Ein Ende der Kursverluste sei noch nicht in Sicht. Profianleger haben sich zu Wochenbeginn auf eine neue Verkaufswelle eingestellt. Auch die Privaten hat etwas der Mut verlassen. Ist man da am Montag und Dienstag etwas den Kursen hinterher gesprungen?

Wann könnte ein Boden beim Dax erreicht sein?

Dieser Boden ist laut dem Sentimentexperten Heibel beim Dax deshalb noch nicht gegeben, weil es noch zu viele Anleger gibt, die noch auf die Gelegenheit warten, ihre Positionen zu höheren Kursen abzustoßen.

Der Einbruch wird seiner Ansicht nach nicht durch steigendes Kaufinteresse geweckt, sondern durch eine Kapitulationsphase.

Derzeit gibt es für Heibel zwei Szenarien:

Einmal das positive durch sehr gute Nachrichten von der Infektionsfront (Behandlungsmethode gegen Covid-19 oder starke Eindämmung der Infektionszahlen). Dann könnten die Verkaufswilligen aus ihren Positionen aussteigen, gleichzeitig wäre genug Kaufinteresse vorhanden durch den neuen Optimismus.

Beim zweiten Szenario müssten diejenigen, die noch auf Positionen sitzen die Nerven verlieren und in einer Abwärtsbewegung ihre Aktien auf den Markt werfen. Bei negativen Nachrichten und einem Fall unter 9000 beim Dax – der aus der Sicht des Dienstag Nachmittag schon irgendwie in große Ferne gerückt ist. Ein zweiter Ausverkauf eben, bei dem nicht die Käufer über die Bodenbildung entscheiden, sondern die Verkäufer, die ihre Aktien einfach nur los haben wollen. Für Heibel wäre das der nochmalige Rutsch in Richtung 8000. Dies sollte aber bei geringen Umsätzen geschehen, anschließend könnten die ersten Mutigen bei wenig Volumen die Kurse in die Höhe treiben. Andere Anleger, die sich tiefe Kurse zum Einstieg gewünscht haben, kämen zu spät, weil das alles sehr schnell vonstatten geht, so die Erfahrung des Sentimentspezialisten.

Die Erwartungen der Anleger

Bisher war der Zukunftsoptimismus der Anleger einfach noch zu hoch. Er ist seit der Vorwoche von einem sehr hohen Wert von 4,1 auf nur noch 1,8 Punkte gefallen. Aber auch dieser Wert ist noch zu hoch, um die bisherige Abverkaufsphase zu beenden. Dafür müsse man noch etwas warten.

Erst dann, wenn der Zukunftsoptimismus extreme Negativwerte bei der Umfrage zeigt, sei mit dem finalen Ausverkauf zu rechnen.

Aus der aktuellen Umfrage zeigt sich weiter Folgendes:

Die Panik der ersten Ausverkaufswelle ist dank der Stabilisierung beim Dax in der vergangenen Woche mit nur leichten Verlusten vorbei. Die Stimmungslage ist nur noch depressiv, mit einem Sentimentwert von minus 4,6 im Vergleich zur Vorwoche von minus 7 bis minus 8.

Auch hat die letzte Verunsicherung der Anlegern stark nachgelassen, mit einem Wert von minus 2,6. Denn damit fühlen sich diejenigen bestätigt, die noch nicht verkauft haben. Erstaunlich: Von seinem Tief bei 8255 Punkten ist der Dax mittlerweile schon wieder fast 25 Prozent gestiegen, eigentlich schon wieder ein kleiner Bullenmarkt.

Was die Investitionsbereitschaft angeht, wollen immer noch viele (> 25 Prozent) in den kommenden zwei Wochen nachkaufen.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart für Privatanleger stand zu Wochenbeginn weiterhin im neutralen Bereich mit relativ ausgeglichenen Long- und Short-Investitionen. Die Fehlspekulation auf steigende Kurse zu Beginn der Coronakrise hat man inzwischen aufgelöst.

Die Professionellen, die sich Mitte Februar gegen fallende Kurse abgesichert hatten, haben weiter aufgestockt: Das Put/Call-Verhältnis an der Frankfurter Terminbörse Eurex ist auf einen Wert von über zwei gestiegen.

Und was machen die Amis?

In den USA hatten sich bestimmte Anlegerkreise schon in den Vorwochen abgesichert, das Put/Call-Ratio der CBOE ging zu Wochenstart wieder leicht zurück.

Aber die Aktienquote der US-Fondsmanager stand auf niedrigem Niveau. Mit 24 Prozent war sie niedriger als in der Vorwoche, mit nur noch 26 Prozent im Mittel. Dies dürfte sich nach dem Riesensprung von Montag und noch bis Dienstag Nachmittag geändert haben. Beim Anstieg von 10 Prozent der Indizes innerhalb von 30 Stunden muss der ein oder andere Fonds wieder in Aktien angelegt haben. Das Bull/Bear-Ratio der US-Privatanleger zeigte mit einem Wert von minus 15 weiterhin eine klare bearishe Tendenz an. Der technische „Fear&Greed-Index“ der US-Aktienmärkte ist trotz des aktuellen Kursanstiegs von Freitag bis gestern auch nur von 22 auf 26 gestiegen und befindet sich weiterhin im Bereich der großen Angst.

Fazit

Die Umfrage von AnimusX ist zwar schon über zwei Tage alt – und das will in den jetzigen bewegten Zeiten mit einem Volatilitätsindex (VIX) von 40 bis 83 in den USA schon etwas heißen. Dennoch wäre es schon extrem ungewöhnlich, wenn es nach dem schnellsten Börsen-Ausverkauf aller Zeiten so V-förmig beim Dax wieder nach oben ginge. Trotz der „tsunamiartigen“ Geldflut sollte man vorsichtshalber doch von so etwas wie einem W ausgehen. Das jedenfalls legt zumindest die Sentiment-Auswertung nahe.

Für eine Trenwende beim Dax ist die Stimmung noch viel zu optimistisch

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage