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Asien

China – die Wirtschaft ist zweigeteilt

Es ist schon ein ungewöhnlicher Vorgang, dass eine Organisation wie die Europäische Wirtschaftskammer eine Botschaft an China sendet, mit der Aufforderung zu Reformen in der Wirtschaft. Die aufgeblähte Staatswirtschaft verursache immer größere Probleme, während es der Privatwirtschaft vergleichbar gut erginge. Natürlich waren die Zeilen der Interessenvertretung in diplomatischem Stil verfasst, aber daraus wurde mehr als deutlich, wie man sich in Europa um die chinesische Wirtschaft sorgt, schließlich ist China als Wachstumsmotor der Welt für den alten Kontinent von ganz großer Bedeutung.

 

Die unterschiedlichen Wachstumsbereiche in China

Es ist der Staatssektor, also die Firmen, die unter staatlicher Kontrolle stehen, die in den letzten Jahren eine Verschuldungsorgie sondergleichen hingelegt haben. Dabei stellt die Europäische Wirtschaftskammer fest:

  • Die Zahl der Staatsunternehmen ist in der letzten Dekade auf 167.000 angestiegen und macht in etwa 52 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Dabei habe sich die Verschuldung in zehn Jahren vervierfacht.
    Die Rendite sei aber in dieser Zeit von 6,7 auf 2,6 Prozent gefallen.
  • Im Nordosten des Landes, wo die staatlichen Betriebe vorherrschten, stehe man vor einer Rezession. Mit einem völlig aufgeblähten Staatssektor, der mittlerweile das ganze Land herunterzöge.
  • Im Süden, wo Privatunternehmen dominieren, floriere die Wirtschaft.
    Die Handelskammer spricht von der Angst des Staates durch Privatisierung die Kontrolle zu verlieren, die Betriebe würden staatlich gehätschelt und nach Aussage des Kammerpräsidenten Wuttke gingen 80 Prozent aller Kredite an Staatsbetriebe.
  • Insgesamt verliert das Wachstum in China, wie allgemein berichtet, stark an Fahrt- von einst über 10 Prozent auf derzeit 6,2 Prozent, wie der IWF schätzt. Wahrscheinlich sind es jedoch nur um die drei Prozent.

Nach der Finanzkrise 2009 hat China der Welt mit einem schuldenfinanzierten Konjunkturprogramm aus der Krise geholfen. Die Folge war ein gigantischer Wirtschaftsboom, von dem insbesondere Europa und noch mehr Deutschland profitiert hat. Man denke nur daran, dass VW nicht weniger als vier seiner zehn Millionen produzierten Fahrzeuge im Reich der Mitte verkauft hat.

Tempi Passati, aber dennoch bleibt Chinas Wirtschaft für den Exportweltmeister das Maß aller Dinge. Man könnte sagen: Wenn China hustet, bekommt Deutschland eine Grippe.

 

Fazit

Die oben genannten Zahlen und Entwicklungen machen wieder einmal deutlich dass eigentlich beide Seiten, sowohl die USA also auch China, nicht an einem fortgesetzten Handelskrieg gelegen sein kann. Es steht für beide Seiten sehr viel auf dem Spiel und es wurde ja auch schon x-mal betont, dass ein Handelsstreit nur Verlierer hervorbringen kann.

Damit stellt sich wieder einmal die Frage, für wen eine Einigung, zumindest temporärer Art, wichtiger ist: Für ein wirtschaftlich taumelndes China oder eine mehr und mehr betroffene USA, deren Präsident sich keinen Wirtschafts – und Börseneinbruch leisten kann, ohne seine Wahlchancen zu zertrümmern? Innenpolitische Schwierigkeiten hat er ohnehin derzeit genug.

 

In China ist die Wirtschaft zweigeteilt



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2 Kommentare

  1. Natürlich wollen beide Seiten einen Deal. Natürlich ist keiner Seite an einem fortgesetzten Handelsstreit gelegen und natürlich gibt es dabei nur Verlierer. Das wissen doch alle längst. Aber niemand schreibt darüber, wie so ein Deal aussehen könnte, damit er von beiden Seiten akzeptiert werden kann. Das ist doch das Problem.

    Wenn sich eine Macht für einen Krieg entscheidet, weiß sie, dass er mit vielen und üblen Nachteilen verbunden sein wird. Wenn sie ihn trotzdem eingeht, dann deshalb, weil ihr die langfristigen Nachteile ohne den Krieg noch übler erscheinen.

  2. Es geht wie meist immer darum: Wer ist der Stärkere – Kann ich meine Macht erhalten /
    Kann ich meine Macht erhöhen ?
    Alles auf Kosten der Weltgemeinschaft,sowohl wirtschaftlich als auch bezogen auf unsere Umwelt.

    Wer in diese Welt geboren wird kann schier daran verzweifeln,dass wir uns in den letzten
    5000 Jahren immer noch in Kriege verzetteln und uns nicht weiter geistig entwickeln.
    Leider ist ein voller Magen immer noch das Wichtigste und doch für viele weit entfernt.
    Muß mich sogar für diese Worte entschuldigen,denn ich lebe ja in dieser Weltengemeinschaft – statt dessen haben wir Generationen,die sich wirklich im Moment
    nicht gerade aneinander annähern,statt zusammen etwas zu verbessern

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