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Coronavirus: Crash der Superlative – kommt jetzt Turnaround Tuesday?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Auch wenn es prozentual gar nicht soviel aussieht – knapp 20 Prozent von der Spitze – so ist es in absoluten Zahlen schon ein unglaubliches Spektakel, was sich an den Weltleitbörsen durch das Coronavirus binnen weniger Tage abgespielt hat: Ein Billionen-Dollar-Debakel!

Ein Mehrfach-KO-Schlag durch das Coronavirus

Es war einfach zu viel, was sich binnen weniger Tage an den Märkten abgespielt hat: Weltweit immer schwächere Wirtschaftsdaten aufgrund des Stillstands in China mit all seinen globale Auswirkungen, eine Ausweitung des Coronavirus zu einer Pandemie (Stichwort Italienkrise, USA) – und zu guter Letzt der Ölpreiskrieg mit der Ausweitung der Förderung durch Saudi-Arabien. Dieser giftige Cocktail hat viele Anleger weltweit auf dem falschen Fuß erwischt. Man wähnte sich wegen des Fed-Puts und der Alternativlosigkeit der Aktien (TINA) auf gesichertem Boden. Und so kam es, wie es kommen musste, wenn ein Fear &Greed-Index fast mehrere Wochen auf extremen Gier-Niveau von über 90 Punkten notiert.

Nun aber ein tagelanger Aberkauf, chronologisch dargestellt im Dow Jones mit folgender 10-Tages-Datenreihe:

Minus 870 Punkte, – 123, – 1191, – 357, + 1294, – 785, +1173, -979, -257 und schließlich der gestrige Tag, der alles toppte – minus 2013 Punkte oder 7,79 Prozent.

Der Abverkauf der Superlative wegen des Coronavirus

Gestern als die Wellenbrecher (circuit braker) an der US-Börse in Aktion traten (minus 7 Prozent bei Dow und S&P 500) war klar, das man vor einem extremen Börsentag stehen würde. Gleichbedeutend mit einem Gesamtminus von 19 Prozent – und damit befand man sich kurz vor der Phase des Eintritts in den Bärenmarkt. Beim Wiedereinsetzen des Handels ging es noch ein weiteres Prozent nach unten, dann setzten Käufe ein.

Wie ich bereits in meinem gestrigen Artikel angedeutet habe: das Spiel vom Dezember 2018 wiederholt sich, der Kampf um die Bärenmarktzone (siehe den Artikel „Coronavirus: Crashen Aktienmärkte in den Bärenmarkt?„).

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Der Abverkauf seit dem 19. Februar, dem Tag mit den letzten Allzeithochs, brachte Superlative wohin man blickt, aber im negativen, weil kapitalvernichtendem Sinn wegen des Coronavirus. Hier ein paar der extremen Kennziffern:

  • Die Marktkapitalisierung der Weltbörsen vor der Pandemie durch das Coronavirus betrug Mitte Februar noch 89 Billionen Dollar. Der marktbreiteste Index der Welt, der All World Country Index (ACWI mit 2500 Aktien aus 45 Ländern) fiel seit dieser Zeit von 139,30 auf 109,20 Punkte. Damit dürfte sich die Weltmarktkapitalisierung auf circa 70 Billionen Dollar reduziert haben, binnen drei Wochen
  • Das Bruttosozialprodukt der Weltwirtschaft betrug 2019 gut 86 Billionen Dollar und wird damit wieder deutlich unterschritten
  • Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq verloren gestern alle über sieben Prozent. Es war der größte Kurssturz an der Wall Street seit 10 Jahren
  • Der 11. Tag mit fallenden Kursen innerhalb von 13 Tagen.
  • Die Wall Street allein verlor schon über 6,4 Billionen Dollar seit dem 19. Februar, damit bleiben noch gut 5,2 Billionen Dollar seit der Wahl von Donald Trump übrig

Damit wird es brenzlig für die US-Wirtschaft, denn der Vermögensverlust wird den in vielen Schichten hoch verschuldeten Verbraucher bald zu Einschränkungen bei seinen Ausgaben veranlassen.
Der Preisabsturz beim Rohöl von 30 Prozent innerhalb von nur eineinhalb Tagen war der zweitstärkste Sturz seit dem Golfkrieg 1991. Da die Öl- und Gasindustrie in den USA 11 Prozent des Junkbonds-Marktes ausmacht, besteht hier Gefahr im Verzuge.
Die US-Zinsen notieren in allen Laufzeiten bis zu den 30-jährigen Treasuries unter der Ein-Prozentmarke.
Der Fall der Zinsen beeinflusst das Kreditgeschäft der Banken, in der Fristentransformation und bei der Qualität des Kreditportfolios. Die Bankwerte sind die großen Verlierer des Tages. Das Corinavirus trifft also vor allem die Geldhäuser.

Schlimmer aber erwischte es einmal mehr den Dax. Der größte Einbruch beim Dax seit der Finanzkrise brachte einen Kursverlust von über 1100 Punkten, beim Tagestief um 22:00 Uhr lag der deutsche Leitindex über 3400 Punkte unter seinem Hoch von vor drei Wochen von 13795 Punkten.
Die Kursverluste an der Frankfurter Börse beim Dax waren dramatisch, aber an der Mailänder Börse kam es noch schlimmer: Ein Kursabsturz von 14,28 Prozent. In Italien aber ist das Coronavirus zu einer echten epidemie geworden, die 9-größte Volkswirtschaft der Welt steht faktisch unter Quarantäne.

Den größten Börseneinbruch aller Zeiten gibt es es aber nicht in Europa oder den USA, sondern in Saudi-Arabien. Der staatliche Ölkonzerns Saudi-Aramco, erst seit Kurzem an der Börse notiert, verlor von seinem Höchstwert von über 2 Billionen Dollar infolge des Ölpreisverfalls bereits 500 Milliarden Dollar.

Aufgrund der extremen Kursverluste machte in den Handelssälen ein Spruch die Runde: Die Anleger sind in zwei Börsenweisheiten gefangen: „Greife nie in ein fallendes Messer“ und „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“. Man entschied sich für Ersteres.

Der Kampf um den Bärenmarkt

Gestern, als die zum zweiten Mal die Wellenbrecher an der US-Börse in Aktion traten (minus 7 Prozent bei Dow und S&P 500) war dies gleichbedeutend mit einem Gesamtminus von 19 Prozent vom All Time High – und damit hatte man fast die Schwelle zum Eintritt in den Bärenmarkt erreicht. Am Ende des Tages lagen die großen Indizes an der Wall Street gut 7 Prozent im Minus und wieder in unmittelbarer Schlagdistanz zur Zone des Bärenmarkts. Der Kampf dürfte weitergehen.

Fazit

War der Montag der erwartete Wash-Out, die Kapitulation der Anleger vor den Folgen des Coronavirus, bevor es zu einer Gegenbewegung kommen kann? Um nicht missverstanden zu werden: Nicht bevor es mittelfristig wieder nach oben gehen kann, denn wie stark das Coronavirus noch wüten oder wie es die Wirtschaft belasten wird, steht noch in den Sternen. Zumal der Wortführer deutscher Virologen, Prof. Dr. Christian Dorsten, gestern in einer langen Pressekonferenz mit neuen Erkenntnissen seiner US-Kollegen eine unangenehme Erkenntnis zum Besten gab. Es sei nicht ausgemacht, dass das wärmere Wetter im Frühjahr und Sommer wesentlich zur Eindämmung der Virusinfektion beitragen könne.

Aber, wir hatten gestern einen Fear&Greed-Index von 3, viel mehr nach unten geht nicht. Dieses Angstbarometer setzt sich aus sieben Einzelindizes, unter anderem auch dem Put/Call-Ratio, zusammen und der Tiefststand ruft nach einer Gegenbewegung. Nur Ende Dezember 2018 gab es einen niedrigeren Stand (1 Punkt). Die Märkte sind extrem überverkauft, die Panik wegen des Coronavirus ist riesig. Kommt am heutigen Tag ein Turnaround Tuesday?

Das Coronavirus sorgt für einen historischen Abverkauf der Aktienmärkte

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    jürgen

    10. März 2020 10:39 at 10:39

    Ja…die 8150 werden wohl noch fallen in den nächsten 2-3 Monaten. Da kann man nur Erholungen shorten…
    Krass ist der Spritpreis..E10 war eben noch bei 1,41…der müsste doch einiges unter 1,20 sein…oder schaut das Kartellamt weg..zumal der Staat jetzt jeden Euro an Steuern brauch???

  2. Avatar

    frank

    10. März 2020 11:00 at 11:00

    und die EZB? schweigt.

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