Indizes

Noch möchte kaum jemand kaufen.. Dax: Panik und Verunsicherung – Chance für Bodenbildung?

Ein tragfähiger Boden wird dann gebildet, wenn auch keine Hoffnung mehr zu erkennen ist

Dax: Panik und Verunsicherung - Chance für Bodenbildung?

Um über 3% ist der DAX in der letzten Woche eingebrochen. Die Aussage von Jay Powell, weitere Zinserhöhungen durchzuführen, bis die Inflation gebremst ist, hat die Rezessionsangst angeheizt. So ziemlich alle Finanzmärkte, Aktien, Anleihen, Rohstoffe etc., wurden diese Woche ausverkauft. Immerhin blieb der Goldpreis, der sichere Hafen, einigermaßen stabil.

DAX: Panik als Voraussetzung für Boden?

Vor einer Woche hatte ich Ihnen angekündigt, dass erst ein Unterschreiten der 12.400 Punkte im DAX ein Umdenken bei Anlegern nach sich ziehen wird. Dies ist letzte Wochepassiert und es folgte ein beschleunigter Ausverkauf, der schließlich in Panik mündete.

Unser Sentimentindex ist auf -7,3% gerutscht. Damit können wir Angst und Panik beim DAX feststellen, immerhin eine der Voraussetzungen für einen Boden. Auch im Juni-Tief rauschte dieser Indikator auf den gleichen Wert.

Die Verunsicherung notiert bei -6,2%, was nur leicht unter dem Wert der Vorwoche ist. Im Juni notierte dieser Sentimentindikator bei -10%, bevor der Boden gebildet wurde.

Der Pessimismus steht mit -1,6% ebenfalls auf dem Niveau vom vergangenen Juni. Es fehlt allerdings noch die Investitionsbereitschaft, die derzeit bei +1,4% steht, im Juni war sie auf bis zu +2,9% gesprungen. Zwar scheinen viele Anleger überzeugt, dass ein Boden beim DAX bevorsteht, doch noch möchte kaum jemand kaufen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger pendelt seit einigen Wochen zwischen 0 und -5%. Im August sind Privatanleger große Absicherungspositionen eingegangen. Der aktuelle Ausverkauf könnte nun die Bestätigung dieser pessimistischen Positionierung sein.

Das Put/Call-Verhältnis der Eurex notiert bei 1,3% und zeigt ebenfalls ein neutrales Verhalten bei den institutionellen Anlegern auf. In den USA zeigt das Put/Call-Verhältnis der CBOE ebenfalls eine neutrale Positionierung. Man hat den Eindruck, dass viele Anleger diesen Ausverkauf erwartet haben.

US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote auf 30% reduziert, damit sind wir wieder auf einem extrem niedrigen Niveau angekommen.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger ist auf -43% eingebrochen. 60,9% der Anleger sind pessimistisch, nur 17,7% sind bullisch gestimmt. Das ist der größte Pessimismus, der seit einem Jahr gemessen wurde.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 ist auf 25% gerutscht und signalisiert extreme Angst im Markt. Der Short Range Oscillator notiert bei -7 und zeigt ebenfalls eine stark überverkaufte Marktverfassung an.

Interpretation der Stimmung gegeüber dem DAX

Die Panik im Markt haben wir schon vor einer Woche attestiert, doch vor einer Woche war ich nicht überzeugt von einer baldigen Bodenbildung. Der heutige Ausverkauf taugt da schon eher für eine zumindest mittelfristige Bodenbildung, insbesondere weil die Investitionsbereitschaft kaum vorhanden ist.

Die Sentimenttheorie ermittelt die Stimmung unter den Anlegern und interpretiert diese als Kontraindikator. Wenn zu viel Pessimismus im Markt herrscht, gibt es niemanden mehr, der noch zusätzlich pessimistisch werden und verkaufen könnte. Daher ist das ein guter Anhaltspunkt für einen Boden beim DAX.

Lesen Sie auch

Wenn bei der Bodenbildung noch zu viel Zukunftsoptimismus vorhanden ist, dann spricht das leider dafür, das noch zu viele Anleger auf eine kurzfristige Gegenbewegung spekulieren. Eine Erholungsrallye könnte daher auslaufen, wenn diese Spekulanten ihre Positionen wieder auflösen.

Ein tragfähiger Boden wird dann gebildet, wenn auch keine Hoffnung mehr zu erkennen ist. Eigentlich gibt es da niemanden, der Aktien kaufen möchte. Stattdessen ist die Angst und Panik so groß, dass alle verkauft haben, nun aber niemand mehr für weitere Verkäufe mobilisiert wird. Ein solcher Boden bildet sich dann bei sehr geringen Handelsumsätzen.

Immerhin, die Handelsumsätze sind in den vergangenen Tagen sehr gering. Einige Indizien sprechen also schon dafür, dass wir einen Boden beim DAX gebildet haben könnten. Auch die Meldungen könnten kaum schlimmer werden: Russland verkündet die Teilmobilisierung und die US-Notenbank verkündet weitere Zinsanhebungen ohne Rücksicht auf Konjunktur oder Arbeitsmarkt.

Zumindest für einen vorläufigen Boden beim DAX gibt es ausreichend Indizien. Wir werden in den kommenden Wochen erneut untersuchen müssen, ob es sich dabei um einen „vorläufigen“ oder „nachhaltig tragfähigen“ Boden handelt.

Ich tue mich schwer, jetzt Kaufempfehlungen auszusprechen. Gemäß der Sentimenttheorie müssen wir bei einer so extrem negativen Stimmungslage kaufen. Doch wir dürfen nicht reflexartige zu den alten Aktien greifen, die wir in den vergangenen Jahren erfolgreich gehandelt haben. Das Umfeld steigender Zinsen bringt neue Aktienstars hervor. Die geopolitischen Spannungen und die anhaltenden Lieferkettenprobleme bereiten vielen Unternehmen Probleme, der Blick ins Detail bei der Aktienauswahl ist extrem wichtig.

Euro

Der Euro ist unter die Partie zum US-Dollar gesackt: Die EZB hinkt hinterher, sowohl der Inflation als auch der US-Notenbank. Daher verliert der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert. Die Stimmung ist jedoch noch nicht extrem genug, um einen Boden auszurufen. Es hat den Anschein, als könne es noch tiefer gehen.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Was soll das mit der Panik ?? Dax legt heute schon wieder bis jetzt 180 Punkte zu. Der Wirtsschaftaufschwung kommt so sieht´s aus bei den Börsianern – wenn es stimmt das die ein halbes Jahr vorausdenken

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage