Indizes

Dax: Wirtschaftsinstitute senken Wachstumsprognosen, na und!

Warum der Dax trotz Endlos-Lockdown nicht fallen will

Deutschland im scheinbar endlosen Lockdown – aber der Dax steigt trotzdem. Was ist da los?

Die Bekämpfung der Pandemie stockt. Mutationen breiten sich aus. Demzufolge senkten die führenden Wirtschaftsinstitute ihre Konjunkturprognose für Deutschland und das laufende Jahr deutlich.

Der deutsche Leitindex Dax zeigte kurz darauf kaum eine Reaktion. Schon erstaunlich, da man die Erholung immer weiter in die Zukunft verlagert. Die Marktreaktion hat aber Gründe.

Dax: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Die Wirtschaftsinstitute Ifo und IW senkten ihre Wirtschaftsprognose für das Wachstum im laufenden Jahr nach unten: Das Münchner Ifo-Institut von 4,2 auf 3,7 Prozent, das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) von vier auf drei Prozent, das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) blieb bei 4,9 Prozent. Ansonsten folgte man den Wirtschaftsweisen der Bundesregierung, die sogar nur von 2,7 Prozent Wachstum für dieses Jahr ausgehen.

Dies nach der schweren Rezession, die Deutschland im vergangenen Jahr -4,9 Prozent Wachstum gekostet hat. Sollte der Lockdown im zweiten Quartal noch andauern, müsse man nochmals 0,3 Prozent für 2021 abziehen, so der Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Treiber in diesem Jahr bleibt die Industrie, die infolge der Konjunktur in China und den USA boomt sowie der Konsum, für den man sich große Zuwächse erwartet mit 4,6 Prozent plus in 2021.

Grundvoraussetzung für die Wachstumsaussichten ist die Annahme, dass bei planmäßiger Anlieferung Impfstoffe von Biontech, Moderna, Astra-Zeneca und Johnson & Johnson bis zum Hochsommer alle impfwilligen Erwachsenen geimpft sein können.

Aber woher rührt das Phlegma des Dax bei einer Reduzierung der Wachstumshoffnungen für 2021 auf breiter Front?

2022 soll es besser werden als prognostiziert

Ein Hauptgrund dafür dürften die Anhebungen für 2022 sein. Das Ifo-Institut schraubte die Prognose von 2,5 auf 3,2 Prozent nach oben, der Konsum solle dann um sechs Prozent zulegen. Ungeachtet der Tatsache, dass zu Zeiten von Corona Konjunkturprognosen wie Schall und Rauch sind – wie oft wurden die Konjunkturaussichten im Jahr 2020 verändert? – so sieht man hier das Funktionsprinzip der Aktienmärkte. Die Sicht nach vorne – und die darf nicht enttäuschen! Hätte es eine Reduzierung der Wachstumsaussichten für 2022 und danach gegeben, hätten die Investoren beim Dax bestimmt anders reagiert.

Besonders deutlich ist dieses Verfahren bei den Einzelaktien: Dort werden künftige Gewinne abdiskontiert (auch mit dem Vergleich zum Zinsniveau), wenn ein Unternehmen Rekordgewinne in einem Quartal vermeldet, aber den Ausblick ein wenig absenkt, gibt es zumeist heftige Gewinnmitnahmen, so gesehen beim bisher teuersten Unternehmen im Dax, SAP. Die Korrektur der Ziele ließen den Kurs im letzten Jahr um 30 Prozent einbrechen.

Die zweite Seite der Medaille

Bedeutsamer für den Dax, als die unsicheren Prognosemodelle der Konjunkturinstitute, dürften andere Faktoren sein, die in den letzten Jahren für die lange Aufwärtsbewegung im Zyklus nach der Finanzkrise gesorgt hatten: Der ständige Nachschub an Kapital über die Europäische Zentralbank, von Großinvestoren, aber auch durch die Kleinanleger. Wie lange kann das Zinsniveau in der Eurozone in diesen Tiefen gehalten werden, die Inflation im Zaum, so dass die finanzielle Repression weiter gnadenlos zuschlägt und die Aktienmärkte fast alternativlos macht?

Fazit

Kurzfristig betrachtet ist die Absenkung der Wachstumsprognose für 2021 bei gleichzeitiger Erhöhung für 2022 gar nicht so schlecht für den Dax und seine Investoren. Denn dies hat Folgen: Das deutsche Reopening der Wirtschaft verschiebt sich, der Inflationsanstieg in der Phase des brutalen Basisvergleichs (Frühjahr 2021 zu Frühjahr 2020) wird nicht extremer ausfallen, weil viele Konsumaktivitäten lockdownbedingt verhindert werden und viele Preissteigerungen im Dienstleistungssektor nicht weitergegeben werden können.

Daher entschärft sich die oben beschriebene Gefahrenlage für Deutschland und Europa etwas, aber auch hier gilt: Was nicht ist, kann noch werden. Die Notflutung der Märkte mit Geld wird nicht ewig dauern können und damit bleibe ich bei der Aussage in meinem Artikel von vor einer Woche: Aktienmärkte vertragen keine boomende Wirtschaft, sie lieben moderates Wachstum und niedrige Zinsen. Der Boom lässt in Deutschland noch auf sich warten. Ist der Dax deshalb so stabil?

Der Dax blickt auf das Jahr 2022



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. – 4,9 % Wachstum. Treffender kann man die Gier nach ständig steigenden Kursen bar jeder Realität formulieren.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage