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Delivery Hero: Der kuriose Dax-Nachrücker nach dem Wirecard-Rauswurf

Das Logo von Delivery Hero

Bevor wir zum Thema Delivery Hero kommen, erstmal zum formalen Ende von Wirecard im Dax. Das insolvente Mega-Desaster für die Reputation Deutschlands als seriöser Geschäftsstandort fliegt am 24. August aus dem Dax. Die Deutsche Börse hat dies in einer Mitteilung erläutert. Bisher gab es keine Regelung, dass insolvente Unternehmen auch den Dax verlassen müssen. Diese Regel führt man nun ein. Sobald ein Unternehmen Insolvenz anmeldet, fliegt es zwei Tage später aus dem Dax. Wenn man bedenkt, dass Wirecard bereits im Juni Insolvenz anmeldete, darf man sich fragen, wozu die Deutsche Börse gut sechs Wochen Zeit brauchte um so eine Regelergänzung umzusetzen.

Delivery Hero wird wohl in den Dax aufrücken

In Börsianerkreisen ist es ein offenes Geheimnis. Der Plattformanbieter für Essenslieferungen Delivery Hero (aktiv in 40 Ländern) wird wohl Wirecard beerben und in den Dax aufrücken. Eine Schande für den großen deutschen Industrie-Index? Mitnichten! Die Zeiten ändern sich eben. Industriegesellschaften verschieben sich nun mal hin zu Dienstleistungsgesellschaften. Man denke an den alten großen Industriegiganten General Electric. Er war eine der Ikonen des Dow Jones-Index, der genau wie der Dax 30 große Konzerne beinhaltet. General Electric flog vor fast genau zwei Jahren aus dem Dow Jones Index, und wurde durch die größte Apothekenkette der USA „Walgreens“ ersetzt. Auch hier, weg von Industrie, hin zu Dienstleistungen. Auch wenn GE hier kräftig mitgewirkt hat am eigenen Niedergang!

Gut, und bei Wirecard kann man natürlich inzwischen sagen, dass sich die Münchner ihre Dax-Mitgliedschaft mit Betrug ergaunert hatten. Delivery Hero ist, wenn man es mal so sagen will, das selbe was Amazon für den US-Aktienmarkt. Gut, Delivery Hero ist wohl 100 Nummern kleiner als Amazon. Aber vom Prinzip her geht es um die Plattform-Ökonomie (wir hatten das Thema Ende Juli bereits angesprochen). Man stellt selbst nichts her, sondern bietet nur eine Plattform an, wo Käufer und Verkäufer zusammenfinden. Die neue Internet-Realität findet durch Delivery Hero nun auch Einzug in den Dax.

Noch ist der Einzug von Delivery Hero in den Dax keine beschlossene Sache. Aber das Unternehmen erfüllt die notwendigen Kriterien bezüglich Marktkapitalisierung und durchschnittlichem Börsenumsatz am Ehesten. Es läuft wohl auf dieses neue Dax-Mitglied hinaus! Warum schreiben wir in der Artikel-Headline von Delivery Hero als einen kuriosen Dax-Nachrücker? Nun, das Unternehmen hat seinen Sitz in Berlin mit 1.300 Mitarbeitern, weltweit sind es 25.000. Man macht operativ keinen Gewinn, aber sei es drum? Das Geschäftsvolumen wächst rasant – so ähnlich sah es bei Amazon ja auch jahrelang aus. Wachstum ohne Gewinne. Und wo steht Amazon heute? Und was ist daran kurios?

Dax-Konzern ohne Aktivität in Deutschland

Interessant ist, dass Delivery Hero in Deutschland gar nicht geschäftlich aktiv ist. Denn letztes Jahr verkaufte man sein gesamtes Deutschland-Geschäft an die niederländische Konkurrenzfirma Takeaway, wofür man mit Takeaway-Aktien bezahlt wurde. Man kann es selbst sofort sehen. Wer die einstigen Domains Lieferheld oder pizza.de aufruft, landet jetzt auf der großen zentralen Plattform Lieferando von Takeaway. Also, es rückt (wahrscheinlich) mit Delivery Hero ein Unternehmen auf, dass zwar seine Zentrale in Deutschland hat, aber in Deutschland gar kein Kundengeschäft betreibt.

Verboten ist das natürlich nicht, aber es wirkt halt rein gefühlt etwas komisch. Vom Aktienkurs her ist Delivery Hero eine Erfolgsstory. Zum Start 2017 noch bei unter 30 Euro, ging es bis Februar kurz vor dem Start des großen Börsencrash rauf auf bis zu 81 Euro. Jetzt, wo alles was mit Onlinebestellungen zu tun hat, seit der Coronakrise boomt, notiert die Aktie von Delivery Hero bei 102 Euro. Der bevorstehende Aufstieg in den Dax ist dabei natürlich hilfreich.

Chart zeigt Verlauf der Delivery Hero Aktie seit dem Jahr 2017



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