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Die EZB steckt jetzt in einem echten Dilemma

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Auf die EZB kommt es jetzt an, nicht auf die EU-Kommission, die Eurogruppe, Juncker, Merkel oder Hollande. Der einzige, der diese Woche für weiter frisches Geld in den griechischen Bankautomaten sorgen kann, sitzt in Frankfurt. Die EZB steckt jetzt in einem echten Dilemma…

EZB-Rat
Der EZB-Rat um Mario Draghi.
Foto: Europäische Zentralbank

Variante 1: Die EZB erhöht die Notkredite

Die Notkredite der griechischen Notenbank (eigentlich Kredite der EZB via griechische Notenbank) an die griechischen Banken liegen derzeit bei 90 Milliarden Euro und sind voll ausgeschöpft. Der EZB-Rat könnte kurzfristig beschließen diesen Rahmen wie schon so oft aufzustocken, damit das bankrotte Bankensystem nicht zusammenbricht. Dann würde weiterhin Bargeld aus den griechischen Bankautomaten kommen.

Es gibt ein technisches bzw. rechtliches Problem mit der Ausweitung der Notkredite. Dieses Instrument (ELA) ist nicht dafür gedacht die Bargeldversorgung einer ganzen Bevölkerung dauerhaft sicherzustellen. Bei den ELA´s geht es NUR darum einer einzelnen Bank KURZFRISTIG bei einem Liquiditätsengpass zu helfen – und auch nur dann, wenn die EZB davon überzeugt ist, dass diese Bank solvent ist.

Die EZB hat in den letzten Wochen mehrfach darauf hingewiesen, dass die Solvenz der griechischen Banken nicht mehr gewährleistet ist, wenn es keine Anschlusshilfen der Gläubiger gibt. Denn wenn Griechenland durch das Ausbleiben neuer Rettungsmaßnahmen als ganze Volkswirtschaft nicht mehr zahlungsfähig ist, gilt dies automatisch auch für die Banken. Folglich könnte dann die EZB keine Notkredite mehr vergeben.

Vergibt sie jetzt weitere Notkredite, würde sie dies aus rein politischen Gründen tun, weil sie das Land selbst am Leben erhalten will. Politik ist aber nicht die Aufgabe der EZB – ganz abgesehen davon, dass sie gegen ihre eigenen ELA-Regularien verstoßen würde.

Variante 2: Die EZB erhöht die Notkredite nicht

Verbietet die EZB der griechischen Notenbank die Ausweitung der ELA´s an die griechischen Banken, würde sie sich damit an ihre Regularien halten und ein starkes Signal an Politik und Finanzwelt senden, dass die EZB als Institution seriös handelt.

Aus dieser verlässlichen Handlungsweise würde sich aber automatisch ein Folgeproblem ergeben: Nach der NEIN-Abstimmung der Griechen wird es anders als Alexis Tsipras denkt Wochen dauern, bis ein neues Rettungspaket ausverhandelt ist. Bis dahin wären bei Ausbleiben neuer ELA`s die griechischen Banken längst ausgetrocknet, kein Mensch in Griechenland könnte noch Geld abheben, die ganze Wirtschaft würde zum Erliegen kommen, und ja – auch der Tourismus könnte ein totes Bankensystem nicht wochenlang ignorieren. Die Touristen würden wegbleiben. Denn wie wollen die Hotels ihre Angestellten bezahlen, geschweige denn Lebensmittel für ihre Hotelbuffets aus dem Ausland importieren? Nicht machbar.

Die Folge: Der Kollaps einer ganzen Nation: Die Schuld hierfür würde man zumindest in Griechenland der EZB geben nach dem Motto „die haben uns den Hahn zugedreht, die wollen uns fertig machen“. Mario Draghi und seine Kollegen müssen nur entscheiden, ob sie dieses „Urteil der Geschichte“ ertragen können.

Variante 3: Die Eurogruppe ist doch schneller als die EZB

Sehr unwahrscheinlich, aber die Eurogruppe könnte, jetzt wo Yanis Varoufakis zurückgetreten ist, sich total verbiegen und im Sinne des griechischen Volkes handeln (nicht für Tsipras oder Syriza). Die Eurogruppen-Mitglieder könnten sich zu einem spontanen politischen Notpaket hinreißen lassen, das man dann im Eiltempo u.a. durch den Bundestag drückt – wenn das denn klappen sollte! Das ist wie gesagt sehr unwahrscheinlich, denn man darf ja nicht vergessen: Alexis Tsipras hat dem griechischen Volk ja ganz bewusst empfohlen die Angebotspolitik der Eurogruppe (Hilfe gegen Sparen) abzulehnen, was gestern eine deutliche Mehrheit im griechischen Volk fand.

Daraus folgt: Jetzt müsste die Eurogruppe ihre Prinzipien über Bord werfen und quasi Geld „einfach so“ nach Griechenland schicken. Kaum denkbar – man darf gespannt sein, wie Alexis Tsipras sich das vorstellt. Er hat ja deutlich gemacht, dass er durch das klare NEIN der Griechen seine Verhandlungsposition gegenüber den Gläubigern deutlich verbessert hat. So eine Logik ist nicht nachzuvollziehbar, denn das Gegenteil ist der Fall. Es sei denn „Dreistigkeit siegt“ und die Eurogruppe würde einknicken. Aber das wiederum könnten die einzelnen Eurogruppen-Politiker ihren Wählern nicht erklären!

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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