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Griechenland: ELA – drei Buchstaben, die die Welt bedeuten

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Von Claudio Kummerfeld

Wie wir in den letzten Woche vermehrt berichteten, lebt Griechenland derzeit de facto nur noch von sogenannten ELA´s (Emergency Liquidity Assistance). Was ist das, was soll das, wie funktioniert das, wo kommt das Geld her? ELA – drei Buchstaben, die die Welt bedeuten. Eine Übersicht…

EZB Chef Mario Draghi hält Griechenland am Leben
Herr über die ELA-Notkredite: EZB-Chef Mario Draghi
Foto: World Economic Forum / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

ELA

Im Artikel 14.4 des Status des EZB-Eurosystems sind die ELA´s festgelegt. Das Wort „Eurosystem“ steht für den Zusammenschluss aller nationalen Notenbanken in der Eurozone unter dem Dach der EZB. Ist eine nationale Notebank innerhalb des Eurosystems, also z.B. die Notenbank in Griechenland „Bank of Greece“ der Meinung eine der vor Ort beheimateten „solventen“ Banken gerät in ein kurzfristiges (!) Liquiditätsproblem, kann sie dieser Bank eine „Emergency Liquidity Assistance“ (ELA), also einen kurzfristigen Notkredit gewähren. Die Notenbank muss dann umgehend über sämtliche Details dieses Notkredits an die EZB Bericht erstatten. Die EZB hat gemäß Statut jederzeit das Recht die Vergabe der ELA´s einzuschränken, wenn sie der Meinung ist die Vergabe dieser ELA´s beeinträchtige die Grundsätze des Eurosystems.

Hier die offizielle Kurzversion der EZB, was ein ELA ist.

In der Praxis sieht es so aus, dass die EZB fast schon wochenweise die ständige Ausweitung des gesamten ELA-Volumens für griechische Geschäftsbanken immer wieder aufs Neue genehmigt. Inzwischen ist man bei der Marke von 80 Milliarden Euro angekommen.

Fast schon lustigerweise heißt es im Staut der EZB für ELA, dass diese Notkredite nur an solvente Banken vergeben werden dürfen (…to a solvent financial institution, or group of solvent financial institutions). Da kann man sich fragen: Sind die griechischen Geschäftsbanken wirklich solvent und gesund aufgestellt?

Absender der ELA

„Produzent“ und Absender der ELA´s ist die Europäische Zentralbank in Frankfurt. Die EZB entscheidet, welche Notenbank wie viel Volumen an ELA´s an ihre nationalen Geschäftsbanken vergeben dürfen. Als „Dachorganisation“ der nationalen Notenbanken ist sie sozusagen der „Schirmherr“ der ELA´s. Physisch herausgeben tun die ELA´s aber die nationalen Notenbanken vor Ort. Oft gibt es Streit, wer denn nun die ELA´s begibt, und ob es sich damit überhaupt um eine illegale Staatenfinanzierung seitens der EZB handelt. Liest man das Statut der EZB genau, kann man zu dem Schluss kommen: beide Sichtweisen sind richtig. EZB und nationale Notenbank begeben beide die ELA´s, da sie wie Karosserie und Motor beide unverzichtbarer Teil des Autos „Eurosystem“ sind. Zitat aus dem Statut:

„Responsibility for the provision of ELA lies with the NCB(s) concerned. This means that any costs of, and the risks arising from, the provision of ELA are incurred by the relevant NCB. However, Article 14.4 of the Statute of the European System of Central Banks and of the European Central Bank (Statute of the ESCB) assigns the Governing Council of the ECB responsibility for restricting ELA operations if it considers that these operations interfere with the objectives and tasks of the Eurosystem. Such decisions are taken by the Governing Council with a majority of two-thirds of the votes cast. To enable the Governing Council to adequately assess whether such interference is given, it has to be informed of such operations in a timely manner.“

Endempfänger in Griechenland

Die griechische Notenbank vergibt, wenn denn durch die EZB genehmigt, die ELA`s an Geschäftsbanken vor Ort. Tragischerweise, und inzwischen durch den Chef der Deutschen Bundesbank offiziell bestätigt, sanieren die Banken damit nicht ihre eigenen Bilanzlücken, sondern kaufen davon griechische Staatsanleihen. Ganz am Ende der „Nahrungskette“ steht der griechische Finanzminister Varoufakis. Sein Finanzministerium stopft mit dem Geld von Mario Draghi die vorhandenen Löcher.

Griechenland Finanzminister Yanis Varoufakis
Griechenland: Finanzminister Yanis Varoufakis
Foto: Jörg Rüger / Wikipedia (CC BY 3.0)

Illegale Staatenfinanzierung

Die ELA´s an sich sind eine gute und sinnvolle Sache, um das Bankensystem in Europa zu schützen, falls es zu plötzlichen außerordentlichen Mittelabflüssen kommt, um die kurzfristige Liquidität einzelner „gesunder“ Banken zu gewährleisten. Aber im Fall Griechenland mutieren die ELA´s zu einem indirekten Instrument der realen dauerhaften Staatsfinanzierung durch die EZB, was sich die EZB selbst in ihren Regularieren ausdrücklich verboten hat. Diese Tatsache hat jüngst Bundesbankchef Weidmann heftig kritisiert.

Die ELA-Spirale dreht sich, so wie es aussieht, so lange immer weiter nach oben Richtung 90, 100 Milliarden Euro, bis irgendwann einmal die Politiker in der Eurozone eine „politische“ Lösung für Griechenland gefunden haben. Solange findet wohl weiter die illegale Staatsfinanzierung über ELA statt.


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BMW Analyse: 2018´er Zahlen drücken auf Aktienkurs

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Die Aktie der Bayrischen Motoren Werke BMW notiert seit Ende 2015 auf einem vergleichsweise tiefen Niveau und hat seit diesem Zeitpunkt eine grobe Seitwärtsphase zwischen 68,11 und 100,00 Euro eingeschlagen. Die letzten Monate waren hingegen von einem untergeordneten Abwärtstrend geprägt, der noch immer anhält. Aber seit einem Test des Unterstützungsbereichs von 68,00 Euro macht sich wieder Zuversicht breit, die Aktie bastelt offenbar an einem größeren Boden und könnte diesen im Erfolgsfall auch schon sehr bald positiv auflösen. Zeitgleich sieht sich das Papier jedoch zahlreichen Widerständen entgegen, hier wären zum einen der EMA 200 auf Tagesbasis um 76,74 Euro zu nennen, zum anderen der Horizontalwiderstand bei rund 77,00 Euro und die bestehende Abwärtstrendlinie. Vorbörslich präsentiert sich das Papier etwas leichter, ob diese Tendenz angesichts der schwachen Verkaufszahlen aus Ende 2018 ein guter Indikator ist, wird sich erst noch zeigen müssen.

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Long-Chance bei BMW

Solange das BMW-Papier unterhalb der Mehrfachhürde von 77,00 Euro tendiert, ist kaum Handlungsbedarf seitens der Käufer gegeben. Erst darüber kann tatsächlich ein größeres Kaufsignal mit einem Zielbereich von zunächst 82,00 Euro abgeleitet werden, darüber bestünde sogar die Möglichkeit, bis an die Zwischenhochs auch Sommer 2018 um 85,25 Euro zuzulegen. Als Bestätigung sollten Investoren jedoch erst noch den Tagesschlusskurs abwarten. Eine Verlustbegrenzung kann in diesem Szenario um das Niveau des gleitenden Durchschnitts EMA 50 bei derzeit 73,22 Euro angesetzt werden. Als Anlagehorizont müssen bei diesem Schwergewicht jedoch mehrere Monate einkalkuliert werden. Unterstützungen sind hingegen um 73,22 Euro anzutreffen, darunter an dem wichtigen Niveau von 71,40 Euro. Diese Marke stellt nämlich die potenzielle rechte Schulter einer inversen SKS-Formation seit Oktober letzten Jahres dar und sollte möglichst nicht mehr unterschritten werden. In diesem Fall könnte nämlich ein Kurssturz zurück auf die Jahrestiefs von 68,11 Euro drohen.

Einstieg per Stop-Buy-Order : 78,00 Euro
Kursziel : 82,00 / 85,25 Euro
Stop : < 73,20 Euro
Risikogröße pro CFD : 4,80 Euro
Zeithorizont : 1 – 3 Monate

BMW Analyse




Rafael S. Müller ist seit 20 Jahren Vorstand und Chefanalyst der direktbroker.de AG. Der FOREX & CFD Broker direktbroker-FX gehört weltweit zu den preisgünstigsten Brokern. Trading-Einsteiger erhalten von der hauseigenen Börsenakademie umfangreich Schulungen bis hin zu einem kostenfreien Trader-Camp. Testen Sie die Konditionen jetzt mit einem kostenfreien Demokonto.


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Aktuell: Doch kein Deal USA-China? Headlines vom US-Handelsministerium

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Soeben Headlines vom US-Handelsministerium:

– einige Mitglieder des US-Handelsministeriums: China scheint die Forderungen der USA abzulehnen

– Chinas Haltung habe sich praktisch nicht verändert

– die USA wollen nähere Auskünfte über Vorgehen Chinas in Sachen Datendiebstahl

Die US-Futures deutlich tiefer..

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Artikel 13 aktuell: Jede Menge PRO, jede Menge CONTRA

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Zum Thema Artikel 13 des neuen EU-Urheberrechts wurden nun schon so viele Argumente ausgetauscht. Aktuell kann man in sozialen Medien ganz klar beobachten, dass von beiden Seiten offene Briefe veröffentlicht werden, oder dass Gruppen von Künstlern oder Lobbyorganisationen verkünden, dass so und so viele Künstler dafür oder dagegen sind. Damit soll natürlich für den Betrachter der jeweiligen Nachricht der Eindruck erweckt werden, dass „die Künstler“ ja eigentlich alle EINE bestimmte Meinung haben. Dass wir von FMW beim Thema Artikel 13 parteiisch sind und ihn ablehnen, sollte inzwischen kein Geheimnis mehr sein! Aber wir denken bei so einem Thema klar Stellung zu beziehen ist nicht so schlimm, denn große Leitmedien haben ja auch ganz klar Stellung bezogen, nämlich pro Artikel 13. Nur erwähnen sie es nicht – sie berichten aber tendenziös in diese Richtung.

Gegen Artikel 13

Aktuell hat ein Unternehmer aus Deutschland einen offenen Brief präsentiert, der auch an alle EU-Parlamentarier verschickt wurde. Unterschrieben haben ihn 130 Unternehmen und Organisationen (hier nachzulesen im Original). Hier die Headline-Aussage:

Nextcloud Founder and CEO Frank Karlitschek addresses an open letter urging members of the EU Parliament to vote against Articles 11 and 13 of the proposed Copyright Directive. The letter, which was signed by more than 130 companies and business alliances from 16 European countries, was sent to each member of the EU Parliament. As founder and CEO of Nextcloud I fear that Articles 11 and 13 of this directive create a serious disadvantage for European startups. The fact that more than 100 companies from different European countries signed our text within a few days shows that I am far from being the only one. I urge every politician to protect European businesses and vote against Article 11 and Article 13.

Auch gibt es aktuell eine sehr beeindruckende Analyse (hier nachzulesen), wer zukünftig unter Artikel 13 die wahren Profiteure sein werden, und wie sich das neue Gesetz real auswirken wird auf Medienschaffende. Die Analyse ist (unsere subjektive Wahrnehmung) bestechend!

Pro Artikel 13

Die Befürworter von Artikel 13 haben ein „Manifest“ veröffentlicht (hier einzusehen). Initiiert wurde es von der grünen EU-Abgeordneten Helga Trüpel, der wir ja vorhin schon einen eigenen Artikel gewidmet haben. Sie postet auf Twitter derzeit gefühlt 1000 Mal pro Tag etwas pro Artikel 13. Und dann nutzt sie das Neuseeland-Attentat um damit unsäglich für ein neues Urheberrecht zu werben. Aktuell (10 Minuten nach unserem Artikel) fühlte sie sich wohl dazu genötigt klarzustellen, dass ihr Tweet natürlich nichts mit Artikel 13 zu tun gehabt habe. Na ja… sie tweetete von neuen „guten Regeln für die kommerziellen Plattformen“, die nötig seien. Aber ständig postet sie sonst nur (!) zu Artikel 13. Also darf man ihren Tweet doch wohl klar in einen Kontext zu diesem Thema setzen!

Ein jüngst veröffentlichtes angebliches Umfrageergebnis der Lobbyorganisation Article 13 zeigt, dass die Bürger in der EU angeblich total pro Artikel 13 eingestellt sind. So wollen sie mehrheitlich, dass die US-Tech-Giganten stärker reguliert werden, und dass Künstler in der EU mehr Geld erhalten sollen usw. Tja, es kommt halt immer darauf an, was man fragt, und wie man fragt. Fragt man zum Beispiel „wollen sie reich werden“, würden wohl fast 100% der Menschen mit JA antworten. Aber würde man fragen „Wissen Sie, wie Sie reich werden können“, dann würden wohl nur ganz wenige Prozentpunkte mit JA antworten.

Extrem aktiv in Sachen Artikel 13 ist derzeit eine der Lobbygruppen für Urheber schlechthin, die GEMA. By the way… kein Gegner von Artikel 13 hat je behauptet, dass er gegen eine verbesserte Vergütung von Künstlern sei. Alternativvorschläge von Gegnern für eine bessere Künstlervergütung (ohne Uploadfilter) wurden bloß von Axel Voss und Co konsequent ignoriert, auch schon vor mehreren Monaten. Ein wahres Feuerwerk an Tweets haut die GEMA derzeit täglich raus, welche Künstler denn alle für Artikel 13 sind. Hier nur einige Beispiele.

Axel Voss

Der „Chef-Lobbyist der Verlage“ (so sagen es „Spötter“ auf Demos) Axel Voss von der CDU zeigt sich trotz diverser Interviews, trotz seines Zurückruderns beim „Verbot von YouTube“ etc weiterhin unbeirrt. Trotz all der Fakten, all der Argumente der Gegenseite, bringt er ganz aktuell ein kurzes Promo-Video seiner Partei zu Ariktel 13, das alle Kritik und alle Probleme wie immer total ignoriert. Alles werde problemlos laufen, Memes seien zukünftig weiterhin erlaubt, Uploadfilter seien nicht zwingend notwendig. Parodien und Zitate seien ebenfalls weiterhin möglich. Ja, und die real anstehenden technischen Probleme? Die werden nicht erwähnt.

Urheberrechtsreform:Ist das freie Internet in Gefahr?NEIN!

Gepostet von Axel Voss am Dienstag, 19. März 2019

Dass Axel Voss von der ganz realen technischen Umsetzung seines „Babys“ und von konkreten Alltagsvorgängen in Social Media-Plattformen nur „begrenzt“ Ahnung hat, kann man ansatzweise erahnen im folgenden Video. Wird es konkret, fallen ihm Antworten sichtlich schwer (oder bilden wir uns das nur ein?).

Diskussion

Wer zwischen den Stühlen steht, und doch gerne mal sehen möchte, wie Pro und Contra zu Artikel 13 ihre Argumente austauschen, ist im folgenden Video gut aufgehoben. Mehrere Befürworter und Gegner haben gestern Abend diskutiert. Im Video geht es los ab Minute 14, daher bitte bis dorthin vorspulen.

Demo gegen Artikel 13 am 2. März in Berlin
Ein Demo-Bild vom 2. März in Berlin. Foto: Gero Nagel – https://zweifeln.org/2019/Copyright-Riotcop/ CC BY 4.0

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