Anleihen

Drohen der EZB japanische Verhältnisse?

Von Markus Fugmann

In Japan passiert derzeit Ungewöhnliches: die Renditen für japanische Staatsanleihen steigen. Und das, nachdem es seit Jahren mit den Renditen auf die Staatsanleihen Nippons immer nur nach unten ging. Heute Nacht dann aber die nächste enttäuschende Auktion von 10-jährigen Staatsanleihen des Landes: die Renditen steigen, weil schlichtweg die Käufer fehlen. Wenn das hochverschuldetste Land der Welt eines nicht gebrauchen kann, dann sind es steigende Zinsen: sie würden die enorme Schuldenlast verteuern und damit das Land in eine schwere Bredouille bringen.

Da immer mehr Staatsanleihen durch die japanische Notenbank gekauft werden (in 2015 dürfte sie die Hälfte aller Staatsanleihen besitzen), trocknet die Lquidität zunehmend aus. So warnte Yuri Okina, Vize-Chef beim Japan Research Institute und ehemaliges Mitglied der Bank of Japan, vor den Folgen weiterer Staatsanleihe-Käufe durch die Notenbank des Landes: angesichts einer austrocknenden Liquidität bestünde die Gefahr, so Yuri Okina, dass es zu schweren Marktturbulenzen kommen dürfte, wenn die Notenbank ihr Programm beende.

Das bedeutet: die Bank of Japan ist ein dicker Wal in einer Badewanne, der die Liquidität in der Wanne zum Austrocknen bringt. Steigt der Wal aus der Badewanne aus, ist der Markt so gut wie tot.

Nun macht Europa derzeit ja eine ähnliche Erfahrung wie die Japaner: es herrschen deflationäre Tendenzen, die nun durch das QE der EZB bekämpft werden sollen. Da die meisten Banken und Pensionskassen aber gar kein Interesse daran haben, ihre Staatsanleihen zu verkaufen, ähnelt die EZB einem Wal, der in die Badewanne steigen möchte – dort aber faktisch kein Platz ist für so ein großes Tier. Am Donnerstag wird die EZB bekannt geben, wie sie sich den Ablauf der Anleihekäufe vorstellt. Ob aber die Realität dann den Absichten der Notenbank entsprechen wird, ist mehr als fraglich. Stell Dir vor, es ist QE – und keiner verkauft. Das wird ein teures Unterfangen für die europäische Notenbank: etwas kaufen zu wollen, was niemand wirklich verkaufen will. Die Folge: steigende Preise, dünne Liquidität. Es sieht so aus, als weise Japan einmal mehr den Weg..



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