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Euro volle Kraft in Richtung Parität zum US-Dollar – mehr Inflation in Anflug

Der Euro wertet ab volle Kraft Richtung Parität zum US-Dollar. Dies kann sich auch weiter verschärfend auf die Inflation in der Eurozone auswirken. Das Verhalten von Fed und EZB ist dabei entscheidend. Hier ein Überblick.

100 Euro-Scheine

Für die Inflation in der Eurozone ist der aktuelle Trend der Gemeinschaftswährung ein Problem! Der Euro verliert derzeit immer weiter an Wert. Aktuell sehen wir von Euro gegenüber US-Dollar einen Wechselkurs von 1,0562. Zwar lag das Tief am 28. April bereits bei 1,0478. Aber die Tendenz im großen Bild ist abwärts gerichtet. Vor einem Jahr sah man noch Wechselkurse über 1,20. Im Chart sehen wir den fallenden Euro (blaue Linie) gegen den US-Dollar. In orange sehen wir den Dollar-Index, den Währungskorb, in dem der US-Dollar mit einigen anderen wichtigen Währungen wie Euro, Yen, Pfund, Franken etc verglichen wird. Man sieht: Der Dollar-Index klettert kontinuierlich weiter an. Es ist also keine exklusive Aufwertung des US-Dollar gegen den Euro, sondern gegen zahlreiche Währungen weltweit. Der US-Dollar legt derzeit seine fünfte Gewinnwoche am Stück hin.

Euro wertet kräftig ab – kräftige Zinsanhebung der Fed, maue Zeichen der EZB

Der Euro wertet so kräftig ab und rauscht gerade mit voller Macht in Richtung Parität zum US-Dollar, weil die US-Notenbank Federal Reserve ihre Zinsen anhebt. Monatelange Ankündigungen hatten die Dollar-Stärke (und damit eine Euro-Schwäche) bereits befeuert, und vorgestern erfolgte dann der kräftige Schritt von +0,50 Prozent im Leitzins. Weitere kräftige Zinsanhebungen stehen noch an. Dies macht Dollar-Anlagen attraktiver, und Anlagegelder gehen raus aus dem Euro-Raum, und hinüber in den Dollar-Raum.

Gleichzeitig tut die EZB weiterhin gar nichts in Sachen Zinsen (Leitzins 0,00 Prozent) obwohl die Inflation in der Eurozone inzwischen 7,5 Prozent erreicht hat. Vorgestern hörte man von EZB-Direktorin Isabel Schnabel, dass eine Zinsanhebung ab Juli möglich wäre. Und jetzt hört man vom österreichischen Notenbankchef Holzmann als möglichen Zeitpunkt den Juni. Aber wie ich am Dienstag bereits darlegte – ich glaube daran, dass die EZB – wenn sie denn die Zinsen anhebt – nur sehr kleine Schritte vornimmt, und auch nur sehr langsam vorgeht.

Die Spanne zwischen US-Zinsen und denen in der Eurozone scheint also weiter auseinanderzudriften. Anders kann man sich den immer stärkeren US-Dollar gegenüber dem Euro wohl kaum erklären. Der Markt scheint offenbar daran zu glauben, dass der Aufwärtsdrang der Fed für ihre Zinsen weiterhin stärker ist als die erst noch anstehenden Erhöhungen in der Eurozone bei der EZB. Und ja, dass die EZB ziemlich passiv und zögerlich agieren wird, kann vermutet werden. Und so wird der Euro weiter geschwächt.

Inflation wird importiert

Das Problem für Europa ist: Je schwächer der Euro, desto stärker wird die Inflation angeheizt. Denn wenn der Euro weiter fällt, werden Produkte, die für den europäischen Markt auf dem Weltmarkt in US-Dollar eingekauft werden müssen, logischerweise teurer. Das nennt man dann eine importierte Inflation. Gerade bei Produkten wie Öl, die global in US-Dollar gehandelt werden, dürften die Autofahrer dies womöglich in weiter steigenden Spritpreisen an der Zapfsäule spüren, was natürlich durchschlägt auf die offizielle Inflationsstatistik.

Aktuelles

Heute um 14:30 Uhr wurden die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Sie zeigen mit 428.000 neu geschaffenen Stellen im April ein besseres Ergebnis als erwartet. Also dürfte der Druck auf die Fed weiter groß bleiben, mit weiter steigenden Zinsen ein Überhitzen der Wirtschaft und die hohe Inflation einzudämmen. Dies könnte weiteren Aufwärtsdruck für den US-Dollar und damit Abwertungsdruck für den Euro bedeuten.

Chart zeigt fallenden Euro gegen US-Dollar und steigenden Dollar-Index TradingView Chart im Verlauf der letzten zwölf Monate den fallenden Euro gegen den US-Dollar (blau), und den steigenden Dollar-Index (orange).



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6 Kommentare

  1. Solange die EZB die Erdogan-„Strategie“ kopiert, können wir uns auf böse Zeiten einstellen. Letztendlich wird dies den Südlänger auch nicht tun, Frankreich natrülich auch nicht.
    Komische Situation derzeit: die einen sind kriegslüstern, die anderen ruinieren die Wirtschaft. Zuviele scheinen „vernichtungslüstern“ zu sein

  2. Man kann jetzt sehen, wie Gold auch die Abwertung des Euros ausgleicht.
    Fasst 12 % in diesem Jahr Kursgewinn in Euro, und etwas über 4 % in Dollar.
    Bin mal gespannt, ob heute am Freitag Abenden der Goldpreis wieder runtergeprügelt wird, oder erst in den frühen Morgenstunden, Montag im asiatischen Handel.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  3. @Peter, das ist ein Phänomen der im Luxus aufgewachsenen Gesellschaft.Alles ist Gottgegeben und den Rest bezahlen die Notenbanken mit Schuldpapieren.Das betrifft hauptsächlich die letzten 40 Jahre, was ein sehr kleiner Abschnitt ist.Mal schauen was diese Generation der nächsten übergibt.Ich denke, eine saubere grüne Umwelt mit 60% vom Staat lebenden Bürgern.Die Schulden werden auf die übernächste Generation verlängert, denn diese Generation müsste ja schon die aktuellen Schulden tragen.
    Gibt es unter den tausenden von Doktoren auch schon eine Doktorarbeit über dieses Thema? Über MMT gibt es immerhin schon einige Befürworter.

    1. Hallo Drucki Zucki,
      1976 haben eine liebe Frau und ich unser erstes Haus gebaut.
      1980 erhöhten sich die Zinsen für den Hauskredit von etwa 5 %, auf über 14 %.
      Zusätzlich wurde uns grundgesetzwidrig jahrzehnte sogar unser Existenzminimum besteuert, und tanken wwar teurer als heute. Das Kindergeld betrug 50 DM.
      Kein Internet, keine Computer, Ferngespräche kosteten 50 Pfennig die Minute. Und wenn Kinder in die Arbeitslosigkeit rutschten, durften die Eltern nach 18 Monaten die Sozialhilfe zahlen, und wenn die Eltern der Eltern in die Sozialhilfe rutschten auch.
      Und viele Seiten weiter.
      Waren das die guten fetten Zeiten?
      Aber ich brauchte nie hunger und frieren.
      Mal sehen was der nächste Winter bringt.

      Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  4. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Die Älteren unter uns werden sich vielleicht erinnern: Wir hatten schon mal noch tiefere Kurse. Der Tiefpunkt war im Juni 01 erreicht, also kurz vor Nine Eleven.

    Die anschließenden Kriege haben der USA viel Substanz gekostet. So stieg der Euro von 0,84 im Juni 01 auf 1,60 im Juli 08.
    Also quasi eine Verdoppelung in nur 7 Jahren.
    Aber auch die alte DM war stark. Im Sommer 83 musste man noch 3 DM für einen Dollar zahlen, im Jahre 95 reichten 1,55 ….
    Wir in der ehemaligen DDR hatten auch Wechselkurse. Als ich im Jahre 77 das erste Mal die Volksrepublik Polen besuchte, zahlte man mir in der Staatsbank der DDR, für eine DDR Mark 6 Zloty aus, 79 waren es schon 8, 1986 schon 25 und 1988 schon 40 Zloty.
    Illegal und auf Schwarzmärkten lagen die Kurse oft beim Doppelten.
    Im Gegenzug die Kurse zur Westmark. Offiziell natürlich 1 : 1,inoffiziell bei 1 : 4 bis 86 und danach 1: 6.
    Im Trubel der Friedlichen Revolution in der ehemaligen DDR verloren wir beständig an Wert, der Tiefpunkt war im November 89 mit eins zu zwanzig erreicht.

  5. @ Helmut, bitte nicht falsch verstehen, mit der verwöhnten Generation meinte ich vor allem die letzten 20 Jahre.Ich war in den 70er und 80er Jahren auch schon im Arbeitsmarkt und kenne diese Zeit inkl.Ölpreisschock 1974. Der Boom begann ab 1980 und der 30 jährige Zinsverfall nach 1990. Die Aktienfans, die die Hausse der letzten 30 Jahre als normal ansehen könnten enttäuscht werden, denn diese Unterstützung wird wegfallen und es könnte wie schon früher auch längere Baissen oder Querbewegungen geben.

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