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Energiekrise „Europa ist auf Winter ohne russisches Gas vorbereitet“ – Expertenanalyse

Laut einer aktuellen Expertenanalyse ist Europa auf einen Winter ohne Gas aus Russland vorbereitet. Der Kauf von LNG ist dabei sehr wichtig.

Grafik symbolisiert ausbleibendes Gas aus Russland

Die Pipeline Nord Stream 1 liefert laut Daten der Nord Stream AG seit Ende August kein Gas mehr aus Russland nach Deutschland. Entsprechend waren Befürchtungen über eine Gasknappheit in Europa groß. Auch die jüngsten Bemühungen von Olaf Scholz viel zusätzliches Gas aus Katar zu erhalten, bringen erst einmal nur eine Tankerladung für Deutschland. Aber abgesehen davon zeigen die Daten von „Gas Infrastructure Europe“, dass sich die Gasspeicher in der EU seit April jeden einzelnen Tag gefüllt haben auf jetzt 87,73 Prozent. In Deutschland ist man bereits bei 91,32 Prozent Füllstand angekommen, bei einem in Deutschland gesetzlich vorgegebenen Ziel von 95 Prozent zum 1. November. Dieses Ziel wird man voraussichtlich viel früher erreichen. Europa lässt sich viel Flüssiggas (LNG) aus Übersee liefern und hofft auch auf Einsparbemühungen bei Industrie und Bürgern.

Produktionsstilllegung entastender Faktor beim Verbrauch von Gas

Entlastend in der aktuellen Energiekrise kommt derzeit wohl tragischerweise hinzu, dass wegen der immens hohen Energiekosten (vor allem bei Gas) viele Industriebetriebe bereits ihre Produktion ganz oder teilweise zwangsweise stilllegen mussten. Man schaue dazu beispielsweise auf Stahlwerke in Hamburg und Bremen, die ihre Produktion wegen der zu hohen Energiekosten bereits eingestellt haben. Kann Europa auch deswegen diesen Winter ohne Gas aus Russland auskommen? Genau diese These vertreten die Energie-Experten von BloombergNEF – nämlich dass wir durch diesen Winter ohne Abhängigkeit zu Russland kommen werden. Man sei auf einen Winter ohne russisches Gas vorbereitet, so die aktuell veröffentlichte Analyse.

Europa kauft deutlich mehr LNG

Europas rasante Käufe von Flüssiggas (LNG) bedeuten, dass man in diesem Winter wahrscheinlich genug Gas für die Stromerzeugung haben wird, um die Lieferungen aus Russland auszugleichen, so BloombergNEF. Europa könnte im kommenden Winter fast 40 % mehr LNG importieren als im Vorjahr, während man die Käufe im nächsten Sommer um etwa 14 % erhöhen könnte, um die verlorenen Vorräte wieder aufzufüllen, so BNEF in seinem aktuell veröffentlichten Bericht. Zusammen mit der durch die höheren Energiepreise zerstörten Nachfrage würden diese Lieferungen ausreichen, um einen vollständigen Stopp der russischen Pipelineströme ab dem 1. Oktober zu kompensieren, so der Bericht.

Um den zusätzliche Gas-Mengen zu beschaffen, müssen die europäischen Abnehmer 90 % mehr LNG auf dem Spotmarkt kaufen, als sie im Rahmen langfristiger Verträge gesichert haben, was den Wettbewerb mit Asien weiter verschärft. Dies wird die weltweiten Gaspreise stützen, die in die Höhe geschnellt sind, seit Europa versucht, seine Abhängigkeit von Russland zu verringern, nachdem sein größter Lieferant Ende Februar in die Ukraine einmarschiert war.

Importe von LNG nach Europa

„Die hohen LNG-Spotpreise werden sich fortsetzen, da Europa seine Anziehungskraft auf das gesamte verfügbare LNG-Angebot aufrechterhalten muss und nur sehr wenig für Asien übrig bleibt“, so BNEF. China und die aufstrebenden asiatischen Märkte werden wahrscheinlich weniger importieren.

Blick auf das Wetter

Nach dem zentralen Szenario von BNEF, das von Wetterbedingungen ausgeht, die dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre entsprechen, und von keinen russischen Gasströmen, wird Europa in diesem Winter 40 Millionen Tonnen LNG importieren und im Sommer etwas mehr, um die Lagerbestände an Gas aufzufüllen. Damit verbleiben 12 Millionen Tonnen Spotvolumen für Asien in diesem Zeitraum, das nur 8 Millionen Tonnen mehr als sein vertraglich vereinbartes Angebot benötigt.

Ein kalter Winter in Nordasien würde jedoch 5,6 Millionen Tonnen aus Europa abziehen, vor allem um die Nachfrage Japans anzukurbeln. Und ein darauf folgender heißer Sommer würde diese Zahl in den nächsten 12 Monaten auf 6,9 Millionen Tonnen ansteigen lassen, so der Bericht. Dieses Szenario wird wahrscheinlich zu einem verstärkten Preiswettbewerb führen.

In der Zwischenzeit wird mehr russisches LNG nach China geliefert, wo die Winternachfrage im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um 16 % zurückgehen wird. Japans Verbrauch wird im vierten Quartal voraussichtlich um 8 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2021 zurückgehen, da das Land seine Kohlekraftwerke wieder einschaltet, während die Nachfrage in Südkorea dem Bericht zufolge aufgrund von Lagerbeständen im Vergleich zum Vorjahr um 10 % steigen könnte.

Das Angebot dürfte in diesem Winter nur geringfügig zunehmen und den angespannten Markt kaum entlasten, so BNEF. Zu den Risiken für die Produktion gehören Verzögerungen bei der Wiederaufnahme des Freeport LNG-Projekts in den USA und Versorgungsprobleme in Ägypten und Nigeria.

FMW/Bloomberg/GIE



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3 Kommentare

  1. Das Sparpotential ist riesig wenn man alle Betriebe schliesst. Wenn die Leute zuhause bleiben statt pendeln, kann auch noch viel Benzin gespart werden.Das fehlende Geld kann gedruckt werden.Ich bin entäuscht,dass nicht mindestens Marcello diese Lösung thematisiert.

  2. Schön das unsere Gasspeicher voll sind, aber wann begreifen unsere lustigen Experten mal das diese Einkaufspreise nicht mehr bezahlbar sind.
    Leider kann man die überteuerte Ware Gas nicht einfach im Regal liegen lassen und somit den Ruin der Haushaltskasse stoppen!
    Mal sehen wann das eigentliche Problem mal bei den Damen und Herren ankommt.

  3. @ Frank, das habe ich mir auch schon gedacht. Ich bin gespannt aus welchem SONDERVERMÖGEN alle Haushalte und Firmen gerettet werden.Nach dem Motto gewisser Politiker,dass alle Besitzenden mit Steuern enteignet werden, könnten alle E- Autobesitzer und Wärmepumpenpoiniere ihre Energieersparnisse der letzten Jahre solidarisch verteilen.

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