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Gaspreis tiefer als vor dem Ukraine-Krieg – keine Verknappungsangst

Der Gaspreis fällt noch tiefer als vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Verknappungsangst ist derzeit nicht vorhanden. Es lohnt ein Blick auf die Gasspeicher.

Gas-Flamme auf Herd

Mit aktuell 84,45 Euro notiert der europäische Gaspreis am Terminmarkt (Dutch TTF-Kontrakt für die Juni-Lieferung) heute nicht nur mit 3,9 Prozent im Minus gegenüber Freitag Abend. Dieses Kursniveau liegt auch tiefer als vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs am 24. Februar. Am 23. Februar endete der Markt mit 87,40 Euro. Es lohnt sich ein Blick auf die Gasspeicher.

Gaspreis fällt – Gasspeicher füllen sich schnell

Jeder Börsenmarkt sendet mit dem Preis immer Signale aus. Und dieses Signal soll wohl sagen: Im Augenblick besteht keine Verknappungsangst beim Thema Gas in Europa. Ist dem wirklich so? In diesem Augenblick (!) jedenfalls ist die Lage wirklich relativ entspannt. Bei unserem letzten Bericht vom Freitag sah man für letzten Mittwoch in Deutschland einen Füllstand der Gasspeicher von 42,77 Prozent – jetzt sind es für den aktuellsten Berichtstag 21. Mai bereits 44,37 Prozent – das besagen Daten von Gas Infrastructure Europe. Alleine am Samstag gab es einen Zuwachs bei den deutschen Gasspeichern von 0,75 Prozentpunkten! Da kann sich der Gaspreis nach unten entspannen. Denn egal wo an der Börse, es gilt das Prinzip: Ist mehr Angebot vorhanden, wirkt das negativ auf die Preise.

Mehrere Gründe helfen bei Entspannung der Lage

Auf der einen Seite sehen wir maximal mögliche Liefermengen bei Flüssiggas aus Übersee Richtung Europa. Gleichzeitig pumpt Russland trotz Krieg und westlichen Sanktionen jede Menge Gas durch seine Pipelines nach Westeuropa. Und auf der anderen Seite haben wir einen recht warmen Mai in Europa – der Verbrauch bei Gas fällt also eher geringer aus. All diese Faktoren sorgen jetzt dafür, dass sich die Gasspeicher schnell füllen können, und der Gaspreis fällt auf dieses relativ tiefe Niveau – wenn man es in Relation zu den Preisen im März setzt.

Zu entspannte Stimmung?

Man könnte fast sagen: Die Lage ist zu ruhig, zu entspannt. Russland hat in den letzten Wochen Polen und Bulgarien den Gashahn ganz abgedreht, und seit vorgestern schickt Gazprom kein Gas mehr durch die Pipelines nach Finnland. Das Land war auf diese Abschaltung gut vorbereitet. Aber solche Nachrichten zeigen, wie labil die Lage doch ist. Jederzeit kann eine weitere Eskalation der geopolitischen Lage rund um den Ukraine-Krieg die Pipeline-Versorgung von Gazprom Richtung Westeuropa gefährden. Der Gaspreis preist dieses Risiko aktuell gar nicht ein. Man sollte sich aber bewusst sein, dass es jederzeit zu plötzlichen Preissprüngen kommen kann – auch durch noch so kleine Äußerungen von russischer oder europäischer Seite.

Chart zeigt Kursverlauf im Gaspreis seit Mitte Februar



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1 Kommentar

  1. Der Ölpreis agiert ja auch desöfteren als Frühindikator. Beim Gaspreis hingegen gibt es diese Funktion offenbar nicht.

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