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Goldpreis mit Flash Crash – so beurteilen 4 Experten die aktuelle Lage

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Der Goldpreis erlebte am Freitag bereits klare Schwäche, nachdem besser als erwartete US-Arbeitsmarktdaten (mehr neue Stellen als erwartet) umgehend am Markt die Angst schürten, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik straffen könnte. Höhere Anleiherenditen würden Gold weniger attraktiv machen – dieses Szenario preisten Anleger binnen Minuten ein, und der Goldpreis fiel am Freitag von 1.800 Dollar auf 1.760 Dollar. Und heute Nacht? Da ging die Post ab.

Goldpreis heute früh mit Flash Crash

Heute kurz nach Mitternacht deutscher Zeit erlebte der Goldmarkt einen Flash Crash, also extrem schnell fallende Kurse mit einer schnell folgenden Erholung. Der Goldpreis fiel von 1.754 Dollar auf unter 1.680 Dollar – um sich dann zügig wieder zu erholen auf aktuell 1.743 Dollar. Markus Fugmann hat diese Bewegung heute früh in seinem Videoausblick kommentiert (hier zu finden). Mitten in der Nacht (und das noch zum Wochenauftakt) sind in allen Märkten die Umsätze sehr gering. Wenn dazu noch wie in diesem Fall eine große Anzahl an Gold-Kontrakten in den Markt gedrückt wird, ist es nachvollziehbar, dass man den Kurs so eindrucksvoll runterprügeln kann. Dass es keine große nachhaltige Verkaufswelle war, erkennt man an der nachfolgenden schnellen Erholung im Goldpreis. Dennoch bleibt der Markt angeschlagen dank der Möglichkeit höherer Zinsen in den USA.

Experten mit aktuellen Kommentaren

Aktuell haben sich mehrere Experten zum heutigen Flash Crash bei Gold geäußert. Naeem Aslam von Avatrade sagt aktuell, dass sich nun die Frage stellt, ob Gold seinen Tiefpunkt erreicht hat. Betrachte man die Preisentwicklung auf dem Tages-Chart, so bestehe kein Zweifel daran, dass der Goldpreis überverkauft sei, und eine kräftige Erholung sei sicherlich zu erwarten. Die für Goldanleger wichtigsten Daten werden laut Naeem Aslam am Mittwoch veröffentlicht, nämlich die Zahlen zum Verbraucherpreisindex in den USA. Er könnte den Goldpreis wieder stärker schwanken lassen. Darüber hinaus werden heute auch einige Mitglieder der Fed sprechen. Ihre Kommentare und ihre Einschätzung der US-Arbeitsmarktdaten könnten einige Anhaltspunkte für die Sitzung im nächsten Monat liefern. Goldhändler werden diese Ereignisse sehr genau beobachten, und es sei sehr wahrscheinlich, dass Schnäppchenjäger diese Gelegenheit nutzen werden, um einige Schnäppchen zu machen.

Ipek Ozkardeskaya

Ipek Ozkardeskaya von Swissquote sagt nach dem Flash Crash bei Gold in ihrem aktuellen Kommentar, dass die Aussicht auf höhere Renditen dem Goldpreis zunehmend Kopfzerbrechen bereite. Die guten US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag seien ein Schlag ins Gesicht von Gold gewesen. In Zukunft würden höhere US-Renditen die Opportunitätskosten für das Halten von unverzinslichem Gold weiter erhöhen, das in letzter Zeit nicht einmal in vollem Umfang von der überschießenden Inflation und den ultraniedrigen US-Renditen profitiert habe. Es habe deutliche Anzeichen dafür gegeben, dass das wahrscheinlichere Szenario ein weiterer Ausverkauf war.

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Und die jüngste Todeskreuzformation auf dem Tages-Chart, bei der der gleitende 50-Tage-Durchschnitt unter den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gerutscht ist, ist laut Ipek Ozkardeskaya ein deutliches Zeichen dafür, dass für den Goldpreis weitere Abwärtsbewegungen in Aussicht stehen. Die Geschwindigkeit, mit der die Anleger ihre Goldbestände nach den US-Arbeitsmarktdaten abgestoßen haben, sei ziemlich beeindruckend. Aber man solle sehen, dass sich eine kurzfristige Unterstützung im Goldpreis in der Nähe des Bereichs von 1680/1700 Dollar herausbildet, wobei diejenigen Anleger, die von dem jüngsten Einbruch noch profitieren würden, eine Long-Position in Gold als Absicherung gegen die Inflation und einen eventuellen Rückgang der Aktienkurse eingehen sollten.

Carsten Fritsch

Carsten Fritsch von der Commerzbank hat vor wenigen Minuten ebenfalls einen Kommentar zu Gold veröffentlicht, der den Zeitraum von Freitag Mittag bis heute Mittag beleuchtet. Der erste Jahrestag des Allzeithochs beim Goldpreis am vergangenen Freitag stand seiner Aussage nach unter keinem guten Stern. Nach der Veröffentlichung der besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten geriet Gold massiv unter Druck. Kostete Gold vor den Daten noch 1.800 US-Dollar, so rutschte der Preis im Anschluss auf 1.760 US-Dollar ab. Damit war der Ausverkauf allerdings noch nicht ausgestanden. Am Morgen stürzte Gold kurz nach Handelseröffnung kurzzeitig sogar unter 1.700 USD ab, den tiefsten Stand seit Ende März. Von diesem Niveau hat sich Gold mittlerweile wieder rund 50 USD erholt.

Die US-Wirtschaft hat im Juli 943.000 neue Stellen geschaffen. Die Arbeitslosenquote fiel auf 5,4 Prozent. Fed-Vize Clarida hatte laut Carsten Fritsch wenige Tage vor der Datenveröffentlichung gesagt, dass die beiden kommenden Arbeitsmarktberichte über den Zeitpunkt entscheiden könnten, wann die Fed mit der Rückführung der Anleihekäufe beginnt. Entsprechend wertete der US-Dollar am Freitag spürbar auf und die Anleiherenditen stiegen ebenfalls merklich. Allerdings war der Rückgang im Goldpreis viel deutlicher als dies mit der Stärke des US-Dollar und dem Renditeanstieg erklärt werden kann. Vermutlich wurde der Preisrückgang durch technisch bedingte Anschlussverkäufe verstärkt, nachdem die Marke von 1.790 US-Dollar unterschritten wurde, die bei Preisrückgängen in den vier Wochen zuvor mehrmals das Tief darstellte. In der Nacht folgte dann der Bruch des Juni-Tiefs von 1.750 US-Dollar.

Und hier der vor wenigen Minuten veröffentlichte Video-Kommentar von Andre Stagge:

Chart zeigt Kursverlauf im Goldpreis seit dem 12. Juli
TradingView Chart zeigt Kursverlauf im Goldpreis seit dem 12. Juli.



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2 Kommentare

  1. Der wahre Grund für den nochmaligen Einbruch des Goldpreises ist, weil das finanzpolitisch so gewollt ist. Hier gilt mehr denn je „whatever it takes“ Für die Aktienmärkte gilt das genaue Gegenteil.

  2. Jetzt kommt das Endspiel, so große Volumen in so einen illquiden Markt zu hämmern kann nur manipulativer Natur sein.

    Am besten nicht einschüchtern lassen von den Regierungen/Eliten wenn man Glück hat geben die Goldhändler die billigen Preise weiter und so kann man billig Gold erwerben :)

    Mal sehen was als nächstes kommt, eine Steuer auf Gold oder eine maximale Begrenzung wieviel Gold ein Bürger besitzen darf würde mich nicht wundern.

    Aufjedenfall ein Zeichen das aktuell massiv Sand im Getriebe der Finanzmärkte ist wenn so gegen Gold geschossen wird.
    Allerdings war es mit Ankündigung die Weltbank hat ja bereits gesagt das Gold ein massives Problem darstellt.

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