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Grexit: Ungezügeltes Gelddrucken würde ein großes Problem mit sich bringen

Von Claudio Kummerfeld

Der Grexit, das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone, das Einführen einer eigenen Währung, ist eines der wahrscheinlichen Szenarien, wie die aktuelle Griechenlandkrise „gelöst werden kann“. Als Folge davon wäre die griechische Notenbank wieder unabhängig und könnte eigene Geldpolitik betreiben, einschließlich des Anschmeißens der Druckerpresse. Ungezügeltes Gelddrucken würde aber ein großes Problem mit sich bringen!

Alexis Tsipras will den Grexit eigentlich nicht
Alexis Tsipras will den Grexit eigentlich nicht.
Foto: Robert Crc – Subversive festival media / Wikipedia (FAL)

Grexit

Ein mögliches Scheitern der Verhandlungen zwischen der Eurogruppe und Griechenland bedeutet nicht automatisch den Grexit, also den Austritt Griechenlands aus dem Euro. Aber er wäre eine zwangsläufige Schlussfolgerung, die letzten Endes von Griechenland selbst ausgehen würde. Denn Athen kann im Euro nicht eigenständig seine Währung abwerten. Man kann seine Banken nicht mit frischen Notkrediten versorgen. Man kann kein Geld drucken, um damit eine verdeckte Staatsfinanzierung vorzunehmen. Dies alles liegt derzeit im Ermessen der EZB in Frankfurt, und nicht bei der griechischen Notenbank. Denn solange der Staat Griechenland Mitglied im Eurosystem ist, ist die griechische Notenbank lediglich ein ausführendes Organ, eine Filiale der EZB, genauso wie die Bundesbank für Deutschland und die Banco des Espana für Spanien.

Bei einem Grexit würde Griechenland eine eigene Währung einführen. Sofort danach wäre die griechische Notenbank in der Lage selbst darüber zu bestimmen, welches Volumen an Notkrediten man an die inländischen Banken vergibt, dann halt in Drachmen (oder wie die neue Währung dann heißt) und nicht mehr in Euro. Wie vertrauenswürdig diese Banken dann gegenüber Investoren und Kunden wären, ist eine andere Frage, wenn alle wüssten, dass die Banken von Drachmen-Notkrediten der griechischen Notenbank leben.

Aber viel entscheidender als eine „eigene“ Notenbank zu haben wäre die automatische Abwertung der Drachme gegenüber Euro, Pfund, Franken, Dollar etc. Der freie Devisenmarkt bewertet ständig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einzelner Länder und Währungsräume gegeneinander + die Seriosität und Verlässlichkeit von Regierungen und Notenbanken dieser Länder. Hinzu kommen natürlich noch harte Fakten wie der Weg der Geldflüsse. Die dann neue griechische Drachme würde, da man die griechische Wirtschaft als deutlich schwächer und weniger konkurrenzfähig betrachtet, gegenüber den großen Währungen sofort nach ihrer Einführung drastisch abwerten, also an Wert verlieren. Schätzungen gehen von 50% oder mehr aus.

Die Folge: Griechische Produkte wären für ausländische Käufer auf einen Schlag deutlich billiger. Urlauber könnten in Griechenland deutlich günstiger Urlaub machen als bisher. Aber andererseits müssten Griechen alle importierten Waren zu deutlich höheren Preisen einkaufen.

Staatsfinanzierung durch die Druckerpresse

Griechenland als Staat würde durch den Grexit und eine von der EZB unabhängige Notenbank einen großen Gestaltungsspielraum zurückerhalten. Ist es vorstellbar, dass Alexis Tsipras seiner neuen griechischen Notenbank die selbe Unabhängigkeit von der Politik gewährt wie es die EU der EZB? Denn nur eine von der Politik unabhängige Notenbank genießt am Kapitalmarkt echtes Vertrauen. Was würde Alexis Tsipras tun? Er würde sich dieses phantastische Instrument nicht entgehen lassen wollen.

Er würde wahrscheinlich nach einem Grexit einen Notenbankchef einsetzen, der im Sinne der Regierung handelt, nämlich die Druckerpresse anschmeißt, Drachmen virtuell druckt und in gigantischem Stil an die griechischen Geschäftsbanken weiterreicht. Diese würden wissen, was damit zu tun ist: griechische Staatsanleihen aufkaufen, und zwar dauerhaft und in ganz großem Stil. So kann sich der Staat quasi selbst finanzieren. Das Geld rieselt wie im Märchenland vom Himmel.

Aber Moment mal… war da nicht was? Stimmt, die EZB hat ja in den letzten Monaten genau diesen Weg gewählt, nämlich der griechischen Notenbank erlaubt 90 Milliarden Euro ELA´s (Notkredite) an die griechischen Geschäftsbanken weiterzureichen. Die kauften davon massenhaft kurzfristige griechische Staatsanleihen (T Bills). Und zuletzt sorgten die ELA´s auch dafür, dass weiterhin Geld aus den Bankautomaten in Griechenland kam. Aber die EZB hat feste Regularien. Notkredite nur gegen Sicherheiten – die sieht die EZB jetzt nicht mehr gegeben und friert den Rahmen ein.

EZB-Rat nach Grexit nicht mehr zuständig für Griechenland
Der EZB-Rat um Mario Draghi. Foto: Europäische Zentralbank

Was sollte eine neue politische Notenbank in Athen daran hindern, nach dem Grexit unbegrenzt Notkredite an die Banken herauszureichen, ohne Auflagen? Wer könnte sie davon abhalten? Niemand!

Primär- und Sekundärmarkt

Die EZB kauft ja bekanntermaßen seit März 2015 pro Monat für 60 Milliarden Euro (Zielsumme) europäische Staatsanleihen auf und überschwemmt damit den Markt. Man könnte argumentieren, dass Griechenland nach einem Grexit genau das selbe machen könnte und sollte. Nur gibt es da wichtige Unterschiede. Die EZB kauft diese Anleihen nur am Sekundärmarkt – das bedeutet die Anleihe muss bereits am Markt frei handelbar sein – es muss also vorher ein echter privater Investor die Anleihe bei der Emission gekauft haben. Dadurch stellt die EZB sicher, dass ein realer Markt für die Anleihe vorhanden war. Das künstliche gedruckte EZB-Geld fließt somit nicht dem Staat zu, sondern dem privaten Anleiheinhaber – der erhält durch den Verkauf an die EZB Liquidität, mit der er wiederum (so die Theorie) in die Realwirtschaft investieren soll (Betonung auf „soll“).

Griechenland würde wohl diesen feinen Unterschied nicht machen. Die Notenbank druckt virtuell die neuen Drachmen, reicht sie an die Geschäftsbanken, die damit direkt bei der Anleihe-Emission der griechischen Regierung (Primärmarkt) kaufen. Denn welcher Anleger, welcher Hedgefonds, welche Versicherung oder Investmentgesellschaft aus dem Ausland würde nach dem Grexit griechische Staatsanleihen in Drachmen direkt bei der Emission kaufen? Wohl kaum jemand. Die Notenbank würde also selbst direkt zum Käufer werden, über den buchhalterischen Zwischenschritt mit den Geschäftsbanken als Aufkäufer. Oder man ist so dreist und kauft als Notenbank gleich selbst im Primärmarkt griechische Staatsanleihen.

Richtige Inflation

Dadurch, dass alle importieren Waren bei einer abgewerteten Drachme drastisch teurer werden, müssen die Löhne im Inland in Drachmen drastisch steigen. Der Staat mit all seinen Angestellten und Rentnern muss auch seine Löhne und Pensionen deshalb ständig erhöhen, und muss in der Folge auch die Geldmenge der neuen Drachmen ständig ausweiten. Was passiert? Inflation, richtige Inflation!

Auch dank der voraussichtlichen Staatsfinanzierung im Drehtüreffekt (Notenbank finanziert Staat) explodiert die Geldmenge. Immer mehr Geld ist im Umlauf, dass aber immer mehr an Wert verliert. Da man für eine Ware immer mehr Drachmen bezahlen muss, müssen Löhne und Renten noch weiter steigen. Die ausländischen Finanzmärkte sehen die Spirale der Hyperinflation kommen und die Drachme wertet immer weiter ab.

Erneuter Kollaps, noch mehr Armut

Letztendlich müssten der griechische Staat und die griechische Notenbank nach dem Grexit eine erneute Währungsreform durchführen. Man müsste dann die „Drachme“ (oder wie die Währung sonst heißen würde) für wertlos erklären und wieder eine ganz neue Währung einführen. Bis dahin hätten aber wieder viele Menschen ihre Drachmen in Euros und Schweizer Franken umgetauscht und im Ausland deponiert. Weitere Fachkräfte würden das Land dauerhaft verlassen, und das Vertrauen der In- und Ausländer in die dann neue Währung wäre nochmals geringer als in die Drachme.

Alexis Tsipras, so er denn nach einem Grexit noch Ministerpräsident in Griechenland ist, würde wohl kaum der Verführungskraft der Druckerpresse wiederstehen können, wie viele andere Staatschefs vor ihm. Da sieht man schon daran, dass er das Einfrieren der EZB-Notkredite (ELA´s) bei 90 Milliarden Euro für Erpressung hält. Nach seinem Verständnis sollten diese Notkredite wohl eine Selbstverständlichkeit sein. Hätte er eine „eigene“ Notenbank, wie würde wohl seine Anweisung an den Notenbankchef lauten? Die Antwort ist wohl klar.

Eine nicht mehr zu stoppende Inflation wäre die Folge der Geldmengenexplosion und des Vertrauensverlusts in Notenbank und Staat. Den Preis dafür bezahlt die noch im Land verbliebene Bevölkerung mit noch mehr Armut.

 



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2 Kommentare

  1. genauso würde es kommen!

    oxi, ein volk wählte seinen untergang …

  2. das ist ein kühner Plan! um an den Schuldenschnitt zu kommen, lässt man sich in den Grexit ohne Vorschläge taumeln. danach kommt es wie es muß zum Schuldenschnitt. behilflich ist dass es ganz Asien zerrissen hat und der Gau nach Europa schwappt wo alle von nix was wissen wollen. hahaha

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