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Grexit: Ungezügeltes Gelddrucken würde ein großes Problem mit sich bringen

Redaktion

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am

Von Claudio Kummerfeld

Der Grexit, das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone, das Einführen einer eigenen Währung, ist eines der wahrscheinlichen Szenarien, wie die aktuelle Griechenlandkrise „gelöst werden kann“. Als Folge davon wäre die griechische Notenbank wieder unabhängig und könnte eigene Geldpolitik betreiben, einschließlich des Anschmeißens der Druckerpresse. Ungezügeltes Gelddrucken würde aber ein großes Problem mit sich bringen!

Alexis Tsipras will den Grexit eigentlich nicht
Alexis Tsipras will den Grexit eigentlich nicht.
Foto: Robert Crc – Subversive festival media / Wikipedia (FAL)

Grexit

Ein mögliches Scheitern der Verhandlungen zwischen der Eurogruppe und Griechenland bedeutet nicht automatisch den Grexit, also den Austritt Griechenlands aus dem Euro. Aber er wäre eine zwangsläufige Schlussfolgerung, die letzten Endes von Griechenland selbst ausgehen würde. Denn Athen kann im Euro nicht eigenständig seine Währung abwerten. Man kann seine Banken nicht mit frischen Notkrediten versorgen. Man kann kein Geld drucken, um damit eine verdeckte Staatsfinanzierung vorzunehmen. Dies alles liegt derzeit im Ermessen der EZB in Frankfurt, und nicht bei der griechischen Notenbank. Denn solange der Staat Griechenland Mitglied im Eurosystem ist, ist die griechische Notenbank lediglich ein ausführendes Organ, eine Filiale der EZB, genauso wie die Bundesbank für Deutschland und die Banco des Espana für Spanien.

Bei einem Grexit würde Griechenland eine eigene Währung einführen. Sofort danach wäre die griechische Notenbank in der Lage selbst darüber zu bestimmen, welches Volumen an Notkrediten man an die inländischen Banken vergibt, dann halt in Drachmen (oder wie die neue Währung dann heißt) und nicht mehr in Euro. Wie vertrauenswürdig diese Banken dann gegenüber Investoren und Kunden wären, ist eine andere Frage, wenn alle wüssten, dass die Banken von Drachmen-Notkrediten der griechischen Notenbank leben.

Aber viel entscheidender als eine „eigene“ Notenbank zu haben wäre die automatische Abwertung der Drachme gegenüber Euro, Pfund, Franken, Dollar etc. Der freie Devisenmarkt bewertet ständig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einzelner Länder und Währungsräume gegeneinander + die Seriosität und Verlässlichkeit von Regierungen und Notenbanken dieser Länder. Hinzu kommen natürlich noch harte Fakten wie der Weg der Geldflüsse. Die dann neue griechische Drachme würde, da man die griechische Wirtschaft als deutlich schwächer und weniger konkurrenzfähig betrachtet, gegenüber den großen Währungen sofort nach ihrer Einführung drastisch abwerten, also an Wert verlieren. Schätzungen gehen von 50% oder mehr aus.

Die Folge: Griechische Produkte wären für ausländische Käufer auf einen Schlag deutlich billiger. Urlauber könnten in Griechenland deutlich günstiger Urlaub machen als bisher. Aber andererseits müssten Griechen alle importierten Waren zu deutlich höheren Preisen einkaufen.

Staatsfinanzierung durch die Druckerpresse

Griechenland als Staat würde durch den Grexit und eine von der EZB unabhängige Notenbank einen großen Gestaltungsspielraum zurückerhalten. Ist es vorstellbar, dass Alexis Tsipras seiner neuen griechischen Notenbank die selbe Unabhängigkeit von der Politik gewährt wie es die EU der EZB? Denn nur eine von der Politik unabhängige Notenbank genießt am Kapitalmarkt echtes Vertrauen. Was würde Alexis Tsipras tun? Er würde sich dieses phantastische Instrument nicht entgehen lassen wollen.

Er würde wahrscheinlich nach einem Grexit einen Notenbankchef einsetzen, der im Sinne der Regierung handelt, nämlich die Druckerpresse anschmeißt, Drachmen virtuell druckt und in gigantischem Stil an die griechischen Geschäftsbanken weiterreicht. Diese würden wissen, was damit zu tun ist: griechische Staatsanleihen aufkaufen, und zwar dauerhaft und in ganz großem Stil. So kann sich der Staat quasi selbst finanzieren. Das Geld rieselt wie im Märchenland vom Himmel.

Aber Moment mal… war da nicht was? Stimmt, die EZB hat ja in den letzten Monaten genau diesen Weg gewählt, nämlich der griechischen Notenbank erlaubt 90 Milliarden Euro ELA´s (Notkredite) an die griechischen Geschäftsbanken weiterzureichen. Die kauften davon massenhaft kurzfristige griechische Staatsanleihen (T Bills). Und zuletzt sorgten die ELA´s auch dafür, dass weiterhin Geld aus den Bankautomaten in Griechenland kam. Aber die EZB hat feste Regularien. Notkredite nur gegen Sicherheiten – die sieht die EZB jetzt nicht mehr gegeben und friert den Rahmen ein.

EZB-Rat nach Grexit nicht mehr zuständig für Griechenland
Der EZB-Rat um Mario Draghi. Foto: Europäische Zentralbank

Was sollte eine neue politische Notenbank in Athen daran hindern, nach dem Grexit unbegrenzt Notkredite an die Banken herauszureichen, ohne Auflagen? Wer könnte sie davon abhalten? Niemand!

Primär- und Sekundärmarkt

Die EZB kauft ja bekanntermaßen seit März 2015 pro Monat für 60 Milliarden Euro (Zielsumme) europäische Staatsanleihen auf und überschwemmt damit den Markt. Man könnte argumentieren, dass Griechenland nach einem Grexit genau das selbe machen könnte und sollte. Nur gibt es da wichtige Unterschiede. Die EZB kauft diese Anleihen nur am Sekundärmarkt – das bedeutet die Anleihe muss bereits am Markt frei handelbar sein – es muss also vorher ein echter privater Investor die Anleihe bei der Emission gekauft haben. Dadurch stellt die EZB sicher, dass ein realer Markt für die Anleihe vorhanden war. Das künstliche gedruckte EZB-Geld fließt somit nicht dem Staat zu, sondern dem privaten Anleiheinhaber – der erhält durch den Verkauf an die EZB Liquidität, mit der er wiederum (so die Theorie) in die Realwirtschaft investieren soll (Betonung auf „soll“).

Griechenland würde wohl diesen feinen Unterschied nicht machen. Die Notenbank druckt virtuell die neuen Drachmen, reicht sie an die Geschäftsbanken, die damit direkt bei der Anleihe-Emission der griechischen Regierung (Primärmarkt) kaufen. Denn welcher Anleger, welcher Hedgefonds, welche Versicherung oder Investmentgesellschaft aus dem Ausland würde nach dem Grexit griechische Staatsanleihen in Drachmen direkt bei der Emission kaufen? Wohl kaum jemand. Die Notenbank würde also selbst direkt zum Käufer werden, über den buchhalterischen Zwischenschritt mit den Geschäftsbanken als Aufkäufer. Oder man ist so dreist und kauft als Notenbank gleich selbst im Primärmarkt griechische Staatsanleihen.

Richtige Inflation

Dadurch, dass alle importieren Waren bei einer abgewerteten Drachme drastisch teurer werden, müssen die Löhne im Inland in Drachmen drastisch steigen. Der Staat mit all seinen Angestellten und Rentnern muss auch seine Löhne und Pensionen deshalb ständig erhöhen, und muss in der Folge auch die Geldmenge der neuen Drachmen ständig ausweiten. Was passiert? Inflation, richtige Inflation!

Auch dank der voraussichtlichen Staatsfinanzierung im Drehtüreffekt (Notenbank finanziert Staat) explodiert die Geldmenge. Immer mehr Geld ist im Umlauf, dass aber immer mehr an Wert verliert. Da man für eine Ware immer mehr Drachmen bezahlen muss, müssen Löhne und Renten noch weiter steigen. Die ausländischen Finanzmärkte sehen die Spirale der Hyperinflation kommen und die Drachme wertet immer weiter ab.

Erneuter Kollaps, noch mehr Armut

Letztendlich müssten der griechische Staat und die griechische Notenbank nach dem Grexit eine erneute Währungsreform durchführen. Man müsste dann die „Drachme“ (oder wie die Währung sonst heißen würde) für wertlos erklären und wieder eine ganz neue Währung einführen. Bis dahin hätten aber wieder viele Menschen ihre Drachmen in Euros und Schweizer Franken umgetauscht und im Ausland deponiert. Weitere Fachkräfte würden das Land dauerhaft verlassen, und das Vertrauen der In- und Ausländer in die dann neue Währung wäre nochmals geringer als in die Drachme.

Alexis Tsipras, so er denn nach einem Grexit noch Ministerpräsident in Griechenland ist, würde wohl kaum der Verführungskraft der Druckerpresse wiederstehen können, wie viele andere Staatschefs vor ihm. Da sieht man schon daran, dass er das Einfrieren der EZB-Notkredite (ELA´s) bei 90 Milliarden Euro für Erpressung hält. Nach seinem Verständnis sollten diese Notkredite wohl eine Selbstverständlichkeit sein. Hätte er eine „eigene“ Notenbank, wie würde wohl seine Anweisung an den Notenbankchef lauten? Die Antwort ist wohl klar.

Eine nicht mehr zu stoppende Inflation wäre die Folge der Geldmengenexplosion und des Vertrauensverlusts in Notenbank und Staat. Den Preis dafür bezahlt die noch im Land verbliebene Bevölkerung mit noch mehr Armut.

 

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    bigben

    8. Juli 2015 12:11 at 12:11

    genauso würde es kommen!

    oxi, ein volk wählte seinen untergang …

  2. Avatar

    reiner tiroch

    8. Juli 2015 15:50 at 15:50

    das ist ein kühner Plan! um an den Schuldenschnitt zu kommen, lässt man sich in den Grexit ohne Vorschläge taumeln. danach kommt es wie es muß zum Schuldenschnitt. behilflich ist dass es ganz Asien zerrissen hat und der Gau nach Europa schwappt wo alle von nix was wissen wollen. hahaha

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Atemmasken: Deutschland produziert sie ab Mitte 2021

Wolfgang Müller

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Es klingt ein bisschen wie ein Scherz, dass man jetzt den ersten Förderbescheid für die Produktion von Atemmasken seitens der Regierung erteilt hat, eine Allzweckwaffe für die Eindämmung von Covid-19. Im Frühjahr hatte man schmerzlich die Abhängigkeit von China in Sachen medizinischer Schutzausrüstung erkennen müssen. Der kleine Schönheitsfehler dabei: Die Produktion von Atemmasken beginnt erst im Sommer des neuen Jahres.

Der unvorhergesehene Mangel bei Atemmasken

Es war im Frühjahr ein kleiner Schock für das Hochtechnologieland Deutschland: Wir haben hierzulande zwar einen der Weltmarktführer für Beatmungsgeräte (Drägerwerk in Lübeck – Nummer drei für Intensivstationen, Nummer eins für mobile Geräte), aber bei Atemmasken war man in großem Maße abhängig von China. Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 sorgte rasch für Ausfuhrverbote medizinischer Schutzausrüstungen und der Bundesregierung wurde klar, dass man handeln musste. Es wurde im Frühjahr ein Förderprogramm für alle Arten von Schutzmasken aufgelegt – und jetzt wurde der erste Förderbescheid an ein deutsches Unternehmen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier übergeben. Vorher wurden notfallmäßig Mund-Nasen-Schutzmasken produziert. Unglaublich, wer sich dabei alles an der Produktion beteiligt hat.

Die erste Firma ist Skylotec aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied, ein Unternehmen, welches vorher hauptsächlich Absturzsicherungen für Kletterer in der Industrie und im Freizeitbereich hergestellt hat.

Der Bund gab 3,2 Millionen Euro an Fördermitteln, zur Produktion von einer halben Milliarde Masken, ab Sommer diesen Jahres. Anschließend sollen auch die effektiveren FFP2- Masken hergestellt werden, 54 Millionen Stück. Skylotec bekommt damit ein Drittel der Investitionssumme vom Staat. Insgesamt liegen dem Wirtschaftsministerium 270 Anträge für eine staatliche Unterstützung in dieser Produktion vor. Wirtschaftsminister Peter Altmaier weiß natürlich, dass es kritische Fragen geben wird, warum es so lange dauert, bis ein so einfaches Produkt in die Massenfertigung geht. Seine Antwort:

„Man kann solche Programme nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis wir alle, die geimpft werden wollen, auch impfen können.“ Die Atemmasken würden in jedem Fall gebraucht werden. „Ob Corona oder nicht, es wird auch künftig Pandemien geben“, so der Minister.

Aber anscheinend hätte die Firma auch ohne Fördergelder mit der Investition begonnen, so der Geschäftsführer von Skylotec, Kai Rinklake.

Ob man im Spätherbst wirklich gleich noch Millionen an Atemmasken (zusätzlich) benötigen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit

Inmitten der Euphorie um die Impfstoffzulassungen, bereits mit ganz konkreten Zahlen – in Hamburg plant man anfangs mit 7000 Impfungen pro Tag, in Berlin mit 5000 -, kommt die Meldung über die ersten Subventionsbescheide der Regierung in Sachen Atemmasken. Irgendwie ein grotesker Widerspuch: Eine Impfstoffentwicklung in noch nie gesehener Geschwindigkeit und die planerische Vorbereitung eines „Hightech-Produktes“ mit Produktionsbeginn in ein paar Quartalen. Ein Gutes hat die Sache: Laut dem Countrymeter liegt die Weltbevölkerung aktuell bereits bei über 7,85 Milliarden Menschen, der Zuwachs 2020 beträgt schon fast 89 Millionen neue Erdenbürger. Da ist es nicht verkehrt, sich prophylaktisch mit Infektionsschutzgerät auszurüsten: nach dem Virus ist vor dem Virus.

Deutschland produziert Atemmasken ab Sommer 2021

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Autoindustrie: Alles Euphorie oder was? Nur Tesla boomt!

Claudio Kummerfeld

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am

Autos auf Parkplatz

Tesla boomt, aber so richtig! Aber dazu später mehr in diesem Artikel. Haben wir uns geirrt? Was ist hier los? Nein, schauen wir genauer hin. Gestern berichteten wir über die Meldung des ifo-Instituts zu den Geschäftsaussichten (!) der Autoindustrie für die nächsten Monate. Und die haben sich übelst verschlechtert dank dem zweiten Corona-Lockdown. Sie werden von ifo in einem Punkte-Index gemessen. Die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sanken demnach dramatisch von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November (hier die Details).

Verband der Autoindustrie erwähnt bei Inlandsproduktion erstes Plus in diesem Jahr

Aber die stark verfinsterten Aussichten der Autoindustrie sind ja etwas anderes als der derzeitige Zustand der Branche. Und geht man danach, dann ist die Laune gerade heute am 3. Dezember ziemlich gut. Da wäre zunächst der Automobilverband VDA mit seiner ganz frischen Meldung zu nennen. Die deutsche Autoindustrie hat im November zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Im abgelaufenen Monat liefen – unterstützt durch einen zusätzlichen Arbeitstag – 7 Prozent mehr Pkw in Deutschland vom Band (449.900 Einheiten). Damit wurde erstmals in diesem Jahr das Produktionsniveau eines Vorjahresmonats übertroffen. Zwar erwartet der VDA für das Gesamtjahr 2020 ein Volumen von rund 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das sei ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber für den Pkw-Inlandsmarkt erwartet man im kommenden Jahr ein Wachstum von 9 Prozent auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit sei das Vor-Krisenniveau allerdings noch in weiter Ferne.

Analysten mit aktuellem Kommentar

Die Analysten der Commerzbank sehen in ihrem aktuellen Kommentar die Lage für die Autoindustrie recht optimistisch. Die deutsche Automobilindustrie habe den Einbruch aus dem Frühjahr wettgemacht. Im November wurden in Deutschland zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass zumindest die Industrie bisher durch die gestiegenen Infektionszahlen und die neuerlichen Corona-Einschränkungen nicht spürbar beeinträchtigt wurde, so der Analyst Dr. Ralph Solveen. Er erwähnt, dass auf Basis einer Saisonbereinigung fast 19 Prozent mehr Autos produziert worden seien als im Oktober. Damit seien die saisonbereinigten Produktionszahlen sogar etwas höher ausgefallen als im Durchschnitt des Jahres 2019, also vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Weiter sagt er, hier auszugsweise im Wortlaut: Zunächst einmal zeigen die heutigen Zahlen aber einmal mehr, dass die Industrie von den deutlich gestiegenen Infektionszahlen und den neuerlichen von der Politik verhängten Corona-Einschränkungen kaum beeinträchtigt wird.

Autozulassungen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat heute Mittag Daten für die Autozulassungen im November veröffentlicht. Die zeigen einen guten Ist-Zustand für die Autoindustrie. Im November wurden in Deutschland 290.150 Neuwagen zum Straßenverkehr zugelassen. Damit liegt man 3,0 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Anzahl privater Zulassungen nahm um +22,8 Prozent zu, ihr Anteil betrug 39,4 Prozent. Die gewerblichen Zulassungen gingen um -14,7 Prozent zurück. Die Autozulassungen bei Tesla explodieren mit +500 Prozent! Hier weitere Details des KBA, auszugsweise im Wortlaut:

Die deutschen Marken Opel (+17,1 %), Audi (+3,1 %) und Mercedes (+0,5 %) erzielten Zulassungssteigerungen. Bei den weiteren deutschen Marken zeigten sich Rückgänge, die bei Smart (-49,2 %), VW (-18,4 %) und Ford (-15,8 %) zweistellig ausfielen. Mit 17,6 Prozent erreichte VW erneut den größten Neuzulassungsanteil.

Bei den Importmarken fiel die Neuzulassungsbilanz im November überwiegend positiv aus. Zweistellige Zuwächse von mehr als 30 Prozent zeigten sich bei Tesla (+500,0 %), Fiat (+42,7 %) und Toyota (+33,1 %). Um mehr als 20 Prozent waren die Zulassungen bei Renault (+29,2 %) und Citroen (+28,6 %) gestiegen. Ein Zulassungsminus von mehr als 20 Prozent zeigte sich hingegen bei Ssangyong (-48,0 %), Jaguar (-34,8 %), Mitsubishi (-27,0 %), Alfa Romeo (-21,9 %) und Seat (-21,6 %). Den größten Neuzulassungsanteil verzeichnete hier Skoda mit 5,9 Prozent.

Neuzulassungen mit alternativen Antrieben erfuhren im November eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vergleichsmonat. Mit 28.965 Elektrofahrzeugen legte diese Antriebsart um +522,8 Prozent zu. 71.904 Hybridfahrzeuge bescherten ein Plus von +177,2 Prozent, darunter 30.621 Plug-in-Hybride, die einen Zuwachs von +383,4 Prozent erreichten. Flüssig- und Erdgasfahrzeuge erzielten zusammen ein Plus von +51,9 Prozent wobei der Anteil 0,5 Prozent betrug. Den größten Anteil bildeten dennoch mit 40,4 Prozent die Benziner, deren Neuzulassungsvolumen gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um -32,3 Prozent zurückging, gefolgt von den Diesel-Pkw, deren Anteil nach einem Minus von -25,2 Prozent 24,3 Prozent betrug.

Die folgende Grafik zeigt vor allem ganz rechts mit den roten Balken, wie alle Hersteller bei den Neuzulassungen (teils dramatisch) verlieren im Vergleich Januar-November 2020 zu Januar-November 2019. Nur Tesla boomt mit +37,2 Prozent!

Heute Statistik zeigt im Zulassungsrückgänge für die Autoindustrie

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Finanzaufseher reaktivieren den „legalen Bilanzbetrug“ bei Banken

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Vom legalen Bilanzbetrug bei den Banken sprach schon vor Monaten Markus Krall. Ja und auch Nein, kann man dazu sagen. Wenn der Staat durch neue Gesetze oder Verordnungen eine Änderung vornimmt, wird eben aus einer Straftat oder einem Vergehen eine legale Vorgehensweise – so kann man es auch sehen. Werden Kreditforderungen bei Banken uneinbringbar, und der Kreditnehmer zahlt monatlich Tilgung und Zins nicht mehr, müssen die Banken die Forderung unter normalen Umständen eigentlich abschreiben.

Damit entsteht ein Verlust, der aus dem Eigenkapital der Bank ausgeglichen werden muss. Da die Finanzaufseher von BaFin und EBA (europäische Aufsichtsbehörde) aber richtigerweise annahmen, dass die Coronakrise massenweise Kreditausfälle und somit gigantische Verluste bei den Banken bescheren könnte, entschloss man sich im April dazu, den Banken europaweit eine kleine und unauffällige, aber extrem wichtige Erleichterung zuzugestehen. Sie waren von April bis Ende September nicht verpflichtet, bei gestundeten Krediten Abschreibungen vorzunehmen beziehungsweise Rückstellungen zu bilden.

Oder um es klarer auszudrücken: Schrottkredite mussten nicht länger als Verlust verbucht werden, womit die Bankbilanzen keine milliardenschweren Verluste ausweisen mussten. Und das, obwohl die Kreditforderungen in den Büchern Schrott waren. In welchem Umfang dies der Fall ist und war, wissen wir nicht. Denn wenn die Banken in ihren Büchern wertlose Forderungen weiter als werthaltig deklarieren, wie soll ein externer Beobachter dann wissen können, wie groß der Umfang des Schrotts ist?

„Legaler Bilanzbetrug“ bei Banken wieder erlaubt

Und nun lief diese Sonderregel bis Ende September. Von da an mussten auch diese wackligen Forderungen wieder wie früher sauber verbucht werden. Aber nun läuft ja die zweite Corona-Welle durch Europa. Viele neue Insolvenzen und damit ausgefallene Kredite drohen. Und was sehen wir da? Zack, EBA und BaFin veröffentlichten gestern die „Reaktivierung der Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“. Dass es im Kern darum geht, dass Banken Schrott erneut nicht mehr als Schrott deklarieren müssen und daher auch keine Verluste ausweisen müssen, das wird so nicht direkt erwähnt. Man verweist nur auf die Reaktivierung einer alten Leitlinie (aber dort kann man es bei genauem Hinschauen nachlesen).

Zitat EBA aus April:

The aim of these Guidelines is to clarify the requirements for public and private moratoria, which if fulfilled, will help avoid the classification of exposures under the definition of forbearance or as defaulted under distressed restructuring.

Zitat BaFin im März:

So ist beispielsweise ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden.

Das Gute an dem Zeitpunkt könnte auch sein, dass sie über den Jahreswechsel (Stichtag 31.12.) gültig sind. Könnten Banken so die Chance haben, für das Gesamtjahr 2020 massenweise Schrottkredite als vollwertige Forderung im Jahresabschluss auszuweisen, womit gigantische Verluste vermieden werden können, obwohl sie real vorhanden sind? Denn die von nun an erfolgte Reaktivierung bedeutet, dass die Banken bis März 2021 wieder so tun können, als würden Schrottkredite vollwertige Forderungen in ihren Büchern darstellen. Ohne diese Reaktivierung müssen Banken automatisch damit beginnen Rückstellungen zu bilden für ausgefallene Kredite, bei denen die Kunden mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Verzug sind. Laut EBA können auch Kredite, die bislang nicht in den Genuss dieser „Erleichterungen“ kamen, nun auch von Zahlungsaufschüben profitieren.

Die BaFin erwähnt dazu, dass problematische Kredite auch weiterhin als solche in den Büchern ausgewiesen werden sollen. Aber hey, wenn ich Problemkredite als saubere Kredite deklarieren darf, dann nutze ich diese Gelegenheit doch? Zitat BaFin:

Die Reaktivierung werde sicherstellen, dass Darlehen, die bisher nicht in Zahlungsmoratorien einbezogen waren, nun auch einbezogen werden können. Die EBA will erreichen, dass die Institute weiter Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Problematische Engagements sollen sie aber sauber in ihren Bilanzen abbilden. Daher darf eine neue Zahlungsentlastung – einschließlich ggf. bereits schon gewährter Zahlungsentlastungen – nur innerhalb von insgesamt neun Monaten fällige Zahlungen betreffen.

Die EBA erlaubt den Banken neue Zahlungsziele ohne genaue Prüfung jeden Kredits zu akzeptieren. Die neue Regelung soll wie gesagt bis Ende März 2021 gelten. Wohl um so zu tun, als würde man die Zügel diesmal enger anziehen und die Lage genau im Griff haben, führt man zwei verschärfende Beschränkungen ein, die aber auch für bereits bestehende Moratorien schon gelten.

So sollen die Banken ihrer jeweiligen Aufsichtsbehörde (in Deutschland der BaFin) Pläne vorlegen, aus denen hervorgehen soll, wie man sicherstellen will, dass man rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit eines Kreditkunden in Bezug auf die dem Moratorium unterliegenden Kredite bemerkt. Klingt doch ziemlich nach Erstellung von ein paar schönen Seiten Papier, die abgeheftet werden. Wir denken uns einen Notfallplan aus, reichen den beim Amt ein, und hoffen das Beste. Die Aufsichtsbehörde hofft auch das beste, und ist froh, dass wie vorgeschrieben ein „Plan“ eingereicht wurde?

Und noch was. Wenn im Rahmen eines allgemeinen Zahlungsmoratoriums durch Banken neue Zahlungsziele vereinbart werden, dann dürfen sie nicht länger als neun Monate dauern. Damit wird die Dauer eines Moratoriums gegenüber einem Kreditnehmer ab 30. September insgesamt gekappt. Dabei sollen auch die vor dem 30. September bestehenden Moratorien mit einbezogen werden. Auch für sie gelten die neuen Regeln, selbst wenn dann die Spanne von neun Monaten überschritten werden sollte.

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